Nachdem ich mir das vergangene halbe Jahr Gedanken machte, ob ich nun zur Börse nach Frankfurt oder mal nach Kloten fahren würde, habe ich mich mal für das Unbekannte entschieden und auf den Weg nach Kloten gemacht.
Nun mag der eine oder andere sagen: „ Du kannst doch wohl Kloten nicht mit Frankfurt vergleichen!“, was wohl auch in manchem (noch!) richtig ist, aber dazu später.
Für mich war es eine rein persönliche Entscheidung, mal wieder was neues zu testen und dem Chaos in Frankfurt zu entfliehen.
Um 4.30 Uhr morgens in Dachau / München losgefahren, war ich dann nach gut 3 Stunden und diversen Toilettenpausen in Kloten an der Schwimmhalle, in deren Räumlichkeiten die Börse stattfinden sollte, angekommen. Hin zu finden war sehr einfach, da alles sehr gut ausgeschildert war. Durch die Nähe zum Flugplatz dürften auch Fluggäste keine großen Probleme vorfinden (Vermutung!). Auch die große Anzahl der Parkplätze vor der Schwimmhalle war einfach ideal.
Um halb 8 Uhr war dann auch noch nicht so viel los und so hatte ich schnell den Verantwortlichen, Thomas Maag, ausfindig gemacht, der mich schweizerisch unkompliziert mit einem „ah, du bist der Rudi! Servus! Der Bernhard hat mich schon vorgewarnt!

“ begrüßte und mir meinen Tisch zeigte.
Und jetzt schon mal der erste Hammer: ein Tisch von guter Größe, von beiden Seiten zugänglich und mit einem Stuhl (unglaublich!) dahinter. Die Gänge zwischen den Tischreihen waren großzügig bemessen, so dass man sich ungestört und rasch bewegen konnte, ohne andere Entomologen beim fachsimpeln und einkaufen zu stören.
Nachdem ich dann meine Objekte der Begierde auf meinem Quadratmeter platziert hatte, war der Saal schon gut gefüllt. So gut wie alle Aussteller waren schon anwesend und ich machte mich auf die Suche, nach den mir bekannten schweizerischen Züchtern. Uwe Kauz mit Sohn Roman, Rolf Schafroth und Marc de Roche und so manch anderen traf ich sofort. Und wieder andere fanden den Weg zu mir (Gruezi Bernhard).
Und bis ich mich versah, war ich mitten im Börsenrummel, denn pünklich um 9.00 Uhr gings los.
Das „Geschäft“ ging gut, die Leute waren nett, entspannt und brachten genügend Geduld mit, auch mal in Ruhe abzuwarten, bis man für sie Zeit hatte.
Wie im Fluge verging dann die Zeit und so ab 12.00 Uhr war dann der große Publikumswechsel. Die Sammler und Züchter hatten was sie wollten gekauft oder eingetauscht. Nun war Zeit zum Erfahrungsaustausch und für die Familien und vielen „Laien“, die jetzt den Weg in die Halle suchten. Unglaublich, wie viele Kinder und Jugendliche in den darauffolgenden drei Stunden den Weg an meinen Tisch fanden. Die Gespräche und Situationen die sich hierbei mit Kindern und auch Erwachsenen ergaben, möchte ich nicht missen. Ein solches Interesse der Gesellschaft an der Entomologie würde ich mir für Deutschland wünschen; selbst das Regionalfernsehen war anwesend.
Anscheinend ist es in der Schweiz leichter, Verständnis und Begeisterung für die Arbeit mit Insekten aufzubringen, als in Deutschland, wo man schon als „Mörder oder Kleinkrimineller“ abgestempelt wird, wenn man zugibt, einen Schmetterling getötet und präpariert zu haben.
Nun gut.
Hier in Kloten war es anders und das war für mich eine neue und schöne Erfahrung.
Nachdem die nächsten 3 1/2 Stunden wieder wie im Fluge vergingen, war es Zeit, alles abzubauen. Und selbst danach, gab es noch dieses und jenes Palaver, so dass ich erst um 17.00 Uhr den Ort des Geschehens verlies.
Mit ein bisschen Stau um Zürich herum, war ich dann um 21.00 Uhr richtig müde, aber hoch zufrieden wieder in Dachau.
Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass sich die Reise nach Kloten wirklich gelohnt hat. Vor allem wegen der Leute, die ich dort wieder oder neu getroffen habe. Aber auch monetär hat es sich soweit gelohnt, dass alle Ausgaben mehr als nur wieder herein kamen.
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Des weiteren habe ich eine Insektenbörse vorgefunden, die meine Erwartungen weit übertroffen hatte. Alles war bestens organisiert (großes Lob an Thomas Maag), eine ideale Örtlichkeit wurde gewählt und das Publikum hätte hier kaum besser und interessanter sein können.
Zudem habe ich bisher auf keiner anderen Börse so viele lebende Tiere, sowohl Lepidoptera, als auch Käfer, Schrecken und Spinnen gesehen, wie hier. Sicher ist niemals für alle und jeden etwas mit dabei, aber die Fülle der lebenden Tiere war schon beeindruckend.
Auffallend war nur, dass, soweit ich das beurteilen konnte, ausschließlich Schweizer und zwei Deutsche Aussteller (mich eingerechnet) anwesend waren. Leider aber keine weiteren außerschweizerischen Kollegen den Weg nach Kloten auf sich genommen hatten.
Wenn es denn diese Börse in Zukunft schafft, auch internationales Publikum anzuziehen, was aufgrund der idealen Infrastruktur eigentlich kein Problem darstellen sollte, wäre Kloten in Zukunft mehr als nur eine Reise wert. Es wäre eher ein Muss, diese Börse zu besuchen, vorausgesetzt der hohe Standart den sich die Organisatoren gesetzt haben, wird beibehalten.
Nur einen einzigen kleinen Wunsch hätte ich noch vorzubringen: veranstaltet einen Züchterabend vor der Börse, so wie ihn die Weidener Entomologen anbieten. Nicht´s ist schöner, als sich bei einem gepflegten Bier oder Glas Wein über die entsprechenden Themen auszulassen. Und da Entomologen in der Regel auch nicht zu anspruchsvoll sind, sollte ein solcher Abend auch nicht zu schwer zu organisieren sein.
Noch mal einen Großen Dank an die Schweizer Entomologen und ein herzliches „Gruezi“.
Rudi