Ja, mei,
lieber Marc,
hast du noch nie ein zischendes Tagpfauenauge gehört? Wir müssen wohl alle unsere Sinne weiter öffnen und einsetzen um die Errungenschaften der Natur besser wahrnehmen zu können. Ein Hörrohr mit eingebautem Superverstärker steht deshalb ganz oben auf meinem Wunschzettel ans Christkind.
Auch Österreichs führende und mit großem Abstand (lt. eigener Aussage) auflagenstärkste Tageszeitung liefert so ihre Ergüsse zum Thema Schmetterling. So hieß es vor wenigen Tagen z. B., als auch dort das Tagpfauenauge als Schmetterling des Jahres vorgestellt wurde, dass die Tagpfauenaugen aus ihren Kokons schlüpfen.
Und die selbe Zeitung ließ ihre Leser vor einiger Zeit wissen, dass eine ganze Reihe vonTieren als Folge des Klimawandels eine Arealausbreitung auch nach Mitteleuropa vorgenommen habe. Dazu gehört, lt. Zeitungsbericht auch der Japanische Eichenseidenspinner Antheraea yamamai, der sich auf Grund der allgemeinen Erwärmung Richtung Österreich auf den Weg gemacht hat und sich hier ganz wohl fühlt. Mein daraufhin geschriebener Leserbrief, der darauf hinwies, dass diese Art ursprünglich zum Zwecke der Seidengewinnung aus ihrer ursprünglichen Heimat exportiert wurde und inzwischen in verschiedenen Teilen Europas, darunter auch in Österreich verwildert ist und sich etabliert hat, mit dem Klimawandel also herzlich wenig zu tun hat, wurde selbstverständlich ignoriert und missachtet. Auch das Österreichische Fernsehen brachte kürzlich die selbe Weisheit unters Sehervolk.
Naja, es gibt eben doch eine Menge Journalisten und Redakteure, die in der Entomologie viel besser bewandert sind, als wir armen Laien.
Kann es vielleicht doch so sein, dass sich nicht die Redakteure an die Entomologen zwecks Beratung bei spezifischen Themen wenden sollten, sondern umgekehrt, wir Entomologen die Redakteure fragen sollten, was Sache ist?
Wir sollten es beachten und vielleicht doch umdenken.
Beste Grüße
Heinz