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soil74

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First Name: Sven

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1

Wednesday, November 11th 2009, 11:51pm

Fliegenrätsel

Hallo alle,
Mitte September fand ich diese merkwürdige Grabstätte. Es handelt sich um Fliegen vermutlich derselben Art, die alle offenbar an derselben Stelle verendet sind. Sie sehen aus wie pilzbefallen.
Was hat es hiermit auf sich? Kann jemand erklären, was hier passiert ist? Es handelt sich um die einzige Ansammlung dieser Art, die ich in näherer Umgebung finden konnte: Rand eines abgeernteten Ackers, in der Nähe ein Waldrand. Südthüringen.


Merlin

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First Name: Holger

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2

Thursday, November 12th 2009, 11:19am

Na, dass Fliegen so ganz plötzlich an einem Pilz verstorben sein könnten, halte ich für unwahrscheinlich. Kann es nicht eher sein, dass eine sehr geschickte Spinne dort wohnte und die Fliegen später erst von Pilzen befallen wurden ?

Schönen Gruß
Merlin

EBM

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First Name: Erwin

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3

Thursday, November 12th 2009, 1:31pm

Ich
glaube schon, dass diese Fliegen von entomophagen Pilzen befallen sind/waren. Es
ist typisch, dass solche Fliegen vor ihrem Tode Spitzen von Pflanzentrieben
erklettern und nach dem Sterben eine unnatürliche Haltung zeigen. Einige der
abgebildeten Fliegen zeigen ein aufgedunsenes Abdomen mit typischen, unnatürlich vergrößerten, hell schimmernden „Ringen“
zwischen den Abdominalsegmenten.



Erwin

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First Name: Heiner

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4

Thursday, November 12th 2009, 2:43pm

Hallo zusammen
Ich habe solch Fliegen auch schon sehr oft an Spitzen von
versch. Pflanzen und Gräsern gesehen.
Aber immer nur Einzelne.

Gruß Heiner


Sphingidae :falter:

EBM

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First Name: Erwin

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5

Thursday, November 12th 2009, 4:16pm

Doch, ich habe auch ganze tote Fliegengruppen
an Triebspitzen gefunden…

Pilzfäden („Hyphen“) wachsen in das
nervale System (inkl. Gehirn), verändern dadurch das Verhalten der Fliegen (und
anderer Arthropoden), und stimulieren das Insekt, auf die Spitze von
Pflanzentrieben zu klettern. Dies wird im Englischen als „summit disease“
bezeichnet. Dadurch werden die Pilzsporen dem Wind mehr ausgesetzt und
verbreiten sich leichter. Eine einzige Pilzspore, die auf eine Fliege trifft,
genügt die „Krankheit“ ausbrechen zu lassen. Die Spore benutzt chitinlösende Enzyme,
die bewirken, dass sie durch das Außenskelett durchbrechen und ins
Insekteninnere gelangen kann.

Solche Pilze werde übrigens auch
schon in der Schädlingsbekämpfung eingesetzt…
In Madagaskar und in Ostasien habe ich in den Regenwäldern regelmäßig Insekten gesehen, die durch Pilzbefall gestorben waren. Oft wuchsen interessant aussehende kleine Sporenträger aus ihnen heraus...

Erwin

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First Name: Heiner

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6

Thursday, November 12th 2009, 4:31pm

Hallo Erwin
Super erklärt und beschrieben. :applaus:
Wieder was dazugelehrnt. :daumenja:

Gruß Heiner

Sphingidae :falter:

soil74

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7

Thursday, November 12th 2009, 5:07pm

Vielen Dank! Ganz schön perfide. Aber wer so vermehrungsfreudig und resistent ist wie eine Fliege, der muß wohl auch mit sehr potenten Feinden rechnen
Aber das erklärt ja eigentlich noch nicht diese Ansammlung. Hat jemand eine Idee? Vielleicht werden von den befallen Fliegen Pheromone freigesetzt, die andere Fliegen anlocken? Oder waren primär die Fliegen da zusammen (aus welchem Grund auch immer, z.B. Kot am Fuß der Brennenssel) und es ereilte sie dann alle dasselbe Schicksal?

fladda

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8

Thursday, November 12th 2009, 9:29pm

und nochmal ich

Hallo Sven,

wie sah denn die Umgebung aus, nach den Brennesseln zu urteilen, ist der Fund an einem Acker, Gemüseacker? Biologische Schädlingsbekämfung mit genau der Hilfe solcher Pilze könnte ich mir da sehr gut vorstellen.

Viele liebe Grüße

Franz

Thoth66

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9

Sunday, November 15th 2009, 3:52pm

Cordyceps sinensis

Hallo zusammen,

zu dem Thema agressive Pilze ein kurzer Exkurs nach Tibet.
Dort wird seit mehr als 1000 Jahren ein Pilz als Medizin gesammelt der wurzelbohrende Raupen der
Gattung Thitarodes, verwandt mit unserem Hopfenwurzelbohrer, befällt.

Er wächst in der Raupe und greift bis kurz vor der Verpuppung keine wichtigen Organe an.
Im Endstadium bewirkt er eine Verhaltensänderung der Raupe.
Anstatt sich sehr tief einzugraben und sich auf den strengen tibetanischen Winter vorzubreiten
arbeitet sich die Raupe nach oben bis einige Zentimeter unter die Oberfläche.
Hier stirbt sie aufrecht ab. In der nächsten Vegetationsperiode wächst aus dem Kopf der toten Raupe ein
Sporenkörper nach oben und durchbricht die Oberfläche.

Genauere Forschungen stehen noch aus da das Mycel des sehr heilkräftigen Cordyceps mittlerweile in den Labors
der Pharmakonzerne auf Substrat gezogen und verwertet wird.


Gruß
Ralf

EBM

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10

Sunday, November 15th 2009, 4:05pm

Über Cordyceps gibt es einen Film:

[youtube]XuKjBIBBAL8[/youtube]

Erwin

soil74

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First Name: Sven

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11

Sunday, November 15th 2009, 7:25pm

gruselig.
Da gibt es dann noch den kleinen Leberegel. Der hat einen irren Lebenszyklus: Seine Stadien entwickeln sich nacheinander in Schafen, bestimmten Schnecken, Ameisen und dann Rindern.
Die Ameisen werden ebenfalls, wie bei diesem Pilz, dazu veranlasst an Grashalmen hochzuklettern und sich an deren Spitzen festzubeißen. Diese werden dann von den Kühen mitgefressen und sorgen so für die Aufnahme der Parasiten in die Rinder.

Max K.

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12

Thursday, November 19th 2009, 5:49pm

Über Cordyceps gibt es einen Film:

[youtube]XuKjBIBBAL8[/youtube]

Erwin
Das gehört jetzt vielleicht nicht hier zum Thema und stört vielleicht ein bisschen,
aber den Film gibts zu kaufen, er heißt PLANET ERDE (Staffel 2).
Da gibts auch noch mehr Filme auf der DVD über Tiere usw.

Max
Max Käfer :winken: