Hallo
Ein Profi ist das sicher nicht.
Naja - wie man es nimmt.
Gary Hevel ist Mitarbeiter am Smithsonian National Museum of Natural History, Department of Entomology (USNM Entomology Collections) - siehe
hier (klick!).
Aber so ganz eng scheint er die Sache nicht zu sehen.
Bei Tieren, die sich leicht spannen lassen, sind die Löcher im Flügel tatsächlich nicht nötig!
Andererseits - bei problematischen Tieren stellen sie einen sehr vertretbaren Kompromiss dar. Wenn ich einen "störrischen" Falter habe, der schwer zu spannen ist und dessen Flügel immer wieder zurück wollen, dann fixiere ich die Flügel auch mit einer dünnen Nadel (Gr. 00 od. 0) hinter der Costal- oder Subcostal-Ader (allerdings durch den Spannstreifen). Das kleine Loch ist meist nicht zu sehen und kein Vergleich zu dem Schaden, der entstehen kann, wenn man die Flügel immer wieder nachkorrigieren muss. Aber dieses Verfahren ist eine Ausnahme.
Zur Methode mit der Unterseite nach oben:
Dieses Verfahren haben einige von Euch missverstanden. Auch hier werden die Falter später "richtig herum" - d.h. mit der Oberseite nach oben - in den Kasten gesteckt. Der Knackpunkt ist, dass man sich das Spannbrett sparen kann, da man keine Rinne für den Körper braucht.
Nach meiner Meinung dürfte dieses Verfahren nur bei frisch toten, sehr leicht präparierbaren Faltern Erfolg versprechen und kann bestenfalls ein Notbehelf sein.
- der Falter steckt mit dem Nadelkopf nach unten im Schaumstoff, was zunächst gewisse Probleme bereitet, den Kopf in den Schaumstoff zu bringen, danach dürfte die Nadel nicht wirklich fest stecken.
- durch das Fehlen der Rinne des Spannbrettes ist das Tier nicht ausreichend gegen Verdrehen während des Spannens gesichert.
- die Insektennadel ragt relativ weit mit der Spitze nach oben heraus (ca. 2/3 ihrer Länge) - denn sie muss ja später weit genug in die Steckfläche des Insektenkastens gesteckt werden, damit der Falter fest steckt und auch das (die) Etikett(en) aufnehmen. Dadurch besteht aber die Gefahr, dass man während des Präparierens unbeabsichtigt gegen die Nadelspitze stößt, wobei das Präparat verrutschen könnte.
- schließlich der Hauptgrund, weshalb mir dieses Verfahren sehr suspekt ist (Sphinx hatte schon darauf hingewiesen): durch die plane Präparation der Flügel besteht die Gefahr, dass diese später absinken.
Selbst bei sehr großen Faltern, wo herkömmliche Spannbretter gewisse Schwierigkeiten bereiten - worauf Claude weiter oben hinweist - würde ich nur ungern auf dieses Verfahren zurückgreifen. Man kann sich auch Spannbretter entsprechender Größe herstellen lassen oder selbst bauen (
siehe hier - klick).
Da aber im Verlauf dieses Threads darauf eingegangen wurde, doch noch ein kurzer Hinweis zu Präparaten, die mit der Unterseite nach oben in der Sammlung stecken.
Dieses Verfahren war vor einiger Zeit üblich. Bei größeren Serien von Faltern wurde oft ein Tier "verkehrt herum" in die Sammlung gesteckt. Zum einen hat das natürlich einen gewissen Schauwert, da die Unterseiten einiger Arten sehr schöne, teils filigrane Zeichnungen aufweisen. Andererseits wird die Unterseite oft auch zu Bestimmungszwecken herangezogen - man denke dabei z.B. an einige Bläulinge oder Perlmutterfalter.
Präpariert wurden die Falter auf einem ganz normalen Spannbrett - nur mit der Ventralseite nach oben. Eine Alternative dazu waren die Glasbodenkästen, bei denen man die Unterseite der ganzen Sammlung ansehen konnte.
Sowohl diese Kästen als auch die Methode, einige Falter mit der Unterseite nach oben in die Sammlung zu stecken sind inzwischen aber etwas aus der Mode gekommen.
Viele Grüße
Joachim