(Wen es interessiert: dieser Satz, den mir meine Chemielehrerin immer wieder eintrichterte, bedeutet frei übersetzt so viel wie " Simultanes (=Ähnliches) löst sich in Ähnlichem". Ich finde das passt hier ganz gut.)
polarität beschreibt zwei gruppen von molekülen. die polaren moleküle haben die ladungsschwerpunkte "getrennt" und weisen somit auf der einen seite eine ladung
von unterschiedlicher grösse auf und haben einen "Pol". die unpolaren haben auf allen seiten die gleiche Ladung und weisen keinen pol auf.
--> unpolare stoffe lösen sich nur in unpolaren (z.B. fett im essigäther) und polare nur in polaren (z.B. zucker in wasser)
Ist, ja eigentlich super erklärt, muss ich glaub nix mehr zu sagen.
Aber jetzt langsam:
wieso sollte es bei einer unpolaren lösung mit ziemlicher sicherheit eine verfettung geben? der essigäther ist das wohl am häufigsten verwendete tötungsmittel und
ist soviel ich weiss auch unpolar. und ich habe nur äusserst selten probleme mit verfettung.
Wie du sicherlich weißt, gibt es einen Unterschied zwischen "Essigäther"/ether und "Essigsäureethylester" (ich kürz mal ab mit ESEE). Vor vielen, vielen Jahren trennte man nämlich die Ester von den echten Ethern, da diese präziser definiert werden konnten. Zwar sind Ether und ESEE von der Wirkung ziemlich gleich (narkotisierend bis tödlich bei Insekten zum beispiel), unterscheiden sich aber ein wenig im chemischen Aufbau. Der in der Entomologie benutzte ESEE ist als Gesamtmolekül zwar unpolar, das ist richtig,- jedoch verläuft der Unterschied zwischen polar und unpolar nicht als "Grenze" sondern ist ein fließender Übergang. ESEE besteht aus der funktionellen Gruppe und den beiden Resten des Ethanols und der Essigsäure. Diese Reste sind unpolar, in der funktionellen Gruppe stellt jedoch der Sauerstoff den Elektronegativitäts-schwerpunkt dar. Da die Silbe Eth... in der homologen Reihe schon an zweiter Stelle nach Meth... kommt, ist die Kettenlänge das Restes entspechend kurz, genauso wie ihr Einfluss auf das Gesamtmolekül, denn mit zunehmender Kettenlänge steigt der Einfluss auf die Polarität des Gesamtmoleküls.
Ergo spricht man beim ESEE zwar von einem unpolaren Lösungsmittel, die polare funktionelle Gruppe jedoch hat
noch einen geringen Einfluss - zu beweisen damit, das sich noch ein gewisser Anteil des Esters in Wasser löst, ich glaube 8-9%, aber das müsste ich nachschlagen.
Letztendlich ist ESEE also ein sehr gutes Lösungsmittel für Fette beispielsweise, sehr viel besser ist aber ein echter Ether oder ein Alkohol, welche ich eigentlich mit "unpolares Lösungsmittel" oben in meinem Beitrag meinte. Wenn man damit einen Schmetterling spritzt, natürlich in ausreichender Menge, wird das Fett in den Zellen garantiert aufgebrochen. (Das ist mir vor einem Jahr ziemlich oft passiert, als ich zum Töten nur Ethanol zur Verfügung hatte, mittlerweile benutz ich den aber nicht mehr).
Kommt das Präparat dann in eine "warme" Situation, tritt das Fett druch die Poren oder Stichlöcher aus. Wenn die Falter natürlich immer nur trocken und kühl aufbewahrt werden, bleibt es zwar "frei" aber denoch gefangen
im Körper des Schmetterlings.
MFG,
Lucas