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1

Saturday, March 6th 2010, 11:23am

polare und unpolare Lösungen - Verfettung und Verölen

Wenn man die Falter mit einer unpolaren Lösung tötet. Wird man mit ziemlicher Sicherheit eine Verfettung kriegen.

MFG,
Lucas

sphinx

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2

Sunday, March 7th 2010, 2:07pm

Daß gerade gezüchtete Falter verfetten, ist ganz natürlich. Schließlich haben sie auch den größten, noch unverbrauchten Fettvorrat im Leib. Vor allem die ARten, die als Imagines (erwachsene Falter) keine Nahrung mehr aufnehmen, haben besonders große Fettdepots und verfetten dann besonders stark. Zum Beispiel Cossus cossus verfetten immer. Man muß am besten den Hinterleib "ausräumen". Wie das alles geht, ist im Forster und Wohlfahrt, im aller ersten Band beschrieben. Leider habe ich das Buch nicht selbst!

Ich möchte gerne wissen, was unpolare Lösungsmittel sind!

sevi

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3

Sunday, March 7th 2010, 2:21pm

polare und unpolare Lösungen - Verfettung

@Lucas:
wieso sollte es bei einer unpolaren lösung mit ziemlicher sicherheit eine verfettung geben? der essigäther ist das wohl am häufigsten verwendete tötungsmittel und
ist soviel ich weiss auch unpolar. und ich habe nur äusserst selten probleme mit verfettung.

@hans:
polarität beschreibt zwei gruppen von molekülen. die polaren moleküle haben die ladungsschwerpunkte "getrennt" und weisen somit auf der einen seite eine ladung
von unterschiedlicher grösse auf und haben einen "Pol". die unpolaren haben auf allen seiten die gleiche Ladung und weisen keinen pol auf.
--> unpolare stoffe lösen sich nur in unpolaren (z.B. fett im essigäther) und polare nur in polaren (z.B. zucker in wasser)

Grüssle Severin

  • "fossilien51" is male

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4

Sunday, March 7th 2010, 5:26pm

Merci vielmals, jetzt weiss ich Bescheid !

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5

Sunday, March 7th 2010, 7:25pm

simila similibus solvuntur!

(Wen es interessiert: dieser Satz, den mir meine Chemielehrerin immer wieder eintrichterte, bedeutet frei übersetzt so viel wie " Simultanes (=Ähnliches) löst sich in Ähnlichem". Ich finde das passt hier ganz gut.)

Quoted


polarität beschreibt zwei gruppen von molekülen. die polaren moleküle haben die ladungsschwerpunkte "getrennt" und weisen somit auf der einen seite eine ladung
von unterschiedlicher grösse auf und haben einen "Pol". die unpolaren haben auf allen seiten die gleiche Ladung und weisen keinen pol auf.
--> unpolare stoffe lösen sich nur in unpolaren (z.B. fett im essigäther) und polare nur in polaren (z.B. zucker in wasser)


Ist, ja eigentlich super erklärt, muss ich glaub nix mehr zu sagen.
Aber jetzt langsam:

Quoted

wieso sollte es bei einer unpolaren lösung mit ziemlicher sicherheit eine verfettung geben? der essigäther ist das wohl am häufigsten verwendete tötungsmittel und
ist soviel ich weiss auch unpolar. und ich habe nur äusserst selten probleme mit verfettung.


Wie du sicherlich weißt, gibt es einen Unterschied zwischen "Essigäther"/ether und "Essigsäureethylester" (ich kürz mal ab mit ESEE). Vor vielen, vielen Jahren trennte man nämlich die Ester von den echten Ethern, da diese präziser definiert werden konnten. Zwar sind Ether und ESEE von der Wirkung ziemlich gleich (narkotisierend bis tödlich bei Insekten zum beispiel), unterscheiden sich aber ein wenig im chemischen Aufbau. Der in der Entomologie benutzte ESEE ist als Gesamtmolekül zwar unpolar, das ist richtig,- jedoch verläuft der Unterschied zwischen polar und unpolar nicht als "Grenze" sondern ist ein fließender Übergang. ESEE besteht aus der funktionellen Gruppe und den beiden Resten des Ethanols und der Essigsäure. Diese Reste sind unpolar, in der funktionellen Gruppe stellt jedoch der Sauerstoff den Elektronegativitäts-schwerpunkt dar. Da die Silbe Eth... in der homologen Reihe schon an zweiter Stelle nach Meth... kommt, ist die Kettenlänge das Restes entspechend kurz, genauso wie ihr Einfluss auf das Gesamtmolekül, denn mit zunehmender Kettenlänge steigt der Einfluss auf die Polarität des Gesamtmoleküls.
Ergo spricht man beim ESEE zwar von einem unpolaren Lösungsmittel, die polare funktionelle Gruppe jedoch hat noch einen geringen Einfluss - zu beweisen damit, das sich noch ein gewisser Anteil des Esters in Wasser löst, ich glaube 8-9%, aber das müsste ich nachschlagen.

Letztendlich ist ESEE also ein sehr gutes Lösungsmittel für Fette beispielsweise, sehr viel besser ist aber ein echter Ether oder ein Alkohol, welche ich eigentlich mit "unpolares Lösungsmittel" oben in meinem Beitrag meinte. Wenn man damit einen Schmetterling spritzt, natürlich in ausreichender Menge, wird das Fett in den Zellen garantiert aufgebrochen. (Das ist mir vor einem Jahr ziemlich oft passiert, als ich zum Töten nur Ethanol zur Verfügung hatte, mittlerweile benutz ich den aber nicht mehr).
Kommt das Präparat dann in eine "warme" Situation, tritt das Fett druch die Poren oder Stichlöcher aus. Wenn die Falter natürlich immer nur trocken und kühl aufbewahrt werden, bleibt es zwar "frei" aber denoch gefangen im Körper des Schmetterlings.

MFG,
Lucas

spinne

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6

Monday, March 8th 2010, 1:46am


Letztendlich ist ESEE also ein sehr gutes Lösungsmittel für Fette beispielsweise, sehr viel besser ist aber ein echter Ether oder ein Alkohol, welche ich eigentlich mit "unpolares Lösungsmittel" oben in meinem Beitrag meinte. Wenn man damit einen Schmetterling spritzt, natürlich in ausreichender Menge, wird das Fett in den Zellen garantiert aufgebrochen.

Wer nimmt denn zum Töten mit der Spritze unpolare Lösungen (Ether, Ester oder sonst was) :?: :?: :?: 8o Wer den seit jeher bewährten Salmiakgeist nimmt, braucht sich auch keine Gedanken über daraus folgende Fettlösungen zu machen. Ebenso nicht beim fachgerechten Töten mit ESEE im Tötungsglas, da bei der normalerweise rel. kurzen Einwirkungszeit des Gases keine relevanten Mengen an Fett im Körper gelöst werden.

MfG, spinne

Joe

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7

Monday, March 8th 2010, 7:30am

Hallo allerseits, hallo Lucas,
das sind sehr interessante Ausführungen - aber

Quoted

Wie du sicherlich weißt, gibt es einen Unterschied zwischen "Essigäther"/ether und "Essigsäureethylester"
Das stimmt so nicht. Essigäther ist die landläufige (aber chemisch falsche) Bezeichnung von Essigsäureethylester (=Ethylacetat, =Ethylethanoat). Es handelt sich also bei Essigäther nicht um einen echten Ether, es gibt aber keinen Unterschied zwischen Essigäther und Essigsäureethylester.

Mit der Lösungsfähigkeit hast Du völlig recht, jedoch wird bei Ethylacetat als Tötungsmittel im Allgemeinen nur die Gasphase genutzt und die Tiere sollten nicht mit der Flüssigkeit in Kontakt treten. Dass man es injiziert, ist eher ungewöhnlich. In diesem Falle hast Du recht, dass die Körperfette gelöst werden dürften. Das nutzt man ja auch aus, um verölte Präparate zu entfetten.

Viele Grüße
Joachim

P.S. Ether funktionieren auch als Tötungsmittel (Diethylether (= Narkoseether, = Schwefelether)), das führt hier aber zu weit weg vom Thema und wurde auch im Forum schon öfter diskutiert)

sphinx

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8

Monday, March 8th 2010, 9:59am

Alter Schwede, irgendwie bin ich in der Schule im Fach Chemie nie in solche Tiefen vorgestoßen wie ihr... Lucas, hast Du irgendwie schon zwei Klassen übersprungen? ?(

Aber zurück zum Thema: Spinne hat ja geschrieben, daß Salmiakgeist zum Glück polar ist. (Verwende ich nämlich auch zum spritzen. Wie steht es mit Chloroform? Und wie kann ein vom Chemie-Laie wie ich erkennen, was polar und unpolar ist? Gibt es da eine Faustregel?

Außerdem: Viele Falter (Saturniden, Cossiden, Schilfeulen) verfetten auch, wenn man sie nur mit Salmiak gespritzt hat. Und spielt der Nadeleinstich wirklich eine Rolle? Das verfetten geht doch meist vom Hinterleib aus!

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9

Monday, March 8th 2010, 10:12pm

Hallo,

@Joe

Quoted

Es handelt sich also bei Essigäther nicht um einen echten Ether, es gibt aber keinen Unterschied zwischen Essigäther und Essigsäureethylester.


ich weiß nicht, ob wir uns hier missverstehen, aber nichts anders hab ich doch geschrieben mit den Worten..." Zwar sind Ether und ESEE von der Wirkung ziemlich gleich (narkotisierend bis tödlich bei Insekten zum beispiel), unterscheiden sich aber ein wenig im chemischen Aufbau"

Klar, ich redete natürlich die ganze Zeit von den chemischen Feinheiten. Der "Unterschied" bezog sich demnach auf die Strukturformel der beiden Stoffgruppen.

und@ Werner:

nein, ich habe nix übersprungen, aber ich denke, das ist alles eine Frage des Interesses. Und "theoretisch" läuft der sächsische Lehrplan der 10. Klasse Chemie, so, dass man das alles "theoretisch" wissen muss. Die meisten vergessen aber alles nach dem Test wieder - ich eben nicht, sondern vertief das ganze noch ein wenig, da ich nächstes Jahr auch vorhabe, den Chemie Leistungskurs zu belegen, jetzt wo es den BioLK nicht mehr gibt. Klar soweit?
Chloroform müsste übrigens auch leicht unpolar sein. Woran man das erkennen kann? Ohne viel Chemiewissen hilft da meist nur die Frage nach der Löslichkeit: wenn es in Wasser löslich ist, hat der Stoff "Pole"(ich weiß,ist im Wortlaut nicht ganz korekt...) ,also ist er polar, wenn nicht, dann ist er logischerweise unpolar.
Anderes Kriterium ist meist schon der Name: Chloroform zum Beispiel ist den Chemikern eher bekannt unter "Trichlormethan". Was das bedeutet, ist hier eigentlich egal, wichtig ist nur die Endung: ...Methan. Ohne viel dazu zu sagen - wenn solch eine Endung vorkommt, handelt es sich immer um einen Kohlenwasserstoff (in diesem Fall wahrscheinlich um einen chlorierten Kohlenwasserstoff) und diese sind immer (wenn ich mich nicht irre) in Wasser unlöslich, also unpolar.

Noch was: die Verfettung ist natürlich nicht nur abhängig vom verwedeten Tötungsmittel. Eigentliche Kernaussage war ja nur, dass mit unpolaren Mitteln durch Injektion umgebrachte Falter eine recht große Anfälligkeit dafür zeigen. Es gibt sicher noch andere Faktoren, die zum öligen Schmetterling führen können.

MFG,
Lucas

Joe

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10

Tuesday, March 9th 2010, 9:11am

Hallo Lucas,

Quoted

ich weiß nicht, ob wir uns hier missverstehen, aber nichts anders hab ich doch geschrieben mit den Worten..."
Nun - da muss ich Dich wohl missverstanden haben:
Du schriebest: "Wie du sicherlich weißt, gibt es einen Unterschied zwischen "Essigäther"/ether und "Essigsäureethylester"
Worauf ich darauf hingewiesen habe, dass es keinen Unterschied zwischen Essigäther und Essigsäureethylester gibt, da Essigäther der (chemisch falsche) Trivialname von Essigsäureethylester ist.
Auf alle Fälle sind wir offenbar einer Meinung :) .

Was das Verölen angeht: dabei trocknen offenbar die Fettkörper der Präparate nicht (völlig), sondern die langkettigen Fette werden zu kurzkettigen Ölen bzw. zu Glycerin aufgespalten. Es gibt übrigens eine Publikation, in der explizit empfohlen wird, den frischen Tieren ein Lösemittel zu injizieren, um ein späteres Verölen zu vermeiden.
Das führt jetzt aber zu weit vom Thema weg.
Bei Interesse können wir uns gerne an anderer Stelle im Forum (einem eigenen Thread) darüber unterhalten.

Cheers
Joachim