Hallo allerseits,
die Präparation von Raupen ist eine interessante Sache.
Für befriedigende Ergebnisse bei Trockenpräparaten
grüner Raupen ist die Gefriertrocknung tatsächlich die einzig erfolgversprechende Methode.
Alle andern Raupen - ab einer gewissen, handhabbaren Größe - lassen sich gut "aufblasen".
Die Raupen werden in einem Tötungsglas oder im Tiefkühlschrank abgetötet.
Danach muss der Darm entleert werden. Dazu legt man die Raupe auf Filter- oder Löschpapier (Küchenpapier ist auch hervorragend geeignet). Mit Hilfe eines runden Stabes, Stiftes ... oder einfach mit dem Finger drückt man erst am After, dann von der Körpermitte und schließlich vom Kopf aus den Darminhalt nach hinten aus. Ein kleiner Einschnitt am After mit einer feinen Schere vereinfacht das.
Anschließend wird ein dünner trockener Grashalm passender Größe durch die Afteröffnung bis etwa zur Mitte der Raupenhaut eingeschoben. Der Halm muss durchgängig hohl sein (keine Knoten/Nodien!) und sollte etwa 25 bis 30 cm lang sein.
Nun muss die leere Raupenhaut in Form gebracht und gleichzeitig getrocknet werden. Man braucht dazu eine Trockenkammer. Früher hat man sich für solche Zwecke extra "Raupenöfen" aus einer Blechkiste gebaut, die mit einem Spiritusbrenner beheizt werden (s. oberer Teil der untenstehenden Abbildung). Bei den Präparationsübungen mit unseren Studenten klemmen wir Rundkolben in ein Stativ und erhitzen diesen mit dem Spiritusbrenner (unterer Teil der Abb.).
Man pustet also durch den Grashalm die Raupenhaut auf und trocknet diese unter ständigen Drehen im Trockenofen. Das sieht dann ein wenig nach Glasbläser aus. Der Vorgang dauert etwa 5 bis 10 Minuten. Wenn man aufhört zu pusten und die Raupe Ihre Form nicht mehr verändert, ist das Objekt weitgehend trocken.
Nun steckt man eine Insektennadel am Hinterende der Raupe durch Raupenhaut und Grashalm (Abb. c) und schneidet den Halm kurz hinter dem Körper ab. Mit der Insektennadel kann man das Präparat gut handhaben und z.B. in einen Insektenkasten stecken.
Dieses Verfahren eignet sich auch und vor allem für stark behaarte Raupen. Wie oben geschrieben, ist es jedoch für grüne Raupen ungeeignet. Diese verlieren meist schon während der Präparation ihre Farbe. Versuchen kann man es jedoch.
Man kann anstatt in einen Raupenofen/Rundkolben das Objekt während des Pustens auch einfach neben eine Wärmelampe halten. Dann dauert der Trocknungsvorgang aber deutlich länger.
Es sieht viel professioneller aus, wenn man statt des Grashalmes ein Glasröhrchen mit Doppelbalggebläse aus Gummi verwendet (s. Abb.) - aber Aufpusten mit Grashalm geht jedoch deutlich besser.
Man kann auch Flüssigkeitspräparate von Raupen herstellen:
Dazu werden die Raupen im Tötungsglas abgetötet und möglichst bald in sehr heißes, jedoch nicht mehr siedendes Wasser gelegt. Nachdem das Wasser abgekühlt ist, führt man sie über eine steigende Alkoholreihe (40%, 60% 80% - je 12 Stunden) in 80 %igen Alkohol zur Aufbewahrung. Franssen (1930)* wirft bis 3 cm lange Raupen lebend in ein Gemisch von 95 %igem Alkohol und 75 %iger Milchsäure zu gleichen Teilen. Selbst grüne Raupen sollen darin für mehrere Jahre ihre natürliche Form und Farbe behalten.
*Franssen, C. (1930): Das Konservieren kleiner Raupen. Natuurhist. Maandbl.
19(93).
Viel Freude an der Entomologie und am Präparieren
wünscht Joachim