Eine Zucht von Erebia gorge
von J.Fuchs
Herkunft: Osttirol, Defereggental, Umg. St. Jakob, ca. 1900m
Futterpflanzen: Poa annua
Eiablage: Am 12.08.95 habe ich 1 leicht verkrüppeltes Weibchen von E. gorge gefangen, das vom 12.-15.08.1995 in einer Pappschachtel mit Gazefenstern gut 20 Eier abgelegte.
Schlüpfen der Raupen: Vom 26.-28.08.95 schlüpften 20 etwa 2,5 mm lange Räupchen. Ich setzte sie an abgeschnittene Halme von Festuca scoparia (Bärenfellgras), wo sie sich festsetzten und nicht herumliefen.
Entwicklung der Raupen:
Am 29.08.95 habe ich den Raupen neben F. scoparia noch Poa annua, Festuca glauca und 2 andere breitblättrige, weiche Gräser angeboten.
Am 30.08.95 sitzen sie an allen angebotenen Gräsern, beginnen aber nur an Poa annua zu fressen, was deutliche Fraßspuren und Kotbällchen beweisen. Um ihnen Feuchtigkeit zu spenden, habe ich täglich mehrere Male in die Schächtelchen mit den Raupen gehaucht und diese dann 10 Minuten geschlossen. Danach wurde gelüftet.
Am 01.09.95 fressen die Raupen überwiegend an Poa annua und einem der beiden breitblättrigen Gräser, nicht an F. scoparia und an F. glauca.
Am 03.09.95 besitze ich noch 16 Raupen. Fraßspuren habe ich an dem breitblättrigen, weichen Gras, auch an P. annua, nicht an F. glauca und F. scoparia festgestellt.
Vom 08.-25.10.95 fressen die jetzt 15 Raupen von E. gorge fast ausschließlich an P. annua, nicht mehr an dem breitblättrigen Gras.
25.10.-13.11.95 Noch 12 Raupen sind am Leben. Sie fressen nur noch an P. annua und wachsen zufriedenstellend.
26.11.95 Eine große, fast erwachsene Raupe ist eingegangen. Ich habe ihnen zu feuchtes Futter gegeben. Dagegen scheinen sie empfindlich zu sein. Ich lasse es jetzt immer erst abtrocknen.
Die anderen mittelgroßen 11 Raupen habe ich sofort in eine neue Schachtel mit frischem abgetrocknetem Futter gesetzt.
Trotzdem sind in der Zeit vom 26.11. bis zum 03.12.95 noch 3 weitere Raupen eingegangen. Daraufhin habe ich am 31.11.95 jede Raupe einzeln gesperrt. Ab dem 03.12.95 hatte ich dann zum Glück keine Ausfälle mehr.
Am 08.12.95 habe ich wieder alle 8 noch verbliebenen Raupe L3/L4 zusammen in ein Schächtelchen gesetzt. Sie fressen noch P. annua, nur wenig, aber stetig. 2 wachsen schneller als die anderen.
Am 30.12.95 sind diese 2 Raupen schon fast erwachsen. Sie fressen gut an P. annua.
Die restlichen 6 mittelgroßen Raupen fressen fast nichts mehr. Sie gehen jetzt in Diapause. Ich setze sie also an eine eingetopfte P. annua-Pflanze und halte sie fortan im Keller bei etwa +10° C und 8-10 Stunden täglich Zusatzbeleuchtung durch eine Pflanzenlampe.
Am 02. und 04.01.96 haben sich die 2 großen Raupen verpuppt.
Am 20.01.96 haben sich beide Puppen verfärbt. Die Falter werden also bald schlüpfen.
Am 23.01.96 ist aus der zweiten Puppe ein einwandfreies Männchen geschlüpft, die erste Puppe, die auch schon verfärbt war, ist abgestorben.
Als ich am 02.03.96 den Topf mit den Raupen von E. gorge ins Arbeitszimmer holte, waren nur noch vier L3-Raupen am Leben, die aber auch bald starben.
Erkenntnis: Immer wieder bei der Zucht von Erebien und auch anderer Satyrinae merkt man, dass ihre Überwinterung große Probleme macht. Meistens stehen die Töpfe mit den Futterpflanzen zu feucht, sodass sich im Inneren der Polster, wo die Raupen bevorzugt sitzen, Schimmel bildet.
Dies könnte man vermeiden, indem man
a) versucht, die Raupen während der Zucht zu treiben, sodass sie sich noch vor der Zeit, wo sie gewöhnlich in Diapause gehen, verpuppen oder
b) die Raupen in der Diapause sehr kühl stellt und ihnen nur von Zeit zu Zeit wenige abgeschnittene Grashalme gibt, die man sofort wieder entfernt und durch neue ersetzt, wenn sie beginnen zu vergilben oder gar zu schimmeln. Dazu muss man auch im Winter immer entsprechende Graspflanzen vorrätig haben und die überwinternden Raupen immer wieder überprüfen.

Eiraupe von
Erebia gorge: Osttirol, Defereggental, Umg. St. Jakob, ca2000m

Raupe L4 von
Erebia gorge: Osttirol, Defereggental, Umg. St. Jakob, ca2000m

Raupe L5 von
Erebia gorge: Osttirol, Defereggental, Umg. St. Jakob, ca2000m

Puppe von
Erebia gorge: Osttirol, Defereggental, Umg. St. Jakob, ca2000m

Männchen e.o. von
Erebia gorge: Osttirol, Defereggental, Umg. St. Jakob, ca2000m