
Hundertdreizehn Mal haben die Apolloleute diesen Anlaß durchgeführt - immer mit der selben Routine - ein eingespieltes Team, das sich nicht aus der Ruhe bringen lässt. Was in den letzten Jahrzehnten geklappt hat, das hat auch dieses Jahr funktioniert. Der große Saal des Titus-Forums war am Samstag gerammelt voll, das übliche Gedränge natürlich. Im Erdgeschoss habe ich gar nicht versucht, mich zu den hintersten Tischen durch zu kämpfen. Da standen sich pro Quadratmeter gefühlte acht Emtomologen auf den Füßen rum, zwei davon waren Aussteller. Man wusste nur nicht, zu welchem Tisch sie gehörten.
Erwähnenswert ist das Medieninteresse: Neben einem
Porträt von Klaus Schurian in der Frankfurter Neuen Presse gab es am Samstag, 6.11., in der
Hessenschau einen Bericht aus dem Titus-Forum (das nur noch von ein paar beharrlichen Apollo-Historikern mit
Bürgerzentrum benannt und an der Hauswand so beschriftet wird). hr-Reporterin Selina Koc wunderte sich in ihrer Reportage über die hohen Preise der Morpho-Präparate, staunte über das gewaltige Angebot und freute sich über die Besucherin, die von der Massage mit lebendigen Tausendfüßlern schwärmte. Ein gute Bericht, kein Gejammer über Aufgespießtes und bedrohte Tierarten, dafür mit direkter Aufforderung, den Anlass doch zu besuchen.
Dann war auch Joana Vogdt da von
arte. Sie macht eine Bericht für
X:enius. Der Sendetermin steht noch nicht fest, wird aber bei ACTIAS (wo denn sonst?) rechtzeitig bekannt gegeben. X:enius ist das neue Wissensmagazin auf ARTE, das von Montag bis Freitag jeweils um 8.45 Uhr und um 17.40 Uhr ausgestrahlt wird. Abwechslungsreich und spielerisch handelt es sich um Roadmovie, Schatzsuche und Wissenschaftssendung zugleich.
Mit einem ganzen Team kam ACTIAS-Mitglied und Regisseur Christoph Schuch von avanti-film zur Börse. Er arbeitet gleich an zwei spannenden Schmetterlingsprojekten:
Erstens geht es um einen Kurzfilm über den Mikrokosmos des Regionalparks Rhein-Main. Der zehnminütige Film soll ab Frühjahr 2011 als Film in der Dauerausstellung "Landschaft auf den zweiten Blick" im dann fertig gestellten Zentrum des Regionalparks in Flörsheim gezeigt werden. Neben Molchen, Käfern, Blumen oder Libellen bekommen auch die Schmetterlinge ihren Auftritt im Film. Und eigentlich sogar den Spektakulärsten: Das Schlüpfen des Falters aus der Puppe - immer wieder ein Wunder.
An der Frankfurter Börse drehte er aber Szenen aus dem entomologischen Handel für den geplanten Film FALTERWELTEN. In diesem Film kommen viele interessante Leute aus der Lepidoptera-Szene vor, zum Beispiel:
- Clive Farrell, der gerade bei London den Butterfly Dome baut
- Hildegard Winkler in Wien, die das letzte "Schmetterlingsgeschäft" Österreichs führt
- Peter Huemer, der bekannte Entomologe vom Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck
- Belen Mena, die Grafikerin mit Pachanga, dem tollen Buch über Nachtfalter (bestes Weihnachstgeschenk!)
Und jetzt sind vielleicht noch ein paar Köpfe aus Frankfurt dazu gekommen.
Die Insekten-Tauschböre in Frankfurt ist die größte der Welt. Richtig? Oder kennt jemand einen ähnlichen Anlass mit fast 200 Ausstellern und 1000 Besuchern?
Bei aller Größe: die Börse ist eine internationale Insider-Veranstaltung und keine Publikumsmesse. Da müßte man sich vielleicht einmal Gedanken machen.
Einen Nachtrag kann ich nicht verklemmen: Thema Namensschilder. Alle Apollo-Koryphäen waren wunderschön angeschrieben mit gediegenen, gut lesbaren Namensschildern. Ebenso waren die ACTIAS-Mitglieder sofort erkennbar - mit einem einfachen, aber nützlichen Namensschild. Nicht so die Aussteller. Sie erhielten abgrundtief häßliche graue Kleber, auf denen in unlesbar kleiner, fetter Versalschrift der Name stand, darunter eingemittet der Vorname (oder was auch immer - es war ja nicht lesbar). Kein Guantanamo-Häftling würde sich so beschriften lassen, und keine Hausfrau würde ihre Konfitürengläser mit sowas bekleben! Tapfer drückten in Frankfurt die Betroffenen (aber längst nicht alle) das Elaborat auf ihre Brust. Gemeinsam war die Verunstaltung ja zu ertragen. Peinliche drei Minuten lang starrte ich der Frau Hahn auf den Busen, um herauszukriegen, was unter HAHN stand. Erspart ihr das bitte im nächstes Jahr!