Hallo,
den Aussagen von Rudi kann ich mich nur ohne "Wenn und aber" anschließen. Er weiss, wovon er redet.
Ein wichtiger Faktor wurde noch nicht angesprochen. Tagfalter schlüpfen am vormittag, die Kinder können dabei zusehen. Das bietet kein Nachtfalter (oder vielleicht nur in Ausnahmefällen) und wie Rudi sagte, es gibt nichts schöneres, als "meinem" Tier dann die Freiheit zu geben (wenn nicht gerade ein Vogel den nach zehn Metern noch in der Luft greift). Bald sind die ersten Raupen vom Kleinen Fuchs zu finden!
Noch was zur Giftigkeit des Ligusters. Wir haben Totenkopfschwärmer im Kindergarten eingesetzt, der Falter hat den Vorteil, sehr robust zu sein, sich zu beschweren wenn ihm was nicht passt und man kann ihn auch in die Freiheit entlassen. Wir haben auf fast jedem Kindergartengelände Liguster gefunden! Es ist zwar verboten, aber es scheint sich bei der Anlage der Grünanlagen zumindest hier niemand daran zu stören. Die übelschmeckenden Beeren können wohl Verdauungsbeschwerden bewirken, wenn aber ein reales Problem gestehen würde, gäbe es keinen Liguster mehr auf Kindergartengelände.
Aber dieses Problem verweist auf ein anderes. Ich kann nur davor warnen, Raupen einzusetzen, die gesundheitliche Probleme bringen können. Während die Brennnessel wohl vor Gericht keine Chance hat, dürfte es bei Allergien von Kindern auf Raupenhaare oder gar Brennhaare bzw. Scoli (bei Nachtpfauenaugen) immer für die Erzieherinnen viel Ärger geben, wenn übereifrige Eltern beim Arbeitgeber vorsprechen oder gleich zum Anwalt gehen. Für mich waren Raupen mit Haaren daher immer tabu, denn ich möchte auch nicht den Kindern vermitteln "fasst die auf keinen Fall an" - denn gerade um das Anfassen geht es ja! Ein von mir hoch geschätzer Hochschullehrer sagte mir mal (in der Prüfung!): "Begreifen heißt anfassen".
Wenn aber Exoten, so würde ich Brahmaea hearseyi empfehlen, eine wunderschöne Art als Raupe und Falter, aber eben nicht zum Freilassen. Da hilft nur die Erklärung, dass die Falter zurück zum Züchter gehen, um sisch dort weiter zu vermehren und anderen Menschen eine Freude zu bringen. Kindern und Eltern genügt das ...
Wir werden hier für solche Zwecke einen Zuchtstamm vom Schwalbenschwanz und Totenkopfschwärmer dauerhaft zu etablieren versuchen und mit der Zucht von Kaisermantel und Brennnesselfaltern experimentieren. Ich meine nicht Aufzucht, sondern wirkliche Zucht, also auch Überwinterung, Paarung und Eiablage und das über mehrere Generationen. Wer mir da Ratschläge aus der Praxis geben kann ist immer willkommen. Wer mich mit Zuchtmaterial vom Schwalbenschwanz (derzeit ist jede mitteleuropäische Puppe willkommen) und Totenkopfschwärmer unterstützen will, Spenden sind immer willkommen.
Wer lieber vor Ort aktiv werden will, nach meinen Erfahrungen freuen sich zwei von drei Kindergärtenleiterinnen (gibt es eigentlich auch Kindergartenleiter?) und eine von drei Grundschulleiter/innen über eine solche Unterstützung. Rufen Sie doch einfach da mal an! Wenn diese Kinder nicht lernen, dass Raupen nicht ekelig sind, dann lernen sie es später auch nicht mehr - und wir und die Natur haben keine Lobby! Wir müssen etwas tun, nicht immer nur die anderen!
Grüße
Ernst Brockmann