Bostjan Dvorak schrieb:
Es gab mal eine Diskussion über die Trichterspinne - und ob sie am Ende des Zyklus auszieht und ihr letztes Beinpaar liegenläßt (eine naive Vermutung von mir)... da immer wieder solche gefunden und fotografiert wurden; und jemand hatte Bilder reingestellt - aber ich kann das nicht mehr finden...
Ich konnte diesbezüglich noch keine derartigen Feststellungen treffen und ich habe eigentlich immer mal Tegenaria atrica und Malthonica ferruginea zu Gast bei mir in Terrarien. Dazu müßte man auch viel umfangreichere Studien machen, dazu reichen zwei drei Fotobeläge nicht aus.
Es ist aber sehr erstaunlich, mit welcher akribischen Disziplin sich Spinnen fortbewegen.
Ich habe voriges Jahr eine Laufspinne - Philodromus rufus/albidus gefunden, welcher 4 Beine fehlten, aber nicht schön gerecht auf beiden Seiten verteilt, nein allesamt auf einer Seite. Und das Tier war dennoch in der Lage sich recht flink und koordiniert fortzubewegen unter zu Hilfenahme des Tasters als Laufbein.
Derartige Laufstudien bei fehlenden Beinen wären sicher ein recht interessantes Projekt, setzen jedoch eine hochauflösende Videokamera voraus - vielleicht gewinne ich ja mal im Lotto... ;o)
Bostjan Dvorak schrieb:
Lieber Guido, wie war das nochmal mit den Zitterspinnen und jener kroatischen Karsthöhle, aus der sie angeblich alle stammen sollen? Stimmt das oder habe ich da was verwechselt? - Sie hätten sich später als Kulturfolger weltweit in Häusern ausgebreitet, heißt es, sollen aber aus einer einzigen Höhle kommen...
Davon habe ich ehrlich gesagt, noch nie etwas gehört.
Gerade die Große Zitterspinne (Pholcus phalangioides) ist ja als Kosmopolit bekannt und kommt auf allen Erdteilen vor.
Es ist schon erstaunlich, welche Legenden noch so über diese Spinne kursieren.
Ein aus Australien eingeschlepptes Gerücht lautet, daß Pholcus phalangioides die giftigste Spinne sei, nur nicht in der Lage, den Menschen zu beißen, bzw. dessen Haut zu durchdringen. Begründet wurde diese Aussage dadurch, daß sie in der Lage ist, viel größere und wehrhaftere Spinnen zu erbeuten, woraus geschlossen wurde, daß sie ein sehr potentes Gift haben muß.
Alles Quatsch -> Pholcus phalangioides hat lediglich die bessere Jagdstrategie und tut ihre Opfer erst Immobilisieren, bevor sie sich so nahe heranwagt, um einen Biß anzusetzen. Dank der sehr langen Beine hat sie dabei keine Probleme auf Distanz zu bleiben.
In Deutschland wurde das Gerücht dann nach und nach gewandelt und plötzlich war es der Weberknecht, aber Weberknechte habe bekanntlich gar keine Giftdrüsen.
Ich wüßte nicht, aus welchen Aufzeichnungen dies hervorgehen soll, daß diese Spinne wirklich ihren Ursprung in Kroatien haben soll und vor allem, wie alt diese Aufzeichnungen sein sollen.
Gerade wenn man betrachtet, wie lange ein Einwanderer braucht um sich flächendeckend über Deutschland zu vermehren, wie z.B. auch die nachfolgend von Dir angesprochene Wespenspinne (Argiope bruennichi).
Sie hat gut 30 Jahre gebraucht um sich in Deutschland zu etablieren, wird aber nach Norden hin immer seltener. Diese Ausbreitung ist ein sehr langer Prozeß, demnach muß man sich dann vorstellen, wie lange dieser Prozeß dauern muß, wenn sich eine art von einem Fundort aus weltweit so derart verbreiten will. Ich halte diese Aussage ebenso für ein Gerücht!
Bostjan Dvorak schrieb:
Und noch zu der Wespenspinne: Ist sie europäischer Herkunft, bzw., seit wann gibt es sie auch in den Subtropen der Neuen Welt?
Auch diese Aussage ist sehr vage. Ich selbst kann es nicht beurteilen, ob die Wespenspinne (Argiope bruennichi) tatsächlich europäischer Herkunft ist, auch sie ist ein Kosmopolit.
LG Guido