Das ist mit Sicherheit "Schwere Kost".
Die Problematik mit Neozoen oder Neophyten ist, dass niemand die ökologischen Auswirkungen einer Neueinschleppung im Voraus einschätzen kann. Sowohl die beabsichtigte als auch die unbeabsichtigte Einschleppung von "fremden" Arten birgt immer Risiken nicht nur im direkten Umfeld der Art, sondern auch in weiteren Bereichen der ökologischen Zusammenhänge.

Überlegung: Der Buchsbaumzünsler vermehrt sich fleißig weiter und befällt den gesamten Bestand an Buchsbäumen in Europa. Nun kommt ein Parasit des Zünslers, vielleicht eine Wespe, plötzlich auf die Idee, diesem zu folgen und macht sich in Europa breit. Doch sie parasitiert nicht nur den Zünsler, sondern eventuell noch den Apollofalter oder das Tagpfauenauge. Oder sie parasitiert alles entomologische, was sich regt. Und sie verdrängt andere Wespen. Und fressen will sie kein Vogel, denn sie schmeckt greußlich.
Die Folge: Das Tagpfauenauge wird immer seltener und stirbt langsam in den nächsten 10 Jahren aus, und mit ihm viele andere Arten.
Unvorstellbar? Gut, das ist ein Horrorszenarium, aber wer mag solches oder ähnliches ausschließen?
Es gibt viel zu viele Beispiele auf der ganzen Welt, wo eingeschleppte Arten zu ökologischen Katastrophen geführt haben: Killeralgen im Mittelmeer, Kaninchen, Ratten, Katzen, Ziegen, Opuntien, Agakröten in Australien, Dreiecksmuscheln in den europäischen Flüssen, Wollhandkrabben, Ambrosia, die heftige allergische Reaktionen auslösende Pflanze, Nattern, die seltene endemische Kleinvogelarten auf den indonesischen Inseln komplett ausrotten, der Schmetterling (siehe hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Paysandisia_archon , übrigens eine sehr attraktive Art, die Zucht würde mich interessieren!) und der rote Palmrüsselkäfer am Mittelmeer bei Palmen, und, und, und...
Daher ist es nur zu verständlich, eine Neueinschleppung entweder zu verhindern oder energisch zu bekämpfen.
Nur, oft ist es bei der Feststellung, das eine neue Art sich anschickt, ein Ökosystem zu erobern, für eine Bekämpfung schon zu spät!
Trotzdem, wenn wir eine Einschleppung verhindern können, sollten wir es tun, zum Schutz der Arten, die keiner kennt oder wahrnimmt.
Und wenn es, wie beim Buchsbaumzünsler, schon geschehen ist und die Maßnahmen nichts helfen, sollten wir als "Fachleute" unsere Verantwortung wahrnehmen und diesen Neubürger genau beobachten,... und bei einem Auftreten die zuständigen Behörden/Institute(siehe weiter oben im fred) benachrichtigen, um wenigstens die Bestandsaufnahme und die Ausbreitung zu erfassen.
Einfach nur lassen, ist zu einfach!
Rettet das Tagpfauenauge!
Gruß
Arnd