Guten Abend noch zusammen.
Wie Lucas es ganz oben schon erwähnt hatte: zu einfach werde ich es nicht machen, denn ich finde zusätzlich zum Spass an der Sache, soll es auch was zu lernen geben.
Als Jugendlicher hatte ich die Gelegenheit mir den "alten" STANDFUSS von 1896 zu kaufen.
In seiner Beschreibung, wie man denn im Freien der Raupen habhaft wird steht folgendes geschrieben, was sich mir intensiv einprägte:
Es gilt "Sehen zu lernen"!
So einfach das klingt, so ist dies durchaus keine so gar leichte Sache: und gerade auf diesem "Sehen lernen" beruht mit in erster Linie die erziehende und bildende Wirkung des Sammelns von lebenden oder toten Naturgegenständen.
Für dieses "Sehen lernen" ist erforderlich, dass man nicht nur mit dem Auge schnell hintereinander möglichst viele Punkte der Aussenwelt scharf zu fixieren vermag, sondern auch die dadurch im Auge hervorgerufenen Bilder geistig percipiert, also mit Bewusstsein sieht und dadurch gewisse Gedanken auslöst, die uns zu weiteren Schlüssen und schliesslich zu dem gewollten Resultat führen.
Ein Beispiel:
Wir stehen im Hochsommer vor einer Zitterpappel. Die langgestielten, fast kreisrunden Blätter schwanken lustig in der leicht bewegten Luft. Eines dicht vor uns schwankt nicht, es hängt straff nach unten und doch sehen wir nichts Auffälliges daran. Drehen wir das Blatt. Da haben wir den Grund: es sitzt eine mehr als halberwachsene Raupe von Smerinthus (Laothoe) populi an der Mittelrippe der Unterseite.
Sie wird die willkommene Beute des jungen Sammlers.
Genau dieses "Sehen" hat jeder Entomologe im Blut, der
erfolgreich im Feld unterwegs ist. Und genau diese Fähigkeit gilt es immer wieder zu trainieren und im besonderen an den Nachwuchs weiter zu geben.
Und dies im Besonderen in einer
Zeit, in der es nicht mehr
zeitgemäß ist, sich
Zeit zu lassen oder
Zeit zu nehmen, gerade für solch
zeitlosen Handlungen, wie Insektensammeln. Ein Unterfangen, dass die meisten Menschen wohl eher als
Zeitverschwendung ansehen würden.
Und wer schon mal bei 80 km/h aus dem Auto raus oder auf´m Roller in Griechenland nach Daphnis nerii Raupen gesucht hat, versteht auch, was ich meine.
Und genau darum geht es mir bei diesem jetzigen Rätsel: um "Sehen lernen"!
Ja, selbst hier und jetzt. Das mag vielleicht dem einen oder anderen zu bevormundend klingen, aber ich finde, warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Auch wenn das bei mir vielleicht manchmal etwas hinterhältig rüber kommt, ist es von mir ganz gewiss nicht so gemeint. Zumindest nicht böse
So, lang genug geschwafelt.
Mit diesen neuen Vorgaben schaut euch noch mal meinen ersten Hinweis
ganz genau an. Mit ein bisschen Grammatikkenntnisse kommt jeder drauf, was ich meine.
Ein Hinweis für heute sei noch gestattet: es handelt sich um eine Specis einer holarktisch verbreiteten Gattung; diese kommt auch in Mitteleuropa vor.
Und jetzt müsste, vielleicht nach etwas Recherche im Internet, jeder mitteilen können, um welche Gattungen es sich noch handeln kann und damit wären schon mal 90% aller holarktischen Arten von der Liste gestrichen.
Kombiniert mit dem Foto der Eier, worauf man erstens die Farbe der Eier und zweitens die Größe derselben erkennen kann, werden noch viele weitere Arten aus den Möglichkeiten gestrichen. Und der Futterpflanzenhinweis schränkt noch viel weiter ein.
Jetzt kann man natürlich sagen: "du kennst dich ja schließlich mit den Sphingiden aus". Jo, ist so.

Aber es ist mit nur ein bisschen Recherche und Rätselwillen ziemlich einfach zu schaffen, die Arten einzugrenzen.
Und wer´s dann noch, zumindest ein kleinwenig erklären kann, ist sicher ganz vorne mit dabei.
Ob´s der "Gewinn" wert ist, kann ich nicht sagen. Aber in erster Linie geht´s halt auch um die Herausforderung ein Rätsel zu lösen.
Jetzt noch kurz die Antworten zu den Lösungsvorschlägen:
@Annett
Proserpinus proserpina ist es nicht. Die Eier dieser Art sind, ebenso wie die der Agrius sp., um einiges kleiner, als die abgebildeten.
Und ich hoffe, du machst trotzdem weiter, denn mit den von dir gewählten Gattungen, warst du wirklich gut!
@Franz.
Ja, die Gattung Hemaris ist eindeutig im engeren Kreis des Möglichen.
Zur Auflösung fehlen aber noch die nächsten Hinweise. Alles andere wäre nur Lotterie.
@André
Schade dass es unser Lexikon nicht mehr gibt. Dort wäre eine entsprechende Definition der einzelnen biogeografischen Regionen.
Aber auch Wikipedia leistet hier, für diesen Zweck, gute Arbeit.
dann wird Dir klar das Theretra alecto wie Hippotion celerio sehr wohl auch
Holartische Arten sind wenn es sie auch noch weit südlicher vorkommen.
Eindeutig nein! Ausser alecto und celerio sind mittlerweile auch in Amerika beheimatet, was mir so bis jetzt nicht bekannt ist.
Für mich sind diese beiden Arten in der Palaearktis und eventuell noch in der Palaeotropis verbreitet, aber definitiv nicht holarktisch.
Vielleicht täusche ich mich da ja auch mit der Definition "Holarktis", aber ich denke (hoffe

) doch, dass da der Fehler bei dir lag.
Wikipedia: biogeografische Regionen der Welt / Florenreiche
Oder wir beide haben da nur ein Verständnisproblem.
Mit meiner Aussage, die Gattung wäre holarktisch verbreitet, meine ich, sie ist im fast gesammten holarktischen Gebiet vorkommend (Grönland etc. nicht)
Da ich Euch nun wirklich stark unter die Arme gegriffen habe, gibt es heute keinen weiteren Hinweis mehr.
Und allen anderen alten und neuen Bestimmungsversuchen möchte ich nur nahe legen: bitte erklärt auch, wie ihr zu einer Art als mögliche Auflösung gekommen seid. Ich möchte damit vermeiden, dass jemand einfach nur irgendwelche Arten nennt, um zufällig die Richtige zu erwischen. Wär doch langweilig und ungerecht dem "arbeitenden Volk" gegenüber.
Weiterhin viel Spass und

für eure Ausdauer.
Rudi