Züchten von Lebendholzfressern

  • Hallo liebe Gemeinschaft,


    mich quält die Frage, ob und wie man Lebendholzfresser wie Zeuzera pyrina (Blausieb) und einige Sesien-Arten ex ovo züchten kann. Hat jemand schon Erfahrung diesbezüglich gemacht oder weiß jemand auch ohne Erfahrung wie die Zucht zu bewältigen ist?


    Bitte schreibt mir doch eure Erfahrungen dazu, ich wäre dankbar für jede Antwort und Anregung.


    Beste Grüße, Heiko

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  • Servus Heiko,


    die Forensuche wirst Du ja schon bemüht haben, bisher hat keiner etwas dazu geschrieben außer der Vermutung, dass es bei Z. pyrina vielleicht ähnlich wie bei C. cossus funktionieren könnte. Das einzig nennenswerte, was zu dem Thema ist diese Aussage hier:


    Ich habe auch Aegeria apiformis erfolgreich in Gefangenschaft großziehen können.


    (Anm. Aegeria = Sesia)
    Allerdings weiß ich nicht, ab welchem Stadium der fladda das gemacht hat.


    Ich denke über das Thema auch schon länger nach, speziell Sesien zu Züchten wäre mal wahnisinnig spannend. Idealerweise könnte man das Futter substituieren. Allerdings denke ich, dass das nicht so leicht geht, weil man annimmt, dass sie nicht von der Holzsubstanz sondern vom Pflanzensaft ernähren (aufgrund teilweise extrem kurzer Fraßgänge). Somit bliebe die Zucht an der lebenden Pflanze, was ja prinzipiell denkbar und realisierbar ist. Hier könnte ein Problem sein, dass Sesienraupen als Mordraupen gelten (hier weiß ich allerdings die Quelle nicht mehr, vielleicht kann da jemand aushelfen?). Des weiteren gibt es Arten die in von Pilzen hervorgerufenen Gallen leben, diese Bedingungen herzustellen dürfte dann schon recht schwierig werden :winking_face:


    Wenn Du an dem Thema dranbleibst, halt mich auf dem laufenden!!


    Servus,
    da moe

  • An die Zucht von C.cossus habe ich auch sofort gedacht, als ich die Anfrage las.
    Im Prinzip ist die Aufzucht mit Vollkornbrot und Apfelscheibe ja nichts anderes als eine Art Kunstfutter, und da stellt sich
    bei mir sofort die Frage, warum nicht mal mit Kunstfutter probieren? Bisher hat dies bei etlichen Gattungen geklappt, warum nicht auch hier?
    Eventuell mit pflanzlichen Bestandteilen(Holzmehl/Pflanzensaft) gemischt sollte es doch möglich sein, die Sesiiden zu "überlisten".
    Oder hat es solche Versuche in der Vergangenheit schon gegeben?
    Gruß
    Arnd

  • Hallo Heiko,
    das Problem besteht ja erst einmal darin, für eine ex-ovo-Zucht die notwendigen Eier zu erhalten. An das Pheromon fliegen nur Männchen und die geziehle Suche von Glasflügler-Weibchen im Freiland ist aussichtslos. Mir persönlich ist auch keine geglückte Eizucht aus dieser Familie bekannt. Am ehesten wird es möglich sein, rhizophage Arten (z.B. Chamaesphecia, Pyropteron) aus der Raupe zu züchten, die Falter in Gefangenschaft zur Kopula zu bringen und an eingetopften Pflanzen (Ampfer, Wolfsmilch) eine Ablage zu versuchen. Bei den xylophagen (Sesia, Synanthedon usw.) käme nur eine Umsetzung der Eier an die entsprechenden Bäume in Frage. Kunstfutter halte ich persönlich, wie auch schon von "moe" ausgeführt, für kaum machbar. Übrigens habe ich in vielen Jahren Sesienzucht noch keinen Fall von Kannibalismus erlebt, da die Raupen nie freiwillig ihren Fraßgang verlassen. Selbst eine Wurzel mit 5 Raupen führt trotz der Enge zu keinen Übergriffen. Versuche es doch alternativ einfach mit jüngeren Raupen, die sich ohne Futterwechsel z.T. fast über ein ganzes Jahr im Topf zum Falter bringe lassen (nur Wurzelfresser!). Diese lassen sich jetzt noch beqem von draußen holen und über den Winter bringen; z.B. B.ichneumoniformis oder C.empiformis.
    Ich wünsche dir viel Erfolg!
    Beste Grüße
    Frank

  • Hallo Zusammen,


    zuerst mal vielen Dank, für die Antworten von euch. Mit geht es eigentlich hauptsächlich um S. apiformis und eben Z. pyrina. Vom letzteren Falter hatte ich schon manchmal Tiere am Licht und deshalb wäre ich eben interessiert an einer ex ovo Zucht, denn dann könnte ich ein Weibchen mal zur Ablage bringen.


    Die kleinen Sesien findet man eher nicht als Falter, oder eben nur Männchen in den Pheromonfallen, da hast Du vollkommen recht Frank. Bei S. apiformis hatte ich aber selbst schon das Glück einen zu finden und mir wurde von anderen Züchtern ebenfalls mitgeteilt, daß sie schon welche gefunden hätten. Einmal sogar ein Päärchen in Kopula.


    Ich hatte auch zuerst überlegt, ob die Zucht ähnlich wie C. cossus zu machen wäre, wie Arnd schon sagt, kam davon aber ab, da C. cossus durchaus auch Totholz frißt, Z. pyrina und S. apiformis aber eben Lebendholzfresser sind.


    Die Wurzelfressenden Sesien sind wahrscheinlich das kleinere Übel, da hier ja eingetopfte Pflanzen Verwendung finden können.


    Nun ja, ich werde mich weiterhin informieren und würde mich auf weitere Beiträge freuen.


    Nette Grüße, Heiko

  • Servus Heiko.


    Ich hatte vor gut 20 Jahren mal das Vergnügen bei uns in der Baumschule im auslaufenden Frühjahr an zwei Apfelbäumchen Bohrmehl am Stamm zu finden.
    Da die beiden Bäumchen eh gerodet und weggeworfen werden sollten, hatte ich sie "gerettet", eingetopft und weiter gezogen. Ich hatte sie in der Arbeit gelassen, an einer Stelle, an der ich regelmäßig vorbei kam. Es war dann auch immer mal wieder Bohrmehl an einem Loch im Ast, bzw. Stamm zu sehen, welches ich immer wieder mal abstreifte.
    Als sich nichts mehr rührte, wurde ich neugierig und habe vorsichtig nachgeschaut und fand in einem der beiden Bäume eine Puppe vor, die dann kurz drauf (frag mich nicht mehr wann genau) einen Blausieb (Zeuzera pyrina) entließ.
    In dem anderen Fraßgang fand ich nichts mehr vor; dieses Tier, was immer es war, wurde entweder gefressen oder hat sich woanders verpuppt.


    Der Astbereich, in dem die Raupe saß, war 2 und 3 Jahre alt. Das kann ich dir so genau sagen, da die Anzucht dieser Baumform für den Privatverkauf nicht länger dauert. Also dürfte auch die Entwicklung der Raupen maximal so lange gedauert haben.


    Eine Topfaufzucht von solchen Apfelbuschbäumen oder auch vielen anderen Bäumen stellt kein Problem dar und so könnte es gut klappen, auf solchen Pflanzen eine ex ovo Zucht durchzuführen. Man muß ev. nur genug Feingefühl aufbringen um der Pflanze nicht zu viele Raupen zuzumuten.
    Und natürlich wird es schwierig sein 1) über den langen Zeitraum sämtliche Gegenspieler fern zu halten und 2) den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, wann die Puppe vorhanden ist bzw. der Falterschlupf ansteht.
    Denn ich glaube, ich hatte damals großes Glück gerade die Puppe zum richtigen Zeitpunkt rauszupopeln.


    Ich wollte das dann selbst mal irgendwann ausprobieren, aber dazu ist es dann nie gekommen. :face_with_rolling_eyes:


    von dem her: viel Erfolg bei dem Projekt!


    Rudi

  • Servus Rudi,


    das ist doch eine Aussage,mit der sich viel anfangen läßt. Da ich in meinem Garten ein relativ geräumiges Gewächshaus zur Verfügung hab und dieses ohne großen Aufwand unterteilen könnte, wäre das mit dem Fernhalten von ungebetenen Gästen wohl gut durchführbar.


    Da werd ich mir doch mal ein paar Gedanken darüber machen, wie sich das Ganze dann verwirklichen läßt.


    Danke für diese Anregung und sehr gute Beschreibung.


    Beste Grüße, Heiko

  • wäre das mit dem Fernhalten von ungebetenen Gästen wohl gut durchführbar.

    Hallo Heiko.
    Du denkst an die lange Zuchtdauer!
    Mögliche Feinde sind Vögel jeder Art, Ameisen und andere Raubinsekten inkl. Schlupfwespen etc. etc.
    Die alle über diesen langen Zeitraum fern zu halten, dürfte eine der größeren Schwierigkeiten einer solchen Zucht sein.


    Wie gesagt: viel Glück!

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