Farbvariation P. machaon

  • Liebe Kollegen,


    ich beobachte im Augenblick in mehreren(!) Zuchtstämmen von P. machaon Imagines, die ocker-orange gefärbt sind, anstatt gelb. Die Variation ist sehr stark ausgeprägt und ich habe das noch nie vorher gesehen, obwohl ich seit einigen Jahren in großen Stückzahlen züchte. Im Gegensatz zu den Vorjahren habe ich die Raupen in den Käfigen mehrfach kurzen UV-C Bestrahlungen zur Desinfektion ausgesetzt. Ich mag aber nicht glauben, dass dies die Ursache für die Farbvariation ist. Hat jemand Erfahrungen mit solchen Farbvariationen oder kennt Literaturstellen dazu? Bitte jetzt nicht schimpfen: Ich habe bislang kein Foto davon gemacht und die Tiere fliegen lassen. Sollte noch so ein Tier schlüpfen, werde ich Fotos nachliefern.


    Grüße, Stefan

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  • guten abend/morgen Stefan,


    uv-c ändert das genetische erbmaterial, deshalb kann daher m.e. nach die mutation kommen.
    uv-strahlung unter 285nm geht in diesen bereich. mutter natur meint es gut und schützt uns davor durch die ozonschicht. es ist also völlig unnatürlich auf der erde. aber richtig, zur desi in op's, für teichwasser etc wird es technisch genutzt.


    für alle die das nachmachen wollen sei eine warnung ausgesprochen. bei unsachgemäßer anwendung - dazu gehört auch das vergessen, dass so eine strahlungsquelle in betrieb ist, können verbrennungen der haut (und netzhaut glaube ich - recherchiert selbst) und später aus oben genanntem grund krebs die folge sein.


    viel erfolg bei den zuchten.


    herzliche grüße steffen

  • Hallo Stefan! Bei einem meiner ersten Zuchtversuche vor ca. 25 Jahren hielt ich eine Schwalbenschwanzraupe auf einem sehr heissen Südbalkon. Nach meinem heutigen Wissen war es ein Wunder daß sie überlebte. Der geschlüpfte Falter sah so aus wie von Dir beschrieben. Ich bin mir ziemlich sicher daß es mit der Wärme bzw. erhöhten UV-Strahlung zusammenhängt. Wenn ich heute mal Zeit habe stelle ich noch ein Foto von dem Tier rein. Gruß Christian.

  • Hallo Steffen, hallo Christian,


    danke für den Input. Ich will noch ein bisschen erläutern: UV-C Strahlung wird extrem gut absorbiert und das geschieht in wenigen Mikrometern Tiefe bereits. (Von daher schädigt man am Auge nicht die Netzhaut, sondern die Hornhaut.) Zunächst habe ich Eier von Schwalbenschwanz mit UV-C desinfiziert. Die Eihülle ist zwischen 8 und 12 Mikrometern dick, das habe ich mit dem Elektronenmikroskop selber ausgemessen. Bei solchen desinfizierten Eiern gab es keinerlei Auswirkungen auf die Tiere, weder bei den Raupen noch bei den Imagos noch bei deren Fertilität. Die Dosis bei der Ei-Desinfektion war mindestens 10 mal so hoch wie das, was ich dieses mal den Raupen zugemutet habe. Meine Überlegung war die, dass die Strahlung nicht tiefer als in die Haut der Raupe eindringt (ich habe aber die Dicke einer Raupenhaut noch nicht gemessen und es kann sein, dass ich mich da gewaltig verschätze) und die Haut wird ja zudem "regelmäßig gewechselt". Sonst hätte ich mich mit dem Experiment auch nicht getraut. Vielleicht hast Du, Christian aber mit Deiner Vermutung recht. Ich kann allerdings sicherstellen, dass die Raupen keine hohe Wärmebelastung hatten. Weder bei der Bestrahlung noch sonst.


    Grüße, Stefan

  • Hallo zusammen,


    man unterscheidet bei Schmetterlingen zwischen "Färbung" (pattern = das ist die Zeichnung) und "Farbe" (color).


    Die Färbung, das ist bei P. machaon vor allem die Verteilung der schwarzen Färbung, wird im letzte Raupenstadium und in der frühe Puppe determiniert. Sie wird dann festgelegt, obwohl der Flügel ja noch ganz in seinen Anfängen steckt. Die Farbe, d.h. dunkle Melanochrome, gelbe Papiliochrome oder ein paar andere Farbpigmente, werden erst in der späten Puppe gebildet. Dabei gibt es in der Hirarchie und der zeitlichen Abfolge eine strikte Reihenfolge - bei allen Schmetterlingen gleich. Wir wissen z.B. alle, dass die dunkle Farbe in der Puppe zuletzt kommt.


    Durch Einwirkungen von außen kann man zum gegebenen Zeitpunkt tatsächlich entsprechende Störungen hervorrufen. Eine gezielte Störung von späte Raupe oder früher Puppe kann zu Zeichnungsveränderungen führen. Einwirkungen auf die späte Puppe bewirken eine Fehlsteuerung der Farbentwicklung, z.B. den Melanismus (bei Schwalbenschwänzen nicht so ganz selten, seltener bei Weißlingen).


    Man sieht bei dem Bild oben, dass die Färbung (pattern) normal ist. Die Ausbildung der Farbpigmente (color) ist verändert. Das normale dunkle Melanochrom ist nicht vollständig ausgereift, es bleibt ein brauner Farbstoff.
    Das gleiche wird bei den orangen Schwalbenschwänzen passiert sein. Die Bildung des Papiliochrom wurde gstört, also blieb ein Xanthochrommatin, braun-gelb-orange zurück. Die Art der Störung ist dabei fast beliebig. Meist ist es ein Wärme- oder Kältereiz. Mit einer genetischen Mutation hat das nichts zu tun.


    Schönen Gruß

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