Kalk-Magerrasen – Refugien für Schmetterlinge und andere Insekten, Teil 1-3

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  • Ich weiß, der Beitrag liegt nun schon eine lange Zeit zurück - aber ich denke, thematisch würde ich da trotzdem gern nochmal nachhaken.

    Zum einen natürlich ersteinmal vielen Dank für die tollen Bilder und den ausführlichen Text dazu :thumbup:

    Zum anderen hätte ich da aber nochmal eine Anmerkung zu folgender Aussage:

    "Aber dadurch, dass die Weidetiere so lange auf einem Teil des Hanges stehen, lassen sie dort ja auch die ganze Zeit ihren Kot fallen, und dieses Stück, und im Laufe einiger Wochen der ganze Hang, wird stark überdüngt"

    Also ich habe folgendes gelernt - und bitte korrigiert mich, sollte ich falsch liegen: "es kommt nicht mehr raus als auch rein geht". Sprich: solange nicht von Außen zugefüttert wird, bleibt der Nährstoffgehalt der Fläche auch +-0 (abgesehen vom Eintrag über die Luft/angrenzende Flächen). Klar, wenn man die Fläche aushagern möchte und daran interessiert ist, Nährstoffe abzutransportieren, sieht es natürlich wieder anders aus - aber ich gehe hier mal davon aus, dass der Status quo ersteinmal in Ordnung ist.

    Also theoretisch sollte es -im Hinblick auf den Nährstoffgehalt- keine Rolle spielen, wie lange sich die Tiere auf der Fläche befinden / was sie fressen oder nicht. Das Problem kommt erst dann ins Spiel, wenn die Tiere extra noch zugefüttert werden, sollte die Fläche nicht genug Futter bieten können.

    Aber wie gesagt, korrigiert mich, sollte ich falsch liegen...


    Anyways, schöner Bericht! :)


    Viele Grüße,

    Toni

  • Du liegst nicht falsch. Es ist einfach so, dass die von dir beschriebene Situation (wiederum nur meine Erfahrung bzw. mein Wissenstand) eher den Ausnahmezustand darstellt. Die Magerrasen sind in der Regel wie der Name ja sagt mager und geben für das Weidevieh nicht viel her. Da es für die Schäfer heutzutage recht unwirtschaftlich ist wenige Schafe zu halten, die mit einer begrenzten Fläche auskommen, muss fast immer zugefüttert werden oder die Schafe werden über große Flächen geschickt und nachts gekoppelt. Der Idealfall von ungekoppelter Weidehaltung oder Koppelhaltung ohne Zufütterung in geringer Dichte ist so wie ich das mitbekomme sehr selten anzutreffen. Abgesehen davon sind Magerrasen heute ständig mit Nährstoffeintrag konfrontiert, sodass der Status quo eben nicht in Ordnung ist. Prinzipiell hast du aber denke ich recht. Wenn die Schafe auf einer Parzelle gekoppelt werden und nicht zugefüttert wird, sollte die Nährstoffbilanz nicht durch die Schafe verändert werden.


    Ich hab selbst auch bis jetzt wenige Magerrasen gesehen denen ich das Problem von Überdüngung attestieren würde. Meines Erachtens ist das Problem der Koppelhaltung eher die extreme Überweidung der Flächen, wodurch gerade im Sommer geradezu wüstenartige Flächen entstehen in denen kaum ein Insekt überlebt. Das Bodenmikroklima muss dadurch ja wohl komplett gestört werden. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das keine Auswirkung auf die Pflanzendecke hat. Ganz abgesehen davon, dass solche Flächen für große Teile des Jahres als Reproduktionsflächen für Insekten ausscheiden. Auf Sandmagerrasen, deren Pflanzen- und damit auch Insektenvielfalt stark von Offenboden abhängt, sehe ich auch durch die intensive Schafbeweidung stark verdichtete Oberböden, auf denen sich dicht geschlossene Pflanzendecken ausbilden, was wiederum viele typische Sandrasenpflanzen verdrängt. Aber das alles nur nebenbei zum Thema Beweidung.

  • Hallo,

    wie Dennis schon schreibt, ist in der Regel nicht die Überdüngung das Problem (Bei Pflegeflächen ist die Anzahl der darauf weidenden Tiere meist genau berechnet und die Zufütterung auf geringste Mengen (nur so viel das die Tiere gegenüber dem Menschen nicht scheu werden) begrenzt), sondern der selektive Fraß Druck auf bestimmte „Lieblingspflanzen“. Wir hatten mal einen Geo-Tag auf einem erst kurz aufgegebenen Munitionsdepot der Bundeswehr, auf dem bis dahin dauerhaft Schafe gehalten wurden. Bis auf wenige Grasarten war praktisch keine Vegetation und dementsprechend auch keine Schmetterlinge mehr zu finden. Die für u.a. Bläulinge wichtigen Kleearten fehlten völlig. Auf vielen Magerrasen wo zur Pflege keine Wanderschäfer mehr eingesetzt werden konnten und Schafe eingezäunt mehrere Wochen zur „Pflege“ gehalten wurden und oft leider auch noch werden, verschwinden die Spezialisten meist in kurzer Zeit. Das Verschwinden des Regensburger Gelbling ist ein gutes Beispiel für diese zwar gut gemeinte, aber katastrophale Art der Pflege.

  • Hallo Toni, Dennis und Walter,


    vielen Dank, dass Ihr Euch zu meinem Artikel über über die Kalk-Magerrasen weiterführende Gedanken gemacht habt.

    Toni hat den Spruch geprägt: "Es kommt nicht mehr raus als auch rein geht."

    Grundsätzlich stimmt das, dass das Weidegebiet nicht eutrophiert wird, wenn nicht zugefüttert wird.

    Aber durch die massierte Abgabe des Kotes an Stellen , wo die Tiere ruhen, werden gewisse Teile des Geländes stärker gedüngt (siehe Abbildung in Teil 3).

    Denis und Toni haben den Aspekt des Zufütterns ins Spiel gebracht, weshalb es bei Koppelhaltung doch zu Eutrophierung kommen kann.

    Den wichtigsten Aspekt, weshalb die Zahl der Schmetterlingen auf stark beweideten Flächen und besonders bei Koppelhaltung zurückgehen, wird aber bei Walters Beitrag gebracht, nämlich der "selektive Fraß bestimmter Lieblingspflanzen". Schafe und auch Ziegen fressen die Wiesen nicht gleichmäßig kahl, sondern suchen sich besondere Gräser und vor allem die Blütenpflanzen heraus, sodass man nach kurzer Zeit blütenarme bis, je nach Dauer der Beweidung, blütenlose Flächen vorfindet, wie ich in der Bild-Gegenüberstellung in meinem Teil 3 zu zeigen versucht habe (Siehe Teil 3 meiner Arbeit!).

    Wo aber keine Blüten mehr zu finden sind, haben auch die Insekten nichts mehr zu suchen. Sie fliegen woanders hin.

    Meiner Meinung nach sollten Schafe in ökologisch wertvollen Gebieten nicht in Koppelhaltung untergebracht werden. Wenn das aus wirtschaftlichen Erwägungen nicht zu umgehen ist, sollte man wenigstens genügend breite Streife dazwischen unbeweidet lassen, damit die Insekten genügend Blüten als Lebensgrundlage vorfinden.


    MfG

    Jürgen

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