Spannweite Agrius convolvuli

  • Bei den Spannweiten gab es kaum Ausreisser - größtes Männchen 84 mm, größtes Weibchen 92 mm.

    Auffällig war, dass die im gleichen Zeitraum fliegenden D. nerii alle von der üblichen Größe waren. Da waren zum Teil wahre Riesen mit Spannweiten von 12-13 cm dabei.

    Interessant, eigentlich ist das eine scheinbar so banale Sache, aber irgendwie ist das schon spannend. So einfach ist das nämlich augenscheinlich nicht. Ich befürchte solche Sachen sind in der Regel komplizierter als " ach, die hatten halt schlechtes Wetter oder Futter". Klar, ich würde auch mal behaupten wollen dass die Größe in der Regel direkt mit der Nahrung der Raupen zusammenhängt. Aber warum haben die Raupen weniger Nahrung gehabt wenn man mal davon ausgeht? Und wie passt das in das Gesamtbild?

    Warum das bei anderen Arten vielleicht nicht so zu beobachten ist würde ich jetzt nur eine weitere aus der Luft gegriffene Hypothese in den Raum werfen. Vielleicht hat es was damit zu tun, das D. nerii und Hippotion-Arten auch an Sträuchern oder zumindest verholzenden Ranken fressen. In meiner Logik sind die ausdauernder bei Trockenheit als Kräuter wie Winden oder Süßkartoffel. Überhaupt kann ich mir Süßkartoffel in trockenen Regionen nicht gut vorstellen, wachsen die doch sonst eher in feuchteren Gebieten der Tropen und Subtropen. Die geeignete Jahresniederschlagsmenge für den Anbau die ich gefunden habe liegt bei 750-1000 mm. Ich würde mal annehmen dass es bei anderen Convolvulaceae ähnlich aussieht. A. convolvuli ist auch nicht sehr polyphag im Gegensatz zu den Hippotion-Arten, welche ja alle möglichen Kräuter nehmen - praktisch alles was da ist.


    Kleinere Tiere aus Fidschi passen da jetzt wieder überhaupt nicht ins Bild. Da hat es ganzjährig nahezu konstant viel Niederschlag und monatliche Durchschnittstemperaturen von 25° bis 27° C. Das Futterangebot sollte damit theoretisch ständig gut sein. Wenn man der Überlegung mit der Temperatur folgt nachdem höhere Temperaturen kleinere Tiere hervorbringen macht das auch wenig Sinn. Die Durchschnittstemperatur in N'Djamena ist z.B. höher als die in Fidschi mit um die 30° C. Eigentlich würde man irgendwie erwarten, dass die Größenreihenfolge wäre Fidschi>Deutschland>Tschad oder nach der Temperatur Deutschland>Fidschi>Tschad.


    Grüße Dennis

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  • Hi Dennis,

    Süsskartoffeln werden im Tschad bis nördlich des Tschadsees angebaut. Teilweise mit ausgeklügelten Bewässerungssystemen.

    Unabhängig davon findet sich genug Vegetation an den Ufern des Chari-Flusses der den Tschadsee speist. Die Uferzone ist auch in der Trockenzeit ausgesprochen grün und dicht bewachsen. (Auf dem zweiten von mir eingestellten Bild ist der Fluß im Hintergrund zu erkennen). Deshalb glaube ich auch nicht recht an die Theorie von schlechtem Futter.

    Irgendwie doch etwas rätselhaft - wie Du schon angedeutet hast, von der Logik her, müssten die Exemplare eigentlich normale Größen erreichen.

    Ich werde noch bis Mitte nächsten Jahres im Tschad bleiben, mal sehen wie die nächste Generation ausfällt.

    LG Andreas

  • Nichts für ungut, aber die Publikation sagt finde ich gar nichts. Wie man es von der Atalanta irgendwie gewohnt ist lässt das ganze an Wissenschaftlichkeit etwas vermissen. Nichts groß belegt, keine Zahlen, viele in den Raum gestellte "Tatsachen" und Vermutungen. Nichtmal das mindeste bei einer Publikation über Größenunterschiede ist dort aufgeführt: Die Größenunterschiede! Es sind teilweise Serien von über 200 Tieren vorhanden und man bekommt es nichtmal hin den Mittelwert und eine Standartabweichung auszurechenen. Ein bisschen Westentaschenstatistik wäre bei sowas schon mal angebracht gewesen. Stattdessen ist im Text nur von "großen, dunklen" und "hellen, kleinen" Tieren die Rede. Die Größenunterschiede kann ich mir dann an der Abbildung selbst zusammensuchen. Die zitierte Literatur zum Vergleich mit europäischen Einwanderern ist durchweg im Stil von "die in Europa geschlüpften sind größer, die im Frühjahr eingewanderten kleiner". Zahlen? Belege? Fehlanzeige. Es kann ja meistens oft schon nicht klar belegbar angenommen werden, dass ein in Europa gefundener Falter in Europa geschlüpft ist. Wenn überhaupt dann macht die Publikation alles noch weniger erklärbar, weil eben deutlich hervorgeht, dass die Falter in Afrika eben nicht alle klein sind.

    Quote

    Große und dunkle Windenschwärmer, gemeinsam mit sehr vielen, viel kleineren, dunklen bis hellen Tieren, bei allen drei afrikanischen Serien, überraschen somit. Das Auftreten von solchen „Mischpopulationen“ ist aber nicht verwunderlich, da es als erwiesen gilt, daß es bei Massenvermehrungen von Arten im allgemeinen zu großen aber auch sehr vielen kleinen Individuen
    kommt, die profan als Hungerformen bezeichnet werden.

    Ah ja, "allgemein erwiesen". Wenn ich die nicht wirklich vorhandene Diskussion dazu deuten soll, scheint es so als zieht er auch einen Zusammenhang mit dem Nahrungsangebot, aber außer diesem Satz mit den Hungerformen gibt der Text keinen Ansatz zur Erklärung der gefundenen Unterschiede. Was das mit den "Mischpopulationen" heißen soll, weiß ich nicht. Wir haben es hier offensichtlich nicht mit verschiedenen Populationen zu tun. Es wird dann weiter Verwunderung darüber ausgedrückt warum die großen Falter aus Afrika nicht nach Europa fliegen, weil die ja angeblich im Frühjahr alle klein sind, ohne das wirklich so richtig belegen zu können. Es gibt dann noch den kurzen Zusatz in einem Absatz dass in Südostasien und im indo-australischen Raum ebenso kleine Tiere zu finden sind und dass da manche eventuell als eigene Art abzuspalten sind.


    Da waren wir doch irgendwie auch schon. Es gibt kleinere Tiere in Afrika, Südostasien und Ozeanien. Warum wissen wir nicht. Es gibt erstmal keine einfache Erklärung die sich mit diesem Bild deckt. Wenn was nahe kommt, dann noch die, dass die Tiere aus den Trockenregionen der Sahara klein sind wegen Futtermangel und dann nach Norden und Süden wandern. Dazu passen aber wie gesagt die Tiere in Asien und Ozeanien nicht. Wenn wir ehrlich sind haben wir keine Ahnung warum das so ist wie es ist.


    Grüße Dennis

  • Vor 50 Jahren fing hier jemand ein convolvuli Weibchen im Mai, welches 5 Eier legte. Der Kollege bekam tatsächlich auch 5 Falter dabei heraus, welche aber alle mindestens 1,5 cm kleiner waren als das Weibchen.

    Das Beispiel zeigt allerdings auch nur das der Windenschwaermer noch vieles vor den Entomologen verbirgt... Getreu dem Motto :" Die Wege Gottes, der Elektrizität und der Insekten sind ganz einfach unerforschlich."

    Gut, nicht komplett, aber es wird immer wieder Dinge geben die sich der Erklärung entziehen.

  • Zugegeben, viel Tiefe hat die Publikation nicht. Aber das hatte meine Ursprungsfrage auch nicht. Das Thema hat sich nur interessant entwickelt. Das hier noch erheblicher Klärungs- bzw. Forschungsbedarf besteht, ist unbestritten. Zumindest bestätigt der Beitrag mir, dass in der Tat die convolvuli aus dem zentralen Afrika deutlich kleiner ausfallen und es sich nicht um ein örtlich oder zeitlich begrenztes Phänomen handelt.

    Die Farbunterscheide (hell/dunkel) halte ich auch nicht für so relevant. Die Exemplare im Tschad sind von hellgrau, zeichnungslos bis sehr dunkel mit ausgeprägter Zeichnung in jeder Variation vertreten.

    Es ist sicherlich wert, sich damit noch weiter intensiv zu bestätigen. Ich werde versuchen eine Zucht unter optimalen Bedingungen zu starten und dann noch eine Nachzucht. Die Auswertung daraus, im Vergleich zu Freilandexemplaren lässt vielleicht neue Schlußfolgerungen zu.

    LG

    Andreas

  • Auch die Wanderfalterdebatte ist ja noch völlig ungeklärt und da liegt vieles im Wesentlichen noch im Dunkeln. Von daher ist das auf jeden Fall noch etwas was man weiter untersuchen kann. Wäre ja auch langweilig wenn alles bekannt wäre. Dann hätten wir ja gar nichts mehr zu tun. Halte uns auf jeden Fall auf dem Laufenden, falls sich aus deinen Beobachtungen noch weitere interessante Erkenntnisse ergeben.


    Grüße Dennis

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