Treibzucht von heimischen Schwärmern

  • Hallo alle zusammen,


    ich habe im Moment sehr viele verschiedene Schwärmerarten in meinem Überwinterungskasten. Es würde sehr schwer werden alle Arten Artgerecht zu halten. Deshalb wollte ich fragen, ob man die Zuchten eventuell etwas "vorziehen" könnte? Sodass ich schon ab Mitte Februar die Puppen Stück für Stück ins warme nehme und anfange zu züchten. Damit könnte ich die Zuchten so hinlegen und über den Sommer/Herbst verteilen, dass ich nicht so viele Arten gleichzeitig zu versorgen habe. Wäre das denkbar oder geht das nicht? Natürlich müsste ich in dem darauffolgenden Jahr die Reihenfolge umdrehen, damit die Puppen immer abwechselnd einmal getrieben werden und einmal normal schlüpfen können. Sonst befürchte ich, dass die Fertilität nachlässt oder? Natürlich müsste ich auch die passenden Futterpflanzen zur verfügung haben, was aber zum Beispiel bei S. ligustri, A. atropos etc. ja kein Problem sein sollte mit immergrünen Ligustrum ovalifolium.


    Würde mich über Antworten freuen:daumenja:


    Liebe Grüße

    Bela

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  • Hallo Bela,

    bei den meisten Arten sollte das prinzipiell funktionieren scheint mir aber doch etwas riskant zu sein. Man kann sicher viel falsch machen und die Tiere zahlen dann den Preis dafür. Darüber hinaus halte ich von sowas nicht sehr viel. Die Tiere haben ja nicht ohne Grund ihre Diapausezeiten. Hast du die Tiere aus lokalen Funden? Dann könntest du sie ja m Sommer wenn sie schlüpfen auch frei lassen. Dann müssten die ja nicht alle auf einmal in deinen Flugkäfig. A. atropos freizulassen sollte so oder so kein Problem sein, da es Wanderfalter sind. Wenn die Anzahl an Zuchten grundsätzlich zu groß ist würde ich an deiner Stelle darüber nachdenken in Zukunft nicht so viele Arten auf einmal zu züchten. Dann erübrigt sich dein Problem auch.

    Beste Grüße, David

  • Hallo Bela,

    ich versuche bei meinen Zuchten immer möglichst nah an die natürlichen Bedingungen heranzukommen. Dann hat man kaum Ausfälle und vitale Tiere, die man ggf. sogar zur korrekten Zeit freilassen kann. Die Tiere schlüpfen ja nicht zu irgendeiner Zeit, sondern zu der Zeit, wo sie in ihrem Lebensraum die besten Bedingungen vorfinden.


    Bei einer Treibzucht, ja sogar einer Art Zuchtmanagement, wie du es planst, gibt es viele Risiken. Besonders problematisch ist m.E. die Futterqualität. Wenn die Art eher ältere, harte Blätter bevorzugt und du nur frische saftige Blätter anbieten kannst, wird die Zucht scheitern. Außerdem wird die Puppenruhe dann entsprechend länger oder kürzer sein, auch das kann Folgen für die Vitalität der Tiere haben. Die natürliche Jahresrhythmik gerät aus dem Lot.


    Ich finde, wir sollten bei unseren Zuchten etwas über die Ökologie der Tiere lernen und verstehen, warum Dinge so oder anders sind. Nur dann kann man die Zuchtbedingungen perfektionieren und das mit anderen Züchtern teilen. Deine Vorstellung von einer rein technischen Zucht kann da wenig beisteuern. Das erinnert mich eher an die Massentierhaltung in der Landwirtschaft.


    Viele Grüße

    Klaus-Bernhard

  • Hallo Bela,

    Ich bin zwar nicht wie die meisten hier ein erfahrener, alterwürdiger (das ist keine Beleidigung sondern ein Lob) Entomologe sonder eher wie du Jungentomologe würde zu dem Thema auch gerne etwas anmerken.


    Zur Verkürzung der Überwinterung bzw. das "vortreiben" der Puppen so steht schon in dem Buch "Wir bestimmen Schmetterlinge" von Manfred Koch unter dem Untertitel "Zucht von Schwärmen" folgendes. Zitat:


    "Mit dem Ende der Heizperiode, also etwa im April, findet der Puppenkasten die übliche Aufstellung im Zimmer. Will man Puppen treiben, so dass sie schon vorzeitig im März oder April schlüpfen (unter Verzicht auf Nachzucht und Anflug!), kann der Puppenkasten bereits ab Februar in geheizten Räume gebracht werden unter der Vorraussetzung, dass eine starke, nicht zu kurze Frostperiode bereits auf die Puppen wirken konnte" Zitat Ende. So steht es da, nur das eine habe ich nochmal fett gemacht.


    Auf diese Möglichkeit wurde ich vorletztes Jahr auch erst aufmerksam gemacht und habe es zum Beispiel schon 2019/2020 bei Puppen vom Lindenschwärmer erfolgreich durchgeführt. Auch bei anderen Stadien sollte das kein Problem sein. Beispiel: letztes Jahr im Oktober mehrere Raupen vom Brombeerspinnner gefunden, eine Woche danach in den heimischen Kühlschrank getan und vor einer Woche wieder aus der Winterruhe rausgeholt, gebadet usw. und es leben noch alle beziehungsweise es scheint ihnen gut zu gehen. Dieses Jahr habe ich auch ein paar Puppen vom Ligusterschwärmer, werde die aber noch im Kühlschrank lassen weil ich sie im Sommer weiterzüchten möchte.


    Da das oben genannte Buch für mich eine gute Grundlage für die Schmetterlingszucht darstellt und da ja alle heimischen Schwärmer als Puppe überwintern und ich es schon selber gemacht habe und jeder Zeit wiedermache denke ich dass nicht viel dagegenspricht (es sei denn Nachzucht oder ähnliches!!!). Ob allerdings eine auf die Woche genaue Zuchtplanung funktioniert wage ich zu bezweifeln.


    Viel Erfolg

    Constantin

  • Hallo alle,


    Vielen Dank für die vielen Tipps und Anregungen!


    Um es vorweg zu nehmen. Mir geht es nicht darum möglichst viele Raupen zu züchten und es mir so einfach wie möglich zu machen, sondern darum, dass ich problemlos mit meiner Familie verreisen kann, ohne dass ich die Raupen mitnehmen oder alle Zuchten nach dem Urlaub neu aufbauen müsste.


    Ich entnehme euren Antworten, dass es nicht möglich ist die Zuchten um ein bis zwei Monate zu verschieben aus dem einfachen Grund der Fertilität. Da ich Nachzuchten natürlich möchte, kommt meine Idee also leider nicht in Betracht. Sehe ich das so richtig?


    Liebe Grüße

    Bela

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