Schmetterlingssammler - Teil I

  • @ sven:

    Na dann träum süß von um die Laterne schwirrenden Schweinen und Bären. Und morgen ist ja ein neuer Tag ...


    Ich weiß gar nicht, ob es hier auf ACTIAS Foren gibt, die für derartige Themen Raum lassen:

    Ein eher schon philosophischer Dialog ganz entspannt, ohne aggressive Stimmungen und mit vielen interessanten Geschichten und Geschichtchen rund um unser Lieblingshobby. So, wie Horst sich spontan angesprochen fühlt und spontan gleich eigene schöne Erinnerungen beisteuert, denke ich, gibt es sicherlich viele ACTIANER, die hier lesenswerte Erinnerungen einbringen könnten.


    Also, liebe Mitglieder, lasst Euch vom Starter dieses Beitrages, Sven-Kassel, inspieren und lasst hören, wie Ihr zu dem Hobby gekommen seid und wie dieses Hobby Euer Leben geprägt hat.


    Herzliche Grüße

    Robert

  • http://www.silkmoths.eu
    AD
  • Robert: ... nur geträumt von Spinnern und Spannern. Und die waren mehr im Schatten der Laterne unterwegs. Aber die Beiträge zeigen mir ja, dass ich jetzt wieder wach bin. Ich freue mich über die schönen Beiträge, die ich hier schon lesen durfte... Ich denke, "Entomovaria" ist als Forum für solcherlei gedacht, oder? Was bewegt (movēre) den Ento(mologen).


    Einen lieben Gruß in die Morgenrunde,


    Sven

  • Ich denke mit Wehmut an die Zeit vor ca. 40 bis 50 Jahren zurück. Zu dieser Zeit war die entomologische Welt noch ziemlich heil.

    Allein die Artenvielfalt und Anzahl der Insekten war gewaltig.

    Leider werden diese Rückblicke von einigen der jüngeren Generation manchmal angezweifelt und als "Jägerlatein" bezeichnet.

    Ich kann diese Meinung sogar verstehen denn sie kennen es auch nicht anders.


    Werner

  • Hallo an alle,


    von wegen "Jägerlatein"! Und es ist bereits 5 nach 12, wenn man den heutigen mit dem damaligen Zustand vergleicht. Denkt mal an Autobahnfahrten in den 70ern und 80ern in den Urlaub: Frontschutzscheibe und Kühlergrill total verdreckt mit Insektenleichen. Heute fahre ich 1400 km bis nach Südfrankreich und muss die Scheibe noch nicht mal säubern, wenn ich da ankomme. Es ist also auch kein rein deutsches Problem, sondern ein Problem aller Industrienationen. Die Landwirtschaft (ja, ich weiß, dass das Argument den Landwirten zum Hals raushängt) ist da sicherlich neben der Zunahme von Verkehr jeder Art, Zersiedelung und Industrialisierung mit riesigen einher gehenden Gewerbeparks an jeder Autobahnabfahrt eine der Hauptverursacherinnen von Artenrückgang und Dezimierung der Insekten aufgrund von Bewirtschaftung jeder irgendwie erreichbaren Fläche. Wenn man dann noch solche Augenwischereien wie das angebliche Verbot von Glyphosat und den massiven Einsatz von ähnlichen Killern bedenkt, ist das alles kein Wunder, sondern kühl betrachtet nur eine zwangsläufige Entwicklung. Aber ich wollte hier eigentlich gar nicht abschweifen vom eigentlichen Thema, sorry!


    Schreibt bitte lieber weiter Eure Erinnerungen auf, das macht mehr Spass, als an die Zukunft zu denken ...


    Gruß

    Robert

  • Einen morgendlichen Gruß an alle!


    Das Interesse am Thema dieses Threads scheint nun abgeflaut zu sein. Da ich diesen Thread eröffnet habe, ist vielleicht ein kleines Schlusswort angebracht...


    Es war schön, hier zu lesen. Es war auch schön zu sehen, dass sich um dieses Thema nicht immer gleich ein wüster Schlagabtausch entfachen muss. Ich kann verstehen, dass nicht allzu viele ihre "Entomotivaria" zum Besten gegeben haben. ACTIAS ist ein sehr spezielles Forum. Die Fazination für die Schmetterlinge und das Hobby, das sich um die Beschäftigung mit diesem Thema herum entwickelt hat, darzustellen, hat wahrscheinlich ein wenig den Rahmen gesprengt. Außerdem ist man sich oft über die Motivation für etwas gar nicht so recht im Klaren. Man muss sich selbst erstmal über seine Beweggründe für etwas fragen, um darüber berichten zu können, und nicht jeder hat die Lust oder die Zeit dafür, manch einem ist's auch einfach egal. Das ist alles OK...


    Eines ist mir beim Lesen der Beiträge aufgefallen: der Schmetterlingsflieder. Mehrfach wurde dieser genannt. Offensichtlich hat dieser, voll mit Faltern, bei vielen von uns einen bleibenden Eindruck in der Kindheit verursacht. Auch bei mir wird dieses Bild heraufbeschworen, wenn ich an meine schmetterlingskundlichen Anfänge zurückdenke. Zugleich geht mit dieser Erinnerung eine gewisse Sehnsucht einher, dass es wieder so sei. Sicher, jenseits aller Statistik und faunistischen Auswertungen, ist dies ein, wenn auch subjektiver, so doch eindrücklicher "Beweis" für den Artenschwund, und irgendwie tut das weh. Doch ohne jetzt auch noch poetisch zu werden, ist es, glaube ich, mehr: die Farbtupfer verschwinden und der Alltag wird grauer. Es ist nicht einfach nur die "statistische Tatsache", die uns Sorgen macht, es ist auch das eigene Erleben der Welt, das nachteilig davon berührt wird.


    In diesem Sinne, und das sei nun das Schlusswort: erinnern wir uns öfter an unsere zarten Anfänge und an die Faszination, die die Schmetterlinge (und auch ihr Sammeln!) auf uns ausüben, zurück, denn dann geht uns das Herz auf, seufzt erleichtert die Seele und leuchten unsere Augen. Und wenn das passiert, dann wird die Welt wieder bunter (q.e.d).


    Ich bedanke mich bei allen, für's stille Lesen, für's Antworten und wünsche Euch einen schönen Sonntag!


    Sven

  • Hallo Sven,


    ein würdiges Schlusswort!


    Dass das Interesse abgeflaut ist, glaube ich aber gar nicht. Nicht jeder fühlt sich berufen, selbst zu schreiben und liest lieber, was ja auch völlig legitim ist. Ich denke, wir sollten dieses Thema bzw. diesen Thread noch nicht so schnell beerdigen.


    Ich hoffe sehr darauf, dass es vielleicht doch noch einige unter uns/Euch gibt, die ihre Liebe zum Beobachten, Fangen und Sammeln von Insekten mit uns zukünftig teilen werden. Das ist ja ähnlich wie mit beispielsweise mitgeteilten Erinnerungen über die unvorstellbar harten Kriegsjahre, die wir noch von unseren Großeltern als Zeitzeugen selbst hören können. Das kann und sollte die Basis für die Erkenntnis sein, dass wir alle aufgerufen sind zukünftige Kriege zu vermeiden. Es ist generell nie verkehrt, sich die Vergangenheit in Erinnerung zu rufen, und daraus seine Motivation und Energie für zukünftige Verbesserungen des sich stetig verschlechternden Zustandes unserer Natur zu ziehen.


    Gerade die Älteren hier auf ACTIAS werden daher gebeten, doch mal ihre eigenen entomologischen Erlebnisse, Anekdoten und Eindrücke mitzuteilen, gerne auch in diesem "Thread" (deutsch: Diskussionsstrang).


    Nur ein Beispiel:

    Ich erinnere mich, wie ich in meinem kindlichen Forscherdrang ein kokonartiges Gelege von (Kreuz-?) Spinnen mit ins Haus brachte, ohne ansatzweise zu wissen, um was genau es sich handelt und was als nächstes passiert. Meine Mutter hat damals jedenfalls einen halben Nervenzusammenbruch erlitten, als sie morgens in mein Zimmer kam und sich dutzende kleine frisch geschlüpfte Spinnen in meinem Zimmer tummelten. Das gehört, denke ich, zu den grundlegenen Dingen unseres Hobbys, dass Tierchen immer wieder ausbüchsen ... Auch meine Frau kann davon ein Lied singen, als ihr z. B. eines Abends beim Fernsehen kleine Gespenstschrecken über den Nacken krabbelten. Erste Reaktion: "Schatz, hör auf damit!", worauf ich erwiderte: "Ich sitze doch gar nicht neben Dir." Wo kamen die kleinen Biester bloß her?! Hatte ich etwa die Dose mit den Eiern von Extatosoma tiaratum zum Lüften geöffnet und vergessen wieder zu schließen? Ich hab zwar erstmal behauptet, ich wüsste es wirklich nicht und es handele sich hierbei vielleicht um den sensationellen Erstnachweis wildlebender E. tiaratum in Bremen und meine Frau solle sich doch freuen, dass sie jetzt berühmt wird - aber das hat sie mir nicht so richtig geglaubt, da das nicht der erste Vorfall war.


    Auch wenn das alles nichts mit Deinem Ansatz dieses Threads "Moral und Ethik des Sammelns" hat, Sven, passt es aber doch irgendwie. Ich behaupte das mal einfach ;-)


    Einen schönen (in Bremen stürmischen und verregneten) Sonntag!

    Robert

  • Robert: nein, nein, um "Moral und Ethik des Sammelns" ging es mir eben nicht. Sondern genau eben darum: Anekdoten, Geschichten, Erzählungen. Über Deine musste ich schmunzeln.


    Dann möchte ich auch noch eine beisteuern. Jene, die den ursprünglichen Beitrag und damit den Abschnitt "Handwerk" gelesen haben, haben möglicherweise in Erinnerung und sich vielleicht sogar darüber gewundert, dass ich bei einem gespannten Exemplar von Arctia caja die erstaunliche Anzahl von über 40 Stecknadeln gezählt und erwähnt hatte. Damit hatte es eine Bewandtnis: Ich war ein Kind, als ich diesen fing. Und ich war damit ganz aus dem Häusschen! Ein Expemplar von A. caja in meiner Sammlung zu wissen - das war schon etwas besonderes. Also versorgte ich ihn mit reichlich Papierstreifen und Stecknadeln, um ihn so perfekt wie möglich zu präparieren. Das war in Italien. Ich war mit meinem Vater dort unterwegs gewesen, und wir hatten zur Übernachtung unser Zelt auf einem Forstweg aufgeschlagen. Früh morgens wurden wir von einem mächtigen Dröhnen geweckt. Der Blick aus dem Zelt eröffnete mir den Anblick eines riesigen, forstwirtschaftlichen Monsters, das unaufhaltsam direkt auf uns zuhielt. In aller Eile und Hektik bauten wir das Zelt ab. Gerade noch so geschafft! Danach wollte ich einen abschließenden Blick auf meinen jüngsten Fang werfen - wollte. Denn als ich den Spannkasten öffnete, war er weg, der Braune Bär. Das konnte doch nicht sein! Der Kasten war sicher verschlossen. Der Falter war verrammelt und veriegelt mit Papierstreifen und Nadeln, die nun nur noch die Silhouette des Nachtschmetterlings erahnen ließen. Dann sah ich ihn. Er hatte sich auf seiner mißlichen Lage befreit und saß, mit der abgebrochenen Stecknadel im Thorax, oben unter dem Deckel. Ich konnte es nicht fassen. Schließlich zog ich ihm vorsichtig den stählernen Pfahl aus dem Leib und bot ihm meine Hand als Flugplattform. Und siehe da: er berappelte sich und... flog davon! "Bär" - diesen Namen trug er völlig zurecht. Ich war tief beeindruckt. Und es hat mir gezeigt, dass Schmetterlinge, so fragil und zerbrechlich sie auch erscheinen mögen, äußerst stabil und zäh sein können.


    Und das sehen wir ja auch, wie schnell sich die Natur erholt und die Schmetterlinge zurückkehren, wenn wir ihr und ihren Bewohnern eine Möglichkeit dazu bieten....


    LG Sven

  • Liebes Forum,


    ein Betrag von meinen Beginn möchte ich euch erzählen.


    Als ich im Münchner Weste in Obermenzing in die Kiesberge wo ich in der Nähe wohnte ging ich mit einer Taschenlampe und Käscher auf suche nach Nachtfaltern – das war im Juni 1978. Ich leuchtet die Sträucher ab auf der Suche nach Faltern. An einer stelle wo Kartoffeln auf einen Kompost Haufen wachsten schwirrte darüber ein großer Schwärmer wie ich schnell erkannte. Ich war aufgeregt und mit einen schlag hatte ich den Falter im Netz. Ich dachte im ersten Moment das ich einen Totenkopf Falter sammelte da er über Kartoffeln schwirrte. Es war ein Abendpfauenauge Smerinthus ocellata mit einer Spannweite von über 10cm. Als ich 2004 meine erste Sphingidae Sammlung verkaufte war dieser Falter unverkäuflich. Heute ist das Tier gekennzeichnet als ersten Sphingidae meiner zwei. Sammlung.


    Eine andere Geschichte war von meiner dritten Madagaskar Reise im Jahr 1988 als ich für 2 Wochen in Ranomafana heute NP gereist bin. Dort wohnte ich 5 Wochen wobei 3 Wochen im Oktober 1986 dort war. 1988 war ich im Hotel gesessen und aß zu Abend. Zwischen den Speisen schaute ich die Lampen außen am Hotel an, ob interessante Falter gekommen sind. Unter einer kleinen unscheinbaren Lampe über den Eingang sah ich die große Silhouette eines Sphingidae. Ich holte meinen Käscher vom Tisch und der Falter war weit oben. Ich holte einen Tisch vom Hotel heraus und kletterte auf diesen hinauf und stellte mich dort drauf. Schlug mit meinen Käscher hin und her. Der Falter flog auf und er setzte sich auf die Straße vor dem Hotel. Ich sprang vom Tisch und scheute denn Falter hinein in den Käscher. Im Restaurant spritzte ich das Tier und holte in aus den Käscher. Ich hielt einen Xanthopan morganii praedicta in der Hand. Dieser Falter ist der Bekannteste tropische Schwärmer weltweit. Diese Art wurde von Charles Dawin 1862 für Madagaskar vorausgesagt da dieser Falter die Langsporn Orchidee von Madagaskar bestäubt. Von Rothschild und Jordan 1903 wurde die Art zugeordnet für diese Orchidee – lat. Pradictus der vorausgesagte. Es war im Hotel 1988 als Gast ein Französicher Entomologe und ein Französicher Lemuren Spezialist. Mit dem Entomologen fuhr ich in den Regenwald 2 Tage später zum Sammeln. Der Lemuren Fachmann war auf der suche nach Happalemur aureus den Goldenen Bambus Lemuren den der deutsche Biologe Bernhard Meier 1987 entdeckte. Bernhard traf ich 1986 in Ranomafana und trank mit ihm das ein oder andere Bier im Hotel als er auf die Telefonverbindung nach Europa wartete.


    Grüße Michi

  • https://www.exotic-insects.com
    AD
  • Hallo Michi,


    auch Dir vielen Dank für Deine spannenden Geschichten! Das erinnert mich daran, dass es mir damals immmer sehr peinlich war, wie ein Verrückter hinter irgendwas Kescher schlagend herzurennen, was anderen so gar nichts sagt. Dein Erlebnis mit Xanthopan morganii praedicta auf Madagaskar hört sich da ja auch schon wie eine Szene aus einem Charlie-Chaplin-Film an ;-)


    Der tropische Schwärmer Xanthopan morganii praedicta, den Du auf Madagaskar gefangen hast, hat übrigens - Du, Michi, weißt es natürlich, aber für die anderen Leser - einen Saugrüssel, der bis zu sage und schreibe 22 cm lang ist. Das ist auch nötig, damit er an den Nektar der Orchidee Angraecum sesquipedale gelangen kann. Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie man einen derart langen Rüssel überhaupt gezielt einsetzen kann, und dann noch im Flug.


    @ Sven:

    Arctia caja gehörte für mich auch zu den ersten Highlights Ende der 60er Jahre. Ist natürlich auch eine sehr attraktive heimische Art, die leider ebenfalls selten geworden ist, zumindest hier in meiner Umgebung. Aber wenn ich sehe, was hier gerade wieder an Gülle auf den rieisigen Weiden ausgebracht wird, wundert mich das auch nicht.


    Gruß

    Robert

  • Lieber Robert, der Rüssel von meinen Xantophan war 25 cm lang. PRof. Wasserthal aus der Friedrich Alexander Uni aus Erlangen hat 1991, als erster diesen Falter an der Orchidee fotografiert. Zum Saugen setzt sich der Falter auf die Orchidee und saugt und die ORchidee blüht im August SEptember. Meine Falter erbeutete ich im Januar und dort fand ich auch Argema mittrei- zwei Arten bin denen ich nicht rechnete.


    Grüße Michi

  • Eine andere Geschichte von meiner Sammlung.


    Als ich vor vielen Jahren von meinen Freund Rudi K. aus Dachau 6 Sphingidae von seiner Reise auf die Dominikanischen Republik geschenkt bekam . sagte Rudi folgendes. Vielleicht ist ja was besonders darunter. Die Falter hat er an der Bordlampe es Schiffes Aida im Hafen der Dom Rep. gesammelt.


    Ich spannte die Tiere relativ schnell und ein Tier bestimmte ich als Xylophanes tersa auch wenn das Tier etwas anders ausschaute. Dieser Falter hatte eine Wellenlinie im Vorderflügel und nicht wie .X. tersa gerade. Ich schenkte dem Tier lange nicht die Aufmerksamkeit die ihm gerecht werden könnte. Im Jahr 2000 kaufte ich ein Buch das ein Gemeinschaft Werk von Jan Kitching aus dem Natural History Museum London und Jean Marie Cadiou veröffenlticht wurde. Beim Durchblättern viel mir ein Falter auf der mich an ein Tier meiner Sammlung erinnerte – dieses Tier hieß Xylophnes clarki. Ich schaute in meiner kleine Serie von Xylophanes tersa und das Tier das ich damals dazu ordnete war identisch mit Xylophanes clarki aus dem Buch von Kitching und Cadiou. Ich scannte das Tier und fragte Kitching mit dem ich gelegentlich um Rat fragte wenn ich beim Bestimmen nicht weiter gekommen bin. Das Tier ist Richtig als Xylophanes clarki bestimmt worden von mir, sagte Jan.


    2004 entschloss ich mich mich von meiner 1. Sammlung zu trennen. Dazu habe ich durch Jan an 5 Adressen in Frankreich, Deutschland und Italien gekommen von möglichen Käufern. Eine Adresse war von Jean Marie Cadiou für mich die Angesagteste Adresse weltweit als Privatmann. Cadiou wollte 8 oder 10 Arten fotografiert haben aus meiner Sammlung da er mir nicht glaubte das ich diese Arten auch in meiner Sammlung besitzen würde. Ich habe danach ein Preisangebot für meine Sammlung von Cadiou bekommen. Ich lud in ein wenige Zeit später zum Frühstücken und dann könnte er am gleichen Tag meine Sammlung mitnehmen. Nachdem Frühstücken gingen wir in mein Sammlungszimmer und als er meinen Xylphanes clarki sah erzählt mir Jean Marie das dieser Falter das 6. weltweit bekannte Falter ist von dieser Art das in 100 Jahren gesammelt wurde. Dieser Falter ist das zweite Tier aus der Karibik. Das andere Tier ist in Japan in einer Sammlung. Cadiou starb 2007 und dann wurde die Sammlung von Jean Marie Cadiou verkauft. Daher ist dieser Falter nun im Natural History Museum in London seit 2010. Jan informierte mich mit einer Email im März das er zweifelsfrei meine Sammlung erkannte. Daraufhin bin ich 3 Monate später nach London gefahren und habe meinen Mentor den Jan der mich jetzt seit 25. Jahren begleitet und mein Auge schulte.


    2005 begann ich mit einer 2. Sammlung.


    Grüße Michi

  • Auch ich begann meine "Schmetterlingsleidenschaft" als Sammler. Das war in den 1970ern... Nach wenigen Jahren intensiver Jagd wurden die Zweifel an meinem Tun immer größer und ich gab meine komplette Sammlung an eine Universität in der meiner Nähe ab. Letztlich geht es beim Sammeln egal welcher Objekte um die Befriedigung einer ganz persönlichen Leidenschaft. Bei Bierdeckeln oder Briefmarken gibt es keinerlei Legitimationsprobleme.

    Bei Lebewesen, die - um sammelbar zu werden - erst einmal vom Leben zum Tode befördert werden müssen, aber schon!


    Wer oder was sollte uns eine Legitimation zum Sammeln von Tieren geben können?


    Der Sammelleidenschaft folgte die Schmetterlingszucht und damit ergab sich für mich die Möglichkeit, der Natur das wieder zurück zu geben, was ich ihr zuvor mutwillig entnommen hatte.


    Ich empfehle jedem Schmetterlingsliebhaber ein Überdenken seiner eigenen Philosophie. Der Vergleich, dass Spinnen oder Vögel weltweit jährlich Megatonnen von Schmetterlingen vertilgen würden und deshalb das Wegfangen durch Sammler völlig irrelevant sei, ist nichts als die Rechtfertigung des eigenen fragwürdigen Tuns.


    Manche Arten sind mittlerweile so selten geworden, dass tatsächliches jedes Exemplar für den Arterhalt zählt. Wer von euch Sammlern würde es wagen, sich z.B. an einem Parnassius apollo zu versündigen? Viele andere, aber weiniger bekannte Arten sind mittlerweile ähnlich stark bedroht.


    Mein Fazit: Wer Schmetterling liebt, sucht sie, fotografiert sie und züchtet sie nach, um alle möglichst alle Stadien kennen zu lernen. Tote Tiere in Kästen aufzureihen, dürfte heute, Jahrhunderte nach Darwin, eigentlich nicht mehr nötig sein. Es gibt alternative Befriedigungen!


    Grüße von der Zackeneule

  • Lieber Jürgen, das was Du sagst ist irgendwie richtig aber Einflüsse anderer Art können dazu wirken das Arten aussterben. Ich musste 1997 auf den Seychellen fest stellen das dort Tenrecs aus Madagaskar eingeschleppt wurden als billiger Fleischlieferant. Ein Tenrek kann bis 30Jungtiere gebären. Sie haben das gleiche Beuteziel wie Igel denen sie Ähneln. Bei einer Leuchtnacht auf Mahe sah ich in 2 STunden 3 verschieden große Tenrek an meinen Leuchturm vorbeiziehen. Die INsel Mahe ist die Größte der inneren Insel und ich bin mir sehr sicher das viele der endemischen Arten ausgestorben sind ohne Sammler sondern durch unüberlegtes Handeln. Da am Boden sich Puppen halten wie die 2 Endemischen Arten wie Nephele leighi und Macroglossum aulaudi die als ausgestorben betrachte. Grüße Michi

  • Ich empfehle jedem Schmetterlingsliebhaber ein Überdenken seiner eigenen Philosophie. Der Vergleich, dass Spinnen oder Vögel weltweit jährlich Megatonnen von Schmetterlingen vertilgen würden und deshalb das Wegfangen durch Sammler völlig irrelevant sei, ist nichts als die Rechtfertigung des eigenen fragwürdigen Tuns.

    Die Vernichtung Megatonnen von Schmetterlingen durch Spinnen und Vögel ist auch ein fragwürdiger Vergleich. Es ist nichts gegen dem Umgang mit der Natur unserer

    Wohlstandsgesellschaft. Sprich Landschaftsversiegelung, Unkrautvertilgung, Monokulturen, Massentierhaltung, Massenverkehr und Tourismus, Industrie, Lichtverschmutzung, Zerstörung der letzten Naturräume usw.

    Hier die Moralkeule zu schwingen gegen Schmetterlingssammler ist auch sehr "fragwürdig".


    Viele Grüße von einem alten Schmetterlingsliebhaber und Züchter

    Werner

  • Hallo Jürgen,


    die einen, so wie Du, sehen tote Tiere in Kästen. Andere sehen darin "habtische Belegstücke", die durch kein Foto, 3D-Scan etc. zu ersetzen sind. Wieder andere sammeln Schmetterlinge wie Briefmarken. Dann gibt es solche, die die Schönheit der Falter zu konservieren suchen. Die Liste ließe sich beliebig lang fortsetzen. Hinzu kommt, dass auch hier die Grenzen fließend sind und eine Sammlung für jemanden viele Bedeutungen haben kann.


    Du sammelst nun nicht, weil Dir, salopp gesagt, die Viecher Leid tun. Zumindest lese ich das zwischen Deinen Argumenten heraus. Und das spricht für Dich. Ich sammele Schmetterlinge, und das spricht aus Deiner Sicht gegen mich. Ist für mich auch ok.


    Wie (eingangs) gesagt halte ich es für schwierig, sich in der Anonymität eines Forums argumentativ mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Zu schnell wird der Autor eines Beitrages zur eigenen Projektionsfläche. Falls Du dennoch diskutieren möchtest, so würde ich es auf einen Versuch ankommen lassen. Dann würde ich Dich aber bitten, einen neuen Diskussionsstrang zu eröffnen. Denn hier ging es eben genau darum nicht. Hier würde es mich interessieren, was Dich an Deinem Hobby so fasziniert, ohne dass das meinige dafür diskreditiert werden muss. Warum "liebst" Du Schmetterlinge? Warum züchtest Du sie? Weshalb fotografierst Du sie? Und nicht etwa Heuschrecken oder Mehlwürmer? Warum möchtest Du alle Stadien kennenlernen? Was bedeutet Dein Hobby für Dich? - Darum ging es mir, als ich "diesen Kasten aufmachte".


    Lieben Gruß,


    Sven

  • Hallo,


    ich kann Sven (Antwort an Jürgen) nur Recht geben. Wir sind doch (fast) alle in jungen Jahren auch aus einem natürlichen Sammel- und Jagdtrieb (ohne kommerziellen Hintergrund!!!!) zu dieser Passion gekommen.

    Natürlich muss man sich in Lauf der Zeit fragen, ob das Töten und Aufbewahren einen tieferen Sinn hat. Die Frage habe ich mir auch gestellt.

    Habe meine (kleinere) Sammlungen (aus Freilandfängen) inzwischen an Museen gespendet. Bin jetzt 62 und hoffen noch auf ein paar Jahre. Aber die Abgabe jetzt ist Immer noch besser als den Erben bzw. den Museumkäfern zu überlassen. Habe es einmal gesehen, wie eine sehr interessante lokale Sammlung aus den 50 / 60-iger Jahren (die "Jungen" hätten diese Freilandfänge nicht mehr als Jägerlatein abtun können) nach Jahre der unterlassenen Pflege aussieht. Schade um diese Dokumentation des inzwischen Verschwundenen.

    Werde aber weiterhin auch Sammeln, aber nicht mehr mit der gleichen Intention wie vor 40-50 Jahre.


    Jürgen,

    wie glaubst Du sind die Daten von Ebert (Schmetterlingen Baden-Württemberg) oder die Verbreitungskarten von Schmetterlingen z.T. ab 1900 zu Stande gekommen?

    Es muss aber jeder mit sich ausmachen.


    Auch ich muss nicht überlegen, ob ich einen Apollo oder Schwalbenschwanz etc. in Deutschland fange => natürlich nicht.

    Das Problem ist aber nicht das Fangen, sondern die Umweltvernichtung und Vergiftung in Folge der eklatanten Überbevölkerung unseres Planeten. Mit dem Netz konnte eine intakte Insekten- Population noch nie ernsthaft gefährdet werden. Hierzu bedarf es zielorientierter Umweltvernichtung (mit massiver politischer Unterstützung) und Biozide deren Insektengiftigkeit ca. 10.000 mal so hoch wie seinerzeit bei DDT war. Dafür betrug die Weltbevölkerung 1960 3,03 Milliarden und heute 7,79 Milliarden.


    In diesem Sinne


    Alles Gute Armin

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!