"Artenschwund" in der Börse

  • Moin zusammen !


    Vielleicht ist es nur ein persönlicher Eindruck, aber ich habe das Gefühl, dass seit 1-2 Jahren fast nur noch Zuchtstadien der "gewöhnlichen" Schmetterlingsarten angeboten werden. In den Jahren davor kam immer wieder mal ein Angebot einer nicht so häufig gezüchteten Art.

    Es ist jetzt nicht so, dass ich nur hinter Raritäten her bin, aber nach über 100 zum grossen Teil erfolgreich aufgezogenen Arten würde ich gerne wieder mal Neues erkunden.


    Hat sich evtl. in einem anderen Forum eine weitere Börse etabliert, oder läuft auch ein grosser Teil der Angebote über z.B. facebook (ich bin dort kein Mitglied) ?


    Viele Grüsse

    Hans

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  • Hallo Hans,

    mir fällt auch auf, dass sich seit einiger Zeit das Angebot immer mehr zu den "exotischen Zuchtfaltern" verschoben hat. Das sieht man ja auch in der Galerie! Wer stellt schon mal Fotos von Eulen oder Spannern rein!? Dann gibt es besonders in Deutschland angeblich sehr strikte Schutzregelungen ...

    Ich konnte aber selbst in Corona-Zeiten ein paar Arten hier zur Zucht finden. Die meisten finde ich aber selbst bei meinen Leuchtabenden. Büsche abklopfen, ... Auch habe ich Freunde, die mir schon mal Zuchtmaterial zukommen lassen.

    So habe ich heuer schon 21 Arten, wo ich die Zucht versucht habe. Da geht leider immer wieder auch etwas schief, aber so manch schöne Art bringe ich durch. Da waren überwinternde Eier dabei, selbst gefundene Raupen, eingefangene Weibchen und hier auf Actias gekauftes Zuchtmaterial. Nur auf dei Börse hier würde ich mich aber nicht verlassen ...

    LG

    Leo

  • Es gibt ja auch noch die "Suchanfrage" und ich könnte mir denken das viele Züchter den Arbeitsaufwand scheuen und Ihr Zuchtmaterial nicht inserieren wollen

    aber möglicherweise dann reagieren wenn jemand die betreffende Art sucht.


    Auf Facebook wird oft (nicht sichtbar) über den Messenger getauscht oder verkauft. So hatte ich auch schon Anfragen oder erfolgreich ZM erhalten.

    Es waren die letzten 2 Jahre "Corona"-Jahre, viel Isolation, Ausgangssperre, Reisebeschränkungen .....

    Sicher wird sich in Kürze viel ändern.

    Das denke ich auch.

  • Das sieht man ja auch in der Galerie!

    Da würde ich jetzt so pauschal nicht beipflichten. Klar gibt es viele Exotenbilder, aber diese sind oft die selben Arten zu verschiedenen Larvenstadien. Die Zahl der "heimischen", also Europäischen Individuen ist ebenfalls hoch, jedoch oft in freier Wildbahn fotografiert. :daumenja:


    Mit freundlichen Grüßen

    Finn Küchenmeister

  • Die wenigsten "Entomologen" versuchen mit dem Hobby Geld zu verdienen.

    Reisen in interessante Gebiete sind oft mit großem Aufwand und viel persönlicher Eigenleistung verbunden.

    Material, welches man von dort mitbringt, möchte man nicht für ein paar Cent an Leute abgeben,

    damit diese später mit Nachzuchten Gewinn machen.

    Da ich selbst oft unterwegs bin, ist mir bekannt, dass viele Tiere bzw. Zuchten nur im Tausch zu bekommen

    sind. Man kennt sich, so eine Art kleine Familie, genauso ist es auch auf den Tauschbörsen.

    Der angebotene Rest sind dann oft "Anfängerarten", Showzuchten und Haustürfänge.

  • I think covid has changed the availability of species to an extent, I would agree that making money breeding is just

    about impossible, the amount of work that goes into pulling off a few hundred of the same species, would at an hourly

    rate of pay for your labor make animals unaffordable. Maybe on farms, where species like Atlas are churned out, it's

    not that way, but how many people need 100 attacus?

    I'm doing well to simply get the hobby to not cost me too much money. I just spent 50 usd on foodplant to raise a new

    species, that I'm sure I could buy dried cheaper, if all I was interested in was specimens.

  • Hallo ihr Lieben!


    Also mir ist es auch aufgefallen. Auch fehlen einige "Lieblingsarten" in letzter Zeit wie A.atropos, Macroglossum stellatarum, Argema Mittrei, Argema Mimosae, A.suraka.....u.a.


    Ich vermute, das es evtl. auch mit dem Raupensterben und Puppensterben zu tun hat mit dem viele Züchter derzeit immer wieder zu kämpfen haben, und auch das Paarungsverhalten und die Schlupfraten lassen bei so manchen Arten teilweise zu wünschen übrig. Das fing im letzten Jahr schon an.


    Corona und jetzt der ukrainisch/ russische Krieg....das schadet der Wirtschaft, blockiert Lieferketten und strapaziert den Geldbeutel. Ich denke das es auch damit zu tun hat, dass das Geld nicht mehr so locker sitzt und man sich 4x überlegt, sich Eier, Raupen und Puppen zu kaufen. Zumindest geht es mir so und ich weis von einigen denen es ebenso geht. Dadurch das vielleicht weniger kaufen oder geringere Mengen abnehmen ergeben sich kaum Paarungen und Nachwuchs. Hinzu kommen dann noch teilweise horrende Preise für beliebte und seltenere Arten. ( Das ist keine Kritik nur meine persönliche Ansicht).


    Dem gegenüber stehen jedoch erfreulicher Weise sehr viele Neuregistrierungen, das lässt auf Vielfalt in den Angeboten hoffen.


    Durch diese Faktoren kommt es auch so denke ich vermehrt zum Tausch in Whats App Gruppen u.a. Foren.


    Ich bin zuversichtlich, das sich auch das wieder einpendelt und schon ganz bald sich die Börse wieder mit ausgefallenen, heimischen aber auch beliebten Arten füllen wird.


    In diesem Sinne wünsche ich:


    Eine gute Zuchtsaison für uns alle! 🦋🌈🦋🙏


    Eure Carmen

  • Moin zusammen,

    also ich denke, eine Ausrede findet man üblicherweise immer. Sei es Corona, Krieg, die Post oder Fischer Fritzes nicht seetauglicher Praktikant.

    Mein Gefühl hier: klar, eine kleine Rolle wird es spielen (va die Versandzeiten letztes Jahr). Aktuell aber eher marginal relevant - die Postlaufzeiten sind normal, es ist nahezu wieder vollständige Reisefreiheit, ggf. sogar flexible Arbeitszeiten und bessere Möglichkeiten zu sammeln.

    Andere Plattformen? Klar, auch. Über WhatsApp und Facebook läuft bspw auch viel. Vorteil: hier kann man auch die Arten anbieten, die hier bspw. auf Actias einen Herkunftsnachweis benötigen. Machen wir uns nichts vor - die Gesetzgebung schränkt stark ein und hält sicher auch vor semilegalen Angeboten ab. Dieser Teil fehlt natürlich in der Börse - aber machen wir uns auch hier nichts vor, es gäbe genügend nicht geschützte Arten (die überwiegende Mehrheit aller heimischen Nachtfalter bspw), welche hier ebenfalls nicht angeboten werden.

    Ergo: es liegt ganz einfach auch ein Stück weit an der Mentalität der Verkäufer wie auch der Käufer.

    Überwiegendes Interesse gilt insb. den großen, schönen und häufigen tropischen Arten. Alles andere wird nur noch von Experten oder wirklichen Liebhabern nachgefragt. Besonderheiten laufen selten offiziell sondern werden unter der Hand weitergegeben. Meist landen sie nach einer Generation in irgend welchen Kästen oder versterben, sodass die Öffentlichkeit nie davon mitbekommt.

    Ich sehe es ja zB auch bei meinen Angeboten. Mit Falk und Julia habe ich viele dutzende Arten aus Peru (teils wirklich leicht zu züchten) in den Umlauf gebracht. Wie lange davon hat man hier noch etwas von Nachzuchten gelesen?

    Man will immer nur kaufen - die Bereitschaft, auch mal etwas anzubieten scheint aber bei vergleichsweise wenigen zu liegen.


    Das Forum lebt vom gegenseitigen geben und nehmen. Jeder kann es mit gestalten. Jeder von uns könnte theoretisch interessante Arten in den Umlauf bringen. Es müssen nicht immer die super coolen tropischen Arten sein, die eine Reise für mehrere tausend Euro hinter sich haben. Viel sinnvoller wäre es, wenn wir uns lieber wieder auf die heimische Fauna konzentrieren würden.

    Wer kennt ein vollständiges Buch zu den Raupenstadien der heimischen Tag- und Nachtfalter? Eben. Und hierbei mangelt es nicht unbedingt am Angebot (man kann vor der eigenen Tür anfangen).

    Mein Plädoyer: fangen wir wieder an, uns auch für die weniger bunten Arten zu interessieren. Fördern wir wieder das Interesse und tragen zum Kenntnisaustausch bei. Wir können hier auf Actias anfangen und wieder entomologische Berichte, Zuchtberichte und Erfahrungen veröffentlichen. Bieten wir Zuchtmaterial an und geben dem Ganzen selbst wieder Leben. Nicht nur auf die anderen warten - auch selbst mal nachfragen oder anbieten. Das Ganze lebt vom Austausch miteinander.

    Also, packen wir's an.

    (ein pathetisches Schlusswort musste jetzt einfach sein, sorry ;) )

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  • Hallo Toni, da kann ich dir nur voll Recht geben. Austausch finde ich auch sehr gut, ohne dass man Erbsen zählt.

    Das mit dem Reisen stimmt auch. Ich kann überall übernachten ... Nur passt eben heuer das Wetter nicht so.

    Auch in Corona Zeiten mit sperrstunde durften wir alleine in der Natur unserem Hobby nachgehen.

    Werde versuchen in Herbst wieder Zuchtmaterial heimischer Arten anzubieten ... Zum Tausch ;)

  • Ich möchte jetzt noch ein kleines Beispiel angeben, was möglich ist, was nicht, was sinnvoll ist, was nicht .....

    Seit einiger Zeit beschäftige ich mit der Lasiocampa quercus Gruppe.

    Es sind unzählige und unsinnige Unterarten/Formen... beschrieben worden.

    Es gibt Männchen mit "Duftschuppen" (warum ??? wofür ???) und ohne.

    Einige Populationen sind einjährig, andere 2jährig.

    Manche "Farbformen" und Unterarten sind gut abgegrenzt, andere weniger.

    So gibt es viele Aspekte und Möglichkeiten was zu tun.

    Die Art ist relativ groß, schön und leicht zu züchten.

    Durch einen Aufruf hier im ACTIAS habe ich u.a. von 15 veschiedenden Populationen Zuchtmaterial aus dem

    gesamten Verbreitungsgebiet erhalten und hoffe so neue Erkenntnisse zu gewinnen.

    Freue mich auf die Zusendung weiterer Tiere und gebe auch in der Flugzeit Eier an Interessierte ab.

    Dann macht auch "Arbeiten" mit heimischen Arten Spaß.

    Über Schönheit kann man streiten, aber wenn man die Bilder der bereits geschlüpften GYNANDER in meinen

    Einstellungen anschaut, glaube ich , dass sie mit eigentlich langweiligen, fremdartigen Morphos mithalten können.

    Es gibt viel zu tun - man muß nur Ideen haben.

    Mir wird nie langweilig.

  • Zu dem was Toni schon schön beschrieben hat möchte ich noch hinzufügen, dass viele heimische Tagfalterarten schwer bis unmöglich nachzuzüchten sind. Selbst wenn man Weibchen zum Eierlegen bekommt oder sogar eine Paarung schafft, dann sind die Mengen die man dabei erzielt in völlig anderen Größenordnungen als bei Nachtfaltern. Während man bei Nachtfalterzuchten leicht "Überschuss" abgeben kann, da man die Mengen gar nicht alleine züchten könnte, müsste man diese Mengen bei Tagfaltern schon gezielt für den Verkauf "produzieren" oder entnehmen. Beides Dinge die ich und sicher viele andere nicht machen wollen, weil es uns eben nicht primär um's Verkaufen geht (von den ethisch/moralischen Dingen mal ganz abgesehen).


    Zusätzlich geht man als Verkäufer immer das nicht unerhebliche Risiko ein sich sehr viel Arbeit zu machen und nichts dafür zu bekommen. Ich hab schon etliche Male eine Menge Eier verschickt, nur um dann rauszufinden dass alle unbefruchtet waren (trotz Paarungen). Damit ist dann einiges an Arbeit und das Porto futsch. Wenn ich mir also nicht einigermaßen sicher bin, dass die Eier auch befruchtet sind sehe ich oft davon ab irgendwas zu verkaufen.


    Beide Punkte führen natürlich auch irgendwo dazu, dass die meisten angebotenen Arten sehr einfach und zuverlässig zu züchten sind und sich schnell in großen Zahlen vermehren. Dem Rest kann ich nur zustimmen, meine Erfahrung damit hier z.B. etwas häufigere heimische Noctuiden anzubieten ist, dass die Abnehmerzahl gleich null ist. Wie immer also eine Kombination aus Angebot und Nachfrage.


    Grüße Dennis

  • Hi Dennis!


    Das Stichwort ist " etwas häufigere" heimische Noctuiden....

    Auch seltenere oder lokal vorkommende Noctuidae sind oft nicht geschützt, und die dürften besser laufen.

    Bedenke: Die meisten Euleriche - oder auch Spanneriche - hier sind (im Gegensatz zu vielen Schwärmer- oder Tropenfans) oft schon jahrzehntelang dabei.

    Und die benötigten weniger die häufigeren bzw. verbreiteten Sachen.

  • Das ist mir schon klar Andreas, aber es ging ja um "Artenschwund" in der Börse und damit fallen nunmal sehr viele Arten weg. Selbst mit selteneren Arten fände ich es fraglich wieviele Abnehmer die so finden. Ich hab jetzt zugegebenermaßen noch keine richtig seltenen Arten angeboten (weil ich die auch normal aus gutem Grund nicht entnehme), hab also keine eigenen Erfahrungswerte. Könnte mir aber vorstellen, dass da auch nur sehr vereinzelt Leute nach suchen. Oft sind es ja dann auch ganz spezielle Arten die man noch sucht. Zusätzlich ist klar, dass seltene Arten selten angeboten werden... das liegt in der Natur der Sache.


    Grüße Dennis

  • Ich glaube, dass sich gar nicht die Frage stellt, ob eine Art selten oder geschützt ist,

    sondern wie die aktuelle Interessenlage bei den "Züchtern und Sammlern" ist.

    Da ich schon sehr lange mein Hobby betreibe, sehe ich immer wieder den Wechsel bei

    den verschiedenen "Generationen".

    Zeitweise waren Colias und Parnassius unbezahlbar/extrem hoher Tauschwert.

    Bei den kleineren Nachtfaltern die Bären.

    Zur Zeit geht der Trent in Richtung Saturnidae und Sphingidae.

    Man merkt, dass der Kreis der aktiven Entomologen immer kleiner wird (verschiedenste Gründe).

    Geld spielt da oft keine große Rolle mehr, Handel auch nicht.

    Das wenige, gute und interessante Material, wird unter der Hand vertauscht und verschenkt.

    Wer keine Beziehungen und Freunde hat bekommt daher nichts oder nicht viel.

    Wer nichts anzubieten hat, der kann auch nicht erwarten, dass ihm was tolles angeboten wird.

  • Wer nichts anzubieten hat, der kann auch nicht erwarten, dass ihm was tolles angeboten wird.

    ... was zwar absolut stimmt, ich so aber definitv auch verurteile - da man damit eben all jenen die Chance nimmt, sich mit interessanten Arten zu beschäftigen, die sonst vllt keine Möglichkeiten dazu hätten (es kann nicht jeder Material beschaffen, das für die wenigen Experten und Bieter noch interessant wäre).

    Also ich persönlich bin sehr gegen das Tauschen im kleinen Internenkreis - letztlich ist es auch einer der Hauptgründe, für das "Artensterben in der Börse". Vielleicht durchaus verständlich - aber für mich nicht zu begrüßen.

    Und das sage ich auch als jemand, dem das Forum und genauso auch all die "kleinen Züchter" am Herzen liegen.

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