Posts by Toni Kasiske

    Passend zur Jahreszeit gibt es heute wiedereinmal ein Video zum Großen Schillerfalter.

    Aktuell finden sich die extrem typischen Fraßspuren der Jungraupen, die wirklich leicht nachzuweisen sind. Sobald die Raupen etwas größer werden, wird das Muster etwas schwieriger zu erkennen - also nutzt die nächsten Tage und schaut mal, ob ihr nicht vielleicht die ein oder andere Raupe dieser wundervollen Art entdecken könnt :)



    Englisch version:

    Der Thread heißt zwar irgendwas mit "Winter" - aber ich ignoriere das einfach mal gekonnt und ziehe die Videos auch im Sommer durch ;)^^


    Wer einmal das Eiablageschema des Kreuzenzian-Ameisenbläulings sehen möchte oder sich fragt, was die Ameisenbläulinge überhaupt mit Ameisen zu tun haben (ab min 5:10), der sei einmal kurz auf das folgende Video hingewiesen. Diejenigen, die die Ameisenbläulinge nicht interessieren, können in der Zwischenzeit das wunderbar blütenreiche Habitat genießen...8o


    Naja also wir Lebewesen bestehen ja im Endeffekt aus quasi unendlich vielen Viren, Bakterien und Mikroorganismen, die für uns aber überwiegend nützlich sind und überhaupt erst das Leben ermöglichen. Ich frage mich dann, wie das Licht zwischen guten und schlechten Dingen unterscheiden will.

    Soweit ich weiß, nutzt man die UV-Filter ja oft, um Oberflächen oder auch die Luft zu reinigen/ neutralisieren. Das zumindest wäre schon eine Überlegung, wenn man davon ausgeht, dass die Viren über die Luft oder Oberflächen (zB Terras) übertragen werden. Aber ist dies der Fall? Ich denke, für die Frage müsste man genau wissen, worin denn die Ursache für die Ausfälle liegt und dann wiederum, wie sie sich verbreitet.


    Übrigens hatte ich in den vielen Jahren meiner Zuchten bisher noch immer nahezu keine Ausfälle durch Viren beobachten können (vllt. 1-2% der Tiere maximal) (toi toi toi)... Ich finde es schon verwunderlich, wie bei manchen solche Krankheiten nahezu alle Zuchten dahin raffen und bei anderen wiederum keine Probleme auftreten. Da spielen sicherlich sehr viele Faktoren eine Rolle - aber irgend etwas scheint es trotzdem noch zu geben, was ich mir noch nicht so richtig erklären kann, wodurch manche riesige Probleme haben und andere, die eigtl alles genauso machen, ohne Probleme durchkommen.


    Aber wenn man davon ausgeht, dass einmal befallene Terras die Viren vllt. von Zucht zu Zucht übertragen, wäre es ggf. durchaus sinnvoll, über eine solche Sterilisation zumindest der Oberflächen und bei sehr großen Zuchten evtl. auch der Luft nachzudenken.

    Bin gespannt, ob damit jemand noch Erfahrungen hat.


    Liebe Grüße,

    Toni

    Also jetzt mal ganz langsam hier.

    Ich habe leider gerade keine Zeit, um mir das alles genau durchzulesen (wird aber nachgeholt, keine Sorge).

    Was ich auf jeden Fall schonmal sagen kann, ist, dass wir hier keine Beleidigungen dulden FinnK . Es gibt genug Wege, deinen Unmut auszudrücken - es hätte schon gereicht, auf den Fake hinzuweisen oder ihn uns zu melden. Also: Solche Aussagen wollen wir hier nichtmehr lesen - egal was der Grund ist!

    Aber hey, der angearschte werde eh immer ich sein. Anscheinend heißt ihr sowas ja für gut...

    Kennst du den Begriff Self fulfilling prophecy? Es erinnert mich hier ein wenig daran...

    Atme mal tief durch - hier haben sich ganz sicher nicht alle gegen dich verschworen :)



    Also ich bitte euch ersteinmal hier wieder Ruhe einkehren zu lassen und zur eigentlichen Sache zu kommentieren. Wir haben den Fall auf dem Schirm und kümmern uns zeitnahe.

    Danke :thumbup:

    Göttingen-Update:

    Gestern habe ich 2 LEDs von 21:45-2:30 bei 17-15°C hängen gehabt. Der Anflug war mit etwas über 70 Arten zwar ok - man merkt jedoch eine kleine (Generations-?)lücke. Viele größere Arten (wie z.B. Schwärmer und Notodontidae) waren diesmal nichtmehr anzutreffen. Auch die Eupithecien waren zurückhaltend.

    Flechtenbärchen wiederum waren zu hunderten vertreten.

    Immerhin waren zudem 5 in Niedersachsen stark gefährdete, 5 gefährdete und 6 Arten der Vorwarnliste anzutreffen.

    Tagsüber konnte ich zudem noch ein paar Eier der in Niedersachsen vom Aussterben bedrohten Kreuzdornzipfelfalter (Satyrium spini) antreffen.


    Insgesamt kamen nun in den 5 Durchgängen dieses Jahr schon 200 Nachtfalter (Großschmetterlinge) zusammen.


    Abrostola triplasia

    Agrotis exclamationis

    Alcis repandata

    Anaplectoides prasina

    Apamea epomidion

    Apamea monoglypha

    Apamea scolopacina

    Apamea sublustris

    Apoda limacodes

    Autographa gamma

    Axylia putris

    Biston betularia

    Cabera pusaria

    Campaea margaritata

    Camptogramma bilineata

    Catarhoe cuculata

    Chiasmia clathrata

    Chloroclystis v-ata

    Cidaria fulvata

    Colostygia pectinataria

    Cosmia pyralina

    Cosmia trapezina

    Deilephila elpenor

    Diachrysia stenochrysis

    Drymonia obliterata

    Eilema complana

    Eilema griseola

    Eilema lurideola

    Epirrhoe alternata

    Eulithis pyraliata

    Euplexia lucipara

    Habrosyne pyritoides

    Hemithea aestivaria

    Herminia grisealis

    Herminia tarsicrinalis

    Hoplodrina ambigua

    Hoplodrina octogenaria

    Hypena proboscidalis

    Idaea aversata

    Idaea biselata

    Idaea fuscovenosa

    Idaea muricata

    Idaea ochrata

    Lacanobia oleracea

    Laspeyria flexula

    Lomaspilis marginata

    Macaria alternata

    Melanchra persicariae

    Mesapamea secalis/secalella

    Miltochrista miniata

    Mythimna conigera

    Mythimna ferrago

    Mythimna impura

    Noctua comes

    Noctua fimbriata

    Noctua pronuba

    Oligia latruncula

    Oligia strigilis

    Oligia versicolor

    Ourapteryx sambucaria

    Parastichtis ypsillon

    Peribatodes rhomboidaria

    Philereme transversata

    Philereme vetulata

    Polia nebulosa

    Pseudoips prasinana

    Scopula nigropunctata

    Spilosoma lubricipeda

    Spilosoma lutea

    Stauropus fagi

    Tethea or

    Trachea atriplicis

    Xestia c-nigrum

    Xestia triangulum

    ...und um nochmal etwas mehr Abwechslung rein zu bringen: heute eines meiner Highlight-Methoden bisher: die Suche nach den Eiern vom Blauen Ordensband.

    Klingt beim ersten Mal komplett abwegig - aber wenn man es dann mal probiert hat, wird man erstaunt sein, wie viele man doch überall findet. Seitdem ich die Methode im Frühjahr gelernt habe, war ich tatsächlich an noch keinem Ort wo ich fraxini nicht nachweisen konnte. Meist schon innerhalb 1-2 Minuten. Selbst hier direkt im Braunschweiger Stadtgebiet konnte ich die Eier finden....also ich bin begeistert.


    Das Video hängt schon seit einigen Wochen in der Pipe und wurde im Frühjahr gedreht. Dennoch ist diese Suchmethode rund um das Jahr anwendbar und keinesfalls an bestimmte Jahreszeiten gebunden, da sich die Eihüllen aus den letzten Monaten, vllt. gar Jahren sogar noch besser nachweisen lassen als die noch besetzten und etwas dunkleren Eier.


    Ein herzlicher Dank sei daher hier auch an Michael Levin gerichtet, der die Methode zur Suche der Catocalen anhand deren Eier überhaupt erst so richtig untersuchte und öffentlich darauf aufmerksam machte.
    Ebenfalls gilt mein Dank Jenny Theobald, die sich ebenso selbst mit der Methode beschäftigt und mich überhaupt erst darauf hinwies.
    Als weiterführende Literatur zu der Methode sei daher auch unbedingt auf die Veröffentlichungen der Beiden verwiesen. U.a.:
    -http://www.lepiforum.de/2_forum_2017.pl?md=read;id=14694

    -https://www.researchgate.net/p…Rhon_Lepidoptera_Erebidae

    -https://www.youtube.com/user/blausteil/videos

    Heute möchte ich euch nur einmal kurz den Eichenglasflügler (Synanthedon vespiformis) vorstellen. Auch wenn es auf dem ersten Blick nicht danach aussehen mag, handelt es sich hierbei um einen Schmetterling (Lepidoptera).

    Die Raupe der Art lebt mehrjährig unter der Rinde von Eichen. Die Falter sind erkennbar an den intensiv gelben Beinen und der wespenartigen Färbung (er wird daher auch Wespenglasflügler genannt). Auf den durchsichtigen Flügeln besitzen die frischen Tiere farblich sehr auffallende rot-orange Flecken.


    Das steht in Fischbiel in Wiler im Lötschental/Wallis.

    Hausnummer?

    Der Schlüssel liegt sicherlich unter der Fußmatte, oder? :emojiSmiley-05:



    :emojiSmiley-01:

    Man sollte bei den Vergleichen nicht vergessen, dass das Wallis neben Graubünden (teils Tessin) die höchsten Artenzahlen der Schweiz - und somit wohl auch von Österreich und Deutschland sowieso aufweist. Also allein durch die klimatisch günstige Lage und Orografie wird es in Deutschland keinen einzigen Ort geben, der auch nur ansatzweise an die artenreichen Gegenden der günstigen Alpentäler (und hier speziell das Wallis) heranreicht - selbst bei gleicher Biotopausstattung.

    Die eher kühlen Bedingungen gestern Nacht haben sich bemerkbar gemacht. Nach den sehr hohen Artenzahlen der letzten Wochen kamen gestern in Hannover nur 60 Arten ans Licht. Darunter jedoch auch Highlights wie der Rauschbeerspanner, welcher in Niedersachsen vom Aussterben bedroht ist und an Rauschbeere gebunden ist, die vorrangig in Mooren wächst.

    Auch die Bunte Ligustereule ist für mich ein kleines ein Highlight - sie wurde bisher vorrangig in den südlichen Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz gefunden. In der Checkliste der Arten für Niedersachsen wird die Art noch nicht gelistet - ein Rote-Liste-Status ist daher für Niedersachsen noch nicht vergeben.

    Geleuchtet habe ich von 22:15-2:15 bei 17-10°C.

    Agrotis exclamationis
    Agrotis segetum
    Angerona prunaria
    Apamea monoglypha
    Apamea scolopacina
    Apamea sordens
    Apoda limacodes
    Apterogenum ypsillon
    Arichanna melanaria
    Axylia putris
    Biston betularia
    Cabera exanthemata
    Cabera pusaria
    Cidaria fulvata
    Cosmia trapezina
    Eilema complana
    Elaphria venustula
    Eulithis prunata
    Eupithecia haworthiata
    Euplexia lucipara
    Euthrix potatoria
    Hemithea aestivaria
    Herminia grisealis
    Herminia tarsicrinalis
    Hoplodrina octogenaria
    Hypena proboscidalis
    Hypomecis punctinalis
    Hypomecis roboraria
    Idaea aversata
    Idaea biselata
    Idaea fuscovenosa
    Lacanobia oleracea
    Lacanobia thalassina
    Laspeyria flexula
    Lomaspilis marginata
    Macaria wauaria
    Macrochilo cribrumalis
    Malacosoma neustria
    Melanthia procellata
    Miltochrista miniata
    Mythimna pallens
    Mythimna straminea
    Noctua interposita
    Noctua janthe/ janthina
    Noctua pronuba
    Oligia strigilis
    Ourapteryx sambucaria
    Peribatodes rhomboidaria
    Philereme transversata
    Philereme transversata
    Philereme vetulata
    Plemyria rubiginata
    Polyphaenis sericata
    Pterostoma palpina
    Rivula sericalis
    Scopula nigropunctata
    Selenia tetralunaria
    Sideridis reticulata
    Timandra comae
    Xestia ditrapezium

    Ich bin auf jeden Fall dabei - freu mich schon, endlich mal wieder ein paar von euch persönlich zu treffen :applaus:😊

    Fügst du noch einen Termin im Actiaskalender ein?


    Ich wäre im Übrigen dafür, wenn es endlich mal Namensschilder inkl. der Actias-Nicknames gäbe... Für manche fehlt mir doch immernoch das passende Gesicht hinter dem Pseudonym ^^

    Einen Herren in Polizeiuniform konnte ich bisher beispielsweise auch noch nie erblicken... Scheint sich wohl immer vor mir zu verstecken... :/:D

    Herzlichen Dank euch! Auf eure Kompetenz kann man eben zählen :emojiSmiley-04:


    Und ja, einige Kategorien sind grundsätzlich etwas knifflig...zählt Waldrand / kleines Offenland im Wald jetzt schon als Wald? Der schöne Ackerrandstreifen wirklich zum Acker? etc. Schwierig.

    Erst Recht, da man immer wieder feststellen muss, wie wenig z.B. über Larvalhabitate bekannt ist bzw. zu Text kam. Selbst im Paradebeispiel Ebert & Rennwald werden gefühlt 80% der Arten ohne bekanntes Larvalhabitat geführt. Ich denke, das Wissen existiert schon irgendwo in den Köpfen der vielen Lepidopterologen...es muss nur mal gesammelt und zu Papier gebracht werden...


    Wie dem auch sei, danke euch nochmal - das hilft mir schonmal weiter :)


    LG,

    Toni

    Letztlich gibt es wahrscheinlich zig Erklärungen die alle zutreffen könnten

    Naja eben daher hab ich ja den Thread aufgemacht....bisher habe ich nicht eine einzige plausible Hypothese lesen können, die einen direkten Zusammenhang ermöglichen würde.


    Warum ist orbona nicht unendlich häufig gewesen da ja unendlich Raum und Futter vorhanden war?

    Naja die Gründe, die eine Population beschränken, habe ich ja weiter oben schon aufgeführt. Konkurrenz ist da jedenfalls nicht immer (vllt. sogar bei einigen Artengruppen eher selten?) der ausschlaggebende Faktor

    Möglicherweise waren diese Bedingungen dummerweise für orbona und interposita so ähnlich das das massenhafte Hereinbrechen der interposita das System soweit überforderte das für orbona überhaupt kein Raum mehr blieb.

    Ja aber welcher Raum denn? Also mal konkrete Hypothesen.

    Mir ist schon klar, dass das alles großes Rätselraten ist. Aber wenn wir noch nichteinmal eine einzige konkrete Hypothese auf die Beine bekommen, ist das für mich irgendwie noch nicht so sonderlich plausibel. Und mit konkret meine ich z.B. "interposita fristt an der gleichen Pflanze, ergo gibt es nichtmehr genug Futter für orbona" (wogegen m.E. zu viel spricht, um als Hypothese gelten zu können).

    Der asiatische Marienkäfer ist weniger anfällig für Krankheiten und hat in der Hämolymphe Mikrosporidien bzw Sporen davon- parasitäre Einzeller, gegen die er selbst immun ist

    Sowas zum Beispiel sehe ich als konkrete Hypothese. Da die beiden Arten aber vermutlich kaum gegenseitig übereinander herfallen, halte ich es hier eher für nicht so angebracht (für andere Artengruppen aber sicherlich valide).

    Durchaus in interessanter aspekt....

    Randbemerkung: über die Schweizer Zeitungen habe ich mich letzte Woche erst aufgeregt, da sie überall die Studie zitieren - aber oft ohne jegliche Angaben zu Titel der Studie oder gar Verlinkung...:rolleyes:^^

    Jedenfalls denke ich hat das für eine der beiden Raupen negative Auswirkungen auf die Überlebenswahrscheinlichkeit eventuell sogar für beide Raupen.

    Ok, meinetwegen lassen wir das halt doch mal als Hypothese durchgehen. Dann halte ich dagegen: 1) welche Arten fressen die Arten? Und darauf aufbauend, wie viele Pflanzen gibt es davon wohl in einer Region? Wie viele Raupen würden davon wohl satt werden (man denke an Schwammspinner und ähnliche Massenerscheinungen)? Man denke auch mal an die Zucht - was macht eine Raupe, die kein Futter mehr hat? Herumlaufen und neues suchen. Ich gehe davon aus, dies würde in Natur genauso funktionieren. Das heißt also, dass die Arten an a) sehr kleinen Pflanzen fressen müssten, die b) gleichzeitig auch noch sehr selten ist, sodass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, auf der Suche zu sterben. Nächste Gegenargument: warum sollte es dann wiederum Art 1 besser überleben als Art 2? Bessere Überlebenswahrscheinlichkeit bei der Futtersuche? Ok, meinetwegen einzeln alles möglich. Aber zusammen?? Gleiche Futterpflanzenart, Eiablage an der gleichen Pflanze, die Pflanze ist gleichzeitig klein und selten, interposita hat eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit bei der Futtersuche bzw. kommt mit weniger Futter zurecht. All das müsste vorliegen, umdass die Hypothese zunächst mal überhaupt plausibel wäre.

    So, und jetzt halte ich nur noch ein was kurz dagegen: Orbona soll an "verschiedenen krautigen Pflanzen, Gräsern und Stauden" (Steiner et al., 2014) und nach Wikipedia u.a. an Löwenzahn, Klee, Vogelmiere fressen... Klingt das danach, als würde eine Art wirklich realistisch darunter leiden können, dass die andere Art ihr das Futter wegfrisst?

    Wobei ich mich fast wieder frage, ob das bei Arten die so ähnliche Biotope besiedeln überhaupt ein Faktor ist.

    Ich würde das nach wie vor als bisher tatsächlich einzigen Grund sehen. Die Erwärmung führt ja definitiv zum Ausbreiten und Verschwinden von Arten. Plausibler als das Wegfressen vom Futter einer andren Art, ist es meines Erachtens allemal :emojiSmiley-102:

    N'Abend zusammen,


    wenn wir hier schon einen Haufen erfahrener Lepidopterologen haben...wieso sollte man ihn dann nicht nutzen... ;)

    Im Rahmen einer Fragestellung meiner Diss versuche ich gerade die Spezialisierung heimischer Tagfalter hinsichtlich ihrer Habitatbindung etwas auseinanderzudröseln. Für einige Arten liegen mir jedoch Literaturangaben vor, die ich so nicht zwingend nachvollziehen bzw. aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Ich werde im folgenden die Arten auflisten und dazu das jeweilige Habitat schreiben, zu dem es zwar rudimentäre Hinweise gibt, ich aber nicht sicher bestätigen kann. Wenn bei dem ein oder anderen zufällig eine der Arten in dem zugeordneten Habitat fliegt, würde ich mich über ein kurzes Handzeichen freuen :grinsen:

    • Argynnis aglaja - (Laubmisch-)Wald
    • Boloria dia - Ruderalflur / junge Kahlschläge
    • Hesperia comma - (Laubmisch-)Wald / junge Kahlschläge
    • Issoria lathonia - Siedlungsbereich / (Laubmisch-)Wald
    • Melitaea cinxia - Wälder / Kahlschläge
    • Polyommatus amandus - unmittelbare Ackernähe
    • Polyommatus bellargus - Steinbrüche & Kiesgruben


    Interessanterweise werden bei Reinhardt & Thust 1988 u.a. P. argus, P. amandus und P. icarus als Generalisten genannt, die in allen möglichen blütenreichen Habitaten vorkommen. Dem würde ich persönlich so nicht zustimmen (über die Jahre wird sich sicherlich auch einiges verändert haben). Icarus wäre von den Tagfaltern wohl noch mit am weitesten verbreitet und würde tendenziell evtl. noch in Richtung eines Generalisten gehen. Bei argus würde ich eigentlich schon stärker widersprechen. Bei amandus bin ich nach den Literaturangaben etwas unsicher...tatsächlich wird er teils sogar mit Ackerrandstreifen in Verbindung gebracht. Habt ihr hier Erfahrungen?


    Beste Grüße,

    Toni

    Und auf dieses Tier stieß dann eine in Ausbreitung begriffene, sehr durchsetzungsfähige Art welche ziemlich genau die gleichen Ansprüche stellte...

    Versteh mich nicht falsch, Andreas - die Beobachtung als solches möchte ich keineswegs in Frage stellen. Nur der kausale Zusammenhang erschließt sich mir noch nicht bzw. würde ich gerne verstehen wollen. Wenn du hier z.B. von den gleichen Ansprüchen redest, müsste man die ja vllt. in irgend einer Art und Weise benennen können. Was nutzt denn die eine Art dann so viel, dass es für die andere nichtmehr reicht? Evtl. gibt es da ja tatsächlich etwas - aber so richtig vorstellen könnte ich es mir eben noch nicht


    Im aktuellen Beispiel ist es halt wie so oft, daß der Klimawandel die ansässige Art zurückdrängt.

    Das wiederum wäre eben auch die einzige Erklärung, die ich mir vorstellen könnte. "Verdrängung" wäre zumindest in diesem Kontext eher der falsche Begriff. Interposita verdrängt dann ja nicht orbana. Beide Arten sind theoretisch unabhängig von der Populationsgröße der anderen Art. Sie korrelieren schlichtweg mit ein und dem selben externen Faktor - dem Klima. Und zwar korreliert die eine Art positiv, die andere negativ... Im Endeffekt wäre es dann eben doch "Zufall".

    Wenn die auf der Südhalbkugel ihre Winterklamotten rausholen, greifen wir zum T-Shirt. Aber wir tun das nicht, weil "die da unten" einen so hohen Verbrauch an Winterjacken haben, dass es für uns nichtmehr reicht...


    Also das fände ich eine plausible Erklärung. Dann wiederum müsste man jedoch vermutlich in den kälteren, evtl. montanen Regionen vermutlich auch noch vermehrt orbana anstatt interposita vorfinden (?)

    Andreas ich habe die Diskussion mal in ein eigenes Thema verschoben, da ich doch ein wenig mehr daran interessiert wäre, es sich aber doch etwas weiter vom eigtl. Thread entfernt.


    >>Link<<

    Im Osten Deutschlands sind sie häufiger, wandern ja auch von Osteuropa ein.

    Zumal ich mit Göttingen ja doch auch recht weit im Zentrum bzw. Norden/Westen bin

    N'Abend zusammen,


    mich treibt gerade mal eine Frage zu Nischen bei Insekten um. An andere Stelle kam auf, dass Noctua orbona durch interposita verdrängt werden:

    Die einleuchtendste Erklärung ist das die Ansprüche von interposita und orbona ziemlich deckungsgleich sind.

    So das die wesentlichen durchsetzungsstärkere Art die althergebrachte orbona aus ihrer Nische verdrängt. Ein Biotop ist in der Regel für eine ganz bestimmte Populationsdichte einer bestimmten Art optimal. Und genau hier haut interposita massiv in die selbe Nische rein. Mit bekannten Ergebnis.

    So würde die Beobachtung auf jeden Fall Sinn machen.

    Ich habe z. B. einmal an einer Waldkante geködert. PRO KÖDER 20 - 30 interposita.

    Das das so ziemlich jeden Rahmen sprengt ist dann logisch.

    Das soll hier nur mal als konkretes Beispiel dienen - interessant wäre eher das grundlegende Prinzip dahinter.

    Klar, in der Theorie lernt man immer überall die Nischen-Erklärung. Eine Erklärung, die auch auf die meisten Bereiche so wohl zutrifft. Im konkreten Fall kann ich es mir aber einfach nicht so ganz erklären, wie solch eine Nische aussehen sollte, die dann durch andere Arten verkleinert werden könnte.

    Also gehen wir das mal durch: die Population einer Schmetterlingsart könnte theoretisch begrenzt sein durch

    -Biotische Faktoren:

    -das Futterpflanzenangebot

    -das Nektarangebot

    -Parasitoide/Vögel/Viren etc.

    -Abiotische Faktoren:

    -Pestizide und Umweltgifte

    -Klimabedingungen


    Abiotische Faktoren können wir hier eigtl. schonmal ausschließen, da sich diese auf alle Arten gleich auswirken und das Hinzukommen einer neuen Art z.B. nicht auf das Wetter auswirkt.

    Das Nektarangebot würde ich hier auch mal ausschließen, da die interposita oder welche Art auch immer sicherlich nicht alle Blüten in relevanten Maße leersäuft.

    Zum Futterangebot....dies könnte ich verstehen, wenn es sich nun um eine Art handelt, die quasi Kahlfraß verursacht und somit andere Arten direkt verdrängt. Bei "normalen" Arten wiederum kann ich mir dies nur schwer vorstellen. Wie viel müssten die Raupen einer Art wohl fressen, umdass sich dies auf eine andere Art spürbar auswirkt? Gleichermaßen müssten dann theoretisch alle Arten darunter leiden, die an dieser Pflanze fressen. Für mich schwer vorstellbar.

    Parasitoide etc...wären eine mögliche Erklärung. Durch den Anstieg der Raupenpopulationen wächst auch die Population der Prädatoren. Jedoch: Der konkrete Zusammenhang erschließt sich mir noch nicht. Wenn dem so wäre, müsste die Prädatorenpopulation wegen dem Hinzukommen einer Art b ansteigen - gleichzeitig müssten sie sich aber dennoch vorrangig von Art a ernähren, sodass diese Population wiederum sinkt. Klingt unschlüssig.

    Also was gibt`s noch? Kann es so eine Nische inkl. aktiver Verdrängung bei solchen Arten überhaupt geben? Noch dazu, da es sich um R-Strategen und keine K-Strategen handelt? Ich bin mir unschlüssig (bzw. habe eher eine ablehnende Meinung im Kopf)....was übersehe ich?


    Eseidenn wir schließen abiotische Faktoren doch nicht aus - dann jedoch wäre es keine aktive Verdrängung. Was ich mir hier wiederum sehr gut vorstellen könnte, ist, dass zB Art a andere Klimaansprüche als Art b aufweist. Während Art a unter der Erwärmung leidet und sukzessive zurück geht, profitiert Art b von den Temperaturen und breitet sich immer weiter aus. Das wäre sehr wohl vorstellbar...dabei hätten die beiden Arten aber keinen direkten Einfluss aufeinander sondern das ganze wäre eher ein schlicht korrelativer Zusammenhang ohne Kausalität.

    bist du dir beim 2. Bild sicher, daß es sich um orbona handelt? Könnte das nicht interposita sein?

    Hey,

    danke euch beiden für die Einschätzung! Also grundsätzlich versuche ich zwar nach bestem Wissen und Gewissen zu bestimmen - Fehler können mir da aber immer mal wieder unterlaufen. Oft genug fehlt mir einfach noch die Erfahrung, gerade auch weil ich viele Tiere zum ersten Mal sehe.... Insofern ist "sicher" bestimmt nicht der richtige Ausdruck - und ich bin euch umso mehr dankbar, dass ihr so aufmerksam die Ergebnisse durchschaut :emojiSmiley-04:


    Zum Tier: ja, auch das war so eine Art, bei der ich hin und her geblättert habe. Es kamen 2 Tiere - eines davon mit sehr kräftigem, ziemlich schwarzen Fleck am Vorderrand. Dazu wusste ich nicht genau, wie verbreitet interposita nun tatsächlich schon ist (der Steiner war da nicht sonderlich hilfreich). Aber wenn sie sich wohl so ausgebreitet hat, wie ihr meint, ist es wohl wahrscheinlich wirklich interposita. Danke!



    Anmerkend dazu: ich kann mir schwer vorstellen, wie bei solchen Arten eine Konkurrenz bzw. Verdrängung aussehen könnte. Sie werden den orbona ja wohl kaum alle Futterpflanzen wegfressen. Oder den Nektar wegsaugen... Gibt es dazu irgendwelche Theorien (evtl. auch zu anderen Arten)? Maximal könnte ich mir vorstellen, dass sich nahe verwandte Arten eben doch kreuzen und dann die dominantere schlichtweg die andere überragt... Aber da würden mir jetzt sicherlich einige widersprechen ^^ Aber mir würde sonst irgendwie keine plausible Erklärung einfallen :/

    Ergänzend dazu noch ein paar wahllose Nachtfalterbilder






    Was sagt ihr zu dem? Habe zu Idaea straminata tendiert - aber die stark gezackte Wellenlinie ist irgendwie schon sehr distinktiv und passt mir irgendwie nicht so richtig...


    Und für die Eupi-Freunde....sehr stark abgeflogen - aber der Smiley ist gut sichtbar :D Also es scheint eine Art mit sehr eindeutigen 3 Strichen zu sein...hier tue ich mir sehr schwer...