Papilio machaon fördern ohne sich strafbar zu machen (?)

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    • Papilio machaon fördern ohne sich strafbar zu machen (?)

      Liebe Freunde...

      ... es ist wieder soweit, die Schwalbenschwänze fliegen wieder. Da konnte auch der starke Frost von Ende April nichts daran ändern. Zum Leidwesen dürfen sich vor allem die deutschen Kollegen nur beschränkt darüber freuen, denn ausser einen verstohlenen Blick in Richtung eines vorbeifliegenden Schwalbenschwanzes dürfen sie sich kaum etwas leisten, ohne gleich gesetzliche Konsequenzen fürchten zu müssen. In Absprache mit den Admins erlaube ich mir nun hier eine Möglichkeit P.machaon ganz nahe bei sich zu haben zu beschreiben, bei der selbst der unnachgiebigste Wächter zugeben muss, sie dient dem Wohl einer geschützten Art und schadet ihr nicht. Deshalb bitte ich alle, die die Möglichkeit haben, diesen Artikel möglichst vielen Lehrern zugänglich zu machen, damit sie ihren Schülern und sich selbst dieses wunderbare Naturschauspiel ermöglichen und damit einen Grundstein für die Liebe zur Natur legen können.

      Voraussetzung ist, dass P.machaon in einem Gebiet natürlicherweise vorkommt. Ob ständig oder ob als suchender Wanderer ist dabei unwichtig. Beschaffung von anderswo gilt nicht!
      Die Art ist sehr wärmeliebend. Deshalb suchen die Weibchen zur Ablage möglich solitär stehende oder gut besonnte Pflanzen für die Eiablage. Dies sind Knollen- und Gewürzfenchel, Weinraute, Kümmel, Dill, Koriander, Möhre, Petersilie, Maggikraut - in absteigender Beliebtheit aufgezählt. V.a. Fenchel und Weinraute wirken wie ein Magnet für umherfliegende Weibchen, die die künftige Kita für ihren Nachwuchs schon von weitem riechen.
      Deshalb habe ich bei uns in der Schule mit den Schülern ein kleines Fenchelbeet angelegt, nachdem sie mir letzten Herbst schon zehn erwachsene Raupen von den Weinrauten im grossen Steingarten gebracht hatten. Gestern kamen einige 8 Jährige ganz aufgeregt, um zu berichten, dass sie auf den Fenchelpflanzen zahlreiche gelbe Kügelchen entdeckt hätten. Sie wussten, was das ist, denn eine Woche zuvor hatte ich ihren Lehrerin mit Eiern aus meinem Garten beliefert. Entwicklung und Schlupf wurden ganz genau verfolgt und nun sitzen die Raupen im Schulzimmer auf eingetopften Fenchelpflanzen. Jeden Morgen sind sie das Erste was begrüsst, am Nachmittag das Letzte, das verabschiedet wird. Leider sind solche Erfahrungen in einigen EU-Ländern momentan nicht möglich. Aber man kann doch! Hierfür legt man ein kleines Fenchel oder Weinraute Beet an. Und wenn ich von "Beet" spreche, meine ich nicht etwa eine Fläche von mehreren Quadratmetern. Es tut auch schon ein Topf von ca. 50cm Durchmesser. Je mehr davon, umso besser natürlich... Wichtig ist der Standort! Der sollte sonnig, leicht regengeschützt sein. Konkurrenzpflanzen rundrum mögen die Weibchen nicht, also möglichst solitär und am besten über Steinen, Beton oder Asphalt, die alle die Wärme nach oben reflektieren. Bei uns in Mitteleuropa sind also West- bis Nordostlagen nicht so gut geeignet wie solche von Ost bis Südwest. Dies kann aber in den östlichen Bundesländern schon wieder anders sein.
      Stellt man diese Pflanzen in die pralle Sonne, werden sie gefunden und mit Eiern belegt. Das kann vor dem Fenster, auf dem Balkon, auf dem Sitzplatz oder an einem sicheren Ort im Schulhof sein. Dort kann man dann die Entwicklung vom hellgelben Eikügelchen bis zur erwachsenen Raupe gut beobachten. Ist die Pflanze gross genug (v.a. bei Weinrauten der Fall), hat man auch die Chance, dass sich die Raupen gleich zwischen den Trieben verpuppt und dort der Falter schlüpft. Bei kleineren Pflanzen werden die reifen Raupen wegwandern und einen geeigneten Platz zum Verpuppen suchen. Ich habe aber auch schon gehört, dass man zu pädagogischen Zwecken bei den örtlichen Naturschutzbehörden eine Sondergenehmigung beantragen kann, die das Verpuppen- und Schlüpfenlassen im Klassenzimmer ermöglichen. Voraussetzung natürlich, dass die Falter unmittelbar frei gelassen werden. Dies muss jedoch mit den örtlichen Behörden abgeklärt werden und kann hier so, dort anders entschieden werden. Im Sinne des Artenschutzes und der Artenförderung hoffe ich auf möglichst viele vernünftige Beamte.

      Hier stelle ich einige Bilder ein, wie sich mein Garten heute Morgen für P.machaon präsentierte. Insgesamt sind auf den verschiedenen Pflanzen rund zwanzig frische Eier und etwa zehn L1 Räupchen verteilt. Dies wissen allerdings auch die Wespen und Ameisen. Bis Zum Herbst werden hier mehrere Hundert Eier abgelegt werden. Wenn ich keine einsammle - das darf ich bei uns im Kanton Zürich - und sie vor Fressfeinden oder schlechtem Wetter schütze, schaffen es jedoch nur etwa zwanzig bis zum erwachsenen Insekt. Ich ziehe gestaffelt rund dreissig bis vierzig auf einer eingepackten Pflanze auf, sodass es ein paar mehr sind, die wegfliegen können. Sie danken es mir im Folgejahr mit ihren erneuten Erscheinen.

      Fenchel im Hochbeet Fenchel im Topf



      Fenchel im Trog




      L1 Raupe auf Weinraute Gewürzfenchel als Unterpflanze



      Weinraute in voller Sonne




      Viel Erfolg bei euren Aktionen

      Bernhard
      We specialise in rare and common butterflies from the Neotropical (Central/South America, Caribbean Islands) and Holarctic regions (North America, Europe, Asia).

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von bernhard ()