Frage: Streuobstwiese als Kuhweide oder nicht?

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    • Frage: Streuobstwiese als Kuhweide oder nicht?

      Hallo an alle, mich würde mal eure Meinung interessieren, nicht nur eure Vorlieben sondern faktisch begründet.

      Nach dem Kauf eines Klosters stehen uns jetzt auch 20 000 qm Streuobstwiese zur Verfügung. Der Obstbaumbestand (hauptsächlich Apfelbäume) ist sehr alt, mit einigen toten Bäumen und auch größeren Wiesenflächen auf denen keine Bäume mehr sind. Bisher war jedes Jahr auf dieser Fläche eine kleine Kuhherde. Dieses Jahr sind es nur 5 Kühe. Wir müssen keine Kühe darauf haben, können aber.
      Meine Frage nun: Wie wirkt sich ein Kuhherde auf die Insektenpopulation (besonders Schmetterlinge aus)? Haben die Kühe einen positiven oder negativen Effekt oder gar keine Auswirkungen?
      Dieses Jahr haben wir die Kühe erst seit Juli auf der Wiese, so konnte ich sehen, das viel hohes Gras wächst, aber auch viele Blütenpflanzen. Die Grasnarbe wird immer wieder aufgerissen durch die Hufe und unter viel besuchten großen Bäume ist nur noch Erde.

      Was meint ihr, Kühe oder keine? Schafe und Ziegen sind hier keine Option, da es im Umfeld keine Bauern gibt, die welche haben.

      Vielen Dank für eure Meinung.

      Liebe Grüsse
      Mario
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    • Nun, darauf lässt sich jetzt erstmal keine pauschale Antwort geben. Das kommt sehr darauf an was für Arten dort zu erwarten sind (also dort schon vorkommen oder in der Umgebung vorkommen und gefördert werden könnten). Dann ist es natürlich eine Frage des Habitattyps und vom Pflanzenbewuchs (Region?). Erfahrungsgemäß sind Kühe für Trockenhabitate eher ungeeignet, aber für feuchtere und Nasswiesen besser oder sogar die einzige Option. Die allgemeine Antwort ist wie so oft: Es kommt darauf an. An sich ist Kuhbeweidung nicht zu verteufeln, kann sich sehr günstig auswirken, kann aber bei falscher Anwendung und in ungeeigneten Situationen extrem schädlich sein. Sehr zu empfehlen zum Beispiel in Gebieten mit unkontrollierter Erosion oder Desertifikation. Das wird bei euch jetzt nun wahrscheinlich nicht so der Fall sein ^^ . Schafe und Ziegen sind übrigens auch nicht an sich gut. Auch hier kommt es auf die Situation und die Ausführung an.

      Grüße Dennis
    • danke, Dennis. Die Streuobstwiese ist in Hanglage(Nordosthang) und eher trocken mit relativ kargen Bodenverhältnissen. Durch die Hanglage laufen die Kühe viel auf eigenen Trampelpfaden. Eine Bestandsaufnahme habe ich dieses Jahr erst begonnen und liege bisher bei ca. 150 Arten von Großschmetterlingen fotografisch dokumentiert.
      Das Grundstück liegt übrigens in 63849 Leidersbach (Bayern).

      Gruß
      Mario
    • die nicht gerade unbetraechtlichen Abprodukte der Kuehe verwandeln per Eutrophierung das Offenland in eine artenarme Hochgrasflur- so geschehen im NSG Grünzer Berge in Südost.mecklenburg wo die Orchideenwiesen zuerst durch Bullen zugeschissen wurden und anschließend das Gras Alles überwucherte.
      (O -Ton des zuständigen Amtes :Wir kommen aus dem Vertrag mit dem Bauern nicht raus... Aber wehe es hätte sich jemand einen Falter ohne Genehmigung eingesteckt bevor er zugeschissen worden wäre... )
      Und Schafe stellen das biologische Äquivalent eines Atomschlages dar - auf ständig auf drei Millimeter abgefressener Vegetation kann halt Nix mehr existieren..
      Die Patentlösung bestände wie fast immer darin ein Zuwachsen bzw Zubuschen zu verhindern (am Besten manuell) und ansonsten einfach die Finger davon zu lassen und den Status Quo zu erhalten.
    • Das ist mal wieder eine völlig undifferenzierte schwarz-weiß Sicht auf das ganze und ist so in dieser verallgemeinerten Form einfach nicht richtig.

      holawa wrote:

      Das Grundstück liegt übrigens in 63849 Leidersbach (Bayern)

      holawa wrote:

      Die Streuobstwiese ist in Hanglage(Nordosthang) und eher trocken mit relativ kargen Bodenverhältnissen
      Lustig, das ist ja nicht weit von mir. Die Gegend drumherum kenne ich ganz gut. Ich schätze mal das Gebiet könnte für einige Lycaena-Arten interessant sein. Nicht weit kenne ich ein Vorkommen von L. tityrus. Ich sehe jetzt primär erstmal kein Problem mit der Kuhbeweidung. Die Herde ist ja wie du sagst sehr klein und nur einmal im Jahr auf der Fläche. Der Viehtritt ist meistens ganz positiv für die Pflanzendecke und viele Tagfalterarten mögen die Störstellen die dadurch geschaffen werden zur Eiablage sehr gerne (gerade Lycaena tityrus und phlaeas, evtl. auch P. machaon). Auf die Eutrophierung sollte man in jedem Fall ein Auge haben. Wenn die Wiese ihren Trockencharakter verliert, sollte man in Erwägung ziehen eine Mosaikmahd mit Entfernung des Schnittguts durchzuführen. Die Streuobstwiesen die ich kenne sind in der Regel nicht stark von Verbuschung betroffen. Sollte das der Fall sein, kommt die Fläche vielleicht auch mit weniger Beweidung oder Mahd aus. Das hängt ein bisschen davon ab, wie sich das mit der Beweidung regeln lässt. Wenn man die Fläche nicht kennt ist es immer etwas schwer abzuschätzen, aber wenn sie an sich stabil ist, weder verbuscht noch zu viel Närstoffeintrag besteht, würde ich am derzeitigen Pflegeregime erstmal nichts ändern.

      Grüße Dennis
    • bellargus wrote:

      mal wieder eine völlig undifferenzierte schwarz-weiß Sicht auf das ganze und ist so in dieser verallgemeinerten Form einfach nicht richtig
      Wenn das auf Andreas bezogen war, stimme ich hier vollkommen zu.

      Andreas wrote:

      Abprodukte der Kuehe verwandeln per Eutrophierung das Offenland in eine artenarme Hochgrasflur
      Du kannst nicht von einem Fall auf die Allgemeinheit schließen. Nur weil wieder mal jemand bei euch scheinbar Mist verzapft hat, ist das noch lange nicht auf andere Projekte übertragbar.
      Schonmal in den Alpen gewesen? Die artenarme Hochgrasflur dort möchte ich gern mal sehn.
      Das so zu sagen ist schichtweg quatsch. Man muss hier tatsächlich sehr differenzieren. Einerseits kommt es extrem stark auf den Besatz an. 30 Kühe in nem kleinen NSG sind ja wohl ein Unterschied zu zB. 5. Auch, ob sie dort 1 Monat stehen oder eine Woche. Vielmehr noch, ob sie zugefüttert werden oder nicht. Ohne Zufütterung würde es ungefähr dem natürlichen Stoff-Kreislauf entsprechen - von pauschaler Eutrophierung zu reden ist einfach nicht korrekt.

      Andreas wrote:

      Orchideenwiesen zuerst durch Bullen zugeschissen
      Wenn du es schon anschreibst, dann auch hierzu noch ein Kommentar: der Disput zwischen Orchideen-Fans und restlichen Naturschützern hält schon lange an. Unterschiedliche Arten profitieren nunmal von unterschiedlicher Bewirtschaftung. Während Orchideen unter Beweidung eher leiden (auch nicht pauschal zu sagen - s. Alpen), profitieren eine Vielzahl anderer Pflanzen und Tiere.


      Andreas wrote:

      Schafe stellen das biologische Äquivalent eines Atomschlages dar
      Sorry, aber mehr als "Schwachsinn" fällt mir bei so einer Aussage auch nicht ein. Nahezu alle unserer heutigen Magerrasen mit all ihrer Artenvielfalt existieren überhaupt nur durch ehem. Schafbeweidung. Wer so etwas schreibt, hat von naturschutzfachlicher Bewirtschaftung, sagen wir, eher wenig verstanden.


      Nochmal: alles ist relativ. Man kann nicht von der Kuhbeweidung oder der Schafbeweidung reden. Viel wichtiger ist die Frage nach der Besatzdichte, nach der Dauer der Beweidung und nach evtl. Zufütterung.
      Kühe werden der Fläche vermutlich nicht schaden - erst recht nicht, wenn sie eh schon so bewirtschaftet wird. Kühe wiederum verbeißen keine aufkommenden Sträucher. Soll die Fläche eher offen gehalten werden, wird es früher oder später notwendig sein, entweder aufkommendes Gebüsch manuell zu entfernen oder Schafe/Ziegen einzusetzen.

      LG,
      Toni
      Rechtschreibefehler sind gewollt und dienen zum Test der Leseaufmerksamkeit und Erheiterung des Forums;)
    • Toni Kasiske wrote:

      Wenn das auf Andreas bezogen war, stimme ich hier vollkommen zu.
      War es.

      Toni Kasiske wrote:

      Ohne Zufütterung würde es ungefähr dem natürlichen Stoff-Kreislauf entsprechen - von pauschaler Eutrophierung zu reden ist einfach nicht korrekt.
      Ich kann Toni in allem nur zustimmen und ihm danken, dass er sich die Arbeit gemacht hat mal wieder einen dieser halbwegs sinnfreien und realitätsfernen Beiträge begründet zu zerlegen.

      holawa wrote:

      Lycaena tityrus und Lycaena phlaeas kommen beide hier vor. Andere bisher dokumentierte Lycaenidae sind Cupido argiades, Cyaniris semiargus, Polyommatus icarus, Aricia agestis/artaxerxes.
      Ok, das ist so das erwartbare Arteninventar einer solchen Fläche in der Gegend. So viel mehr gibt es auch drumherum nicht. Daher denke ich dass man durch andere Pflege auch keine Arten mehr dazugewinnen kann. Pflege ist wohlgemerkt auch nur das was es eben ist, das Vorhandene erhalten. Nur weil man jetzt alles von Hand pflegt tauchen auch nicht plötzlich Pflanzen auf die dort verschwunden sind oder nie wuchsen, geschweige denn kommen die dazugehörigen Falter wieder zurück, wenn es meilenweit keine mehr davon gibt.

      Außerdem ist das natürlich eine Sache von vorhandenen Ressourcen. Mag sein, dass die ideale Pflege darin besteht jeden Quadratmeter anders zu pflegen, aber das ist nunmal utopisch. Man kann natürlich 20000 quadratmeter mit der Nagelschere kurzschneiden, aber praktikabel ist das nicht. Wenn man Mahd durchführen will muss das jemand machen und das ist gerade in steilen Hanglagen nicht so einfach. Vielleicht wären Schafe, Ziegen oder Esel besser um eventuelle Verbuschung einzudämmen, aber die stehen nunmal wie gesagt wurde nicht zur Verfügung. Dann muss man eben damit arbeiten was man hat.

      Theoretisch könnte man jetzt nichts machen, wie Andreas vorschlägt und das würde vielleicht eine Weile funktionieren. Offenflächen sind zumindest in Mitteleuropa aber hauptsächlich Resultat von Beweidung (natürlich oder Viehhaltung) oder Mahd. Langfristig wächst die Fläche also zu und das ist auch nicht so schlimm, da manche Arten Sukzessionsstadien sogar brauchen. Daher ist es auch kein Fehler einige Bereiche eine Weile in frühen Sukzessionsstadien zu belassen. Vielfältige Lebensräume fördern auch Artenvielfalt. Trotzdem muss man gerade für die Lycaena-Arten niedergrasige Bereiche erhalten und da bietet sich Beweidung nunmal an. Beweidung leistet Dinge, die manuelle Verfahren niemals leisten könnten. Viehtritt schafft Offenstellen und stabilisiert gleichzeitig den Boden und schützt somit vor Erosion ohne den Boden zu stark zu verdichten. Mit der Beweidungsintensität muss man halt vorsichtig sein. Da ist halt die Frage wie ihr das mit den Besitzern der Kühe regeln könnt. Ideal wäre eine Abschnitts-Beweidung, bei der die Kühe vielleicht über einige Wochen einen Teilbereich bekommen und dann zum nächsten weiter geschickt werden. So hat man zu jeder Zeit verschiedene Wachstumszustände der Vegetation und für alle ist was dabei. Wenn die Beweidung so geschieht, sind übrigens auch die trostlosen Flächen der "Atomschafe" nicht so dramatisch wie sie aussehen.

      Grüße Dennis
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