Totenkopfschwärmer gefunden

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    • Totenkopfschwärmer gefunden

      Guten Morgen

      ich habe mir hier angemeldet, weil ich letzten Donnerstag am 14.11.19 einen Totenkopfschwärmer vor meiner Haustür in Hambrücken gefunden habe. Es hatte geregnet und die Stelle war sehr unglücklich für ihn gewählt. Ich hatte ihn in die Scheune gesetzt. Angefasst habe ich in nicht. Er konnte noch aus eigener Kraft auf ein Blatt Papier krabbeln. Ich habe keine Ahnung von Schmetterlingen. :nixweiss:
      Aber nachdem er sich die letzten Tage nicht mehr bewegt und ich befürchtet hatte, er wird vom Winde verweht habe ich ihn gestern Abend in einen Karton gesetzt und in mein Bad gestellt. Ich dachte nicht, dass er noch lebt aber er ist dann wieder recht munter geworden und jetzt hoffe ich, dass mir jemand sagt, was ich am Besten mit ihm machen soll. Unsere Scheune ist nicht dicht und ich weiß nicht, ob er noch fliegen kann.

      Freue mich auf Ratschläge, auch wenn es am Ende heißt, ich solle ihn einfach wieder raus stellen. Aber er beschäftigt mich jetzt seit Donnerstag und ich würde mich echt über einen Tipp von Profis freuen.

      Danke im voraus und bitte nicht auslachen

      viele Grüße Andrea
    • Hallo Andrea,
      keiner hier würde dich auslachen. Ich finde es sehr gut dass du fragst und nicht auf gut Glück handelst. Auf dem Bild sieht das Tier für mein Empfinden ganz gut aus. Der Falter wird durch die Kälte in der Scheune ruhig gewesen sein und die Wärme im Haus macht ihn wieder munter. Das Tier wird wahrscheinlich hungrig sein. Du kannst es mit einen 1:1 Mischung aus Honig und Wasser versuchen zu füttern. Dazu musst du den Falter festhalten und den Rüssel mit einer Nadel o.Ä entrollen und in die Futterlösung tauchen. Der Falter trinkt dann von sich aus weiter. Gucke dazu am besten bei Youtube nach. Da gibt es reichlich gute Videos zu. Das Tier wieder frei lassen könnte schwierig sein wenn es denn sehr kalt ist. Vielleicht fliegt er auch in den Süden zurück... Ich würde dir aber empfehlen den Falter wenn möglich in einem Flugkäfig zu halten und täglich zu füttern. Auf jeden Fall ist das ein toller Fund vor allem so spät im Jahr. Darf ich fragen wo genau du das Tier entdeckt hast?
      Beste Grüße, David
    • Hallo David,

      vielen Dank für die Antwort. Ich werde mir die Videos anschauen und es dann versuchen. Der Karton ist offen, also ohne Deckel. Bisher ist er aber nur drin rumgelaufen. Gibt es denn bezüglich Temperaturen etwas zu beachten? Ich kann ihn leider nicht überall hinstellen, weil ich Katzen habe. Es käme tatsächlich nur das Gästewc in Frage. Ich mache mir aber etwas sorgen, da ich den Eindruck habe, dass das letzte Ende von seinem Körper bisschen "Farbe" verliert? Brauchen die Falter irgendetwas im Käfig? Ich hatte jetzt Zeitungspapier reingelegt, der reine Karton war mir so kahl. Ich habe kein Käfig. Gibt es da Alternativen auf die Schnelle?

      Gefunden habe ich ihn tatsächlich genau vor der Haustür in Hambrücken bei Bruchsal. Er wurde vielleicht vom Bewegungsmelder nachts angezogen.
      Ich gebe zu, am liebsten wäre mir ich könnte ihn an jemand abgeben, der Erfahrung hat. Habe ein bisschen Panik, dass ich ihn kaputt mache. Aber ich werde mich bemühen. Immerhin sitzt er jetzt in meinem GästeWC.

      Ist alles bisschen durcheinander geschrieben, sorry dafür
      Viele Grüße
      Andrea
    • Die Frage ist halt so ein bisschen was will man jetzt erreichen. Der Falter ist wahrscheinlich ein später Einwanderer oder ein Nachkomme von Einwanderern aus diesem Sommer. Totenkopfschwärmer können hier nicht überwintern und würden draußen vermutlich beim nächsten stärkeren Frost sterben (was normal ist, das passiert mit allen dieser späten Tiere hier). In der Wohnung wird ihn allerdings dasselbe Schicksal früher oder später auch ereilen, selbst wenn Füttern das ganze hinauszögert. Ich weiß nicht ob jemand Erfahrung damit hat, ob die Falter eventuell bei niedrigen Temperaturen, aber ohne Frost überwintern können. Die beste Wahl wäre dann wohl ein kühler Keller oder etwas ähnliches, das erhöht seine Überlebenschancen bis zum Frühjahr jedenfalls erheblich. Im Wärmen wird er es kaum ein paar Wochen durchhalten, was natürlich auch ok ist. Dann würde ich ihm Platz zum fliegen geben.

      Wenn du ihn in einem Karton hast ist das völlig ausreichend. Der Falter braucht nur etwas raues woran er sich gut festhalten kann, wie eben Pappe oder raues Papier. Ein Schuhkarton oder ähnliches tut gute Dienste.
      Dass der Falter Farbe verliert wird daran liegen, das er sich wenn er rumläuft oder fliegt ein paar Schuppen abscheuert. Das ist aber nicht weiter schlimm. Du brauchst auch keine Angst haben irgendwas kaputt zu machen. Die haben einen harten Chitinpanzer, und auch die Flügel sind aus einer relativ stabilen Membran. Das Schuppen abgehen kann einen etwas erschrecken, aber die braucht der Falter nicht unbedingt. Das einzige womit man etwas aufpassen muss, sind die Füße. Wenn man den Falter in die Hand nimmt, dann niemals reißen, wenn er sich irgendwo festhält sondern, selber die Füße abheben lassen oder behutsam lösen. Ansonsten sind Totenkopfschwärmer so ziemlich die robustesten Schmetterlinge die es gibt. Da geht nix kaputt ;)

      Grüße Dennis
    • Hallo Dennis,

      auch dir danke für deine Antwort.
      ich weiß auch nicht, was ich erreichen möchte. Es ist eher so, dass ich ihn gesehen habe und er immer in meinem Kopf rumgeflattert ist und ich mich schlecht fühlen würde, wenn ich in die Scheune gehen würde und er wäre gestorben während ich vielleicht die Möglichkeit gehabt hätte etwas zu tun. Ich möchte also nur mein Gewissen beruhigen. Am liebsten würde ich ihn natürlich draußen fliegen lassen, aber es ist echt kalt und bisher habe ich ihn noch nicht fliegen sehen.
      Es ist das erste Mal, dass ich einen so riesigen Schmetterling gesehen habe. Ich finde ihn faszinierend weil alles so deutlich erkennbar ist.
      Ich habe es vorhin versucht mit dem Füttern. Marienkäfer hatte ich immer wieder über die Finger krabbeln, aber es war ein komplett anderes Gefühl mit ihm. :) Ich bin schon stolz auf mich, dass ich es nicht mal unangenehm fand. Ich hatte es mit einer Nadel versucht. Aber mich wohl sehr unbeholfen angestellt. Am Ende wollte ich ihn nicht länger aufregen und werde es morgen wieder versuchen. Ich hatte Angst zu fest mit der Nadel zu drücken.
      Ich hatte aber den Eindruck, dass er nicht mehr alle Füße einwandfrei bewegen konnte. Zumindest hat es so gewirkt als er auf der Handfläche rumlief.
      Das ich mal versuche einen Schmetterling zu füttern. Hätte ich nie gedacht. Aber es ist einfach echt so faszinierend und interessant. Ich hoffe ich stelle mich morgen besser an.
      Viele Grüße
      Andrea
    • Hallo Andrea,

      erstmal finde ich es super, mit welchem Elan und Gedanken du an die Sache ran gehst! :thumbsup:

      Ein Freilassen des Tieres bei diesen Temperaturen bringt rein gar nichts: er wird ein paar Meter weit kommen und dann als Meisenfutter oder Katzenspielzeug enden. Selbst wenn die Tagestemperaturen zweistellig werden. Wie lange eine kleine Meise für diesen großen Falter braucht, bis sie ihn in kleine Häppchen zerlegt hat, kannst du dir sicher vorstellen und ist nicht sonderlich schön.

      Beste Alternative wäre einen Züchter zu finden, der selbst gerade Totenköpfe im Flugkäfig hat und in deiner Nähe wohnt, um ihn abzuholen. Aber das wäre wie ein 6er im Lotto.
      Ein Versand des Tieres kommt mit deiner fehlenden Erfahrung nicht in Betracht. Das würde auf Tierquälerei hinauslaufen ;)

      Das Tier bei dir zu Hause am Leben zu halten bringt leider grundsätzlich nicht viel.
      Das Tier wird sich bei deinen Möglichkeiten wahrscheinlich innerhalb einer Woche komplett abfliegen, die Beine/Krallen teilweise verlieren und auch von den Flügeln wird allerhand weg sein. Dann wird er entweder verhungern oder einfach entkräftet sterben. Ausser du hältst ihn sehr kühl bei 10°C, dann verlängerst du seinen Leidensweg um nochmals eine Woche.

      Unter guten Bedingungen kann man den Tod um weitere 1-3 Wochen nach hinten raus schieben, was dir aber kaum gelingen wird, da dir die Erfahrung und das Equipment dazu fehlt.

      In der Zucht ist so was ganz normal, aber da hat man dann auch Männchen und Weibchen zusammen in einem Flugkäfig und sie können zuvor ihrem Bestimmungszweck Nachkommenschaft zu produzieren nachkommen. Und damit ist es gut.

      Dein Tier dagegen wird mehr oder minder sinnlos dahin vegetieren und das nicht auf die angenehme Weise.
      Mit nur Füttern allein ist es nicht getan.

      Ich sähe es als "humaner" an, wobei solch ein Adjektiv sehr vorsichtig zu verwenden ist, gerade bei Insekten, die mitunter von Vögeln, Spinnen oder gar Artgenossen bei lebendigem Leibe verspeist werden....also ich sähe es als humaner an, das Tier für einen Tag in einer Box in den Kühlschrank zu stellen und danach für 2 Tage in die Tiefkühltruhe bei minus 15°C durchfrieren lassen. Das würde ihn auf die sanfteste Art und Weise einem natürlichen Tod zuführen, ohne dass er leiden muss. Diesen Vorgang würde ihn auch im Freiland ereilen, wenn er nicht zuvor von einem Fressfeind zerfetzt wird.

      Vielleicht interessiert sich sogar ein Entomologe oder ein zoologisches Museum in deiner Nähe für das tote Tier, da ein solcher Freilandfund um diese Jahreszeit wirklich etwas Besonderes darstellt. Sollte sich niemand finden, nähme ich ihn gerne. Dann hat er zumindest noch einen wissenschaftlichen "Sinn" erfahren.

      Ich weiß, das alles sind keine besonders schöne Aussichten, aber dieser Totenkopfschwärmer hat sich auch ein für richtig beschissenes Zeitfenster zum Überleben ausgesucht. Wäre er dir Anfang Oktober noch vor die Füße geflattert, hätte er bessere Chancen gehabt.

      Sorry für die klaren Worte, aber ist halt so. ;)

      Grüße
      Rudi
      Sphingiden - was sonst? 8o Sphingids - what else?
    • Hallo Rudi,

      vielen Dank für die Antwort und die realistische Einschätzung der Lage.
      Ich war vorhin ganz stolz, ich hab es tatsächlich geschafft, seinen Rüssel aufzurollen. Leider wollte er aber schon gar nicht mehr trinken. Er hat sich auch kaum gewehrt und seit vorhin, hat er sich auch nicht mehr bewegt.
      Ein Lebewesen quälen möchte ich auf gar keinen Fall. Mein Mann hat mir allerdings ziemlich deutlich gemacht, dass er nicht in den Kühlschrank kommt.
      Ich muss gestehen, er ist mir schon etwas ans Herz gewachsen und es stimmt mich ziemlich traurig, dass er das tolle warme Wetter verpasst hat. Ich werde später versuchen meinen Mann zu überzeugen, dass es ein Zeichen von Tierliebe ist, ihn im Kühlschrank natürlich einzuschläfern. Ich werde mich mal umhören bezüglich deinem Hinweis, aber ich würde ihn vielleicht auch gerne behalten als Erinnerung. Müsste ich da was beachten?
      Ich wundere mich selbst, wie sehr mich das runterzieht, dass er stirbt. Aber ich bin auch einfach sehr anfällig für solche Dinge.
      Ach mann ;(
      Viele Grüße
      Andrea
    • Liebe Andrea, wenn Du diesen Falter behalten willst als Errinnerung dann lass in Präparieren. Es findet sich bestimmt ein Sammler in deiner Nähe das er einen kleinen Schaukasten anfertigt wo der Falter drinn ist. Mit Latainischen NAmen Autor und den Fundortdaten. So ist er in deiner Errinnerung. Solch ein Tier ist unbezahlbar. Wie mein erster Schwärmer den ich nicht verkauft als ich mich von meiner ersten Sammlung 2004 trennte. Grüße Michi
    • Hallo Michael,

      vielen Dank für deine Nachricht. Ich bin noch immer etwas traurig. Aber er ist jetzt in einer Box im Gefrierschrank.
      Das Naturkundemuseum in Karlsruhe hat sich auch gleich gemeldet, als ich ne Mail schrieb und dort wird es wohl auch klappen. Das macht mich schon happy, dass er dort in guten Händen sein wird, bevor ich ihn dann wieder bekomme.
      Hier ist das letzte Bild von ihm:
      Nochmals vielen Dank an alle für die hilfreichen Antworten.

      Liebe Grüße
      Andrea
    • Servus Andrea,

      finde ich super, dass Ihr das in dieser Form nun geregelt bekommt.
      Ich kann mir vorstellen, dass diese Entscheidung nicht einfach für dich und deinen Mann war.
      Totenkopfschwärmer sind halt auch sehr tolle Tiere und hinterlassen einen besonderen Eindruck.
      Das geht mir auch jedes Mal auf´s neue so, wenn ich mal wieder welche züchte und ich habe schon so einige dieser Tiere aufgezogen.

      Also...Hut ab vor deiner Entscheidung UND auch, dass du den Kontakt nach Karlsruhe gesucht und gefunden hast.
      Klasse! :thumbup:

      Grüße
      Rudi
      Sphingiden - was sonst? 8o Sphingids - what else?