Liebe Forum-Gemeinde,
leider muss auch ich vollkommen illusionslos feststellen, dass bei unseren Schmetterlinge vor allem in diesem Jahr ein desaströser Einbruch in der Artenzahl und auch Individuenzahl zu verzeichnen ist.
Leider sind die Bürger und vor allem die Bauern für das Thema „Schutz von Insekten“ überhaupt nicht sensibel, sie kennen die Arten nicht, deshalb können sie auch nicht abschätzen, was sie verlieren, wenn die Schmetterlinge komplett aussterben.
Leider gibt es darüber hinaus bei den Gemeinden und Stadtverwaltungen derart ignorante Angestellte, die Biotop-Pflegemaßnahmen zu Zeiten ansetzen, die aufgrund des Einsatzes von gigantomanischen Maschinen die ganze Fülle von Saugpflanzen kurzerhand wegradiert.
Leider werden unsere sogenannten Wiesen, ich würde sie in Grünkulturbrachen und Todesflächen umbenennen, so oft gemäht, dass kein einziges Insekt, das sich auf den Flächen befindet, diese Prozedur überlebt, ausgeschlossen sind bei uns die Feldgrillen, die sich glücklicherweise in ein Erdloch verziehen können, wenn es zu unruhig wird.
Leider hat es unsere Staatsregierung immer noch nicht geschafft, das Teufelszeug „Glyphosat“ komplett zu verbieten, denn es werden jetzt von der Deutschen Saatgutindustrie Milliarden damit verdient und das auf Kosten all unserer Insekten und auch vieler Wildtiere.
Ihr merkt, dass das Thema bei mir gerade ein sehr heikles ist, denn gestern habe ich die Auswirkungen von Glyphosat auf meine Schmetterlingszuchten faktisch nachgewiesen.
im April hat ein ansässiger Bauer an einem geschützten Grünzug mit Weiher die dort schon lange existierende Wiese (= Grünkulturbrache) umgepflügt und dort Mais angesät. Ansonsten ist zu bemerken, dass bei Westwind die eingesetzten Mittel über den Grünstreifen hinweg verfrachtet werden. Kurz nachdem die Maispflänzchen ca. 10 cm hoch waren, hat der Bauer dort ein Spritzmittel ausgebracht, dass wahrscheinlich auch Glyphosat enthält, denn alle Grünpflanzen, bis auf den Mais, haben sich gelb verfärbt und sind „verschwunden“. Hinweis: Es handelt sich um einen gentechnisch veränderten Mais mit Resistenzgen gegen Glyphosat!!!
Aus dem Grünstreifen habe ich immer Futterpflanzen für die Aufzuchten meiner Schmetterlinge geholt, in diesem Jahr Salweide für die Aufzucht von Saturnia pavonia, die ich im April direkt im eigenen Garten gefangen habe.
So und jetzt kommt’s: Gleich nach der Verabreichung der Salweideblätter nach dem Ausbringen des Spritzmittels durch den Bauern hat sich eine schmierende Infektionskrankheit bei den sonst recht agilen Raupen des Kleinen Nachtpfauenauges eingestellt. Der Kot verklebte am After und die Raupen mussten erbärmlich zugrunde gehen.
Im Übrigen liegt das Feld 150-200 m in westlicher Richtung von dem besagten Naturstreifen und nimmt auch noch eine nach Osten geneigte Hanglage ein.
Ich stelle hiermit fest, dass dieses Spritzmittel, nicht wie angegeben, nur auf den besagten Flächen wirkt, sondern durch Windverfrachtung kleinster Partikel - von Corona haben wir gelernt, dass es sich um Aerosole handelt - auf Pflanzenteile auch noch 200 m entfernt übertragen werden. Glyphosat ist dafür bekannt, dass es über die Spaltöffnungen und auch über die Wurzel aufgenommen wird und dann an alle Pflanzenzellen weitergegeben wird. Damit wird der Stoff in den Zellen eingelagert und dient als Fraßschutz vor jeglicher Art von Pflanzenblätter vertilgenden Insektenlarven.
Aber die Lobby um die Landwirtschaft ist derart mächtig, dass wir als Entomologen keine Verhaltensveränderungen herbeiführen können.
Schlussfolgerung: In den nächsten 5-10 Jahren werden nahezu alle (an der Oberfläche der Pflanzen) fressenden Schmetterlinge, nicht die unter der Erde fressenden oder in den Pflanzenteilen eingebohrten, verschwunden sein. Das ist ein weltweites Problem, auch in den Tropen ist dieser Trend feststellbar. Da werden die Felder sogar mit speziellen Flugzeugen abgeflogen und das Mittel wird großflächig versprüht. Ich habe das selbst in der Pampa Argentiniens, die für den Anbau von gentechnisch verändertem Soja komplett entbuscht und entwaldet wurde bzw. immer noch wird, miterlebt. Es ist unbeschreiblich, aber unsere sog. Veganer brauchen diese Sojamengen, die damit noch gravierender die natürlichen Umweltbedingungen n den Erzeugerländern verändern.
Brasilien rodet gerade jetzt eine gigantische Fläche des Amazonas-Regenwaldes, um Flächen für den Anbau von Soja zu schaffen, das sie über das Mercosur-Abkommen als „Futtermittel“ auch nach Europa exportieren werden.
Eine weltweit agierende Zerstörungsmaschinerie, die wir nur aufhalten können, wenn wir uns rigoros gegen Mercosur, Soja und andere gentechnische Produkte von Monsanto (= jetzt BAYER) aussprechen und diese Produkte auch nicht kaufen.
So, jetzt habe ich mich ausgek... und bin einige Minuten lang ein wenig ruhiger.
Sollte die Praxis mit Glyphosat weitergehen und im Jahr 2021 wieder eine Verlängerung erreicht werden, dann ist die Insektenwelt, nicht nur die Honigbiene, unwiederbringlich verloren.
Einen schönen Sonntag
Otmar




