Hallo Diskussionsteilnehmer,
am ehesten vermute ich einen späten Einsatz des Bti-Wirkstoffs gegen die akute Mückenplage, die noch vor einer Woche ihr Optimum hatte.
Auf der Internetseite des BUND Naturschutz in Traunstein habe ich folgenden Artikel zu Bti gefunden. Hier ein Ausschnitt:
Der Wirkstoff Bti
Der Bti-Wirkstoff ist ist ein Eiweißkristall, das aus dem Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) gewonnen wird. Es lagert sich bei den Zielorganismen an Rezeptoren von Darmzellen, bringt die Zellen zum Zerplatzen an und zerstört damit das Darmepithel.
Inzwischen kann man Bti züchten und die Kristalle extrahieren. Der Wirkstoff wird dann mit Eisgranulat, Sand oder Öl meist mit dem Hubschrauber auf die entsprechenden Wasserflächen und Überschwemmungsflächen ausgebracht.
Auswirkungen auf Nichtzielorganismen
Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass Bti innerhalb der Ordnung der Zweiflügler eine Breitbandwirkung besitzt. Sicher ist, dass Bti auf alle 2500 Arten der Stechmücken tödlich wirkt (in Europa sind es 104 Arten), ebenso wie auf die über 50 Arten der Kriebelmücken. Hinzu kommt eine letale Wirkung auf Zuckmückenarten ( ca. 700 in D), die für den Menschen keine Störung darstellen, aber einen Hauptnahrungsbestandteil für viele Tierarten darstellen.
Neue Untersuchungen (2017 Uni Koblenz-Landau) zeigen, dass vor allem die ersten Larvenstadien der Zuckmückenlarven sehr empfindlich schon gegenüber geringen Bti-Konzentrationen sind. Zuckmücken, die in allen Feuchtgebieten in oft sehr großer Zahl vorkommen, sind auch aufgrund ihres hohen Eiweißgehaltes ein wertvoller Hauptnahrungsbestandteil für Spinnen, Amphibien (Adulte und Larven), Fische, Libellen, Vögel und Fledermäuse.
Auswirkungen auf andere Insekten wie Eintagsfliegen, Wasserkäfer oder Waffenfliegen wurden immer wieder veröffentlicht, vor allem in Langzeitstudien. Diese Ergebnisse sind ähnlich der Beobachtung, dass z.B. auch beim Einsatz von gentechnisch verändertem Bt-Mais, der das Bti-Toxin selbst herstellen kann, nicht nur der Maiszünsler, der die Pflanze selbst frisst, abstirbt, sondern auch Räuber, wie die Florfliege, die sich von Freßfeinden der Maispflanze ernähren. Dieses Phänomen konnte wissenschaftlich noch nicht aufgeklärt werden, auch die Unbedenklichkeit von Bti muss also stark in Frage gestellt werden.
Untersuchungen der Uni Koblenz-Landau (2018) an Grasfrsochkaulquappen haben gezeigt, dass Amphibienlarven, die während ihrer gesamten Entwicklungszeit Bti ausgesetzt sein können, Veränderungen in ihrer Entwicklung, z.B. durch steigende Enzymaktivitäten zeigen. Auch hier gibt es also Auswirkungen, die weiter untersucht werden müssen.
Meine eigenen Erfahrungen zu Spritzmitteln mit Bti:
Vor einigen Jahren habe ich Raupen von P. machaon auf einem Karottenfeld in der Umgebung von Rosenheim gesammelt, das kurz vorher mit einem Insektizid behandelt wurde. Die fast erwachsenen Raupen sind während der Käfighaltung zu 100% eingegangen. Die Ursachen und Symptome waren dieselben. In diesem Fall verendeten die Raupen schon nach der nächsten Häutung. Im Fall der geschlüpften Falter kann es sein, dass sich die erwachsenen Raupen nach der Kontamination mit dem Bti-Eiweiß noch verpuppen und in der Puppe weiterentwickeln konnten. Erst nach Beendigung der Metamorphose wurde der Darm befallen und die Folgen eines sehr flüssigen Kots sind in der Diskussionsrunde eingehend besprochen worden. Das könnte die Ursache für dein Problem sein.
Diesbezüglich sollten noch weitere Untersuchungen zum Bti-Einsatz in der unmittelbaren Nähe von Schmetterlingszuchten durchgeführt werden.
Mit einem entomologischen Gruß
Otmar