Beiträge von Joe

    Hallo Claude,
    in der gesamten Angelegenheit wird eines deutlich: Systematik ist der Versuch, das dynamische System der Natur, das ständig in Entwicklung begriffen ist, in einem starren, künstlichen System abzubilden. Das ist zwar gut und nötig, damit wir die Natur verstehen können, aber mit gewissen Problemen verbunden.
    Die einzige wirklich existierende Einheit in diesem ganzen Gefüge ist die Art. Alles was darüber steht (Gattung, Übergattung, Tribus, Unterfamilie, Familie, Überfamilie, Unterordung, Ordnung ...) sind künstliche Gebilde, die die Verwandtschaft verdeutlichen soll.

    Wenn ich also eine Art entdecke, muss ich der einen Namen geben (der Artname, der zweite Name in der binären Nomenklatur) und festlegen, in welche Gattung diese Art gestellt wird (der erste Name, mit dem großen Anfangsbuchstaben). Vertreter einer Gattung zeichnen sich dadurch aus, dass sie gemeinsame abgeleitete Merkmale (Synapomorphie) besitzen (mindestens ein, besser mehrere Merkmale). Das können sowohl morphologische als auch molekularbiologische Merkmale sein, wobei Färbungen und Zeichnungen eher ungeeignet sind, da sie in der Individualentwicklung starken Variationen unterliegen können.
    An diesen zweiteiligen Tiernamen wird nun noch Name des Autors und das Jahr der Veröffentlichung der Beschreibung angehängt. Das ist durchaus nicht nur Selbstzweck, sondern erlaubt eine genaue Identifizierung der Beschreibung.
    Wenn sich nun jedoch im Laufe der Forschung herausstellt, dass die Art doch nicht in diese Gattung gehört, sondern in eine andere (weil z.B. die Art mehr oder bessere - weil robustere - Gemeinsamkeiten mit den Vertretern einer anderen Gattung aufweist) so bleibt natürlich der Artname erhalten aber der andere Gattungsname wird verwendet und der Autor wird in Klammern gesetzt. Das gleiche gilt, wenn sich herausstellt, dass die Art in eine ältere, vorher beschriebene Gattung gehört.
    Im vorliegenden Fall hat sich durch Untersuchung der sehr konservativen Gensequenzen der Cytochrom-Oxidase-Untereinheit 1 (COI) und des Elongation Factor 1 alpha (EF-1alpha) ergeben, dass io (L., 1758 ), urticae (L., 1758 ), ladakensis (Moore, 1882), kaschmirensis (Kollar, 1844) und milberti (Godart, 1819) sehr nahe miteinander verwandt sind und zwar enger als mit allen andern Arten, die ihrerseits nähere Verwandtschaftsverhältnisse mit anderen Arten aufweisen. Das veranlasst diese Autoren in eine Gattung zu stellen und die älteste Gattung in dieser Gruppe ist Aglais Dalman, 1816. Zumal das Merkmal, was zur Aufstellung und Abgrenzung der Gattung Inachis geführt hat,recht schwach war (wenn ich mich recht erinnere, war es so, dass beim männlichen Genital die Sacculi an der Innenseite der Valven kürzer sind als bei Aglais - bin mir da jetzt aber nicht ganz sicher).

    Zitat

    Wenn du dir die von Wahlberg gezeigten Stammbäume anschaust, und zu Ende den den er am richtigsten hällt dann hat man eine Gruppe von Aglais, davon spaltet sich Inachis ab, weiter entfernt Nymphalis mit der Abspaltung Polygonia und darin wiederum Kaniska.

    Meinst Du diesen hier (Klick!)?

    Das bedeutet, dass u.a Aglais, Kaniska, Nymphalis und Polygonia eigenständige Gattungen sind, wobei Kaniska und Nymphalis näher miteinander verwandt sind als Polygonia, während diese drei wiederum miteinander näher verwandt sind als mit Aglais. Grund dafür ist wahrscheinlich (!), dass sich im Laufe der Evolution die heutige Aglais-Gruppe zuerst von dem Rest abgespalten hat, während sich aus dem verbliebenen Pulk als nächstes die Polygonia-Gruppe separiert hat. Zuletzt haben sich die verbleibenden in Kaniska und Nymphalis aufgeteilt.
    Ob das tatsächlich so war, lässt sich natürlich nicht sicher überprüfen. Außerdem hängt die Struktur eines solchen Stammbaumes immer davon ab, welches Merkmal man für die Erstellung hernimmt.
    Wie Du siehst, sind das genau die Schwierigkeiten, welche ich eingangs genannt habe.

    Viele Grüße
    Joachim

    Hallo Jacob, hallo allerseits,

    Was die Namensgebung angeht, so wird deutlich, dass bei der Systematik noch einiges im Flusse ist. Zur Zeit weiß sicherlich niemand besser über die verwandtschaftlichen Verhältnisse bei den Nyphaliden Bescheid, als Niklas Wahlberg, weshalb ich seine Auffassung teile (Aglais io).
    Im Jahre 2003 zeigen Wahlberg & Nylin in einer Publikation auf, dass Inachis als jüngeres Synonym zu Aglais zu betrachten ist (Aglais; Dalman, 1816; Inachis: Hübner, 1819). [Wahlberg, N. & Nylin, S. (2003): Morphology versus molecules: resolution of the positions of Nymphalis, Polygonia and related genera (Lepidoptera: Nymphalidae). Cladistics 19: 213-223.]
    Möglicherweise kann sich das aber auch in den nächsten Jahren noch einmal ändern.
    Wichtig ist jedoch, dass der Name io (L. 1758 ) beibehalten wird, also die Art, die Linné im Jahre 1758 beschrieben hat. Der erste, groß geschriebene Name zeigt an, in welche Gattung diese Art gehört - und da gab es in den letzten Jahren eben verschiedene Ansichten.

    @Claude

    Zitat

    Nymphalis (Aglais) io Linnaeus 1758

    Das würde ich so nicht empfehlen, da diese Schreibweise bedeuten würde: Gattung Nymphalis, Untergattung Aglais, Art io. Außerdem müßte um Linné bzw Linnaeus noch eine Klammer gesetzt werden, da diese Art ursprünglich als Papilio io beschrieben wurde.

    Viele Grüße
    Joachim

    Hallo Jacob, hallo allerseits,
    wie Claude oben geschrieben hat, ist eine Spanndauer von ca. 1 Monat empfehlenswert - lieber zu lange als zu kurz. Wichtig ist aber, dass Du bereits das Spannbrett mit dem gespannten Falter an einem licht- und staubgeschützten Ort aufbewahrst - idealerweise ein separates Schränkchen. Etwas Insektenspray oder Mottenpapier schützt den Falter vor Schadinsekten (das gilt natürlich nur, wenn er nicht in der Nähe von Lebensmitteln, Haustieren usw. aufbewahrt wird!) :exclamation_mark:


    Viele Grüße
    Joachim

    Hallo allerseits

    S.ligustri ist ein Wanderschwärmer.

    Dem würde ich leider widersprechen wollen. Der Ligusterschwärmer ist kein Wanderfalter. Im Gegenteil, er ist eigentlich häufiger, als man gemeinhin annimmt. Am ehesten sind jedoch die Raupen zu finden, die sich durch ihre Kotkrümel verraten. Der Falter hingegen hat - nach meiner Erfahrung - nur ein sehr geringes Zeitfenster der Aktivität. Er fliegt bereits während der Dämmerung und ist Nachts nur selten unterwegs, weshalb er auch selten beim Lichtfang anzutreffen ist.
    Die Art ist auch und besonders im urbanen Raum zu finden, wo die Futterpflanzen der Raupe wachsen, hauptsächlich Liguster und Flieder, also im Parks, Gärten, den Vororten von Großstädten...
    Die Flugzeit liegt üblicherweise im Juni und Juli, in günstigen Jahren und wärmeexponierten Gebieten auch schon im Mai.

    Zu S.ocellata gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen - außer vielleicht, dass auf Grund der bevorzugten Futterpflanzen der Raupe - Pappel und Weide - neben den genannten Lebensräumen unbedingt der Auwald zu erwähnen wäre.

    Cheers
    Joachim

    Warum sammeln Sammler?

    Hier würde ich noch einmal darauf hinweisen, was ich in diesem Thread geschrieben habe.
    Aus praktischen Gründen kopiere ich es hier noch mal 'rein:

    Zitat

    Es ist die Frage, unter welchem Gesichtspunkt man die Sammlung aufbaut und dann damit arbeitet.
    Wissenschaftliche Sammlungen sind gleichsam Archive.
    Anhand einer Sammlung kann man später (nach 50, 100, 200...Jahren) feststellen, welche Arten zu welcher Zeit wo gelebt haben.
    Dass ist jedoch nur möglich, wenn Exemplare in unterschiedlichen Jahren und an verschiedenen Orten gesammelt werden (und natürlich nur, wenn die Präparate ordentlich etikettiert sind!!!).

    Andere Fragestellungen sind die nach der Variabilität und Verbreitung von Arten. Wo kommen die Arten vor, wo grenzen sie sich von anderen, nahe verwandten Arten ab, gibt es Übergänge, sind bestimmte Merkmale (Zeichnung, Färbung...) am Rande des Verbreitungsgebietes anders als im Zentrum, von welchen Bedingungen hängt das Vorkommen der Art oder dessen Aussehen ab?
    ...
    Viele Sammlungen werden mehreren Fragestellungen gerecht.

    Jedoch für Lehr- und Schausammlungen, anhand derer die Vielfalt gezeigt werden soll oder dem Betrachter die Tierwelt eines Gebietes nahe gebracht werden soll, reichen ein bis wenige typische Vertreter aus.


    Eine Insektensammlung nur um des Sammeln und Besitzen willens anzulegen ist abzulehnen - und hier unterscheidet sich eine solche Sammlung eindeutig von einer Briefmarken-, Münz- oder Kunstsammlung.
    Die Schweizerische Entomologische Gesellschaft hat dazu folgendes veröffentlicht: "Angesichts der Zerstörung der natürlichen Lebensräume ist es heute nicht mehr tolerierbar, dass Insekten ausschließlich als Sammelobjekte betrachtet werden, selbst wenn man bedenkt, dass die Arten durch das Verschwinden ihrer Biotope stärker gefährdet sind als durch den Fang. Jegliche Sammeltätigkeit muss durch eine entsprechende wissenschaftliche oder pädagogische Zielsetzung gerechtfertigt sein..."
    (Ehrenkodex für Entomologen in der Schweiz: Mitt. schweiz. ent. Ges., 61(1988 ). Ein solcher Ehrenkodex der entomologischen Feldarbeit für Deutschland ist hier nachzulesen [klick]. Darin heißt es: "Das Sammeln von Tieren für rein kommerzielle Zwecke sowie die Verwendung von Arthropoda als Kunstobjekte sind ethisch nicht vertretbar und werden von uns abgelehnt." Das ist zwar kein Gesetzt, sollte aber bei der entomologischen Arbeit durchaus beherzigt werden.

    Andererseits wird natürlich auch der Jäger und Sammler in uns geweckt.
    So schreibt Hermann Hesse:
    "Und wenn ich dann einen schönen Falter sah, er brauchte nicht einmal besonders selten zu sein, wenn er auf einem Blumenstengel in der Sonne saß und die farbigen Flügel atmend auf und ab bewegte und mir die Jagdlust den Atem verschlug, wenn ich näher und näher schlich und jeden leuchtenden Farbenfleck und jede kristallene Flügelader und jedes feine braune Haar der Fühler sehen konnte, das war eine Spannung und Wonne, eine Mischung von zarter Freude mit wilder Begierde, die ich später im Leben selten mehr empfunden habe."

    In diesem Sinne - viel Freude und Nutzen bei der Entomologischen Tätigkeit
    wünscht Euch Joachim

    Hallo Lucas,
    das sieht gut aus!
    Nur dem A. atropos scheint es etwas eng auf dem Brett zu sein :grinning_squinting_face: .
    Wenn Du die Insektennadel so weit hinten eingestochen hast, findet sie hoffentlich noch ausreichend Halt und der Falter bricht Dir beim Stecken nicht auseinander (falls Du die Nadel zwischen Thorax und Abdomen eingesteckt hast).

    @Falk
    Noch ein Hinweis: es war seinerzeit eine weit verbreitete Methode, Etiketten mit Schreibmaschine zu schreiben und dann auf fotografisch zu vervielfältigen.
    Heute empfehle ich, solche Etiketten auszutauchen. Die Gelatineschicht auf der Foto-Oberfläche ist hygroskopisch und zieht Feuchtigkeit an. Es besteht die Gefahr, dass die Insektennadeln an der Berührungsstelle mit dem Etikett rosten. Außerdem können die Etiketten sich durch die Feuchtigkeitsaufnahme verziehen, wodurch das Präparat beschädigt werden könnte. Im schlimmsten Fall setzen Fotoetiketten Schimmel an.

    Viele Grüße
    Joachim

    Zitat

    würde beim Sammeln nicht jeweils 1 Männchen und 1 Weibchen genügen?

    Es ist die Frage, unter welchem Gesichtspunkt man die Sammlung aufbaut und dann damit arbeitet.
    Wissenschaftliche Sammlungen sind gleichsam Archive.
    Anhand einer Sammlung kann man später (nach 50, 100, 200...Jahren) feststellen, welche Arten zu welcher Zeit wo gelebt haben.
    Dass ist jedoch nur möglich, wenn Exemplare in unterschiedlichen Jahren und an verschiedenen Orten gesammelt werden (und natürlich nur, wenn die Präparate ordentlich etikettiert sind!!!).

    Andere Fragestellungen sind die nach der Variabilität und Verbreitung von Arten. Wo kommen die Arten vor, wo grenzen sie sich von anderen, nahe verwandten Arten ab, gibt es Übergänge, sind bestimmte Merkmale (Zeichnung, Färbung...) am Rande des Verbreitungsgebietes anders als im Zentrum, von welchen Bedingungen hängt das Vorkommen der Art oder dessen Aussehen ab? Ein überaus beeindruckendes Beispiel einer solchen Sammlung zeigt Jürgen weiter oben. :thumbs_up:

    Viele Sammlungen werden mehreren Fragestellungen gerecht.

    Jedoch für Lehr- und Schausammlungen, anhand derer die Vielfalt gezeigt werden soll oder dem Betrachter die Tierwelt eines Gebietes nahe gebracht werden soll, reichen ein bis wenige typische Vertreter aus.

    Viele Grüße
    Joachim

    Hallo allerseits,
    Dietmar - vielen Dank für diesen sehr interessanten Hinweis.
    Vor allem in der älteren Literatur wird häufig darauf hingewiesen, dass Nikotin ein gutes Tötungsmittel - hauptsächlich für Zygaeniden - ist. Zur Herstellung entsprechender Lösungen ist jedoch meist nur sehr wenig zu finden. Oft steht nur etwas von "Tabaksaft" oder "Tabaksud". Ansonsten gehen die Meinungen auseinander: auskochen, kalt auslaugen, eindicken ... Jemanden, der selbst eine Nikotin-Lösung hergestellt und damit persönliche Erfahrungen gemacht hat, habe ich bisher noch nicht gesprochen. Selbst Altmeister Clas Naumann hat mir nur gesagt, dass er noch alte Restbestände verwendet.
    Die Nikotinlösungen, die man im Entomologischen Fachhandel angeboten bekommt (oder bekam) waren entsprechende Feinchemikalien.
    Auch über das richtige Mischungsverhältnis für die bisweilen empfohlene Nikotin-Ammoniaklösung konnte ich bisher keine Angaben finden.
    Deshalb - vielen Dank für die Information von Dietmar.

    Übrigens - könnte sich Nikotin evtl. auch für den Sammlungsschutz eignen.
    Die Idee geht auf den Hymenopterologen Paul Blüthgen zurück, der seine umfangreiche Sammlung vor Schadfraß schützte, indem er jeweils einen abgerauchten Zigarrenstumpen mit einer Nadel in die Ecke seiner Kästen gesteckt hat. Experimente zur Zuverlässigkeit dieses Verfahrens stehen zwar noch aus aber nach Angaben der ehemaligen Hymenopteren-Kustodin des Museums für Tierkunde Dresden (heute Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden), wo sich ein großer Teil der Blüthgen-Sammlung befindet, wurden in den Kästen nie Anzeichen eines Schädlingsbefalls festgestellt.

    Alles Gute
    Joachim

    Hallo allerseits,
    Yakrind - find ich gut und dem Wetter angemessen.
    Ich tendiere aber auch eher zu einer Lymantriiden-Raupe. Der schuppenartigen Haare wegen vielleicht Euproctis similis.

    Cheers
    Joachim

    Soviel konnte mir die Apothekerin aber sagen, dass der Wirkstoff im Sch(w)abenpulver Natur-Pyretrum ist.

    Na wenn es tatsächlich Natur-Pyretrum ist, so kann man es in der Entomologie verwenden - zwar nicht zum Schutz vor Schädlingen in der Insektensammlung, da es sich innerhalb weniger Stunden bis Tage zersetzt (je nach Lichteinwirkung) aber z.B. zum Betäuben von Insekten. Pyrethrum wirkt als Kontaktgift, das üblicherweise als Nebel oder gelöst in Sprays Verwendung findet. Über den Einsatz als Gift in Tötungsgläsern ist mir nichts bekannt - aber wenn Du es nun mal da hast, kannst Du es ja ausprobieren.

    Auf alle Fälle handelt es sich dabei nicht um das klassische Schwabenpulver, das - wie Falk oben geschrieben hat - von der Chemischen Fabrik Labor, Posen hergestellt wurde und Tanatol (=Natriumfluorosilicat) beinhaltete (s. Handelsmarke in Falks Posting).

    Viel Glück
    Joachim

    Hallo Ralf,
    wie Claude oben schrieb, reichen -2 bis -3°C nicht aus. Wir reden hier von Temperaturen, auf Tiefkühlschrank-Niveau (-10 bis -18 °C)

    Muss jetzt doch Tabaksaft o.ä. spritzen.

    Das ist (oder war zumindest früher) ein verbreitetes Tötungsmittel. Jedoch haben wir darüber hier noch gar nicht gesprochen.
    Stellst Du Deinen Tabaksaft selbst her oder kaufst Du ihn im Entomologischen Fachhandel??

    Cheers
    Joachim

    Hallo allerseits, hallo Heinz,
    ja - wunderschön. Ein großartiges Beispiel, dass Wissenschaft und Ästhetik Hand in Hand gehen können.
    Eine Frage habe ich noch zu Deinen Kästen: Du verwendest Kastenetiketten in unterschiedlichen Farben. Was sagen diese Farben aus?

    Und noch eine Bemerkung: bei Hyles gallii ist mir aufgefallen, dass Du die Autoren auf dem Kastenetikett kursiv schreibst. Meist ist es (zumindest in Publikationen) üblich, dass Gattungs- und Artname kursiv geschrieben werden, der Autor jedoch in KAPITÄLCHEN. Eigentlich müsste um den Autor bei gallii auch eine Klammer gesetzt werden, da Rottemburg die Art als Sphinx gallii beschrieben hat: (ROTTEMBURG 1775). Aber ich will nicht meckern - es gibt kein Gesetz, das so etwas vorschreibt.

    Zum Sammlungsschutz:
    Das hatten wir hier im Forum schon öfters diskutiert. Ich denke, mit Mottenstreifen bist Du auf der sicheren Seite.
    Natur-Pyrethrum ist zwar ein hervorragendes Insektizid, hat aber den großen Nachteil, dass es nur sehr kurze Zeit wirksam ist. Dem gegenüber beinhalten die allermeisten heute handelsüblichen Mottenstreifen Pyrethroide - synthetische Insektizide, die strukturell vom Pyrethrum abgeleitet sind, aber eine sehr viel längere Wirkdauer und meist noch eine deutlich höhere Wirksamkeit aufweisen.
    Schwabenpulver solltest Du keinesfalls verwenden - wie Falk schon oben geschrieben hat. Es handelt sich um Natriumfluorosilicat oder auch Tanatol, Natriumfluorsilikat oder Natriumsilicofluorid und wird/wurde zur Holzkonservierung und zur Bekämpfung von Ratten, Mäusen und Schaben verwendet. Die Wirkung basiert zum einen auf einer Fluorvergiftung, vor allem aber durch Freiwerden von Fluorwasserstoffsäure (Flusssäure), weshalb Schwabenpulver ein Ätzmittel ist und sich schon deshalb nicht für den Sammlungsschutz eignet.

    @Falk:

    Zitat

    Angeblich ist "Schwabenpulver" aber ein Rechtschreibfehler und sollte eigentlich Schaben Pulver heißen.

    Das klingt interessant und wäre ein weiteres Beispiel, wie Schreibfehler dauerhaft in Erinnerung bleiben. :grinning_squinting_face:
    Andererseits wird die Deutsche Schabe (Blattella germanica), bisweilen auch als "Schwabenkäfer" bezeichnet.

    Alles Gute!
    Joachim

    Paul Westrich, der "Guru" der Wildbienenforschung in Deutschland schreibt auf seiner Web-Page:
    "Als Tötungsmittel kann ich nur Essigsäureethylester (»Essigäther«) empfehlen. Cyankali ändert die Gelbfärbung der Hymenopteren auf rot und kann dann zu Fehlbestimmungen führen. Außerdem verkrampfen sich die Tiere im Cyankali derart, daß sie viel schwieriger zu präparieren sind. Essigether muß allerdings sehr sparsam verwendet werden, damit die Tiere nicht feucht werden und verkleben."
    Quelle: http://www.wildbienen.info/systematik/sammeln.php

    Cheers
    Joachim

    Hallo,
    ich (Rechtshänder) pflege auch die linke Seite zuerst zu präparieren.
    Wenn ich die rechte Seite zuerst spannen würde, müsste ich dann mit der rechten Hand über die ganzen Stecknadeln greifen, mit denen die rechten Spannstreifen festgesteckt sind, um die linke Seite zu präparieren. Das erscheint mir etwas unhandlich.
    Schlussendlich ist es aber eine Sache von Erfahrungen und persönlichen Vorlieben.

    Einen schönen Abend wünscht
    Joachim

    Hallo allerseits,
    auch ich würde dringend vom Abschmirgeln der Feder abraten. Das Insektenkästen fest schließen, ist beabsichtigt und auch gut so.

    Zum Öffnen habe ich mir aus einem alten Messer ein Werkzeug gebastelt (s. unten).
    Die Klinge gekürzt, abgerundet und wieder angeschliffen.
    Durch die runde Form kann man die Klinge leicht in die Spalte zwischen Kastenunterteil und Deckel einführen.
    Wegen der kurzen Klinge hebt sich der Deckel beim Aufhebeln nur ein kleines Stückchen an, weswegen es zu praktisch keinem spürbaren Luftzug beim Öffnen kommt.

    Cheers
    Joachim

    [Blockierte Grafik: http://www2.biologie.uni-halle.de/zool/coll/entomol/images/prp/kastenoeffner.jpg]

    Hallo Jenny,

    aber wenn man sein Tötungsmittel zuhause vergessen hat, hat man die von Dir genannten auch nicht in der Tasche.;)
    ...
    Und nicht an jedem Waldrand befindet sich eine Drogerie oder Apotheke :tschuldigung:

    ...und natürlich hast Du völlig recht. :thumbs_up:
    Ich wollte nur darauf hinweisen, dass man nicht grundsätzlich auf das Sammeln verzichten muss, wenn man kein Tötungsmittel dabei hat.
    Für eine Exkursion in unseren Gefilden spielt das sicher auch keine Rolle.
    Wenn man aber z.B. eine Flugreise unternimmt und man kaum Flüssigkeiten transportieren darf (schon gar keine brennbaren), dann könnte es ggf. sinnvoll sein, seine Ausrüstung im Drugstore zu vervollständigen.

    In diesem Sinne - Cheers
    Joachim

    Hallo allerseits, hallo Werner,

    Ob Ethylacetat, der Stoff der Klebstoffschnüfflern ein seeliges Lächeln bescheert,[...] oder Essigether, der einfach umhauend wirkt: ...

    Ähm - Ethylacetat und Essigether ist dasselbe. Wobei Essigether ein (unkorrekter) Trivialname ist, da es sich um kein Ether sondern um ein Ester handelt.
    Das was Du meinst und was "einfach nur umhauend wirkt", ist Diethylether (Narkose- oder Schwefel-Ether bzw. Äther).

    Zitat

    Also mein Papa hat mir das "Rumspielen" mit den Chemikalien für Schmetterlinge (Hatte und habe nur Äther und Chloro) erlaubt.

    Meiner auch - und ich hatte zunächst auch nur Äther, das es in jeder Apotheke gab. Inzwischen habe ich aber viele Methoden ausprobiert und halt einige für besser befunden.

    Am Rande noch ein kurzer Hinweis. Sollte man unterwegs sein, sammeln wollen und wider Erwarten kein Tötungsmittel dabei haben (was uns allen aber sicher nicht passiert :winking_face: ) gibt es noch Notbehelfe.
    Nagellack-Entferner (solcher auf Ethylacetat-Basis, steht auf der Flasche)
    Pinselreiniger (ebenfalls solche auf Ethylacetat-Basis)
    ...und aus der Hausapotheke: Hoffmannstropfen (= Ätherweingeist oder Spiritus aethereus) ist ein Gemisch aus Alkohol und Diethylether)


    Alles Gute
    Joachim

    Hallo Werner,

    Also was die Präparierbarkeit nach Tötung mit Chloroform angeht, so kann ich sagen, daß sie sehr schlecht ist. Sterben die Tiere an Chloroform, dann sind die Muskeln nicht selten ziemlich hart.

    So sehen auch meine Erfahrungen aus.
    Wenn ich den Tieren Salmiakgeist injiziere, betäube ich sie vorher nicht, sondern spritze sie gleich, wenn sie noch im Kescher sind oder beim Lichtfang, wenn sie auf dem Leuchttuch sitzen.

    Chloroform ist aus den von mir oben genannten Gründen nicht ganz unbedenklich.
    Dagegen ist Ethylacetat ein gängiges Lösemittel und in vielen Produkten des Alltags vorhanden (Kleber, Fleckentferner, verschiedene Lacke, Nagellack- und Nagellackentferner...). In geringen Mengen ist es sogar in Medikamenten und Lebensmitteln vorhanden, da es zur Herstellung künstlicher Aromen verwendet wird.
    In jedem Falle sollte man sorgfältig arbeiten, die Dämpfe nicht einatmen, im Freien oder in gut gelüfteten Räumen arbeiten, bei der Arbeit nicht essen oder trinken - und nicht rauchen (Ethylacetatist brennbar - wenn auch nicht so leicht entzündlich wie Ether)

    Viele Grüße
    Joachim

    Hallo allerseits,

    Wenn Du es bei Schwärmern mit Erdverpuppung (statt der auch gut funktionierenden Streichholzschachteln) probieren willst, so rate ich ( aus meiner vergleichsweise noch recht geringen Erfahrung ) unbedingt zu Ackererde.

    Für solche Zwecke verwende seit vielen Jahren Sägespäne (Kleintierstreu), dem ich eine Handvoll Torf (für eine feinere Substart-Struktur und besseres Mikroklima) beimische. Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht - sowohl bei solchen Arten, die sich tief eingraben, wie auch bei jenen, die sich an der Oberfläche verpuppen. Auf Grund der lockeren Struktur kann man die Puppengespinste gut entnehmen.

    Viele Grüße
    Joachim