Hallo allerseits,
ich möchte nun auch noch schnell ein paar Gedanken zum Spannen von Schmetterlingen einstreuen.
Zunächst möchte ich zu bedenken geben, dass die Präparation primär zwei rein praktische Aufgaben hat:
zum einen, den Verwesungsprozess zu unterbinden und damit das Objekt lange (möglichst unbegrenzt) zu erhalten, zum anderen das Präparat wissenschaftlich nutzbar zu machen. (Es nützt das schönste Präparat nichts, wenn man das Tier nicht bestimmen kann). Aus diesem Grunde sind auch Methoden abzulehnen, die die Präparate "beschönigen" (nachfärben, das "Anpassen" eines Fühlers an den andern, kürzeren mit Hilfe einer Schere ...).
Andererseits soll die Beschäftigung mit Insekten nicht nur wissenschaftliche Bedürfnisse befriedigen, sondern auch ästehetische. Das wird besonders bei Schmetterlingen deutlich.
Es gibt aber kein Gesetzt, das die Flügelstellung bei Schmetterlingen regelt (und dessen Missachtung z.B. mit öffentlichem Auspeitschen geahndet würde)
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Jedoch hat sich das Verfahren, die Vorderflügelhinterkante im 90°-Winkel zur Körperlängsachse zu spannen, etabliert, weil hier sowohl der Ästetik, als auch der Bestimmbarkeit am besten Genüge getan wird.
Ich tendiere jedoch auch dazu, bei Faltern mit schmalen Vorderflügeln, diese etwas weiter vorzuziehen. Das gibt den Präparaten ein "schnittigeres" Aussehen. Andererseits gibt es Schmetterlinge, deren Hinterflügel so groß sind, dass die Vorderflügel sehr weit vorgezogen werden müssen, wenn die HFl. völlig gespannt werden sollen (einige Vertreter der Pyralidae, Alucitidae, aber auch einige Arctiiden: Lithosiinae).
Zur Präparation der Vorderbeine:
Wenn es möglich ist, sollten diese schon nach vorne ausgerichtet werden. Zwar ist das bei unseren heimischen Faltern in aller Regel nicht notwendig, aber es gibt eine ganze Reihe von Schmetterlingen, bei denen sich an den Vorderbeinen Bestimmungsmerkmale befinden (Anzahl der Dornen an den Schienen, Borsten, Struktur der Fußkrallen...). Diese Merkmale sind bei derart präparierten Beinen viel besser zugänglich, als wenn sich die Beine zusammengelegt unter dem Körper befänden. Andererseits sind angelegte Vorderbeine allemal besser, als solche, die beim Versuch, sie nach vorne zu ziehen, abgebrochen sind.
Auch die Höhe, bei der die Tiere auf der Insektennadel stecken, ist zunächst rein praktisch bedingt. Einerseits soll die Nadel oben weit genug heraus schauen, dass man das Präparat gut anfassen kann (gleichsam dem Insekt einen Griff verleiht), andererseits sollte unterhalb des Körpers die Nadel so lang sein, dass das Insekt sicher im Insektenkasten steckt und Platz für Etiketten auf der Nadel vorhanden ist (zunächst sind es jeweils zwei - zumindest bei mir; geht das Objekt durch die Hände mehrerer Spezialisten werden es schnell mehr Etiketten). Hier hat sich die Vorgehensweise, die Nadel so weit einzustechen, dass 1/3 oberhalb und 2/3 unterhalb der Körperlängsachse liegen, sehr gut bewährt (bei nahezu allen Insekten). Bei sehr dickleibigen Faltern muss man einen Kompromiss eingehen und oben etwas weniger herausschauen lassen (man das Präparat also nur noch mit den Fingerspitzen anfassen kann), damit das Tier gut im Kasten steckt und trotzdem noch Raum für Etiketten ist.
Und schließlich noch zu den Spannstiften:
Werner und Rudi - habt Ihr bei der Verwendung von Stahlkopfstecknadeln bzw. sogar Insektennadeln keine Löcher in den Fingerkuppen???
Ich verwende Nadeln zum Befestigen der Spannstreifen, die ich mal explizit als Spann-Nadeln gekauft hatte: extrem spitze Stecknadeln aus dunkelblauem Stahl mit einem verhältnismäßig großen Glaskopf (s. Bild unten). Diese Nadeln lassen sich gut in die Spannbretter einstecken und auch ebenso leicht wieder entfernen.
...und was die Löcher im Spannbrett angeht - die Bretter schleife ich regelmäßig mit feinem Sandpapier ab, um die Krater zu glätten, die die Nadeln hinterlassen. Das empfiehlt sich natürlich nicht bei Spannbrettern, die mit Milimeterpapier beklebt sind
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Cheers - und viel Freude an der Entomologie
Joachim
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