Beiträge von Joe

    Hallo Falk,

    Was hast Du den gegen Chloroform ??? Zum einen ist es nicht so flüchtig wie Äther und die Tiere werden auch nicht so hart.

    Nun - zunächst ist Chloroformein FCKW und als solches grundsätzlich bedenklich.
    Weiterhin zitiere ich einfach mal aus Seilnachts Lexikon der Organischen Chemie :
    "Trichlormethan (Chloroform)
    wurde früher als Pflanzenschutzmittel und als Narkosemittel verwendet. Diese Anwendungen sind heute verboten, da es Leberschäden verursacht und im Verdacht steht, krebserzeugend zu wirken. Außerdem besaß das Narkosemittel ein hohes Risiko: Viele Patienten starben an Herz- und Kreislaufversagen während der Narkose. Im Labor wird die süßlich riechende, farblose und nicht brennbare Flüssigkeit als Lösungsmittel verwendet. Unter Lichteinfluss bildet sich das Giftgas Phosgen und Chlorwasserstoff, daher wird es in braunen Flaschen aufbewahrt. Das käufliche Chloroform ist mit Ethanol stabilisert, der mit dem entstehenden Phosgen reagiert und es unschädlich macht."

    Nun mag die Präparierbarkeit der Tiere nicht so schlecht sein, wie bei Narkoseräther, sie liegt aber deutlich unter der von Ethylacetat (Essigsäureethylester oder Essigäther).
    Einzig als Langzeittötungsmittel in automatischen Lichtfallen ist der Einsatz von Chloroformsinnvoll - aber auch dort gibt es inzwischen eine Alternative. (Zumal diese Fallen auch nicht ganz unumstritten sind)

    Cheers
    Joachim

    Es geht/ging mir bei dieser Frage auch nicht darum, den großen Tierschützer zu spielen, sondern so wie der Jäger "waidmännisch" schnell und schonend das Wild töten soll, wollte ich nur wissen, was das waidgerechte Töten von Insekten ist. Man muß ja auch seinen Standpunkt, das man den Tieren keine "Leiden" zufügt, wenn man sie sammelt, begründen können, da eben so ein Vorwurf von anderen Leuten schnell gemacht wird.

    Ein - wie ich finde - sehr vernünftiger Standpunkt.
    Das "warum?" und das "wie?" sollten regelmäßig hinterfragt werden.

    Joachim

    Vielleicht könntest du ja mal ein paar echte Beispiele rauskrammen wie z.B. art xxxx aaaaa hat 3 Dornen und yyyy bbbb hat 4 Dornen.

    Ja - zugegebenermaßen ist es bei den meisten Tieren wirklich nicht nötig. (Ich für meinen sehr persönlichen Teil finde es jedoch ästhetisch, wenn die Vorderbeine ausgerichtet sind; außerdem lehnt sich dieses Verfahren an die übliche Vorgehensweise bei Insekten an, das vordere Beinpaar nach vorn, das mittlere und hintere nach hinten auszurichten).
    Aber:
    die SO-Asiatischen Schwärmer Cephonodes picus (Cramer, 1777) und Cephonodes hylas (L., 1771) kann man unterscheiden, da C. picus einen Dorn am Ende der Vordertibie hat, der bei C hylas fehlt.
    Die Eulen-Gattung Griposia Tams 1939 ist dadurch charakterisiert, dass die Vorderschenkel keulenartig verdickt sind und eine Rinne zur Aufnahme der Tibia haben.
    Die Bären-Gattung Cymbalophora Rambur 1866 ist dadurch gekennzeichnet, dass die Vorderschienen außen zwei krallenartige Dornen besitzen
    Ebenso ist ein wichtiges Merkmal für die Zuordnung zu den Lemoniiden das Vorhandensein kräftiger Krallen an den Vordertarsen.
    Auch unsere Kohleule Mamestra brassicae (L., 1758 ) kann man gut von ähnlichen Arten unterscheiden, da sie an der Vorderschiene einen Dorn besitzt.
    ...
    Wenn man Schmetterlinge mit Bestimmungsschlüsseln und nicht anhand von Bilderbüchern bestimmt, kommen häufig derartige Merkmale vor.

    Andererseits will ich Dich keinesfalls um den (wohlverdienten!) Schlaf bringen :smiling_face:

    Joachim

    Hallo Werner,

    Und jetzt noch mal meine zentrale Frage: Was haltet Ihr bitte für die schonendste Tötungsmethode für Insekten, die aber auch ein Präparieren ermöglicht?

    Das ist von Tiergruppe zu Tiergruppe verschieden.
    Großen Schmetterlingen injiziere ich Salmiakgeist, eine verdünnte Ammoniumhydroxid-Lösung. Das tötet die Tiere innerhalb von Sekundenbruchteilen und sie bleiben weich und gut präparierbar.
    Die meisten Insekten wandern in ein Tötungsglas mit Ethylacetat (Essigsäureethylester oder Essigester). Hierin werden die Tiere recht schnell betäubt uns sterben dann innerhalb einiger Minuten. Man kann man nach kurzer Zeit die Tiere auch aus dem Tötungsglas nehmen und genau untersuchen. Will man das Tier nicht behalten, kann man es ggf. auch wieder freilassen oder im andern Falle zurück in das Glas tun. Wenn die Tiere nicht bereits zu lange im Tötungsglas waren (0,5 bis 3 Minuten), erholen sie sich rasch wieder.
    Bisweilen kommt auch Narkoseräther (Diethyläther, Schwefeläther oder einfach nur Äther) im Tötungsglas zum Einsatz - so habe ich angefangen vor fast 25 Jahren. Das hat den Vorteil, dass die Tiere sehr schnell betäubt und abgetötet werden. Andererseits werden die Insekten aber vergleichsweise hart und lassen sich schlechter präparieren. Narkoseräther sehr leicht brennbar :exclamation_mark: und außerdem hoch flüchtig, so dass man das Tötungsglas öfter nachfüllen muss.

    Für Kleinschmetterlinge und kleine Geometriden eignet sich Ammoniumcarbonat (=Hirschhornsalz) sehr gut. Dazu wird in ein kleines Glasröhrchen (z.B. Tablettenröhrchen oder Schnappdeckelgläschen) etwas Ammoniumcarbonat gegeben und durch eine lockere Watteschicht fixiert. Zum Abtöten kommt der Falter in das Gläschen, welches dann verschlossen wird. Das Ammoniumcarbonat zerfällt allmählich in Ammoniak, Wasser und Kohlendioxid (wobei sich das Ammoniak teilweise in Wasser zu Salmiakgeist löst). Die Ammoniakdämpfe töten die Tiere innerhalb weniger Minuten. Diese bleiben sehr weich und sind gut zu präparieren. Lediglich für einige grüne Geometriden ist dieses Verfahren nicht geeignet, da das Ammoniak die empfindliche grüne Farbe zerstört.

    Ansonsten ist (nach meinen Erfahrungen) das Einfrieren eigentlich ein sehr geeignetes Verfahren - vorbehaltlich der gut nachvollziehbaren Einwände von Falk, weiter oben in diesem Thread. Ich konnte jedoch bisher noch keine Nachteile feststellen und verwende das Verfahren vor allem bei Tieren, die sehr schnell in Verwesung übergehen (wie z.B. Heuschrecken) und bei solchen, deren empfindliche Farbe durch die Chemikalien in den Tötungsgläsern Schaden nehmen (auch wieder Heuschrecken, grüne Geometriden...). Gute Erfahrungen habe ich aber z.B. auch bei Krebsen gemacht.

    Von der - bisweilen in älterer Literatur empfohlenen - Anwendung von Schwefelkohlenstoff (Kohlenstoffdisulfid), Chloroform (Trichlormethan) und Tetra (Tetrachlormethan, Tetrachlorkohlenstoff) sollte man jedoch unbedingt Abstand nehmen :bibber: .

    Cheers
    Joachim

    Hallo allerseits,
    ich möchte nun auch noch schnell ein paar Gedanken zum Spannen von Schmetterlingen einstreuen.
    Zunächst möchte ich zu bedenken geben, dass die Präparation primär zwei rein praktische Aufgaben hat:
    zum einen, den Verwesungsprozess zu unterbinden und damit das Objekt lange (möglichst unbegrenzt) zu erhalten, zum anderen das Präparat wissenschaftlich nutzbar zu machen. (Es nützt das schönste Präparat nichts, wenn man das Tier nicht bestimmen kann). Aus diesem Grunde sind auch Methoden abzulehnen, die die Präparate "beschönigen" (nachfärben, das "Anpassen" eines Fühlers an den andern, kürzeren mit Hilfe einer Schere ...).
    Andererseits soll die Beschäftigung mit Insekten nicht nur wissenschaftliche Bedürfnisse befriedigen, sondern auch ästehetische. Das wird besonders bei Schmetterlingen deutlich.
    Es gibt aber kein Gesetzt, das die Flügelstellung bei Schmetterlingen regelt (und dessen Missachtung z.B. mit öffentlichem Auspeitschen geahndet würde) :grinning_squinting_face: .
    Jedoch hat sich das Verfahren, die Vorderflügelhinterkante im 90°-Winkel zur Körperlängsachse zu spannen, etabliert, weil hier sowohl der Ästetik, als auch der Bestimmbarkeit am besten Genüge getan wird.
    Ich tendiere jedoch auch dazu, bei Faltern mit schmalen Vorderflügeln, diese etwas weiter vorzuziehen. Das gibt den Präparaten ein "schnittigeres" Aussehen. Andererseits gibt es Schmetterlinge, deren Hinterflügel so groß sind, dass die Vorderflügel sehr weit vorgezogen werden müssen, wenn die HFl. völlig gespannt werden sollen (einige Vertreter der Pyralidae, Alucitidae, aber auch einige Arctiiden: Lithosiinae).

    Zur Präparation der Vorderbeine:
    Wenn es möglich ist, sollten diese schon nach vorne ausgerichtet werden. Zwar ist das bei unseren heimischen Faltern in aller Regel nicht notwendig, aber es gibt eine ganze Reihe von Schmetterlingen, bei denen sich an den Vorderbeinen Bestimmungsmerkmale befinden (Anzahl der Dornen an den Schienen, Borsten, Struktur der Fußkrallen...). Diese Merkmale sind bei derart präparierten Beinen viel besser zugänglich, als wenn sich die Beine zusammengelegt unter dem Körper befänden. Andererseits sind angelegte Vorderbeine allemal besser, als solche, die beim Versuch, sie nach vorne zu ziehen, abgebrochen sind.

    Auch die Höhe, bei der die Tiere auf der Insektennadel stecken, ist zunächst rein praktisch bedingt. Einerseits soll die Nadel oben weit genug heraus schauen, dass man das Präparat gut anfassen kann (gleichsam dem Insekt einen Griff verleiht), andererseits sollte unterhalb des Körpers die Nadel so lang sein, dass das Insekt sicher im Insektenkasten steckt und Platz für Etiketten auf der Nadel vorhanden ist (zunächst sind es jeweils zwei - zumindest bei mir; geht das Objekt durch die Hände mehrerer Spezialisten werden es schnell mehr Etiketten). Hier hat sich die Vorgehensweise, die Nadel so weit einzustechen, dass 1/3 oberhalb und 2/3 unterhalb der Körperlängsachse liegen, sehr gut bewährt (bei nahezu allen Insekten). Bei sehr dickleibigen Faltern muss man einen Kompromiss eingehen und oben etwas weniger herausschauen lassen (man das Präparat also nur noch mit den Fingerspitzen anfassen kann), damit das Tier gut im Kasten steckt und trotzdem noch Raum für Etiketten ist.

    Und schließlich noch zu den Spannstiften:
    Werner und Rudi - habt Ihr bei der Verwendung von Stahlkopfstecknadeln bzw. sogar Insektennadeln keine Löcher in den Fingerkuppen???
    Ich verwende Nadeln zum Befestigen der Spannstreifen, die ich mal explizit als Spann-Nadeln gekauft hatte: extrem spitze Stecknadeln aus dunkelblauem Stahl mit einem verhältnismäßig großen Glaskopf (s. Bild unten). Diese Nadeln lassen sich gut in die Spannbretter einstecken und auch ebenso leicht wieder entfernen.
    ...und was die Löcher im Spannbrett angeht - die Bretter schleife ich regelmäßig mit feinem Sandpapier ab, um die Krater zu glätten, die die Nadeln hinterlassen. Das empfiehlt sich natürlich nicht bei Spannbrettern, die mit Milimeterpapier beklebt sind :grinsen: .

    Cheers - und viel Freude an der Entomologie
    Joachim
    [Blockierte Grafik: http://www2.biologie.uni-halle.de/zool/coll/entomol/images/nadeln.jpg]

    Hallo allerseits!

    Zitat

    Vielleicht schaltet sich ja noch Joe ein, und wird wohl leider gottes auch sagen das die Tiere hinüber sind...

    Was ich hiermit tun will ... und - naja, hinüber vielleicht nicht, aber allzu viel Freude wirst Du nicht damit haben. :loudly_crying_face:
    Um korrekt zu bleiben, muss erwähnt werden, dass die Exemplare sicherlich nicht mit Formaldehyd (dem gasförmigen Methanal), sondern mit der wässrigen Lösung, dem sog. Formol oder Formalin behandelt wurden.
    Formol ist ein ausgezeichnetes Fixierungsmittel, das (wie soil74 oben schon schrieb) die Proteine vernetzt und denaturiert. Dadurch erhält die Muskulatur eine ausgesprochen stabile, hartgummiartige Konsistenz - eine Eigenschaft, die man sich bei verschiedenen Mumifizierungsverfahren zunutze macht.
    Insekten, die mit Formol fixiert oder konserviert wurden, lassen sich nur noch sehr schlecht weiterpräparieren.
    Objekte, die keinen Schaden nehmen, wenn sie nass werden (Käfer...), können relativ erfolgreich aufgeweicht werden, wenn man sie in Pepsinlösung legt. Bei Schmetterlingen dagegen, die bei ein solches Bad nicht unbeschadet überstehen dürften, hilft die etwas brachiale Methode, die ich in diesem Thread (klick) beschrieben habe. Allerdings ist das sehr aufwendig und zeitraubend.

    Am Rande sei erwähnt, dass bei einigen sehr dickleibigen Arten, bei denen das Ausnehmen des Abdomens empfohlen wird um Fäulnis zu vermeiden, eine Formalin-Injektion nach der Präparation auf dem Spannbrett in das Abdomen das aufwändige Ausnehmen unnötig macht.


    Viel Glück
    Achim

    Hallo Klaas,

    Präparate gehören grundsätzlich und ohne jede Ausnahme in dicht schließende Kästen. Wer anders verfährt sollte es lieber gleich bleiben lassen

    Das kann man nur unterstreichen!!!

    Zitat

    Herausstecken ist sinnlose Merharbeit. Die Präparate, auch die (scheinbar) nicht befallenen, sind ausnahmslos entsprechend zu behandeln, da Du niemals sehen kannst, welches möglicherweise derzeit "nur" mit Eiern belegt ist, bzw. in welchem die Larven von Anthrenus bisher "nur" drin stecken und ein Schaden noch nicht erkennbar ist. Behandlung also gleicher Maßen für alle Präparate desselben Kastens.

    Auch hier gebe ich Dir (fast) uneingeschränkt recht.
    Deshalb habe ich empfohlen, alle Exemplare aus einem Kasten, in dem Befall festgestellt wurde, zu behandeln.
    Das Umstecken hat jedoch den Grund, dass man bei der Verwendung von Insektenspray, keine belegten Kästen einsprühen kann, da die Insekten durch den Sprühdruck beschädigt werden (wenn wir vielleicht von stabilen Käfern absehen). Deshalb sollten in diesem Falle die Präparate in einen behandelten Kasten gesteckt werden um anschließend den leeren Kasten, aus dem die Tiere stammen, zu begiften.

    Also Umstecken nur bei der Verwendung von Insektenspray (das den Vorteil hat, dass schnell eine hohe Wirkstoffkonzentration erreicht wird und der Wirkstoff in alle Ecken des Kastens gelangt).

    Beim Einfrieren (das in vielerlei Hinsicht das Mittel der Wahl ist) kann man natürlich gleich den belegten Kasten in den Tiefkühler geben.

    Cheers
    Achim

    Die Behandlung mit Thymol ist oftmals nicht befriedigend. Es hemmt offenbar nur den Wachstum des Schimmel-Rasens, tötet aber die Schimmelpilze nicht ab und bietet auch keine Sicherheit vor einem erneuten Befall.
    Einen zuverlässigen Schutz stellt nur die trockene Aufbewahrung der Sammlung dar. Wenn man darauf achtet, dass die Schrankrückwände das Mauerwerk nicht berühren, sondern ein 1...2 cm breiter Luftspalt zwischen Wand und Insektenschrank bleibt, wird so schon viel für ein stabiles und trockeneres Mikroklima getan.

    Cheers
    Achim

    Wissenschaftliche Namen müssen so benutzt werden, wie sie in der Erstbeschreibung verwendet wurden (abgesehen von der Anpassung an den Genus des Gattungsnamens) - wie Jürgen schon weiter oben geschrieben hat.

    Eine kleine Anekdote dazu am Rande (die während meines Studiums von unserem Botanik-Professor gern und öfters erzählt wurde):
    Der Ginkgo-Baum wurde von Linné als Ginkgo biloba beschrieben. Eigentlich sollte es aber "Ginkyo" heißen - so wie die Pflanze in Japan genannt wurde. Da aber Linné offenbar eine schwierige Handschrift hatte, und der Buchdrucker/Setzter ein "g" statt eines "y" gelesen hat, heißt die Pflanze (inzwischen auch im Volksmund) Ginkgo. Nur Meister Goethe widerstrebte es, ein solches Wort zu verwenden - deshalb benutzte er in seiner Gedichtsammlung West-östlicher Diwan die Bezeichnung Gingo.
    Ob diese Geschichte wahr ist, weiß ich nicht. Sie wurde jedoch dazu benutzt, uns einerseits das Prioritätsprinzip in der Systematik nahezubringen, andererseits uns anzuhalten, gefälligst deutlich zu schreiben :D.

    Cheers
    Achim

    Hallo Gerd,
    bei akutem Befall ist tatsächlich der Gefrierschrank das Mittel der Wahl. Aber auch die oben empfohlenen Mottenstreifen oder handelsübliche Insektensprays töten Sammlungsschädlinge zuverlässig ab. In diesem Falle empfehle ich Dir, einen leeren, dicht schließenden Insektenkasten mit einem Insektenspray gut einzusprühen, die befallenen Insekten (am besten alle Exemplare aus einem Kasten, in dem Du Befall festgestellt hast) hinein stecken und zusätzlich Mottenpapier hinzustecken.
    Anschließend den Kasten/die Kästen, in denen Befall aufgetreten ist, mit einem Staubsauger aussaugen und mit Insektenspray behandeln. (Sorgfältig arbeiten, gut lüften, hinterher Hände waschen!)
    Um sicher zu gehen, kannst Du den Kasten/die Kästen im Winter ein paar Tage bei ordentlichem Frostwetter schneegeschützt 'rausstellen (da Du keinen Gefrierschrank hast).
    Vielleicht gibt es in Deiner Nähe eine Schädlingsbekämpfungsfirma, die einen Begiftungstraum haben (wo üblicherweise befallene Bücher oder Antiquitäten behandelt werden). Dort könntest Du ggf. auch Deine Sammlungskästen behandeln lassen.

    Viel Erfolg!
    Achim

    Hallo allerseits, hallo Heiner,
    ich empfehle Dir, bei Herrn Heimo Harbich (Salz bei Bad Neustadt) nachzufragen. Adresse und Telefonnummer findest Du im Telefonbuch.
    Er beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Gattung Hyles und hat alle möglichen (und unmöglichen) Zuchten durchgeführt. Es gibt sicherlich niemanden, der sich besser mit dieser Gattung auskennt.

    Cheers
    Achim

    Hallo Lucas,
    zunächst brauchst Du für die Entomologie nicht viele Chemikalien.

    Als Tötungsmittel
    - Essigsäureethylester (Essigether, Ethylacetat) - aus dem Fachhandel, notfalls Nagellack-Entferner auf der Basis von Ethylacetat
    - Salmiakgeist (Ammoniumhydroxid, Ammoniakwasser) gibt es in Drogereien oder - wie Rigo schrieb - im Baumarkt.

    Von Paradichlorbenzol und Kampfer rate ich Dir wegen geringer Wirkung und Geruchsbelästigung ab und empfehle dagegen handelsübliche Mottenstreifen zum Schutz gegen Sammlungsschädlinge.

    Thorsten:

    Zitat

    Paradichlorbenzol ist hochgradig krebserregend

    Das stimmt so nicht. Paradichlorbenzol gilt als krebserzeugender Stoff der Kategorie 3 (Carc. Cat. 3: Stoffe, die wegen möglicher krebserzeugender Wirkung beim Menschen Anlass zur Besorgnis geben, über die jedoch ungenügend Informationen für eine befriedigende Beurteilung vorliegen)
    Von einer Verwendung rate ich aber in jedem Falle ab.


    Von Schwefelkohlenstoff (Kohlenstoffdisulfid) solltest Du jedoch die Finger lassen. Es ist brennbar und giftig, da es gut fettlöslich ist, wird es über Lunge und Haut leicht aufgenommen. Als Tötungsmittel in der Entomologie ist es dagegen weniger geeignet, da die Tiere sehr schnell hart werden und sich schlecht präparieren lassen.

    Wenn es Probleme bei der Beschaffung gibt, solltest Du Dich an ein volljährige Person - wahlweise an Deine Eltern wenden.
    Wenn Du noch Schüler bist, ist Dein Biologie-Lehrer sicherlich der Ansprechpartner Deiner Wahl. Der wird Dir bestimmt auch weitere Hinweise und Hilfestellungen geben.

    Viel Spaß bei der Beschäftigung mit den Insekten!
    Achim

    Hallo allerseits,
    wie Rudi schrieb, heißt der Labkrautschwärmer Hyles gallii.
    Rottemburg hat die Art als "Sphinx Gallii" beschrieben. (Der Naturforscher, siebentes Stück, Halle 1775, S. 107f.).
    Darin schreibt er: "..die Raupe unseres jetzt beschriebenen Vogels, die sich bloß vom Gallio naehret, habe ich niemals zum Genuß der Wolfsmilch bringen koennen ... und ich nenne ihn daher nach dem Futter der Raupe Sphinx Gallii"
    Ob nun die Schreibung von Galium mit Doppel-L seinerzeit verbreitet war oder aber ob das die Ansicht von Autor bzw. Verleger war, weiß ich nicht.

    Übrigens - die "Fauna Europaea" (http://www.faunaeur.org) ist sehr glaubwürdig und dürfte im Internet für die Taxonomie der europäischen Tiere das Maß der Dinge sein.

    Cheers
    Achim

    Hallo allerseits,
    ich denke, dass es sich dabei um den Eingang eines Erdnestes von Wildbienen handelt, speziell um Furchen- oder Schmalbienen (Fam. Halictidae, in letzter Zeit als Unterfamilie Halictinae innerhalb der Fam. Apidae betrachtet).
    Siehe auf dieser Seite [klick!] (und etwas nach unten scrollen).

    Cheers und viel Freude bei den Naturbeobachtungen
    Achim

    Hallo allerseits,
    nun möchte ich in dieser überaus interessanten Diskussion doch auch meinen Senf zugeben :D.

    Zur Frage des Aufweichens:
    Nach meiner Erfahrung sollten die Tiere in der Weichbox nicht direkt mit Feuchtigkeit in Berührung kommen - also auch nicht mit feuchten Tüchern bedeckt werden. Wichtig ist nur die feuchte Atmosphäre.
    Dann gibt es auch kein Problem damit, dass das (von mir nach wie vor wärmstens empfohlene) Fensterputzmittel als Weichflüssigkeit Flecken auf den Tieren verursachen könnte.
    Am besten ist es, die Tiere vorher zu nadeln und dann auf eine Steckfläche in der Weichbox zu stecken. Tütenfalter sollten mit den Tüten senkrecht in die Box gestellt werden. Damit die Luftfeuchtigkeit besser an die Tiere heran kommt, kann man die Tüten oben aufschneiden.
    (Der von Claude erwähnte Beitrag findet sich übrigens hier im Forum).

    Zum Problem der von Franz angesprochenen leicht nach oben gewinkelten Stellung der Flügel ist anzumerken, dass sich diese Stellung durchgesetzt hat, da sich die Flügel im Laufe der Zeit etwas senken und sie dann etwa waagerecht bleiben (bei Insektensammlungen reden wir hier von Zeiträumen von 50, 100 und mehr Jahren).

    Faltertüten: Kaffefilter würde ich nicht empfehlen, da das Papier zu rau ist und die Schuppen der Falter sich abreiben könnten, evtl. sogar die Tarsen der Füße und die Fühler am Papier verhaken könnten. Pergamin (oder Pergamyn) hat sich wirklich bestens bewährt, da es einerseits sehr glatt ist, andererseits ziemlich transparent ist, so dass man von außen sehen kann, welche Tiere sich in der Tüte befinden. Man kann aber auch anderes glattes Papier benutzen. Plastikfolie hat sich übrigens nicht bewährt, da die Tiere darin faulen oder schimmeln könnten.

    ...und das Falten der Tüten (Origami für Schmettterlingssammler - super :thumbs_up: )könnte etwa so aussehen:

    [Blockierte Grafik: http://www2.biologie.uni-halle.de/zool/coll/entomol/images/prp/tueten.jpg]

    Hallo allerseits,
    das ist ein ganz wichtiges Thema!
    Das Etikett ist der Beleg für die Sammlungsdaten. Nicht etikettierte Stücke sind wissenschaftlich wertlos und es lohnt sich überhaupt nicht, derartige Exemplare in eine Sammlung einzustecken.
    Die Größe der Etiketten ist natürlich auch von der Tiergruppe abhängig. Unter große Schmetterlinge passen größere Etiketten als unter sog. Microlepidopteren.
    (Bei ungeflügelten Insekten - Käfern, Wanzen ... - sollten die Etiketten bei aufgeklebten Exemplaren die Größe der Klebeplättchen nicht wesentlich überragen. Bei kleineren genadelten Insekten können die Etiketten etwas größer als der Umfang des Tieres sein, wodurch es etwas geschützt wird).

    Wie sollten nun die Etiketten beschaffen sein.
    Häufig werden zwei Etiketten verwendet. Fundortetikett und Determinationsetikett.
    Auf dem Fundortetikett ist (natürlich :grinning_squinting_face: ) der genaue Fundort und das Datum vermerkt. Die Ortsangabe sollte auf einer allgemein zugänglichen Landkarte wiederzufinden sein. In letzter Zeit werden auch GPS-Daten angegeben, was sehr nützlich ist. Wenn möglich, sollte auch noch kurz der Lebensraum charakterisiert werden (z.B. Waldrand, Trockenrasen...).
    Die Darstellung des Monats in römischen Ziffern hat sich als günstig erwiesen, da auf diese Weise Missverständnisse im Vergleich mit der amerikanischen Schreibweise (Monat/Tag/Jahr) vermieden werden.
    Schließlich wird (meist) noch vermerkt, wer das Tier gefangen hat (leg. ...). Die Angabe des Sammlernamens dient durchaus nicht nur der Selbstdarstellung, sondern erlaubt auch noch nach dem Tode des Sammlers, das Material einer bestimmten Kollektion zuzuordnen oder Rückschlüsse über die Glaubwürdigkeit von Angaben zu ziehen.

    Auf dem Determinationsetikett wird verzeichnet, um welche Art es sich handelt und wer das Exemplar bestimmt hat. (det. ...)

    Für die Darstellung der geographischen Herkunft hat sich international die Verwendung verschiedener Etikettenfarben durchgesetzt: Palaearctis-weiß, Nearctis-hellgrün, Neotropis-dunkelgrün, Aethiopis-blau, Madagassis-dunkelblau, Orientalis-gelb, Australis-violett und Neuseeland dunkelviolett).
    Rot sind lediglich die Determinationsetiketten der Typen. .

    Als Material für Etiketten hat sich handelsübliches alterungsbeständiges (!) Druckerpapier oder -karton bewährt. Dieses Papier entspricht der Norm DIN ISO 9706. Meist ist das auf den Papierpackungen vermerkt - ggf den Schreibwarenhändler des Vertrauens fragen.
    Für die meisten Etiketten kann man gut Karton mit dem o.g. Papiergewicht von 160g/m² verwenden. Bei Tieren, die auf sehr dünnen Nadeln stecken, auch entsprechend dünneres Papier, damit die Nadel sich beim Etikettieren nicht verbiegt.

    Als Druckverfahren eignet sich die Laser- bzw. Kopiertechnik. Die verwendeten Toner sind chemisch völlig inert und praktisch unbegrenzt haltbar. Ebenfalls geeignet - wenn auch kaum gebräuchlich - ist der Thermotransferdruck.
    Dagegen konnte mir auf meine Anfrage kein Hersteller eine Langlebigkeit der Tinten für Tintenstrahldrucker zusichern.
    Ich benutze bei kleineren Faltern Etiketten mit einer Breite von 10 mm bei größeren Faltern 15 mm breite (die Höhe ergibt sich aus der Textmenge) und die Schrift Arial narrow mit einer Größe von 4 bis 5 pt.

    Wer lieber mit Stift schreibt, sollte dokumentenechte Sifte verwenden.
    Bei Tests haben sich bewährt Faber-Castell UniBall dokumentenecht, Staedtler pigment liner und Staedtler Mars professional oder aber der rotring Rapidograph mit klassischer Zeichentusche.

    Zur zweiten Frage:
    Ich benutze zum Trocknen einen alten, aber weitgehend dichten Kleiderschrank. Die Türen habe ich mit tesamoll abgedichtet. Gegen Schädlinge lege ich ein paar Streifen Mottenpapier mit in den Schrank. Trotzdem sollte man jedes Objekt - egal ob eingetauscht oder vom eigenen Spannbrett - bevor es in die Sammlung kommt, einfrieren.

    Viel Spaß bei der Beschäftigung mit den Insekten
    Achim

    Vielen Dank für Eure Informationen!!!

    Zitat

    An die Möglichkeit, dass der vorletzte Winter eine Rolle spielen könnte, habe ich nicht gedacht. Das dürfte jedoch nicht für M. stellatarum gelten.

    Da hast Du natürlich völlig recht!

    Cheers und ein schönes Wochenende
    Achim

    Hallo allerseits,
    das ist sehr interessant.

    Dominik und Sebastian, könnt Ihr bitte sagen, wo (und wann) genau Ihr Hyles gallii beobachtet habt und vor allem Sven, wo Du an Ostern ein Taubenschwänzchen gesehen hast?

    Das sind spannende Beobachtungen. Ich denke, dass das tatsächlich mit dem milden Winter zu tun hat - nicht jedoch mit dem letzten (das war eigentlich mal ein richtiger Winter) sondern mit dem Winter 07/08. Damals waren weite Teile völlig frostfrei. Viele Arten (so auch H. gallii benötigen normalerweise während der Überwinterung einige Tage Temperaturen unter 0°C. Wenn kein Frost auftritt, liegen die Puppen oftmals noch ein ganzes weiteres Jahr im Boden, um dann nach dem nächsten Winter zu schlüpfen. (Es gibt jedoch Beobachtungen und Zuchtberichte - auch hier im Forum - dass auch frostfreie Überwinterungen möglich sind).
    Ich nehme also an, dass zu Beginn der Flugzeit dieses Jahres (Angang/Mitte Mai) die Nachkommer der Falter des letzten und einige von vorletztem Jahr geschlüpft sind. Wenn dann die Bedingungen zur Flug- und Raupenzeit günstig sind, wenn also zeitige Paarungen und Eiablagen sowie eine schnelle Entwicklung der Raupen möglich sind, so tritt bisweilen unter günstigen Bedingungen (die offenbar dieses Jahr vorhanden waren) eine zweite Generation des Labkrautschwärmers im August/September auf.

    Beim Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) häufen sich in den letzten Jahren die Beobachtungen, dass die Art auch in unseren Breiten regelmäßig als Imago überwintert. Unterstützt wird das natürlich durch vergleichsweise milde Winter. Dass jedoch auch nach dem letzten, ordentlichen Winter Falter bereits zu Ostern beobachtet wurden, ist sehr interessant.

    Beste Grüße
    und viel Spaß bei Euren Beobachtungen!

    Achim

    Hallo Franz,
    vielen Dank für den sehr schönen Beitrag!

    Zitat

    "habe ich das Problem, des Verblassens, leider auch durch diverse Stoffe zur Vergiftung "

    Yepp. Das war ein Problem von Dichlorvos, wo Chlor freigesetzt wird und (vor allem grüne) Farben angegriffen werden.
    Dichlorvos (Handelsnamen u.a. Vapona, Mutox) ist heute nur noch sehr selten in handelsüblichen Insektiziden enthalten.

    Viele Grüße
    Achim