Beiträge von Joe

    Hallo,
    die Taxonomie versucht, die Organismen anhand der natürlichen Verwandschaft zu klassifizieren und in einem System unterzubringen.
    Da natürlich ständig neue Erkenntnisse über die verwandschaftlichen Verhältnisse gewonnen werden, ist auch die systematische Zuordnung der einzelnen Arten zu höheren Gruppierungen im Flusse.
    Gerade bei den Nymphaliden tut sich in den letzten Jahren sehr viel.
    Am besten kennt sich zur Zeit im System dieser Familien sicherlich Niklas Wahlberg (University of Turku, Finland) aus. Auf seine Forschungen gehen die meisten der aktuellen Veränderungen zurück.
    s. folgende Webseiten:
    The Nymphalidae Systematics Group - http://nymphalidae.utu.fi
    Nymphalidae.net: http://www.nymphalidae.net/

    Sieh Dir vielleicht innerhalb der letztgenannten Web-Adresse die folgende Seite an: http://www.nymphalidae.net/Classification/Higher_class.htm Hier findest Du das System der Nymphalidae entsprechend des aktuellen Kenntnisstandes.
    Dementsprechend wird das Tagpfauenauge inzwischen in der Gattung Aglais angesiedelt: also Aglais io (Linnaeus, 1758 ) - u.a. gemeinsam mit dem kleinen Fuchs (Aglais urticae:frowning_face:
    Fam. Nymphalidae
    Subfam. Nymphalinae
    Trib. Nymphalini
    Gen. Aglais.

    Viel Spaß mit den Schmetterlingen und der Taxonomie
    Joachim

    Hallo,

    naja original ist da woll angebrachter

    Das ist wohl wahr. Pfauenaugen-Abdomen sehen anders aus. Die Hinterleiber der Morphos sind meist samtig "bereift", bisweilen etwas schillernd.
    Zum Vermeiden des Verölens (oder zum Reinigen bereits verölter Abdomen) diese einfach für ein paar Tage in ein Lösemittel legen (ich habe die besten Erfahrungen mit Waschbenzin oder Nitro-Verdünnung gemacht). Anschließend gut trocknen lassen und ankleben.
    Wenn die Falter ohne Abdomen gespannt werden, unbedingt bei der Präparation darauf achten, dass das Abdomen später zwischen die Hinterränder der Hinterflügel passt. Dort also etwas Platz lassen, indem man mit Nadeln oder einem kleinen Wattebausch, der etwa die Größe des Abdomens hat, die Hinterränder etwas beiseite richtet.

    Joachim

    Hallo,

    Nun ja - es gibt kein Gesetzt zur Präparation von Schmetterlingen. :grinsen:
    Seit weit über hundert Jahren ist es aber üblich, dass die Falter so präpariert werden, dass der Vorderflügel-Hinterrand im rechten Winkel zur Körperlängsachse steht. Bei Tieren mit schmalen Vorderflügeln (z.B. Schwärmern) kann man die Flügel auch noch etwas weiter vorziehen - das verleiht dem Präparat ein "schnittiges" Aussehen.
    Die Hinterflügel werden dann so weit unter die Vorderflügel geschoben, dass sich die oftmals durchgängigen Zeichnungsmuster vom Vorderflügel optisch auf dem Hinterflügel fortsetzen. Gerade bei Victorina stelenes bietet sich das an.
    Der Hinterflügel ist meist dann in richtiger Position, wenn etwa vier Fünftel des Vorderrandes der Hinterflügel unter den Hinterrand der Vorderflügel geschoben worden sind.
    Die Vorderbeine werden nach vorn ausgerichtet, die übrigen Beinpaare nach hinten. Bei Arten mit großflächigen Hinterflügeln sieht man die Hinterbeine jedoch meist nicht, da der Innenrand der Hinterflügel oftmals bis an das Abdomen heranreicht.
    Die Antennen der Falter werden meist so ausgerichtet, dass sie mehr oder weniger parallel zum Vorderrand der Vorderflügel liegen.
    In jedem Falle ist es aber für eine leichte Präparation notwendig, dass die Tiere senkrecht durch den Thorax genadelt werden. Dadurch ist die Beweglichkeit der Flügelgelenke gewährleistet.

    Da gerade bei Schmetterlingen neben dem wissenschaftlichen Aspekt auch die Ästhetik eine große Rolle spielt, hat sich dieses Verfahren weitestgehend durchgesetzt.
    Für die Herstellung von Biologien (sog. Kleindioramen), die als Anschauungsmittel die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung darstellen sollen, müssen die Falter natürlich anders präpariert werden.

    Cheers
    Joachim

    Hallo Rigo,

    Zitat

    Ein wenig muss ich aber doch sagen, das die Mittigkeit in allen Bildern nicht gerade das optimum der Bildgestaltung darstellt!

    Okay - das gebe ich gerne zu. Aber ich bin bekennender Symmetriker :cool: :freudentanz:.

    Cheers
    Joachim

    Hallo allerseits.
    Das sind viele interessante Beiträge.

    Zitat

    Naja näher ran ist ja oft machbar - das kann nun fast schon jede Knipse!


    Ja - ich bin eigentlich begeistert, was man mit meiner kleinen Canon Ixus 70 für Bilder machen kann - s. unten.
    Aber das erfüllt natürlich keine professionellen Ansprüche. Ich will aber auch kein Geld mit den Bildern verdienen.

    Cheers
    Joachim


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    Hallo,
    Kampfer wird bisweilen auch zum Begiften von trockenem Sammlungsmaterial verwendet (ist manchmal auch in Mottenkugeln enthalten). Es ist aber nicht sonderlich wirksam - und Eier sind eigentlich hart im Nehmen. Ich denke, dass da keine allzu große Gefahr besteht. Es wäre aber interessant, wenn Du hier berichten könntest, wie sie sich entwickeln.

    Ich fürchte aber, dass Fladda recht hat. Oftmals wird Kampfer verwendet, um den gammeligen Geruch bei ungenügend getrockneten Insekten zu übertünchen oder zumindest den Anschein zu erwecken, dass das Material konserviert ist (Kampfer gilt auch als fäulnishemmend - aber auch hier ist die Wirkung nicht zuverlässig).

    Cheers
    Joachim

    Hallo Klaas,
    ich kann in allen Punkten nur zustimmen. :fröhlich:

    Zitat

    Und in zwanzig oder dreißig Jahren werden sie davon wieder weggehen,


    Naja - so ganz neu ist diese Methode auch wieder nicht. Die Sammlung Gusmann steht im Museum Lübeck z.B. seit ca. 120 Jahren so.

    Zitat

    Über Methoden der Aufbewahrung und der Begründung hierfür kann man lange diskutieren [...] dass ein jeder das machen sollte, wie er es für richtig hält, wo er oder sie das beste Bauchgefühl hat.


    Yepp - ich wollte hier auch keine Wertung abgeben. Fakt ist aber, dass die senkrechte Aufbewahrung u.a. platzsparender ist.

    Zitat

    Jedes Gift birgt eine Gefahr in sich, die man nicht unterschätzen sollte.


    Das kann man nur unterstreichen!!!
    Man sollte natürlich beim Umgang mit Giften wissen, was man tut und besonders sorgfältig arbeiten.
    Pyrethrum/Pyrethroide sind durchaus keine unbedenklichen Stoffe. Zumindest sind sie als gesundheitsschädlich eingestuft. Kopfschmerzen, Übelkeit mit Erbrechen und Durchfall sowie Erschöpfungszustände und Desorientierung gelten als typische Symptome einer Pyrethrumvergiftung. Gegenüber Insekten beträgt die Toxizität jedoch mehr als das 1000fache der Säugetiergiftigkeit.

    Cheers
    Joachim

    Hallo Inge, hallo allerseits,
    wie ich schon einmal schrieb - ein Foto von den Sammlungsschädlingen würde die Bestimmung hier im Forum sicherlich erleichtern.

    Zitat

    Heinz:
    jeder eingetauschte Neuzugang an Faltern kommt für ein paar Tage in die Tiefkühltruhe, bevor er in die Sammlung eingereiht wird


    Einmaliges einfrosten reicht jedoch leider oftmals nicht aus, da dadurch die Eier und meist auch die Puppen nicht zuverlässig abgetötet werden. Nach dem Auftauen sollte gewartet werden, bis die Entwicklung der Tiere wieder anläuft (ca. 2 Wochen) um dann die Objekte erneut einzufrosten.
    Präparate, die noch nicht trocken sind (also z.B. Schmetterlinge auf dem Spannbrett), würde ich nicht einfrosten. Hier empfehle ich die Unterbringung der Spannbretter in einem dicht schließenden Schrank, der satt mit Insektenspray ausgesprüht wurde. Bei dem Spray sollte auf eine möglichst hohe Wirkstoffkonzentration geachtet werden - meist Pyrethroide (erkennbar an der Namensendung -thrin, z.B. Cyfluthrin, Bayothrin, Resmethrin, Permethrin...). Noch besser, wenn ein weiterer Wirkstoff enthalten ist - meist Chlorpyrifos. In unserem speziellen Falle dürfen die Sprays nicht den blauen Umweltengel tragen. Diese Präparate enthalten dann keine Biozide und sind für unsere Zwecke unbrauchbar.
    Früher waren sog. Quarantänekästen im Gebrauch - besonders dicht schließende Insektenkästen, die mit Kork- oder Torfsteckflächen ausgelegt waren. In diese Kästen wurden die zu behandelnden Präparate gesteckt und dazu in einer Galsschale ein wirksames Gift. Meist kam dabei Tetrachlorkohlenstoff (Tetrachlormethan, Tetra) oder Schwefelkohlenstoff (Kohlenstoffdisulfid) zum Einsatz. Auf Grund der hohen Giftigkeit und der krebserregenden Eigenschaften, vor allem aber weil es ein FCKW ist, wurde die erste Substanz vor ein paar Jahren verboten. Schwefelkohlenstoff ist ebenfalls giftig und sehr leicht entzündlich, weshalb ich auch von der Verwendung dieses Stoffes dringend abrate. Ggf. kann man in solchen Quarantänekästen Essigether verwenden, wie es auch Christoph empfiehlt. Wegen der hohen Flüchtigkeit von Essigether und des relativ großen Raumvolumen eines solchen Kastens braucht man aber eine recht große Menge, um eine wirksame Konzentration zu erreichen.

    Zitat

    Du hebst den Glasdeckel ein wenig an und sprühst durch den somit entstehenden Schlitz mal kurz auf die Innenfläche des Glases. Dann sofort den Deckel verschließen.


    Wobei jedoch die Gefahr besteht, dass gerade Schmetterlinge, aber auch andere zarte und filigrane Präparate durch den Druck des Sprays Schaden nehmen. Demgegenüber empfehle ich aber dringend, neue Insektenkästen vor der Verwendung sorgfältig mit Insektenspray auszusprühen und dann die Sammlungskästen mit Mottenpapier zu bestücken.

    Wegen der senkrechten bzw. waagerechten Aufbewahrung von Insektenkästen gibt es - wie wir auch hier lesen konnten - verschiedene Auffassungen. Tatsächlich wurde mehrfach beobachtet, dass Sammlungen in aufrecht stehenden Kästen seltener von Schädlingen befallen werden (jedoch rein empirisch, ohne statistische Absicherung). Bei vorhandenem Befall kann man den Befallsherd aber besser lokalisieren (wie Christoph schrieb).
    Tatsächlich gehen aber inzwischen eine Reihe großer Museen aus verschiedenen Gründen dazu über, ihre Sammlungskästen senkrecht aufzubewahren.

    Viele Grüße
    Joachim

    Hallo,
    Bei Libellen spielt schon das Tötungsmittel eine Rolle (Essigether, Schwefeldioxid, Einfrieren). Dabei reagieren die Vertreter verschiedener Odonaten-Gattungen unterschiedlich auf die Tötungsmittel. Weiterhin gibt es unterschiedliche Verfahren (Vakuumtrocknung, Trocknung unter Verwendung von Entwässerungsmitteln, Darmentnahme mit nachfolgendem Acetonbad, Ausfüllen des Abdomens mit Watte, Grashalmen, Wolle).
    Ich persönlich habe recht ordentliche Ergebnisse erzielen können, wenn ich den frischtoten (!) Tieren das Abdomen unterseits aufgeschnitten und den Darm entfernt habe. Auch der Thorax muss zwischen den Hinterhüften geöffnet und der Vorderdarm entnommen werden. Anschließend wird der Körper mit einem Wattestrang gefüllt, der abschließend mit alkoholischer Borsäurelösung getränkt wird (um Fäulnis ganz auszuschließen). An Stelle der Watte gehen sicherlich die o.g. Dichtungshanffaseren - ich habe es jedoch noch nicht ausprobiert.

    In wissenschaftlichen Sammlungen ist es übrigens inzwischen oftmals nicht mehr üblich, die Libellen zu nadeln und zu spannen.
    Vielmehr werden sie mit zusammengefalteten Flügeln in Zellophantüten oder Plastiktüten mit Clip-Verschluss aufbewahrt. Zur Stabilisierung und Etikettierung befindet sich ein Stück fester Karton entsprechender Größe in der Tüte. Die Tüten mit den Libellen können dann in Karteikästen untergebracht werden. Als Vorteile gegenüber der konventionellen Aufbewahrung gelten vor allem Zeit-, Raum- und Kostenersparnis. Die Exemplare sind vor mechanischer Beschädigung weitgehend geschützt und die Tiere können in den Tüten bequem verschickt werden. Ich habe große Libellensammlungen in dieser Form z.B. in den USA und Costa Rica gesehen.
    Bevor die Tiere eingetütet werden, müssen Sie natürlich auch entwässert werden - üblicherweise durch Vakuumtrocknung oder Acetonbad.

    Cheers
    Joachim

    Hallo Falk,

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    ...aber leider haben wir nichts gefunden. Wo kann man den die Tierchen finden?


    Also die Haufen sehen doch aus, wie ein Schlaraffenland für xylobionte Käfer. Eigentlich müssten sich da Nashornkäfer und eine ganze Menge weiterer Holzkäfer tummeln (z.B. Bockkäferarten) - es sei denn, die Haufen mit dem Holzhäckse sind noch zu frisch oder zu trocken. Vielleicht lohnt sich auch mal nachts ein Lichtfang in der Nähe dieser Halden.

    Zitat

    Wo kann man den die Tierchen finden?


    Wie gesagt - häufig im städtischen Bereich, wo bei Pflanzungen Rindenmulch Verwendung findet. Oft wird weit mehr als die von Dir genannten 10 cm aufgebracht. In Parks werden Mulden oft völlig mit Mulch aufgefüllt, bevor angepflanzt wird. Aber auch an Baumscheiben, die mit Mulch aufgefüllt wurden, sitzen oft Käfer (wobei Du Recht haben könntest, dass hier einfach Eier und Larven mit ausgebracht wurden).
    Weiterhin sind die Käfer in Gartenanlagen häufig, wo sie in Komposthaufen und Gewächshäusern leben. Außerdem findet man die Käfer im Wald und Obstplantagen, wo nach Abholzungen Zweige, Äste und Wurzeln zu Haufen zusammengeschoben werden und einfach verrotten.

    Viele Grüße
    Joachim

    Hallo Inge, hallo Klaas,

    Prinzipiell hat Klaas natürlich völlig recht - Entwässerung unterbindet Fäulnis.

    Zitat

    Da er auch noch dicht behaart ist, im Gegensatz zu dem der Heuschrecken, sind farbliche Veränderungen nicht wahrnehmbar.


    Ja - aber Schmetterlinge (auch dickleibige) trocknen deutlich besser und verfaulen nicht, was man am Geruch feststellen kann.


    Zitat

    Beim Präparieren von Raupen


    Da Klaas darauf schon geantwortet hat, will ich doch etwas dazu erzählen.
    Am gebräuchlichsten ist die Herstellung von Trockenpräparaten, indem man die Raupen ausnimmt und dann aufbläst.
    Die eingesammelten Raupen werden in einem Giftglas abgetötet und danach auf Löschpapier gelegt. Mit einer feinen Schere führt man quer einen kleinen Schnitt am Körperende, um die Afteröffnung etwas zu erweitern. Mit Hilfe eines runden Stabes (Bleistift...) drückt man erst am After, dann von der Körpermitte und schließlich vom Kopf aus den Körperinhalt vorsichtig nach hinten und durch diese Öffnung aus der Raupenhaut. Sobald die Raupe völlig entleert ist, wird der Darm hinter der Afterklappe abgeschnitten. Damit sich die Hautmuskulatur wieder etwas kontrahiert, bleibt die entleerte Raupe etwa 10 Minuten liegen. Dann führt man einen dünnen, hohlen, ca. 30 - 40 mm langen Grashalm durch die Afteröffnung und pustet Luft in die leere Raupenhaut (nicht zu heftig, damit die Raupe nicht wie eine Presswurst aussieht :fröhlich:). Nun muss Raupe trocknen, während man durch Pusten einen gewissen Druck in der Raupenhülle aufrecht erhält. Früher waren dafür extra Raupenöfen üblich - kleine Blechkästen, die über einer Flamme stehen und mit einer Öffnung versehen sind, in die man die Raupe hineinhält. Mit guten Erfolg benutze ich jedoch stattdessen einen Rundkolben in einem Klemmstativ, unter dem sich ein Spiritusbrenner befindet. Unter Drehen und ständigem vorsichtigen Pusten wird nun die Raupenhaut getrocknet. (Sieht ein bisschen wie beim Glasbläser aus). Nach 5 bis 10 Minuten ist das Präparat weitgehend trocken. Nun wird der Grashalm hinter der Raupe abgeschnitten. Zur Aufbewahrung des Raupenpräparates führt man eine Insektennadel durch das Körperende der Raupe, wo man den Grashalmrest in der Raupe auch mit durchsticht.
    An Stelle eines Raupenofens oder Rundkolbens kann man notfalls das Tier auch über einer Glühlampe trocknen lassen, was aber deutlich länger dauert.
    Mit etwas Übung erhält man erstaunlich schöne Präparate - auch von stark behaarten Raupen.
    Grüne Farben werden auf diese Weise aber auch zerstört.

    Neben der Herstellung hohler Trockenpräparate, gibt es auch Verfahren, bei der die Raupenhäute mit verschiedenen Substanzen gefüllt werden (z.B. Paraffin-Gips-Gemisch oder Glyzerin-Gelatine-Schlämmkreide-Gemisch)

    Die besten Ergebnisse erzielt man bei der Präparation durch Vakuum-Gefriertrocknung. Aber das ist eher nichts für den Hausgebrauch.

    Weitere Informationen dazu und Abbildungen findet man in dem o.g. Buch.

    Viel Spaß
    Joachim

    Hallo Inge,

    Zitat

    Hmmm, woran liegt es denn, das z. B. große Saturniiden so trocknen und Heuschrecken ausgenommen werden müssen?


    Die Chitinhülle der Heuschrecken scheint viel undurchlässiger zu sein und oftmals auch mit einer Art Wachs überzogen, wodurch die Tiere offenbar gut vor dem Austrocknen geschützt sind (und als Präparat eben schlecht trocknen.)
    In älterer Literatur wird übrigens oftmals auch empfohlen, dickleibige Schmetterlinge (Saturniiden, Sphingiden...) auszunehmen. Ich kenne sehr viele alte Schmetterlingspräparate in Museen, deren Abdomen ausgenommen und mit Watte gefüllt wurden. Nach meinen Erfahrungen ist das bei Schmetterlingen aber grundsätzlich nicht nötig. Ich nehme an, diese Empfehlung geht darauf zurück, dass seinerzeit die Tiere ja hauptsächlich unmittelbar auf Expeditionen in den Tropen gefangen und präpariert wurden und Fäulnis dort ein viel größeres Problem ist.

    Viele Grüße
    Joachim

    Zitat

    und dabei hoffen, die Tiere bis zum Frühjahr zum Imago zu bringen.


    Ähm - auf Grund des geringen Nährwertes des Substrates (totes pflanzliches Material) erstreckt sich die Larvenzeit über mehrere Jahre (bis zu fünf). Wenn man in einem Komposthaufen Engerlinge von deutlich unterschiedlichen Größen findet, sind das Vertreter aus unterschiedlichen Jahren.
    Eine obligatorische Winterruhe brauchen die Tiere meines Wissens nicht - zumindest habe ich sie vor einiger Zeit bei Zimmertemperatur über mehrere Jahre gehalten.
    Die Puppen würde ich im Substart belassen - jedoch auch weiterhin die Feuchtigkeit beachten.

    Viel Spaß
    Joachim

    Die Präparation von Heuschrecken ist ein schwieriges Kapitel. Zur Konservierung und Farberhaltung müssen große Heuschrecken, die trocken aufbewahrt werden sollen, ausgenommen werden, da sie sonst schneller in Fäulnis übergehen, als dass sie getrocknet sind (was die Schwarzfärbung hervorruft).
    Man führt mit einer feinen Schere unten seitlich am Hinterleib entlang der Hautfalte einen Schnitt. (Durch die seitliche Schnittführung bleiben wichtige Besimmungsmekmale unverletzt). Dann nimmt man mit einer feinen Pinzette den Darm, den Fettkörper und die Geschlechtsorgane heraus, ohne die Pigmentschicht auf der Innenseite des Hinterleibes zu zerstören. Der Darm sollte am Hinterende abgeschnitten und nicht abgerissen werden. Außerdem muss man vom Hinterleib aus mit einer kleinen Pinzette in den Brustabschnitt fahren und den darin befindlichen, meist stark gefüllten Kropf herausziehen.
    Danach wird der Hinterleib mit einem vorher gedrehten kleinen Wattebausch oder mehreren Wattekügelchen ausgefüllt.

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    Besser als Watte ist die Verwendung von Dichtungshanf (aus dem Baumarkt oder von einem Wasserinstallateur). Die Fasern werden in 1 bis 2 mm kurze Stücke geschnitten mit denen zunächst vom Hinterleib aus der Thorax und anschließend das Abdomen gefüllt wird. Hanf hat den Vorteil, dass es schneller trocknet als Watte und die Tiere problemlos genadelt werden können.
    Danach drückt man die Wundränder mit einer Pinzette vorsichtig zusammen.
    Nach erfolgter Vorbehandlung werden die Exemplare rechts von der Mitte kurz vor dem Hinterrand des Halsschildes genadelt und in die Rinne eines Spannbrettes gesteckt. Bei prall mit Watte ausgestopften Tieren kann das Einstechen der Nadel gewisse Schwierigkeiten bereiten - ein Problem, das bei der Verwendung von Hanffasern nicht auftritt. Auf dem Spannbrett kann man die Flügel einer oder auch beider Seiten spannen. Der Vorderflügel wird zunächst so ausgerichtet, dass sein Hinterrand etwa im rechten Winkel zur Körperlängsachse steht, dann wird der Hinterflügel behutsam ausgebreitet und mit Hilfe eines auch über den Vorderflügel reichenden Spannstreifens festgesteckt (ähnlich wie bei Schmetterlingen).
    Einseitiges Spannen hat den Vorteil, dass man zwar bei einem Flügel die Aderung sieht, das Tier aber nicht ganz so viel Platz einnimmt. Für Demonstrationszwecke ist jedoch die beidseitige Präparation der schönen filigranen Flügel zu empfehlen.
    Die Hinterbeine können entweder ausgestreckt und parallel nach hinten gerichtet werden oder aber im Kniegelenk angewinkelt, so dass die Schiene den Schenkel berührt und unmittelbar unter diesem liegt. Letztere Form hat den Vorteil, dass die Tiere in der Sammlung weniger Platz beanspruchen und die empfindlichen Beine vor dem Abbrechen geschützt sind. Die erste Variante sieht besser aus.
    Zur Verbesserung der Farbkonservierung grüner, besonders zartgrüner Arten kann man nach dem Ausnehmen und Ausstopfen die Tiere für eine halbe Stunde in Aceton legen. Sollten sich während der Acetonbehandlung Farbveränderungen ergeben, ist das Tier sofort aus dem Bad herauszunehmen. Da die Heuschrecken durch die Behandlung hart werden, müssen sie unmittelbar nach dem Herausnehmen präpariert werden. Spannen lassen sich mit Aceton entwässerte Exemplare meist nicht mehr. Badet man die Tiere zu lange, bleichen sie aus, werden sie zu kurz behandelt, dunkeln sie nach. Die richtige Behandlungszeit zu finden, ist Übungssache.
    In jedem Falle muss man für die Präparation von Heuschrecken Erfahrungen sammeln und der Erfolg kann nicht zu 100% garantiert werden.

    Zitat

    Gibt es noch Entomologen, die sich mit der Präparation von Raupen beschäftigen?


    Das ist wieder eine ganz andere Geschichte. Da reden wir später mal drüber.

    Cheers - und viel Erfolg
    Joachim

    Hallo,

    Zitat

    Glückwunsch zu den mittlerweile doch recht seltenen Tierchen.


    Diese Aussage kann ich so nicht bestätigen. Im Gegenteil - ich würde sogar sagen, dass diese beeindruckende und schöne Käferart geradezu "boomt". Die Imagines und vor allem die Larven werden sehr häufig gesehen. Grund ist sicherlich der ständig wachsende Trend zu eigenen Komposthaufen sowie die Verwendung von Rindenmulch bei der Pflege innerstädtischer Gehölze.
    Die Haltung der Nashornkäferlarven ist im Prinzip nicht schwierig. Einfach die Larven in ein Becken mit Kompostsubstrat geben (oder eine Mischung aus unbehandelter (!) Blumenerde und Rindenmulch). Etwas problematisch ist jedoch die Aufrechterhaltung der für Komposthaufen typischen Feuchtigkeit. Es passiert schnell, dass das Substrat im Becken zu nass oder zu trocken wird.
    Interessant ist es zu beobachten, wie schnell sich die Larven eingraben.

    Viel Spass
    Achim

    Hallo Michael,

    Zitat

    Seit den 90ger Jahren bereits werden besonders 2 Substanzgruppen vor allem zur Bekämpfung von Forstschädlingen eingesetzt,

    Dass die diesjährige Schmetterlingsarmut darauf zurückzuführen wäre, glaube ich nicht recht. Vor allem Dimilin wurde - zumindes in Ostdeutschland - schon früher, seit Anfang der 80er eingesetzt. Üblicherweise werden die Mittel zur Eindämmung der Massenvermehrung von "Schädlingen" ausgebracht. Nun bin ich wahrlich kein Freund dieser Methode - Beobachtungen zeigen aber, dass sich die Insektenfauna nach kurzer Zeit wieder erholt.
    Wie ich oben schrieb, bin ich der Meinung, dass in diesem Jahr der seltsame Witterungsverlauf der Grund ist. (Der milde Winter begünstigt möglicherweise ein Verpilzen der überwinternden Schmetterlingsstadien. Die ersten sehr warmen Frühlingstage aktivieren die überwinternden Falter, ohne das genügend Nahrung da war. Außerdem haben sich sicherlich die Parasiten zeitig entwickelt, die sich dann auf alles gestürzt haben, was sie finden konnten).

    Cherrs
    Achim

    Hallo allerseits,
    hier in Halle (Saale) und Umgebung sieht es in diesem Jahr auch ganz traurig aus (obwohl es normalerweise trotz Stadtgebiet eine schmetterlings- und allgemein insektenreiche Gegend ist). Aber außer ein paar Weißlingen ist heuer nicht viel zu sehen.
    Gründe dafür sind vielleicht der viel zu milde Winter (der den Namen nicht verdient hat), dann die ersten sehr warmen Frühlingstage mit dem dann viel zu kühlen Restfrühjahr. Wir müssen dieses Phänomen weiter beobachten.
    Ich war jetzt aber einige Tage nur ein paar Kilometer weit weg in der Dübener Heide. Dort sah es um einiges anders aus. Ein richtiges Gewimmel an Faltern - Satyriden, Pieriden, Lycaeniden und Hesperiiden. Nymphaliden gab es aber - abgesehen von ein paar Landkärtchenfaltern - auch hier nicht.

    Cheers
    Achim

    [Blockierte Grafik: http://www2.biologie.uni-halle.de/zool/coll/entomol/images/Bergwitz_web.jpg]

    Hallo allerseits,

    Zitat

    Papa Papillon schrieb:
    Wenn du willst, kannst du die PDF-Datei als Dateianhang hier posten. Dann kann sie jeder lesen und runterladen.


    Vielen Dank Marc für den Hinweis. Ich habe meinen Beitrag oben dahingehend verändert, dass ich einen Download-Link gesetzt habe. (Zu dieser Publikation ist zu ergänzen, dass das darin genannte Insektizid Dichlorvos im Jahre 2007 in Deutschland und Österreich die Zulassungen als Pflanzen- und Vorratsschutzmittel verloren hat. Zur Insektenbekämpfung im Wohn- und Arbeitsbereich findet es weiterhin Verwendung.)

    Inge
    Es ist sehr wahrscheinlich, dass es sich bei den Schädlingen um Vertreter der oben von Thomas genannten Speckkäfer (Dermestidae) handelt. Wobei gerade die in Sammlungen häufig schädlichen Wollkrautblütenkäfer oder Museumskäfer (Anthrenus verbasci) als Imagines harmlose Blütenbesucher und Pollenfresser sind. Sie sind sehr flugtüchtig und können durch offene Fenster aus dem Freien in Wohnungen und Sammlungsräume gelangen, wo sie dann Eier ablegen. Die Larven leben ursprünglich in Vogel- und Kleinsäugernestern, wo sie sich von totem organischen Material ernähren (Keratin und Chitin, also Haare, Federn und tote Insekten). Eine Insektensammlung ist also ein idealer Lebensraum.
    Häufige Sammlungsschädlinge sind weiterhin der Brotkäfer (Stegobium paniceum), Tabakkäfer (Lasioderma serricorne) und Messingkäfer (Niptus hololeucus), vor allem aber auch Kleidermotte (Tineola bisselliella) und Pelzmotte (Tinea pellionella). Bei den beiden letzten Arten findet man häufig Kotkrümel und Gespinstreste an den befallenen Sammlungsteilen.

    Viele Grüße
    Achim

    Hallo Manu, hallo Annett,
    vielen Dank für Eure Antworten.
    Okay - dann werde ich vorsichtshaber auf die Heckenrosen verzichten.
    Die alternativen Futterpflanzen kenne ich - aber die Rosen waren so schön bequem (direkt vor der Tür) :cool:

    Nochmals danke!
    Cheers
    Achim