Hallo Klaas,
hier eine Antwort von "Seppel Oberschlau" 
nichts für ungut, Deine Einwände sind nicht von der Hand zu weisen!
Du hast ja irgendwie recht; wenn man eine stabile Population künstlich vergrößert, dann schlägt die Natur mit Sicherheit irgendwie zurück.
Jeder Eingriff in die Natur hat irgendwelche Folgen.
ABER:
wir greifen doch schon längst ein; und zwar täglich. Erst gestern war es in den Nachrichten, daß das Insektensterben inzwischen fast "amtlich" ist. Die Gesamtmasse der Insekten ging in Deutschland in den letzten 30 Jahren um 75% zurück.
Jetzt kann man natürlich jahrelang darüber streiten, ob die Zählmethode wissenschaftlich fundiert ist. Dann kann man noch jahrzehntelang forschen, was die Ursache ist. Es wird immer Leugner geben und Lobbyisten, die andere Interessen haben (siehe Klimawandel).
Ich kann nur für mich selbst sprechen und meine eigenen Erfahrungen wiedergeben.
Ich habe ein Haus am Stadtrand von Nürnberg mit einem kleinen Garten. Die Gegend ist nicht sehr dicht bebaut, überwiegend EFH und DHH, jeweils mit Garten, angrenzend an landwirtschaftliche Nutzfläche.
Ich arbeite meistens im Homeoffice, so daß ich fast jeden Tag ein bisschen Zeit auf der Terasse verbringen kann. Meine persönliche Beobachtung dieses Jahr: ein paar kleine Kohlweißlinge, ein paar wenige Tagpfauenaugen, ein einziger Schwalbenschwanz im Überflug. Blütensträucher (auch Schmetterlingsmagnete) sind kaum besucht.
ich habe also nicht den Eindruck, daß es hier noch eine nennenswerte Population von Schmetterlingen gibt! Wenn ich jetzt einheimische Arten nachzüchten und freilassen, würden dann die von Dir beschriebenen Effekte einer Überpopulation eintreten?
Eine weitere Betrachtung: Es ist in vielen Gärten Usus, das im Winter Vögel gefüttert werden. Die Gesamtzahl der Vögel im Frühjahr ist dann eventuell viel zu hoch, was dazu führen könnte, das die wenigen noch vorhandenen Insekten von den Vögeln weiter dezimiert werden.
Nach Deiner Logik kann die Schlußfolgerung nur sein: Keine Vögel füttern, damit Vögel und Insekten im Gleichgewicht bleiben.
Und im Endeffekt: Gar nichts tun, um den natürlichen Verlauf nicht zu beeinflussen! Das ist eigentlich eine sehr bequeme Lösung für uns Alle!
Ich für meinen Teil möchte aber etwas tun:
- Schmetterlinge nachzüchten, damit die Population in meiner Gegend nicht vollständig zusammenbricht. Dies zumindest so lange, bis sich durch "globale" Maßnahmen die Situation verbessert (z.B. Verbot von bestimmten Pestiziden)
In meinem Einflußbereich die Bedingungen verbessern:
- Ich habe dieses Jahr schon angefangen, Sträucher und Stauden zu pflanzen mit Rücksicht auf Nektarangebot (keine gefüllten Blüten) und Blütezeit, damit möglichst ganzjährig Nektarpflanzen blühen.
- Nächstes Jahr möchte ich meine Garage begrünen
- Es gibt bei uns eine Lärmschutzwand zum gegenüberliegenden Fußballplatz (Gemeinschaftseigentum mit Nachbarn), die möchte ich auch mit unterschiedlich blühenden Kletterpfanzen begrünen
- Schmetterlinge sehe ich als "Leuchtturm"- Projekt.
Damit kann man auch Nachbarskinder einbeziehen (z.B. Event oranisieren beim Freilassen) und möglicherweise auch die Nachbar-Eltern etwas sensibilisieren, damit sie auch in Ihrem eigenen Garten etwas mehr für die Insekten tun.
Tatsächlich bin ich Laie! Deswegen will ich nicht einfach so mal völlig unseriös irgendwelche Schmetterlinge freilassen. Ich habe bereits mit Fachleuten diskutiert und bin außerdem mit der Naturschutzbehörde in Kontakt, um eine amtliche Genehmigung für die Zucht und Freisetzung zu erhalten. Dort zuständig ist eine Biologin, die dann auch als Ansprechpartner zur Verfügung stehen würde.
Ich bin überzeugt davon, daß in Zukunft eher die städtischen Bereiche für den Arterhalt sorgen. Die umliegenden landwirtschaftlichen Bereiche sind eher unbelebt (siehe China). In den Städten wird hingegen schon einiges getan für Ausgleichsflächen, Renaturierung, Kleinstbiotope. Außerdem werden innerstädtisch und in den privaten Gärten keine oder nur wenige Pestizide verwendet.
Vielleicht ist das blauäugig, weil es im Endeffekt nichts hilft, aber ich glaube nicht, das es irgendwie schadet.