Liebe Freunde,
längst schon überfällig, komme ich nun endlich mal dazu, ein Fazit zur Zucht zu ziehen:
Ich erhielt schließlich 25 Kokons, die alle recht dünn gesponnen waren. Ich bin mir nicht sicher, ob dies bei hesselorum so üblich ist, die Puppen sehen aber bis auf eine leicht verkrüppelte ganz gesund aus. Insofern habe ich 2/3 der Raupen durchbekommen.
Wenn ich aus den Erfahrungen, den wertvollen Tipps von Euch und den Diskussionsbeiträgen hier im Forum etwas ableiten kann, dann ist es dies:
1. Bis zu L4 würde ich bei Automeris weiterhin die Haltung in mehr oder weniger geschlossenen Behältern durchführen. Danach kommt es sehr auf den Ursprung und die klimatischen Bedürfnisse der Art an. Während ich brasilianische Automeris spec. quasi verlustfrei in den auch bei diesem Bericht beschriebenen Kunststoffbehältern aufzog (rel. LF > 90 %), werde ich bei subtropischen Arten zukünftig strikt auf luftige Zuchtbehälter (rel. LF ca. 60 %) umsteigen. Eine große Kunststoffwanne mit Gazedeckel erlaubt in diesem Sinne noch keine ausreichende Luftzirkulation, dies haben die beschriebenen Messungen der rel. LF gezeigt! Eine ausreichende Luftzirkulation wird erst erreicht, wenn der Behälter auch an den Seitenwänden Lüftungsfenster aufweist oder vollständig mit Gitter bespannt ist.
2. Das Futter kann zum besseren Frischhalten ins Wasser gestellt werden. Ein Futterwechsel alle 2-3 Tage ist zu empfehlen, um einer Verkeimung des Wassers und der Nährstoffabnahme in den Blättern zu begegnen. Bei geschlossenen Behältern eignet sich Robinia pseudoacaciae recht gut. Bei luftiger Haltung wird dieses Futter jedoch viel zu schnell welk. Daher muss vor dem Umstellen auf Zuchtbedingungen mit niedrigerer Luftfeuchtigkeit auf z.B. Rubus umgestellt werden. Ein idealer Zeitpunkt hierfür ist ein Futterwechsel während einer Häutungsphase, nach der die Raupen nach meiner Beobachtung dann problemlos ans neue Futter gehen.
3. Als Verpuppungssubstrat verwendete ich bei hesselorum trockenes Buchenlaub. Ich hatte den Eindruck, dass die Tiere dies weniger gern annehmen, weil es zu starr für das Verspinnen zum Kokon ist. Vielleicht wäre bei dieser Art, deren Raupen bei Verpuppungsbereitschaft viel am Behälterboden umherwandern, Moos eine bessere Alternative gewesen. Bei den meisten anderen Automeris-Arten werden die Kokons jedoch problemlos im Geäst zwischen frischem Futterlaub angefertigt, das sich von den Tieren auch gut zusammenrollen lässt. Daher werde ich in dieser Phase zukünftig eher auf eine gute Füllung des Zuchtbehälters mit frischem laubreichem Futter sorgen und die Kokons dann beim Futterwechsel vorsichtig entfernen.
4. Die Ausfälle in den letzten Stadien sind für mich weiterhin nicht eindeutig zu begründen. Es scheint die Luftfeuchte im Behälter bzw. die Luftzirkulation im Behälter einen Einfluss zu haben, die Haltung in luftigen Behältern führt aber trotzdem nicht unbedingt zu verlustfreien Zuchten. Denn: Nach den Erfahrungen mit hesselorum hielt ich in diesem Jahr auch noch frankae und randa. Von 15 frankae verendete lediglich eine Raupe im vorletzten Stadium (eine weitere verletzte ich versehentlich mit einem Brombeerdorn beim Futterwechsel), bei randa gehen mir derzeit wieder einige Tiere in der letzten Haut ein (bislang ca. 1/4 der Tiere), obwohl ich sie seit L5 im luftigen Gazekasten halte. Es bleibt mir persönlich also weiterhin ein Mysterium!
Abschließend möchte ich mich noch bei allen bedanken, die mir mit ihren guten Tipps weitergeholfen und sich hier im Forum an der Diskussion beteiligt haben.
Ich hoffe natürlich, dass die Überwinterung der Puppen gut funktioniert (hab sie seit einiger Zeit im kühlen aber frostfreien Kellerraum über einer Wasserschale gelagert) und ich im nächsten Jahr dann auch ein paar Fotos der Falter hier einstellen kann.
Ich würde mich aber freuen, wenn die Diskussion an dieser Stelle rege weitergeführt wird.
LG, Andreas