Beiträge von maikaefervilla

    Hallo Dieter,

    obwohl Du recht restriktive Vorgaben bzgl. der gewünschten Antwort gemacht hast, möchte ich mich hier trotzdem äußern und hoffe, dass das o.k. ist:

    Wenn die Tiere, wie Du schreibst, über den Ästen hängen, ist es mit Sicherheit eine Infektion. Auch wenn Raupen einer anderen Spezies gut mit dem Futter klar kommen, ist das kein Beweis dafür, dass es keine Infektion wäre. Jeder Art hat unterschiedliche Anspüche und reagiert dahe unterschiedlich sensibel auf klimatische oder futtertechnische Einflüsse. Manche tolerieren schlechtes Futter noch, andere entwickeln Infektionen durch vermutlich ubiquitäre Keime.

    Ich blinzele kein Botaniker, aber es liegt auf der Hand, dass sich die Futterqualität im Herbst stark verändert, insbesondere wenn die Blätter das Chlorophyll abbauen und sich verfärben. Insofern bin ich eher erstaunt, wenn mit Laubfallblättern überhaupt noch Zuchten gelingen.

    Daher würde ich Dir dringend raten, die Raupen auf Liguster (ovalifolium, notfalls atrovirens oder ovalifolium) umzusetzen. Nach einiger Zeit nehmen Sie das Futter dann schon an. Nicht einsprühen!

    Viel Glück, Andreas

    Hallo Thorsten,

    Danke für diesen neuen Denkanstoß.
    Meinst Du wirklich Sauerstoff oder das Kohlendioxid?
    Hast Du mit der "bodenlosen" Technik eigene Erfahrungen?

    Die Idee finde ich überlegenswert, aber sind die Konzentrationsunterschiede wirklich so gravierend um die Raupen zu "vergiften"?
    Wenn es daran liegen würde, dann müssten sich doch eigentlich die Tiere schnell wieder erholen, wenn man sie rausnimmt?

    LG, Andreas

    Bislang scheint es bei den drei Ausfällen geblieben zu sein.

    Ich nehme an, dass mit der steigenden Blattmasse, die im vorletzten und letzten Stadium eingebracht werden musste, dauerhaft zu hohe Luftfeuchtewerte erreicht wurden, die einer Ausbreitung von Infektionen Vorschub geleistet und die Zucht einer Art aus den Subtropen fast zum Scheitern gebracht haben. Mit Arten aus Brasilien hatte ich mit dieser Methodik bisher keinerlei Probleme, hier scheint die Luftfeuchtigkeit toleriert worden zu sein. Zielwert der LF für subtropische Arten sollte daher vermutlich eher 50 - 70 % sein.

    Zitat

    Ich denke eher, dass du Probleme hast, bei geringerer LF das Futter ausreichend frisch zu halten.

    Damit hatte Frank zweifelsohne recht!

    Aus diesem Grund erfolgte eine Umstellung der Raupen auf Rubus als Futter, welches deutlich länger als Robinie in Wasser eingestellt frisch gehalten werden kann. Einzelne Raupen gingen spontan auf Rubus über, der größere Anteil bevorzugte aber weiterhin Robinie, solange diese noch parallel dazu angeboten wird. Durch diese Futterumstellung war es nun auch möglich, die Tiere luftiger zu halten, entweder im Gazekasten oder in lediglich durch mit Vorhangstoff bespannten Kunststoffboxen.

    Automeris hesselorum in L6 (erwachsen)

    Zeitgleich zur vereinzelten 6. Häutung ab 10.10.14 (sicher beobachtet und durch Vergleich der Größe der Kopfkapsel nachvollzogen werden konnte nur eine) spinnen sich bereits erste Tiere ein:

    Verpuppungsbereite Raupen sind nicht leicht zu erkennen, da sie nur wenig dünnen Kot abgeben und sich auch nicht besonders auffällig verfärben. Lediglich die roten Flecken an der Bauchpartie scheinen in der Farbsättigung etwas blasser, die Stacheln etwas gelblicher zu werden. Einzig das ruheloses Umherwandern, insbesondere auch am Boden, trotz Vorhandensein ausreichend frischer Futterreserven im Zuchtbehälter lässt die Verpuppungsbereitschaft tatsächlich einigermaßen sicher erkennen. Soweit rechtzeitig entdeckt, werden diese Raupen separiert und in einen Behälter mit grob zerriebenem trockenem Buchenlaub als Verpuppungssubstrat gegeben. Dort wandern die Tiere nach bisherigen Beobachtungen noch ca. 24 h umher, bevor sie sich einzuspinnen beginnen. Sicherheitshalber wird auch der Boden der Zuchtbehälter mit trockenem Buchenlaub beschichtet, um den Tieren auch hier ein Einspinnen zu ermöglichen. Der Kokonbau ist eher dürftig und einzelne Raupen scheinen sich mit ein paar Spinnfäden zu begnügen. Vielleicht ist auch dies noch die Auswirkung einer nicht tödlichen Infektion?

    Nach ein paar Tagen werde ich die Kokons hoffentlich "ernten" und Bilanz ziehen können. Dann folgt das nächste Update.

    LG, Andreas

    Hallo Jürgen,

    gerne:

    Die beschriebenen Verluste sind bislang Gott sei Dank die ersten. Sie stammen aus Charge 1, die ursprünglich 13 Tiere umfasste. Jetzt sind es mit heutigem Stand noch 10. Die Haltungsbedingungen dieser Charge sind bis auf den über 5 Tage beschriebenen Wechsel in den Gazekasten (Foto 2 im 12. Teil dieses Beitrages) quasi identisch zu Charge 2 mit 20 Tieren und bislang keinen Verlusten. Von dieser wurden die Tiere seit L5 durchgehend in einer Kunststoffbox gehalten (Foto 3 im 6. Teil dieses Beitrages). Charge 3 mit 2 Tieren ist zwar in der Entwicklung etwas hinterher (dies waren die zuletzt geschlüpften Raupen), ist aber bisher stabil und wird ebenfalls in einer Kunststoffdose (große Haribo-Dose mit Gitterfenster im Deckel) gehalten.

    Die Haltungstemperatur ist in beiden Fällen identisch, die Zuchtbehälter stehen nebeneinander. Die LF in den Kunststoffboxen liegt bei ca. 90 %, im Gazekasten nahm ich wegen der hohen Luftdurchlässigkeit eine LF an, wie sie im umgebenden Raum vorherrscht, also 50 - 60 %.

    Hallo Rudi,

    Ja, das denke ich auch und hatte daher bereits am 04.10. wieder umdisponiert und die Raupen wieder in den alten Behälter (Kunststoffbox) zurückverfrachtet.

    Seit gestern musste ich nun eben aus dieser Gruppe 3 Tiere aussondern, deren Färbung zunächst gelblich wurde bevor sie zu schrumpfen begannen und die Futteraufnahme langsam einstellten, auch keinen Kot mehr abgaben. Die erste ist nun definitiv tot, nachdem sie gestern eine bräunliche Flüssigkeit über das Maul abgesondert hatte. Ggf. waren das die Tiere, die mir den Eindruck vermittelt hatten, die Charge wächst in dem Gazekasten nicht so richtig, weil genau diese mit dem Wachstum zurückgeblieben waren. Auch hatte ich deren Futter von einer neuen Stelle geholt.
    Mögliche Gründe aus meiner Sicht:
    - zu hohe LF vorher?
    - zu niedrige LF im Gazekasten?
    - das eintrocknende Futter im Gazekasten?
    - Infektion?
    - Futterqualität?

    Ich befürchte nun, dass es kurz vor dem erfolgreichen Abschluss der Zucht zu Ende gehen könnte ...  :unsure: 
    Weiß jemand Rat?


    LG, Andreas

    5. Häutung: ab dem 01.10.14

    Die 5. Häutung findet nicht mehr in der gewohnt synchronisierten Weise statt! Einzelne Tiere sind deutlich früher dran, der Rest häutet sich dann über die folgenden Tage (derzeit immer noch!). Dadurch verwischen sich die Entwicklungsunterschiede der Charge 1 und 2, während Charge 3 erst am 28.09. die 4. Häutung hinter sich gebracht hat und sich seit gestern nun ebenfalls zur 5. Häutung festgesetzt hat.

    Morphologisch fällt nun deutlich der rot-weiß-schwarze Seitenstreifen und die rot-orangen Flecken am Bauch der Tiere auf, ansonsten bleibt die Grundfärbung gleich (siehe Foto).

    Automeris hesselorum in L6

    Aufgrund der Diskussion und Anregungen zur Luftfeuchte in den Zuchtbehältern quartierte ich versuchsweise Charge 1 am 29.09.14 in einen allseits mit Kunststoff-Gitter bespannten Kasten mit dem Maßen 30 x 22 x 34 cm (B x T X H) um (siehe Foto).

    Subjektiv hatte ich jedoch den Eindruck, dass sich die Tiere darin unruhiger verhielten und langsamer weiter wuchsen. Darüber hinaus welkte das Futter ziemlich schnell (wie man auch im Bild sieht) und musste täglich ergänzt oder getauscht werden. Da sich andererseits bisher keinerlei negativen Auswirkungen bei Haltung in Kunststoffboxen mit Lüftungsfenster ergaben, gab ich die Kastenhaltung nun heute wieder auf. Beim Befüllen der Kunststoffboxen achte ich jedoch darauf, dass die eingebrachte Futter- bzw. Blattmasse nicht zu groß ist und die Lüftungsfenster nicht mit Blättern verlegt sind. Die Küchenpapiereinlage wird trocken eingebracht und - wie bereits oben erwähnt - nicht mehr befeuchtet.

    LG, Andreas

    Hallo Rudi,

    da hast Du zweifelsohne Recht:

    Auch ich bin der Überzeugung, dass die Luftfeuchtigkeit oftmals der Schlüssel zum Erfolg oder aber eben der Grund für den Misserfolg einer Zucht ist. Dazu hatte ich mich auch in diesem Betrag schon mal geäußert, hier aber das Thema "gespannte" Luft, also hohe Luftfeuchtigkeit ohne Luftzirkulation in geschlossenen Behältern, in den Mittelpunkt gestellt. Durch die Verwendung von Boxen mit Gitterfenster im Deckel, dachte ich, dass ich das Problem im Griff hätte und durch die bessere Belüftung sich die Luftfeuchte in einem zuträglichen Bereich einpendelt. Die von Dir angeregte Messung zeigte nun aber doch etwas anderes:

    Die Zuchtbehälter stehen - zum Leidwesen meiner armen Frau - in unserem Badezimmer, wo es nach dem Duschen schon auch mal ordentlich luftfeucht ist. Die Basisluftfeuchtewerte bewegen sich aber in einem Bereich zwischen 50 und 60 %. Ich dachte, dies sei auch der Wert, der sich dann in den Boxen einstellt. Die Messungen ergaben nun aber Werte zwischen 90 und 95 %! Sie erfolgte mittig in den Behältern, deren Einlage zuletzt nicht mehr angefeuchtet worden war! Die Pflanzen selbst verdunsten also so viel Wasser und treiben damit die Luftfeuchtewerte in diese Höhe.

    Es wäre durchaus denkbar, dass das leider immer wieder zu beobachtende Absterben meiner Zuchten in den letzten Stadien daher rührt, dass mit steigendem Futterbedarf die Belüftung in den Behältern nicht mehr adäquat zur eingebrachten Blattmasse ist, die Luftfeuchte dadurch in nicht mehr zuträgliche Bereiche steigt und sich schließlich Infektionen oder einfach nur "Gedeihstörungen" bei den Tieren einstellen.

    Ich werde diesen Punkt auf jeden Fall im Auge behalten!

    Vielen Dank für diese interessante und nützliche Anregung.

    LG, Andreas

    Hallo Ulf,

    sehr ordentlich und geschmackvoll!
    Dass auch Deine Frau begeistert ist, kann ich mir gut vorstellen.

    Das Aufhängen der Spannbretter im geschlossenen Schrank hat einen weiteren Vorteil:
    Viele Sammlungsschädlinge werden nämlich über neue Falter eingeschleppt, die das "Ungeziefer" vom Spannbrett mitbringen. Indem Du die Bretter aufhängst, fällt es den Schädlingen schwerer, die trocknenden Falter zu befallen. Zur Sicherheit würde ich aber zusätzlich noch einen großen Streifen Nexa-Lotte in den Schrank hängen.

    Vorsicht ist allerdings bei Faltern mit voluminöseren Körpern, wie insbesondere den Saturniden-Weibchen geboten, wenn sie zum Trocknen hängen:
    Der Hinterleib ist zwar dann wunderbar gerade, zieht sich aber durch das Eigengewicht manchmal unschön auseinander.

    Auf jeden Fall eine "saubere" Sache und schöne Anregung!
    Danke für's Teilen dieser Idee  :thumbs_up:

    LG, Andreas

    4. Häutung: 23.09.14 (13, Charge 1), 24.09.14 (20, Charge 2)

    Morphologisch wandelt sich die Farbe der Raupen von zitronengelb zu einem hellen "Giftgrün". Ein weiß-schwarzer Seitenstreifen wird nun erkennbar (z.B. oben links im Bild).

    Die Tiere sind einen Tag nach der 4. Häutung recht wanderfreudig, verlassen sogar einzeln auch das Futter. Ihre Nester, in denen sie seit dem Schlüpfen zusammenlebten, beginnen sich nun in kleinere Gruppen von ca. 10 Tieren aufzulösen - ein Vorbote der Vereinzelung im letzten Stadium. Als Zuchtbehälter dienen nun geräumigere Kunststoffboxen mit großem Fenster aus feinem Alu-Gitter. Das Metallgitter ist sehr wichtig, denn größere Automeris-Raupen nagen regelmäßig Stoff- und sogar Kunststoffgewebe, wie es z.B. auch als Fliegenschutzgitter eingebaut wird, durch und können dann ins Freie bzw. Zimmer gelangen. Angesichts der Nesselhaare sollte dies tunlichst vermeiden werden, um unliebsame Begegnungen zu vermeiden. In jede Box kommmt eine Küchenpapiereinlage. Diese wird nur allenfalls leicht mit gefiltertem Wasser übersprüht, eher aber trocken belassen. Futterwechsel weiterhin alle 2 Tage. Es werden, wie bisher, am Stiel schräg geschnittene Robinia pseudoacaciae-Blätter in einer kleinen Vase angeboten.

    Mit L5 beginnt nun die kritische Phase, in welcher ich regelmäßig Raupen oder gar ganze Zuchten verliere :bibber: .
    Daher hoffe ich auf Eure Mitwirkung und Hilfe. Falls Euch also etwas negatives an meinen Zuchtbedingungen auffällt, wäre ich für eine Rückmeldung sehr dankbar.

    Danke schon jetzt!

    LG, Andreas

    Zunächst mal eine Korrektur zu folgender meiner Angaben im letzten Beitrag:

    Zitat

    Die 2 Tiere der Charge 3, die sich heute übrigens zum 3. Mal gehäutet haben, ... 

    Da hatte ich mich leider vertan: Diese zwei Tiere sind doch noch einiges hinterher und hatten am 17.09. erst ihre zweite Häutung.
    Die Daten der übrigen Tiere sind wie folgt:

    3. Häutung: 18.09.14 (13, Charge 1), 19.09.14 (20, Charge 2)

    Die Grundfärbung wird nun etwas grünlicher, die Stacheln sind jetzt zitronengelb und besitzen schwarze Spitzen.

    Automeris hesselorum in L4

    Die Haltungsbedingungen sind unverändert. Als Zuchtgefäße werden die oben gezeigten Laubfroschdosen oder hohe Haribodosen mit Gazefenster verwendet. Das Futter wird gewässert, indem große Fiederblätter einjähriger Robinienzweige am Ansatz schräg angeschnitten und in kleine Vasen gesteckt werden. Auch die von Jürgen erwähnten Orchideenväschen sind im Einsatz. Futterwechsel alle 2 Tage!

    Bis jetzt klaptt´s! Bitte weiterhin Daumen drücken :thumbs_up:

    LG, Andreas

    Hallo Ute,

    Bei einem Glasbehälter könnten die glatten Wände zum Problem werden, da die Tiere schlecht nach oben klettern können um die Flügel zu entfalten. Du müsstest also zumindest eine Kletterhilfe "einbauen", z.B. Stoffstreifen.

    Die Kokons sollten nach Möglichkeit nicht aufgeschnitten werden, da ansonsten im Winter die Gefahr des Austrocknens besteht. Ein einigermaßen schadloses Ablösen dürfte aber - mit der gebotenen Vorsicht - mit Hilfe einer an der Glaswand geführten Rasierklinge möglich sein.

    Kleiner Tipp noch: Bei mir haben sich die im Zuchtbericht von Automeris hesselorum abgebildeten Einwegsalatdosen hervorragend für die Verpuppung von Saturniden bewährt. Verpuppungsbereite Tiere werden dazu einzeln mit etwas geeignetem Substrat (Moos, dürres Laub) eingesperrt, können sich beim Einspinnen nicht mehr gegenseitig stören und die Kokons hervorragend von der Kunststoffwand abgelöst werden.

    LG, Andreas

    Hallo Jürgen,

    Dein Hinweis hat mich nachdenklich werden lassen und dafür bin ich Dir sehr dankbar:

    Ob es denn wirklich gespannte Luft für die Zucht braucht, bezweifle ich mittlerweile. Der Ursprung der Tiere liegt in der subtropischen Zone. Vermutlich herrscht dort im Sommer gerade nach heftigen Niederschlägen zwar zeitweilig eine hohe Luftfeuchtigkeit, gespannte Luft wie in den Tropen gibt es dort jedoch vermutlich nicht über längere Zeit. Ich muss davon ausgehen, dass die Raupen eher luftig aufwachsen. Die Tiere nicht mit entsprechender Luftzirkulation zu halten, könnte daher vielleicht sogar der Grund sein, warum mir immer mal wieder Automeris-Zuchten eingehen.

    Stattdessen ist die von Dir angewandte Methode zum Frischhalten des Futters vermutlich die deutlich bessere. Ich habe daher gleich heute auch die zweite Charge meiner Raupen aus der geschlossenen Dose genommen und halte sie nun auch in einer Kunststoffdose mit Lüftungsschlitzen (im Zoohandel als "Laubfroschdose" zu bekommen, siehe letztes Foto im Teil 1 meines Berichtes). Die 2 Tiere der Charge 3, die sich heute übrigens zum 3. Mal gehäutet haben, lasse ich versuchsweise mal noch in der geschlossenen Dose.

    Mich würde nun interessieren, ob es dazu noch mehr Meinungen und Erfahrungen gibt. Wie haltet Ihr es mit der Zucht in geschlossenen Dosen bzw. wie luftig haltet Ihr Eure subtropischen Raupen? Vermutlich funktioniert das zumindest in L1 und L2 sehr gut, danach wäre aber unter Umständen eine Umstellung auf luftigere Zuchtbehälter die bessere Methode.

    LG, Andreas

    Hallo Ute,

    ich selber hatte diese wunderschöne Art zwar noch nie, es müsste aber gut möglich sein, die Puppen zu überwintern.
    Dazu sollten sie schleunigst ins Kühle, so um die 15 Grad, später auch weniger (aber natürlich frostfrei). Ich vermute, dass bei dieser afrikanischen Art auch die Luftfeuchte eine Rolle spielt. Daher würde ich die Kokons nicht zu feucht lagern, sondern lediglich über einer Schale mit Wasser und guter Luftzirkulation. Sobald wieder Futter verfügbar ist, würde ich die Kokons dann ordentlich warm Stellen (25 - 30 Grad) und für hohe Luftfeuchtigkeit sorgen.


    Soviel von mir alles allgemeine Aussage. Sicher kann aber ein mimosae-Erfahrener noch konkretere Hinweise geben.


    LG, Andreas

    Nachtrag zum Fundort:
    Harshaw, Santa Cruz County, Arizona

    Auf der Suche nach Klimadaten fand ich über WIKIPEDIA folgende Informationen zu Harshaw, die ich Euch nicht vorenthalten möchte, auch wenn sie nicht unbedingt entomologischen Inhaltes sind:
    Harshaw ist eine Geisterstadt in Santa Cruz County im Südwesten von Arizona. Die Stadt wurde im Jahre 1870 gegründet, um das dort vorkommende Silber abzubauen. Am Ende des 19. Jahrhunderts gehörten die dortigen Minen zu den in Arizona produktivsten. Im Jahre 1960 schlossen die Silberminen und die Stadt, die seit 1953 zum Colorada National Forest gehört, wurde zur Geisterstadt.
    Wow, das Leuchten dort muss bestimmt klasse sein :grinning_squinting_face: ...

    Früher sei die Stadt, die in einer Talmulde mit einem Flüsschen liegt, von Eichenwäldern umgeben gewesen, heute dominieren dort Pappeln, Weiden und Platanen.
    Klimatisch kommt es im Winter durchaus auch zu Minustemperaturen und gefrierenden Niederschlägen, in den Höhen auch zur Ausbildung einer Schneedecke für manchmal mehrere Wochen. Im Sommer regelmäßig schwere Unwetter. Für die Stadt selbst liegen keine Klimadaten vor (Geisterstadt!). Die nächsten Wetterstationen liegen am Canelo Pass, San Raffael Ranch und Nogales und sind aufgrund signifikanter Unterschiede in Höhenlage und ihrer Position im Verhältnis zu den klimabeeinflussenden Bergen nicht repräsentativ für Harshaw.


    2. Häutung: 14.09.14 (Charge 1, 2 und 3)

    Die Morphe der L3-Raupen hat sich im Vergleich zu L1 und L2 nur unwesentlich verändert:
    Lediglich die Stacheln sind etwas länger und kräftiger ausgebildet, die Grundfärbung jedoch nahezu unverändert.

    Automeris hesselorum in L3

    Aufgrund der schlechten Wetterlage und der damit verbundenen fehlenden Sonneneinstrahlung der letzten Tage fiel die Tagestemperatur des Raumes in denen die Charge 1 untergebracht war auch tagsüber auf ca. 24 °C ab. Dadurch verzögerte sich im Vergleich zu Charge 2 und 3 deren Entwicklungsdauer für das zweite Larvalstadium. In der Folge kamen nun alle 3 Chargen bzw. alle 35 Tiere am gleichen Tag (14.09.14) zur zweiten Häutung. Um keine weiteren Verzögerungen im Zuchtverlauf zu riskieren wird als Reaktion darauf nun auch der Behälter mit den zuerst geschlüpften Raupen in den etwas wärmeren Raum verbracht. Ein Nachteil der hier nicht vorhandenen Nachtabsenkung konnte bei den anderen Tieren bisher nicht beobachtet werden. Ebenso scheint auch die geschlossene Dosenhaltung (siehe Foto unten) derzeit (noch?) keine Nachteile zu bringen, hält jedoch das Futter etwas länger frisch.

    Haltung in geschlossenen Einweg-Salatdosen mit leicht angefeuchteter Toilettenpapiereinlage

    Mal sehen, wie es weiter geht :thumbs_up:

    LG, Andreas

    Hallo liebe Züchtergemeinde,

    so, ich wage hier mal ein Experiment und möchte quasi "life" über den Fortgang meiner Zucht von Automeris hesselorum berichten.

    Warum das ein Experiment ist?
    Nun, in meinem Profil könnt Ihr nachlesen, dass es mir die Automeris-Arten besonders angetan haben. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich die Haltung der Tierchen durchblickt habe und besonders erfolgreich wäre. Im Gegenteil: Von meinen zahlreichen Zuchten gehen mir gerade die Automeris-Raupen regelmäßig in den letzten Raupenstadien ein. Warum das so ist, weiß - derzeit zumindest - nur der Geier :confused: .

    Und vielleicht wird auch diese Zucht so enden, dieser Bericht nie zu Ende geführt werden können und ich selber mich mit diesem Misserfolg outen müssen :bibber:
    Aber andererseits bietet es vielleicht auch die Möglichkeit, dass mich erfahrene Kollegen von Euch auf drohende Probleme oder Fehler bereits im Ansatz aufmerksam machen und mir damit eventuell zu einem Gelingen der Zucht verhelfen können. Schön wär´s ...

    Wie dem auch sei, let´s start ...:

    Ursprung der Materials:
    Ich erhielt 36 Eier der Art Anfang September von Marc Fischer, der Fundort der Elterntiere ist mir derzeit noch nicht bekannt.

    Lagerung der Eier:

    Die Eier wurden in einer Eierdose nach Brockhoff (zumindest hab ich das Bauprinzip von ihm) gelagert:
    Auf einem Kunststoffgewebe über einer Schale mit Wasser (siehe Bild, das allerdings das Schlüpfen einer Copaxa-Art zeigt). Damit habe ich regelmäßig hervorragende Ergebnisse bzgl. der Schlupfquote. Auch in diesem Fall schlüpften aus 36 Eiern 35 Raupen, was allerdings auch an dem wie immer hervorragendem Material von Marc Fischer liegen dürfte! Die Eier haben mit dieser Methode immer ausreichend Luftfeuchtigkeit ohne zu nass und mit der Gefahr der Schimmelbildung zu liegen, was insbesondere bei längeren Aufbewahrungszeiten ein Problem darstellen kann.

    Eierdose mit frisch geschlüpften Copaxa-Raupen (Deckel mit Gazefenster im Foto abgenommen)

    Jungraupen:

    Schlupfdaten wie folgt: Am 05.09. 13 Stück, am 06.09. 20 Stück, am 07.09. 2 Stück.

    Die Raupen brauchen am Anfang sehr viel Ruhe und der Züchter Geduld:
    Sie müssen mehrfach fein mit gefiltertem Wasser besprüht werden, um ausreichend Feuchtigkeit aufnehmen zu können. Ich mache das so lange, wie die Jungraupen am Gelege verharren. Während dieser Zeit wird auch die Eischale in der Regel restlos aufgefressen. Erst nach mehreren Stunden, oft erst am nächsten Tag, beginnen die Raupen im "Gänsemarsch" umherzuwandern (siehe Foto). Dann erst ist der Zeitpunkt, sie auf das Futter zu bringen (nicht umgekehrt!).

    Automeris hesselorum in L1, kurz nach der ersten Futterannahme

    Wichtig dabei:
    Die Raupen von Automeris haben eine extrem synchronisierte Raupenentwicklung. Sie fressen gemeinsam, sie ruhen gemeinsam, sie wandern gemeinsam und häuten sich auch gemeinsam. Tiere unterschiedlichen Alters bringen die Gruppe in ihrer Entwicklung durcheinander. Daher sollten immer nur Raupen gleichen Alters zusammen gehalten werden, und zwar in Gruppen. Bei mir ergaben sich aus dieser Regel und den Schlupfdaten folglich 3 Chargen mit 13, 20 und 2 Tieren.

    Haltung der Raupen:

    Den Tieren der zuerst geschlüpften Charge wurde Rubus und Robinia pseudoacaciae angeboten. Ersteres wurde nach Einrichten einer Sitzgemeinschaft auf dem Blatt dann auch befressen (siehe Foto oben). Am nächsten Morgen wanderten die Tiere dann jedoch erneut umher und vom Blatt herunter. Das Angebot frischer Blätter beider Pflanzenarten ergab nun die Bevorzugung von Robinie, auf welcher die Raupen zunächst 3, später dann eine Sitzgemeinschaften einrichteten. Die Haltung erfolgte in hohen Einweg-Salatdosen mit leicht feuchter Toilettenpapiereinlage bei relativ konstanten 26 ° C (keine Nachtabsenkung). Die zweite Charge von 20 Tiere nahm ohne "Umweg" über Rubus sofort Robinie an.

    1. Häutung: Charge 1 am 08.09., Charge 2 am 09.09., Charge 3 am 10.09.

    Automeris hesselorum in L2

    Die erste Charge von 13 Raupen wird nun auf gewässertem Futter gehalten: Der Stiel des Fiederblattes von Robinie wird dazu mit einem Teppichmesser am Ansatz schräg abgeschnitten, die untersten Blätter entfernt und in eine kleine Vase gestellt, das alte Sitzblatt hinzugesteckt und das Loch mit Watte verschlossen, die Vase mit Alufolie umwickelt, um das Wasser in Dunkelheit vor zu schneller Verkeimung zu schützen. So kommt das Ganze dann in eine hohe transparente Dosen mit Luftschlitzen im Deckel, der Boden ausgelegt mit feuchtem Küchenpapier. Behälter steht nun bei ca. 26-28 °C tagsüber und 24-26° C nachts. Charge 2 und 3 werden jetzt erst mal wie L1 gehalten. Mal sehen, was besser funktioniert.

    Zuchthehälter

    to be continued - drückt mir die Daumen :winken:

    LG, Andreas

    Ursprung des Zuchtmaterials:

    Nachzucht; Fundort: Florida Canyon, Santa Rita Mtns., Pima Co., Colorado National Forest, Arizona, USA

    Das Verbreitungsgebiet von C. splendens (Druce, 1886) erstreckt sich vom südlichen Arizona bis in das süd-östliche Mexiko, die Unterart sinaloensis findet sich vom süd-östlichen Arizona bis ins zentrale und nord-westliche Mexiko. Habitat sind Flussufer/-täler und Buschland in Vorgebirgen. Die Falter erscheinen in einer Generation von Juli bis August.

    Eiablage:

    Die Eier werden in kleinen Gruppen von 1-4 Stück auf den Blättern der Futterpflanze abgelegt.

    Futterpflanzen:

    Natürliche Futterpflanzen sind Gossypium thurberi, Rhus trilobata, Arctostaphylos pungens and Rhus choriophylla. Als Ersatzfutterpflanzen in Europa werden verschiedene Arten angenommen, die natürliche Präferenz für Rhus spec. legt jedoch nahe, Anacardiaceae als Futter zu verwenden. In meiner Zucht bot ich daher Rhus typhina an, was ohne Probleme angenommen wurde. Erwähnenswert ist, dass Rhus trilobata als natürliche Futterpflanze auch bei uns kultiviert wird und auch winterhart ist (Danke an Heiner für diesen Hinweis :winking_face: ). Gute Resultate werden aber insbesondere auch mit Liquidambar berichtet.

    Haltung der Raupen:

    Die Raupen fressen die Eischale unvollständig. Nach dem Schlüpfen nehmen sie etwas Wasser auf, sollten daher bis zur Futteraufnahme wiederholt leicht besprüht werden. Sie weisen in den ersten Stadien die für Citheronia spec. typische Vogelkotmimese auf und sitzen meist auf einem kleinen Sitzpolster auf der Blattoberseite. Sie fressen nachts, sind aber zunächst sehr unruhig und wandern viel umher, gesichert von einem Seidenfaden. Werden sie zu eng aufeinander gehalten, kann dies dazu führen, dass sich die Tiere gegenseitig mit Spinnfäden behindern und eingehen. Daher ist während der ersten ein bis zwei Raupenstadien die Dunkelhaltung in nicht zu hoher Besatzdichte zu empfehlen.

    Erst ältere Stadien sitzen an Blattstengeln oder am Zweig und fressen nun auch tagsüber. Insbesondere erwachsene Raupen trinken gerne regelmäßig Wasser von den Blättern der Futterpflanze. Daher sollte täglich 1-2 maliges Besprühen mit gefiltertem Wasser erfolgen, bei jüngeren Tieren und geschlossener Dosenhaltung am besten beim Futterwechsel und zwar nur auf das alte Blattwerk, mit dem die Raupe - ohne sie davon abzulösen - auf das frische Futter verbracht wird. Die Tiere können hierdurch ausreichend Flüssigkeit aufnehmen ohne dass das frische Futter und damit das Klima in den Zuchtboxen zu feucht wird.

    Zuchtdaten:

    Raupenschlupf: 20.07. (11 x) und 21.07.14 (1 x)

    Dunkelhaltung in flachen Kunststoffdosen mit feuchter Toilettenpapiereinlage; als Futter wird Rhus typhina angeboten und ohne Probleme angenommen.

    flache Zuchtdose (Deckel zur besseren Darstellung im Foto entfernt) mit L1-Raupen

    L1-Raupe

    L1-Raupe kurz vor der Häutung

    1. Häutung: ab 24.07.2014

    Haltung von L2 wie L1

    2. Häutung: ab 28.07.2014

    Haltung von L3 nun in geräumigeren Kunststoffdosen (Haribo) mit kleinem Lüftungsfenster oben im Deckel. Einlage von Küchenpapier, das feucht gesprüht wird. Futterwechsel alle 2 Tage. Zuchttemperatur 25-26 °C


    3. Häutung: ab 01.08.2014

    Haltung von L4 wie L3


    L4-Raupe


    4. Häutung: ab 07.08.2014

    Haltung auf in Wasser stehenden Rhus-Zweigen im Heizkasten (bis zu 30 °C) mit Einlage von feuchtem Küchenpapier. 1-2 x tgl. werden die Raupen feucht gesprüht, damit sie trinken können. Der Appetit ist nun sehr groß.


    L5-Raupe und zugehöriger Zuchtkasten


    Verpuppung: Raupen verkrochen sich vom 14.-22.08.2014 ins Substrat.
    Das gesamte Raupenstadium betrug also lediglich 4 Wochen!

    Als Verpuppungssubstrat dient feuchter ungedüngter Torfmull in Kunststoffdosen, Schichtdicke 9-10 cm. Vor dem Umherlaufen geben die Raupen verhältnismäßig nur wenig breiigen Kot ab. Aufgrund der braunen Grundfarbe ist die Verfärbung vor dem Eingraben in die Erde nicht sehr deutlich zu sehen, die Haut wirkt jedoch etwas glänzender.

    14 Tage nach dem Eingraben werden die Puppen aus der Erde genommen. Sie sind alle einwandfrei. Auffällig war, dass sich die Verpuppungshöhle stets am Boden der Gefäße befand, die Erdschicht von 9-10 cm also durchaus dicker hätte sein können, um dem natürlichen Verpuppungstrieb bzw. der gesuchten Verpuppungstiefe gerecht zu werden.

    Raupen verkriechen sich in die Erde

    Überwinterung: Frostfrei und ausreichend feucht, z.B. im Keller oder Kühlschrank. Ein Überliegen kommt vor.

    Hoffen wir mal, dass es klappt und ich dann im nächsten Jahr auch die Faltern fotografieren kann! :thumbs_up:

    LG, Andreas

    Hallo Samuel,

    die Methode von Werner ist natürlich super und erlaubt eine optimale Kontrolle der Tiere.

    Da ich selber nicht die Zeit für eine so sorgsame Pflege aufbringen konnte, hatte ich meine quadirpunctaria-Jungraupen im vergangenen Herbst einfach in einen Topf mit eingetopfter Brennessel gesetzt (Erdballen und Pflanze unbedingt vorher einige Stunden unter Wasser stellen und das Viechzeug was dann herauskrabbelt entfernen!). In den Topf habe ich noch erdnah etwas Moos eingesteckt, damit die Tiere was zum Verkriechen hatten. Das Ganze wurde dann mit einem Nylonstrumpf überzogen und an einen halbschattigen und windgeschützten Ort im Garten gestellt. Wenn Schnee lag, habe ich den Topf auch damit überschichtet. Damit wird der schärfste Frost abgehalten. Bei trockener Witterung muss der Topf gelegentlich gegossen werden. Sobald dann im März die Sonne an Kraft gewinnt und die frischen Brennesseltriebe sprießen, beginnen die Raupen zu fressen. Der Vorteil dieser Methode der Freilandübewinterung ist, dass die Raupen sich im Normalfall analog der Freilandpopulation entwickeln. In meiner Zucht konnte ich über den Winter keine Verluste feststellen.

    Von Hasel als Futter für die Jungraupen würde ich abraten, da die Blätter zu hart für die kleinen Tiere sind.

    LG, Andreas

    Hallo Niklas,

    Die Puppen tolerieren Trockenheit sehr gut, feuchte Wärme induziert jedoch das Schlüpfen.
    Daher würde ich die Tiere zunächst bei Zimmertemperatur auf ungedüngtem und nur leicht feuchtem Torf halten, dann im Herbt und ggf. Winter um die 15- 18 Grad Celsius immer noch relativ trocken. Nach dieser Ruhephase dann wieder warm stellen (25 - 28 Grad Celsius), aber dann ordentlich feucht! Danach müsste es eigentlich recht schnell gehen mit dem Schlüpfen. Der ganze Zyklus kann aber deutlich länger als 2 Monate dauern. also nicht die Geduld verlieren ....

    LG, Andreas