Beiträge von teleuto

    Hallo,

    mir fällt noch eine wichtiger Punkt dazu ein:

    Es ist so, dass in manchen Jahren die Haupteinwanderung sehr spät stattfindet, nach eigener Erfahrung und von bekannten Entomologen erst Mitte August bei extremen Hitzewetterlagen (Südwestströmung) beim Taubenschwänzchen, Wandergelbling und Windenschwärmer.
    Wie sinnvoll ist es in dieser Jahreszeit noch zu kommen, um dann im Oktober wieder zurückzufliegen?
    Hat schonmal jemand einen Zugvogel gesehen, der erst im Spätsommer anreist?

    Meist ist es eben so, dass sich die Populationen vom Frühjahr bis zum Herbst in den Stammgebieten aufbauen und dann bei Überbevölkerung (Nahrungsknappheit) abgewandert wird. Das findet dann oft bis in den Herbst hinein statt. Ich selbst habe mal einen Windenschwärmer in den französischen Alpen nahe Briancon auf knapp 2000 m. Höhenlage beobachtet. Er war noch recht frisch und ich vermute, dass er auf dem Weg nach Norden war. Andere hätten hier sicher das Gegenteil behauptet, aber sicher weiß es keiner. Nur guckt euch mal die Nachweise des Windenschwärmers in Mitteleuropa an, die meisten kommen aus dem August/September. Ein Bekannter von mir hatte 3 Stück letzten Herbst an der Lichtfalle.

    Über diese Gegebenheiten sollten sich die Anhänger der gezielten Rückwanderung mal Gedanken machen

    Schönen Tag noch,
    Matthias

    Hallo in die Runde,

    ich möchte mal ein paar Sachen in die Diskussion werfen:

    1. Es ist völlig klar wie hier schon manche geschrieben haben, dass es keine gesicherten Befunde (damit meine ich Beiträge in Fachzeitschriften, die begutachtet werden und nicht in Atalanta, irgendwelchen Büchern oder gar Internetbeiträgen) für Rückwanderungen gibt, also sollte man dies als eine mögliche Hypothese ansehen. Die Gegenhypothese "Ausbreitungsversuche nach Norden mit ungewissem Ausgang" hat daher mindestens gleiche Berechtigung.

    2. Der Distelfalter ist ein gutes Beispiel für ungerichtete Ausbreitung, daher ist die Art fast weltweit verbreitet und hat es sogar bis nach Australien geschafft (und das liegt nicht nördlich des Mittelmeergebiets). Im Übrigen sind die Wanderbewegungen auf anderen Kontinenten oft anders ausgerichtet (wenn sie überhaupt gerichtet sind). So fliegen verschiedene Arten aus den tropischen Regionen Afrikas und Arabiens in die syrische Wüste ein (z. B. Junonia orythia).

    3. Eigentlich wird nur beim Admiral wegen der vielfältigen Beobachtungen eine Rückwanderung hartnäckig postuliert. Bei anderen Arten wie Wandergelbling, Distelfalter und einigen Schwärmern ist das nicht der Fall. Hier findet man sich damit ab, dass sie den Winter in der Regel nicht überstehen. Der Admiral ist mittlerweile klar bodenständig (wenn er es nicht schon sehr lange Zeit war). Es gibt auch Hinweise darauf, dass der Admiral weniger aus dem Mittelmeergebiet als vielmehr aus den Auengebieten Osteuropas zu uns kommt (Wer hat im Mittelmeergebiet schon so viele Brennnesseln gesehen und so besonders häufig ist der Admiral dort auch nicht).

    4. Nochmal zum Admiral. Die Beobachtungen der vermeintlichen Rückwanderung nach Süden kann man auch anders interpretieren, wie hier auch zum Teil schon geschehen. Es bleibt eben unklar wie weit die Tiere wirklich ziehen und wer mal das Lepiforum durchforstet, der wird etliche Berichte finden, in denen gerade auch West-Ost Wanderungen entlang der Alpennordseite beobachtet wurden. Der Mensch will zum Teil auch sehen, was er sehen will (wie mit dem Loch Ness-Monster). Daher halte ich den Admiral eher für einen Binnenwanderer, der sich zum Winter eben mancherorts in wärmere Lagen zurückzieht (z.B. vom Schwarzwald in den Kaiserstuhl etc.). Ganz so blöd sind die Viecher vielleicht doch nicht. Obwohl es auch Beschreibungen von Admirälen gibt, die sich im Oktober noch an der holländischen Nordseeküste tummeln, aber da ist es im Winter ja auch eher mild.

    Also abschließend bleiben natürlich viele Unklarheiten und so ist es letztlich eine Glaubensfrage, aber bitte nennt die Rückwanderung nur eine Hypothese und seht es nicht als die Wahrheit an. Der Grund warum ich persönlich nicht an die Rückwanderung glaube ist ganz einfach der, dass es in der Natur viel häufiger vorkommt, dass Dinge "ausprobiert" werden als dass sie primär zielgerichtet stattfinden - das ist eben Evolution. Und so ist für mich erstmal der "Ausbreitungsversuch nach Norden mit ungewissem Ausgang" die logischste Annahme, bevor ich so ein komplexes Verhalten wie eine zielgerichtete Rückwanderung ohne stichhaltige Beweise in Erwägung ziehen würde.

    Schöne Grüße,
    Matthias

    Hallo Toni,

    das ist wirklich gemein. Ich habe mir das erste Foto nochmal genauer angeschaut und da sieht man doch, dass das Weibchen auf dem Thorax etwas eine "Glatze" hat, es also kein ganz frisches Tier mehr ist. Ich würde deshalb eher darauf tippen, dass es ein begattetes Weibchen ist, welches die meisten seiner Eier schon abgelegt hat. Auf den anderen Fotos sieht man zumindest, dass es zu dem Zeitpunkt der Aufnahme nicht lockt. Ich würde einfach nochmal abwarten. Manchmal ist eine enge Pappschachtel mit etwas zerknülltem Saugpapier für die Ablage sogar besser als ein Terrarium.

    Zur Frage von Jakob: Die Männchen sind im Gelände wesentlich schwerer zu sehen (weil dunkel) als beim Nagelfleck. Der Nachweis durch fliegende Männchen ist daher schwierig und nur in den Kerngebieten von es wirklich viele gibt. Ich kenne hier eine Stelle wo ich öfters welche sehen kann, man könnte sie aber auch leicht übersehen, denn sie huschen immer nur mal ganz kurz vorbei. Oft bringt aber nur der Anflug mit einem lockenden Weibchen wirklich den Beweis (siehe auch den Beitrag ungewöhnlicher Fundort von S.pavonia). Auch die Raupen findet man nicht notwendigerweise leicht.

    Also bleibt nur weiter abwarten und ich würde evtl. mal die Pappschachtel versuchen
    Gruß,
    Matthias

    Hallo Toni,

    das ist aber hochinteressant, wenn das Tier ein pavoniella aus Deutschland ist.
    Was die Eiablage anbetrifft, so ist das in der Tat ungewöhnlich und das Tier sieht noch sehr frisch aus. Schau doch mal nach, ob es noch lockt. Man sieht das am Hinterleib, wenn da so ein grünliches Teil ausgestülpt wird. Gibt es auch Abbbildungen im Internet dazu. Die Männchen fliegen hauptsächlich nachmittags, wenn du nochmal einen Anflug versuchen möchtest.

    Ich wäre jedenfalls sehr interessiert zu wissen, ob du pavoniella tatsächlich in Deutschland gefunden hast. Für mich sieht das Tier tatsächlich auch schwer danach aus, auch wenn man die Hinterflügel auf dem Foto nicht so gut sehen kann.

    Gruß,
    Matthias