Posts by selene4

    Hallo Jasmin,


    machaon ist nicht so einfach, wie in der Regel angenommen wird. Die sind eigentlich recht heikel, wenn man gewisse Dinge nicht beachtet. Oben wurde ja schon viel geschrieben, was auch so stimmt wie es da steht.

    Machaon darf auf keinen Fall junge, frische und saftige Blätter bekommen. Mal so ein Trieb zwischendurch macht nix aus, aber achte drauf nur ausgewachsene und reifes Grünzeugs zu verfüttern.

    Wie oben schon erwähnt, nur wenige Tiere auf einer, am besten getopften Pflanze halten.

    Wenn Sonne da, unbedingt die Töpfe in die Sonne stellen, vollsonnig, ob Frühjahr, Sommer oder Herbst.

    Luftfeuchtigkeit auf keinen Fall hoch halten.

    Wenn diese Dinge beachtet werden, dann geht die Zucht relativ leicht. Ansonsten ist machaon schon zickig in der Zucht und wenn die Raupen mal krank sind, dann kannst sie vergessen. Ich hatte schon viele machaon Zuchten, der Falter ist hier sehr häufig, aber jedesmal wenn ne Raupe oder mehrere krank waren, war Ende der Zucht. Die bekommst nicht mehr gesund.


    Grüße, Heiko

    Rudi, du sprichst mir aus der Seele.

    Ich kann das Gedöns über Insektizide und Pestizide nicht mehr hören. Die meisten Fehler stecken tatsächlich in der Haltung.

    Ein kleiner Zusatz noch zu deinem sehr guten Post.

    Ich konnte feststellen, daß alte, reife Blätter oftmals deutlich besser sind als frische und junge Blätter. Mit alt meine ich nicht abgestorben oder so, sondern einfach nur ausgereifte Blätter.

    Dieses Jahr hatte ich, zum wiederholten Male, Marumba quercus in Zucht. Ich hatte die Eiche ab L2 gewässert und in luftigen, mit Gaze bespannten Zuchtkästen angeboten. Alle 3 Tage gewechselt. Ich bekam 6 L1 Raupen und habe nun 6 fette, kräftige Puppen.

    Die angebotenen Blätter waren so hart, das man sie fast brechen konnte, aber genau aus diesem Grunde lief die Zucht verlustfrei. Meine erste quercus Zucht ging voll daneben, weil ich dachte frische Blätter, die jung und zart sind, sind am Besten. Von wegen, die Raupen bekamen allesamt Durchfall und gingen ein. Auch Eiche mit Mehltau ist praktisch ein Zuchtkiller in vielen Fällen.

    Die Eiche von der ich Futter holte, steht neben einer Straße mitten zwischen Feldern. Also eigentlich "belastet" so könnte man meinen. Diese Art ist aber frei von Mehltau.

    Auch konnte ich in Zuchten von isabellae feststellen, daß die Raupen selbst die ganz frisch getriebenen Nadeln verweigern und ausschließlich die festen, alten Nadeln fressen, wenn man sie denn lässt.

    Ich habe ganze Zweige ins Wasser gestellt und am Schluß waren die komplett kahl, nur die Spitzen mit den frischen Trieben waren noch dran.


    NG Heiko

    Ja Finn, sehr interessant. Allerdings brauchst da viel viel Geduld, in der Regel sterben solche Raupen ab, verpuppen sich nicht gut oder die Falter entwickeln sich schlecht bis gar nicht.

    Hier mal ein Beispiel von einem machaon, der verpuppte sich nach L4, ließ also eine komplette Häutung aus. Der ist grad mal so groß wie ein napi. Ansonsten scheint das Tier "normal" zu sein. An was das lag... keine Ahnung.



    Grüße, Heiko

    Grüße,


    ich denke es geht in die Richtung wie Armin es ansprach. Vermutlich zigfache Inzucht. Da kommen oftmals "komische" Dinge zustande.

    Ich hatte, ähnlich wie Armin, schon die tollsten Abberationen in Zuchten. Mickrige Falter, ganz weit weg von der Normalfärbung usw. Allerdings merkt man das oftmals schon an den Raupen. Die sind einfach weit hinter den Anderen und kümmern vor sich hin.

    In der Natur würde es so eine Raupe wohl nicht zur Puppe schaffen. In der behüteten Zucht geht das aber dann doch.

    Und ja, ich konnte auch deutlich abweichende Falter bei Zuchten feststellen, die ohne Überwinterung im Warmen gezüchtet wurden. Is halt nicht natürlich.


    NG Heiko

    Wollte ich schon die ganze Zeit sagen, aber meistens mache ich ja alles falsch :rolleyes:.

    Deswegen sind wir auf Erden, um etwas falsch zu machen, solange du draus lernst is alles gut.

    Ich hab auch schon voll daneben gegriffen hier, aber hey, ich hab meinen Kopf noch dran.


    Grüße, Heiko

    Ich frage mich, wo man hier napi oder manni sehen kann, das ist Pieris brassicae, ganz deutlich zu erkennen, ob mit oder ohne Gießkanne.


    Grüße, Heiko

    Grüße,


    pralle Sonne und 34° schaden machaon überhaupt nicht, im Gegenteil. In der Natur sind machaon Raupen immer in der direkten Sonne. 30 Raupen auf 4 Pflanzen ist zu viel. Machaon mag es nicht dicht gedrängt. Pro Pflanze 1-2 Raupen, mehr nicht.

    In Dosen halten kannst L1, aber auch da darf die Luftfeuchte nicht hoch sein.

    Am Besten immer auf lebender Pflanze. Gewässert geht auch, z.B. Möhrenkraut oder Petersilie. Ich hatte die schon mit Giersch gezüchtet, auch gewässert.

    Die gröbsten Fehler sind meistens die zu hohe Luftfeuchte und zu dichter Besatz.

    Ich gehe davon aus, daß sich deine Tiere am Anfang in den Dosen infiziert haben und durch hohen Besatz schön angesteckt haben.

    Schön sonnig, warm und trocken und nicht zu viele Raupen zusammen, dann klappts auch.


    Grüße, Heiko

    Nein nein, das Bild vom Franz ist megacephala. Ich meinte Acronicta hat solche Eier, mein Foto ist aceris.

    Aceris legt nicht auf Pappel, megacephala bevorzugt aber Espe.

    Ich hab ins Lepiforum verlinkt, wenn man runterscrollt sieht man genau diese Art von Eiern.


    Grüße, Heiko

    Man sollte also z.B. erwarten, dass es Gebiete gibt in denen interposita noch nicht angekommen ist, orbona aber schon zurückgeht. Findet man das nicht, wäre das ein Indiz für einen anderen, gekoppelten Mechanismus.

    Das ist genau der Punkt. und dazu müsste man die alten Daten auffrischen, um zu sehen seit wann die einen zurück gehen und die anderen Oberhand gewinnt. Falls orbona überhaupt zurückgeht, richtig häufig waren sie eh noch nicht.


    Ich schätze mal die Benutzung von Computern ging etwa in einem ähnlichen Zeitraum hoch, wie die Durchschnittstemperatur, deswegen korreliert das noch lange nicht miteinander.


    Du mußt zugeben, dieser Vergleich hinkt ein bisschen ;)

    Morgen,


    Leute das Thema macht richtig Spaß, bevor hier aber ne Endlosdiskussion entsteht und wir uns total im Nichts verlaufen gehen wir doch mal auf Anfang zurück.


    Wir haben eine Einzige Aussage, daß orbona von interposita "verdrängt" wird. Das ist die von Andreas. Bei ihm ist es offensichtlich so, daß interposita gehäuft am Licht erscheint, orbona in der selben Zeit immer weniger. Leider gibt es von Andreas keine Jahresangaben, ab welchen Zeitraum das passiert ist.

    Weiterhin sagt Andreas, daß es scheinbar auch wieder anders ist, daß interposita wieder weniger wurde und sich ein einzelnes orbona Männchen dann auch wieder am Licht zeigte.


    Wir haben weiterhin zwei Falter, die sich, zumindest teilweise, den gleichen Lebensraum teilen. Orbona jedoch etwas spezialisierter als interposita. Orbona war noch nie richtig häufig, was darauf schließen lässt. Interposita wird überall gefunden, was eben darauf schließen lässt, daß der Lebensraum nicht so spezialisiert ist. Die Häufigkeit und das Vorkommen lässt sich durch Funde belegen.


    Wir haben und das ist wichtig, schrifliche Daten die über mehrere Jahre gesammelt wurden, wann interposita wo in Deutschland gefunden wurde und wie sich die Verbreitung verändert hat.


    Und wir haben schriftliche Daten seit wann sich das Klima temperaturmäßig deutlich nach oben schraubt in Deutschland.


    Jetzt bin ich einer, der gerne mal mit vorhandenen Daten arbeitet und mir dann erst Gedanken macht was sonst noch in ein Szenario mit reinspielt.


    Sehe ich mir jetzt dieses Diagramm an...



    ... dann sehe ich, daß das Klima in Deutschland seit ca. Mitte der ´90er Jahre deutlich wärmer wird. Die Niederschläge seit ca. Anfang 2000 aber weniger werden. Was also ein sehr warmes und trockener werdendes Klima verdeutlicht. Das ist Fakt.


    Kombiniere ich das jetzt mit der Zeit, in der man nachweislich interposita gehäuft in Deutschland findet und zwar in einer Ausbreitung von Ost nach West, die von selbst stattfindet, also keine Tiere vom Menschen eingeschleppt werden. Und mit den Angaben zum Lebensraum, der bei interposita ja trocken und warm sein sollte, komm ich doch automatisch zu dem Entschluß, daß interposita, in der Hauptsache, klimabedingt einwandert. Würde die Erwärmung und der weniger werdende Niederschlag eine untergeordnete Rolle spielen, wäre die Expansion ja schon eher geschehen, nicht genau zum selben Zeitpunkt wie die Erwärmung stattfand, oder wäre die Expansion noch gar nicht geschehen.


    Das ist in meinen Augen eine deutlich Sicht der Dinge, die man eigentlich auch gar nicht wegleugenen kann. Das andere Faktoren mit reinspielen streite ich gar nicht ab. Die deutliche Abhängigkeit der Expansion von interposita wegen des Klimas ist aber eben unbestreitbar.


    Ob nun interposita orbona verdrängt ist nur spekulativ, da eben nur eine Aussage da ist, da bräuchte man mehr Fakten und vor allem den Zeitraum. Ich glaube die Bedingungen für orbona werden einfach schwieriger, ist ja nicht die einzige Art.

    Interposita nutzt nun halt alle Lebensräume die besiedelt werden können und breitet sich aus, was durch Funde wieder belegt werden kann, auch datumsmäßig. Daß sie jetzt da vorkommen wo auch orbona vorher war, liegt in der Natur der Sache, weil der Lebensraum besiedelt werden kann, da das Nahrungsangebot und das Klima paßt.

    Orbona würde meines Erachtens nicht verdrängt werden, sondern mit interposita den Lebensraum teilen, da ja keiner der beiden Futterspezialist ist und somit kein Konkurrenzdruck entsteht, wenn sich die Temperatur und/oder Trockenheit nicht zu Ungunsten orbonas entwickelt hätte.


    Druck von Prädatoren kann ich mir nicht vorstellen. Das müssten schon spezialisierte Schlupfwespen sein, die ausschließlich orbona als Wirt nutzen. Vögel, Spitzmäuse, Igel, Wespen und was nicht noch alles Raupen frißt, werden wohl keinen Unterschied machen. Im Gegenteil, die nehmen das was häufig zu finden ist und dementsprechend oft vor ihre Mäuler kommt.


    NG Heiko

    Hab grad beim Koch geschaut, der gibt den Lebensraum von interposita als "Steppengebiete, trockene Waldränder, warme Hänge und Lehnen, warme Flußtäler" an.

    Bei orbana schreibt Koch "Eichen- und Mischwälder, sandige Heiden, Blößen, Lichtungen, vorwiegend auf Sandboden".


    Man kann also schon sagen, daß interposita nicht auf besondere Mekrmale im Lebensraum angewiesen ist, hauptsache steppig und warm. orbona ist da scheinbar ein wenig heikler.

    In Wäldern und auf Lichtungen ist es sicher nicht so warm wie in Steppen, zudem steht bei Koch nicht einmal "warm" zu lesen bei dem Lebensraum von orbana.

    Erklärt für mich genau die Vermutung, daß orbana sich in "kühlere" Gebiete zurückzieht, bzw. dorthin gedrängt wird. Allerdings nicht von interposita, sondern durch ansteigende Durchnittstemperaturen.


    NG Heiko

    Servus,


    laut Lepiforum geht man davon aus, daß interposita seit 1999 nach Deutschland expandiert. Da wurden erste Tiere in Brandenburg gefunden, in den Jahren danach auch in Berlin und im Elbtal.

    Wenn man nun auch die "privaten" Funde mit zurechnet, von Leuten also, die das nicht veröffentlichen, merkt man eine stetige Ausbreitung nach Westen. Nicht schnell, auch nicht stark in der Individuenzahl, aber doch merkbar.

    Die Trockenzeit und Hitzejahre beginnen, zumindest hier in Bayern, ca. um die Jahrtausendwende deutlich merkbar. Deckt sich also mit dem Beginn der Expansion von interposita.

    Ein anderes Kriterium ist wohl, daß interposita erst seit 1963 wieder von orbana als Art abgetrennt wurde. Sehr alte Funde, in Bayern z.B. 1959 oder NRW 1972 zeigen die Art wohl auch als Wanderfalter an, die aber vorher nicht bodenständig waren.

    Durch die späte Abtrennung von orbana schlummern in alten Sammlungen bestimmt interposita, die orbana zugeordnet wurden. Sicher nur einige Wenige, aber ganz bestimmt vorhanden. Man müsste nun die alten Präparate in Museen und auch privaten Sammlungen sichten um zu wissen wie oft interposita damals schon gefunden wurde.

    Aktuell wandert die Art ein und bleibt auch hier und bildet offensichtlich auch Populationen aus. Ich kann mir vorstellen daß die Entwicklung ähnlich wie bei atalanta verläuft, der ja früher auch einwanderte, die deutschen Winter aber nicht überlebte. Mittlerweile überwintert atalanta nachweislich hier, weil die Winter milder wurden.


    NG Heiko