Posts by ra schuetz

    Tja, Rudi, jetzt kommen wir genau in den Bereich, den ich ansprach:
    Es kommt nicht darauf an, wie edel Deine Absichten sind. Moralische Rechtfertigungen für unseren Umgang als Hobby-Entomologen gibt es massenweise, aber die zählen aus juristischer Sicht nicht. Dem Artenschutz ist es egal, ob Du ein paar Kindergartenkinder mit Lebedmaterial aus der Natur aufklärst oder eine "wissenschaftliche" Sammlung aufbaust. Du entnimmst Tiere aus der Natur und allein das ist für viele andere Nachahmer Rechtfertigung genug es aus ähnlichen oder anderen angeblich ebenso edlen Gründen zu tun. Wo ziehst Du da die Grenze? Wer definiert "wissenschaftlich"? Frag 10 Entomologen und Du bekommst 10 Erklärungen aus jeweils deren Sicht, was sie für sich als wissenschaftlich betrachten. Ein schwieriges Thema ...


    Was ein "vernünftiger Grund" ist, steht in den Kommentierungen. Alle Deine Beispiele sind sicherlich kein "vernünftiger Grund" im juristischen Sinn, aber moralisches natürlich durchaus ehrenwert. Und wenn Du Dich auf die Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre berufst, hat das immer vor dem Hintergrund einer Interessenabwägung zu erfolgen. Diese Freiheit ist ja nicht grenzenlos und hat da ihr Ende, wo andere Belange gefährdet werden.


    Es hilft auch überhaupt nicht, immer wieder Straßenverkehr, Landwirtschaft, Insektizide usw. als Hauptübeltäter anzuprangern und das gegen die eigene angeblich so edle Sammeltätigkeit abzuwägen.


    Man kann sich insoweit politisch engagieren oder eben auch vor Ort etwas bewegen, wie sasha es vorstehend beschrieben hat, indem man sich z. B. in Naturschutzorganisationen engagiert oder Behörden auf Vorkommen bestimmter Arten hinweist in der Hoffnung, dass bestimmte Biotope dann eben auch entsprechend geschützt werden, z. B. durch auf die Entwicklungszyklen abgestimmte Mahd von Wiesen.


    Es ist übrigens in Deutschland auch keineswegs erlaubt, im Garten Schwalbenschwanzraupen am Dill zu vergiften, wie hlindner es formuliert! Wenn es doch passiert, wird die Chemieindustrie es als "Kollateralschaden" abtun. Verboten ist es trotzdem, aber wo kein Richter ...


    Über dieses Thema könnten wir stundenlang diskutieren, aber wirklich hilfreich sind diese Diskussionen nur dann, wenn man, wie sasha es anscheind lobenswert umsetzt, sich aktiv im Artenschutz und Naturschutz engagiert, aber eben unter Einhaltung der geltenden Gesetze, sprich: in Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden und Naturschutzorganisationen, und dann derartige Dinge diskutiert. Insofern bin auch ich wie sasha unbedingt dafür, nicht immer über die Zustände rumzujammern, sondern die Initiative ztu ergreifen und Misstände aufzuzeigen und vielleicht auch mal detailliert von eigenen Methoden und Erfolgen zu berichten, damit wir alle inspiriert werden.

    Hallo Rudi,
    hallo an alle,


    öffentlich zugängliche Kommentierungen zu den Gesetzen und Verordnungen sind im Internet selten anzutreffen. In der Regel findet man diese in kostenpflichtigen Datenbanken wie beck-online usw. oder natürlich in entsprechenden (teuren) Fachbüchern wie Kommentaren und Kurzkommentaren zu bestimmten Gesetzen.


    Wie man generell, also nicht nur artenschutzrechtliche, Gesetze, Richtlinien und Verodnungen auslegt und anwendet kann man daneben auch mitunter aus im Internet veröffentlichten Urteilen ablesen, wobei Urteile über Insektensammler äußerst selten zu finden sind. Eher stößt man auf Urteile mit Bezug zu Reptilien, Amphibien und Vögeln, für letzteres z. B. hier:


    AG Ahlen, Urteil vom 14.06.2016 - 5 Ds-540 Js 1459/15-291/15 - openJur


    Dann gibt es z. B. noch die "Vollzugshinweise zum Artenschutzrecht",


    Vollzugshinweise.pdf


    die sehr lesenwert und aufschlussreich sind und von der LANA erstellt wurden. Die Bund/Länderarbeitsgemeinschaft Naturschutz, Landschaftspflege und Erholung (LANA) ist ein Gremium, in dem die Vertreter der obersten Naturschutzbehörden der Bundesländer und der Bund über die Schwerpunktthemen des Naturschutzes beraten.



    Diese Informationen helfen juristischen Laien aber nur bedingt. Juristische Laien neigen in der Regel dazu, veröffentlichte Urteile zu verallgemeinern, eigenes Halbwissen unreflektiert weiterzugeben und derartige Informationen ohne das nötige Hintergrundwissen zu lesen und dann falsch zu interpretieren. Das gilt z. B. für die komplexen Straf- und Bußgeldvorschriften des Artenschutzrechts hinsichtlich der Frage, ob bei bestimmten Handlungen für eine Strafbarkeit vorsätzliches Handeln vorliegen muss oder ob auch schon bedingter Vorsatz ausreicht oder bestimmte Formen von Handlungen auch schon bei fahrlässiger Begehung strafbar sind. Letztendlich ist jeder Fall anders und muss daher speziell vor dem Hintergrund der betreffenden Vorschriften geprüft werden. Dass das Artenschutzrecht nicht einfach zu verstehen ist, zeigen schon die vielen hier geschilderten Erfahrungen und Meinungen der Mitglieder. Ein Blick ins Gesetz reicht eben oftmals nicht aus.


    Wenn man es ganz streng betrachtet, ist auf der Grundlage des derzeit geltenden Rechts eigentlich so gut wie alles, was wir Entomologen im Rahmen unseres Hobbys machen, verboten. Das gilt selbst für das doch eigentlich harmlose Fotografieren von Schmetterlingen. Wer den Apollo Parnassius apollo im Moseltal aus nächster Nähe fotografieren will "stellt ihm nach" und stört seinen Lebensraum. Der Apollofalter ist nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie als Anhang-IV-Tier streng geschütz (und übrigens nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen als Anhang-II-Tier die einzige weltweit geschützte nichttropische Schmetterlingsart!). Insoweit gibt es sogar einen eigenen Straftatbestand im Strafgesetzbuch, nämlich § 329 Abs. 3 Ziff. 6 StGB:


    329_StGB.htm


    So, genug Rechtskunde für heute! Keiner sollte sich dadurch dieses schöne Hobby vermiesen lassen. Letztendlich sollte unser aller Ziel sein, Schmetterlinge (und natürlich alle anderen Tiere) zu achten und zu schützen.


    Herzliche Grüße
    Robert

    Hallo an alle,


    Manfred alias Policeman hat mich gebeten, ein paar Erläuterungen zu § 4 "Bundesnaturschutzgesetz" in die Diskussion einzubringen.


    Zunächst einmal zu den Begrifflichkeiten:
    Es gibt verschiedene Rechtsvorschriften, die sich mit dem Schutz wild lebender Tiere befassen. Dazu gehören nationale Gesetze, EU-Recht und Internationales Recht wie beispielsweise das wohl allgemein bekannte Washingtoner Artenschutzabkommen.


    Es heißt weder „Naturschutzgesetz“, wie Manfred es formuliert oder „Bundesartenschutzabkommen“, wie es Heiko formuliert, sondern „Bundesartenschutzverordnung“, sofern in dieser Diskussion von § 4 die Rede ist. Das ist insoweit wichtig zu sagen, weil es neben der Bundesartenschutzverordnung beispielsweise auch das Bundesnaturschutzgesetz oder eben auch das Washingtoner Artenschutzabkommen gibt.


    Innerhalb der Artenschutzgesetze unterscheiden die verschiedenen Rechtsvorschriften nach verschiedenen „Schutzstufen“, um verschiedene Stufen der Unterschutzstellung auf nicht gefährdete, gefährdete und extrem gefährdete Arten anwenden zu können. Insofern ist in den Vorschriften die Rede von


    allgemein geschützten Arten (§ 39 Bundesnaturschutzgesetz):


    Dazu gehören alle wild lebenden Tiere und Pflanzen. Nach § 39 ist es bei den allgemein geschützten Arten zum Beispiel verboten, wildlebende Tiere „mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten“. Was ein „vernünftiger Grund“ ist, ergibt sich aus Kommentierungen und Durchführungsverordnungen zu diesem §.


    besonders geschützte Arten (§ 7 Abs. 2 Nummer 13 Bundesnaturschutzgesetz):


    Dazu gehören bestimmte Arten, die in den Anhängen verschiedener nationaler und internationaler Rechtsvorschriften explizit namentlich aufgeführt sind. Zu diesen besonders geschützten Arten beinhaltet § 4 Bundesartenschutzverordnung eine Aufzählung von Hilfsmitteln, mit denen der Zugriff auf die darunter fallenden Tiere verboten ist. Unterschieden wird insoweit zwischen wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten (viele Reptilien und Insektenarten) und andererseits nicht besonders geschützten Wirbeltierarten (zum Beispiel Rehe). Nach der in der Bundesartenschutzverordnung enthaltenen Auflistung sind beispielsweise Schwalbenschwanz und Trauermantel besonders geschützte Arten. Es stellt eine Ordnungswidrigkeit nach § 16 Bundesartenschutzverordnung in Verbindung mit § 69 Bundesnaturschutzgesetz dar, wenn man diesen Arten zum Beispiel mit Fangnetzen nachstellt oder diese fängt, wobei schon fahrlässiges Handeln ein Bußgeld nach sich ziehen kann (wenn man erwischt wird …) und erst recht natürlich vorsätzliches Handeln, also das bewusste Sammeln besonders geschützte Arten. Wer Schwalbenschwänze in Deutschland beispielsweise sogar gewerbsmäßig, also nicht nur für private Zwecke, fängt, um damit Handel zu treiben, begeht nicht nur eine Ordnungswidrigkeit, sondern sogar eine Straftat gemäß § 71 Bundesnaturschutzgesetz.


    streng geschützte Arten (§ 7 Abs. 2 Nummer 14 Bundesnaturschutzgesetz):


    Dazu gehören Arten, die ebenfalls in nationalen und internationalen Rechtsvorschriften namentlich aufgelistet sind wie zum Beispiel seltene Arten wie Fledermausschwärmer und Löwenzahnspinner. Die Rechtsfolgen von Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften zum Schutz streng geschützte Arten sind noch gravierender als die vorstehend beschriebenen zu den besonders geschützten Arten. Wer vorsätzlich eine streng geschützte Art wie beispielsweise Arctia villica, den Schwarzen Bären, per Köder oder Lichtfang fängt, begeht ebenfalls eine Straftat.


    In begründeten Ausnahmefällen können die zuständigen Landesbehörden im Einzelfall von den Zugriffsverboten Ausnahmen zulassen. Einen solchen Fall hat Steffen alias steffen 1978 in dieser Diskussion dargestellt, wo ihm eine konkrete Genehmigung auf Antrag erteilt wurde, und zwar ausdrücklich für rein wissenschaftliche Zwecke. Für andere Zwecke hätte er sicherlich keine Genehmigung erhalten.


    Was nun die Frage angeht, ob das Anlegen einer eigenen Sammlung erlaubt ist oder nicht, beantwortet sich die Frage streng genommen schon durch meine Erklärungen zu den allgemein geschützten Arten, wonach es verboten ist, wild lebende Tiere jeder Art ohne vernünftigen Grund zu töten. Es bedarf somit noch nicht einmal einer besonders geschützten oder streng geschützten Art, um durch das Anlegen einer Sammlung gegen Gesetze zu verstoßen. Ob das nun sinnvoll ist oder nicht, darf hier natürlich gerne diskutiert werden; am Ende gelten die Gesetze aber für alle. Auch wenn sicherlich private Sammlungen in erheblichem Umfang existieren, dürfte es sich in vielen Fällen um nicht erlaubte Sammlungen handeln. Wenn sich daraus Probleme ergeben, dann wie bei einigen meiner Mandanten, wo derartige Sammlungen in der Bekanntschaft gezeigt oder einzelne Exemplare auf Plattformen zum Verkauf angeboten werden und engagierte Bürger Strafanzeige erstatten.


    Zum Thema "Lichtfang":
    Lichtfang ist nichts anderes, als nachtaktiven Tieren eine (Licht-) Falle zu stellen, nämlich Anlocken durch Licht mit dem Zweck, die angelockten Tiere zu fangen. Auch da gilt, dass das ohne "vernünftigen Grund" schon allgemein bei jedem wild lebenden Tier verboten ist.Dass die Praxis unter vielen Entomologen anders aussieht, ändert jedoch nichts an der Rechtslage!


    Das Thema Artenschutz ist sehr kompliziert und verschachtelt, gerade auch was z. B. die Frage angeht, ob nur eine vorsätzliche oder auch schon eine fahrlässige Begehensweise strafbar ist oder nicht. Darüber könnte man stundenlang referieren.


    Herzliche Grüße


    Robert

    Hallo Joachim,


    was Du beschreibst, ist traurige Realität, und zwar nicht nur in Deiner Umgebung, sondern in weiten Teilen Deutschlands (und meiner Erfahrung nach der Niederlande und Frankreichs). Wenn ich heutzutage im Sommer mit dem PKW von Bremen nach Südfrankreich fahre, ist die Windschutzscheibe kaum "verdreckt" von Insektenleichen. Es ist noch gar nicht so lange her (vielleicht bis vor 20 Jahren), dass man die Scheibe während so einer langen Fahrt zwischendurch säubern musste, um vernünftige Sicht zu haben. Die an guten Autobahn-Tankstellen an jeder Zapfsäule zu findenden Wassereimer mit Abziehr nutze ich heute nur noch seltenst. Das ist für mich immer der Moment, wo mir der Ernst der Lage dramatisch bewußt wird.


    Nicht ohne Grund haben wir Insektenfreunde hier im norddeutschen Raum Anfang 2018 einen offenen Brief initiiert, den ich mal nachstehend auszugsweise beifüge:



    OFFENER BRIEF


    an die Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Frau Dr. Angela Merkel


    an die Vorsitzenden der in den Landesparlamenten Niedersachsen und Bremen sowie des Bundestags vertretenen Parteien


    sowie an die für Landwirtschaft und für Umwelt in den Ländern Niedersachsen und Bremen und der Bundesrepublik Deutschland zuständigen Ministerien



    Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, sehr geehrte Damen und Herren,


    anlässlich des Jahrestreffens 2017 der nordwestdeutschen Lepidopterologen wenden wir uns an Sie in großer Sorge wegen des eklatanten Rückgangs der Populationen der Schmetterlinge respektive aller Insekten, den wir seit Jahren beobachten. Das gilt für die Anzahl der einzelnen Arten, aber auch für die Anzahl der Individuen häufiger Arten. In dieser Beobachtung sehen wir uns lange schon einig mit den Fachleuten aus den anderen Bundesländern.


    • Im Jahr2014/15 machte der Arbeitskreis Schmetterlinge anlässlich einer Ausstellung des Naturwissenschaftlichen Vereins im Überseemuseum Bremen anhand eines Ausstellungs-Kastens mit Exemplaren von 39 Tagfalter-Arten, die im Raum Bremen ursprünglich heimisch und im Insektenmagazin des Museums dokumentiert sind, und eines zweiten Kastens, in dem die Arten, die in den letzten Jahren im selben Beobachtungs-Raum nicht mehr nachweisbar waren und deshalb weggelassen wurden, den Besorgnis erregenden Umfang des Artenschwunds sichtbar: der zweite Schaukasten wies erschreckend große Lücken auf.


    Was schon lange durch die Roten Listen der gefährdeten Insektenarten in Niedersachsen und Bremen belegt ist (unter den Schmetterlingen wurden 2004 bereits 58 % als gefährdet eingestuft), wird jetzt durch die Langzeit-Studie ( PLoS One- Studie zum Insektensterben ) noch einmal unter anderen Gesichtspunkten auf alarmierende Weise bestätigt! Nicht nur die Artenvielfalt an Insekten schwindet, sondern auch die Biomasse der Insekten insgesamt! Wir halten die von Insektenkundlern aus Krefeld erarbeiteten und von Wissenschaftlern aus den Niederlanden und England methodisch bestätigten Ergebnisse für wissenschaftlich glaubwürdig. Seit 1989 bis zum Jahr 2016 ist die Biomasse flugaktiver Insekten in 63 Schutzgebieten in Deutschland um 76,7 % eingebrochen. Dieser Rückgang war nachweislich unabhängig von der Witterung sowie Habitatveränderungen zu beobachten (http://journals.plos.org/ploso…1371/journal.pone.0185809 ).


    Auch unsere eigenen langjährigen Beobachtungen und Ergebnisse bei Tagesexkursionen und bei der Nachtfaltererfassung des Anflugs an Lichtfanganlagen und Köderschnüren in Bremen und Niedersachsen zeigen einen erschreckenden Rückgang von Individuen und Arten.


    Diese Ergebnisse verlangen politisches Handeln, zumal ca. 80% aller Nutzpflanzen auf Bestäuberorganismen angewiesen sind.


    Dass die angrenzende intensive Landwirtschaft mit verantwortlich sei für diesen Rückgang wird seitens der Wissenschaftler nicht bewiesen, allerdings stark vermutet. Das Bundesamt für Naturschutz hat 2017 festgestellt, dass der Rückgang der Artenvielfalt in den landwirtschaftlichen Flächen am höchsten ist.


    Neben intensiver und einseitiger Landnutzung, dem Verlust insektenfreundlicher Lebensräume ( Blühwiesen, Feldraine, Brachen, Hecken… ) und der allgegenwärtigen Überdüngung trägt der umfassende Einsatz von Pestiziden zur Besorgnis erregenden Entwicklung bei.


    Zahlreiche Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Insekten und dem massiven Ausbringen von Neonikotinoiden (etwa in gebeiztem Saatgut ) seit Beginn der 1990er Jahre zusammen. Diese Stoffe stehen im dringenden Verdacht, sich durch Abdrift von Stäuben und Kontamination von Pollen und Nektar zu verbreiten sowie in Boden und Grundwasserlangfristig wirksam zu sein. Neonikotinoide treffen auch sogenannte Nichtzielorganismen wie z.B. Schmetterlinge oder auch Wild- und Honigbienen.


    Zahlreiche andere Tiere sind wiederum auf diese Insekten angewiesen. Nicht verwunderlich, dass die Anzahl der insektenfressenden Vögel und der Bodenbrüter, sowie weiterer auf Insekten angewiesener Wirbeltiere ( Amphi-bien, Reptilien, Fledermäuse, … ) in den letzten Jahren nachweislich signifikant zurückgegangen ist.


    Wenn wir weiter zusehen, wie all diese Bestände einbrechen, ohne angemessen auf diese Gefahr für die Natur, damit uns selbst und für künftige Generationen zu reagieren, tragen wir dazu bei, dass der Artenreichtum der Natur und ihr Gleichgewicht noch weiter als bisher schon gefährdet werden. Und wir tragen die Verantwortung dafür, dass zahlreiche weitere Arten unwiederbringlich verloren gehen.


    Wir dürfen die längst sichtbaren Veränderungen von großer weltweiter Tragweite – für uns durchaus vergleichbar mit der des Klimawandels –nicht negieren. Gehen wir nicht zur Tagesordnung über! Handeln wir jetzt!


    Richtschnur für das Handeln muss die Verantwortung für eine zukunftsorientierte naturverträgliche und Gesundheit garantierende Landwirtschaft sein. Dieser Verantwortung müssen sich auch Bauernverbände und Agrarkonzerne stellen. Bis zum Jahr 2050 müssen prognostizierte 10 Milliarden Menschen auf diesem Planeten satt werden. Genügend Lebensmittel bereit zu stellen unter Bedingungen, die der Natur eine Chance lassen, ihre Vielfalt und ihr bedrohtes Gleichgewicht zu behalten, ist eine wesentliche Zukunftsaufgabe für alle. Sie ist nur mit einer neu ausgerichteten nachhaltigen Landwirtschaft zu bewältigen.


    Eine ständig zunehmende Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern sind besorgt und erwarten auf der politischen Ebene Maßnahmen, die dem Verschwinden der Insekten und anderer Arten - damit der Verarmung der Natur - entgegenwirken können. Ob Sie in Regierungsverantwortung, in Opposition oder derzeit in Koalitionsverhandlungen sind: legen Sie klare Ziele fest und handeln Sie jetzt!


    • Ergänzen Sie die Ergebnisse der Krefelder Insektenkundler und der ihre Ergebnisse bestätigenden Wissenschaftler, indem Sie mittels umfangreicher Monitorings die Roten Listen hinsichtlich Qualität und Quantität der einzelnen Populationen und ihrer Nahrungspflanzen aktualisieren.
    • Fördern und intensivieren Sie die Forschungen, die geeignet sind, die Gründe für den massiven Schwund der Arten weiter zu verifizieren und ökologisch unbedenklichere Alternativen zu den umfänglich schädigenden chemischen Wirkstoffen zu entwickeln. Schaffen Sie unabhängige Forschungseinrichtungen.
    • Sichern Sie ein dauerhaftes Verbot der sogenannten Neonikotinoide, die Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten töten, und stellen Sie die Entscheidung, Glyphosat für weitere 5 Jahre zuzulassen, noch einmal auf den Prüfstand. Es vernichtet jede Pflanze, die Nahrung für Insekten sein kann und gefährdetdie Gesundheit von Menschen.
    • Verpflichten Sie alle, die diese Stoffe ausbringen, zur Dokumentation und lassen Sie diese Daten auswerten.
    • Verknüpfen Sie Agrar-Subventionen mit Auflagen, die Umweltverträglichkeit und Artenvielfalt gewährleisten.
    • Fördern und subventionieren Sie Vorhaben, die insektenfreundliche nahrungsreiche Lebensräume erhalten bzw. wiedererrichten und fördern Sie Öffentlichkeitsarbeit zur Stärkung des allgemeinen Problembewusstseins.
    • Machen Sie den Schutz der Artenvielfalt zu einer zentralen Aufgabe Ihrer politischen Arbeit und beweisen Sie Mut in der Auseinandersetzung mit Landwirtschaftsverbänden und Agrarkonzernen überall da, wo diese nicht ernsthaft den Naturschutz in den Blick nehmen, das Einbringen von Umwelt-Giften nachhaltig reduzieren und ökologisch unbedenklichere Stoffe entwickeln und einsetzen.


    Wir alle müssen umdenken und im Sinne einer Agrarwende handeln lernen!


    Manches wird bereits getan. Wir können und müssen viel mehr tun. Und brauchen dazu politische Entscheidungen! Jetzt!


    Ihrer Antwort sehen wir mit Interesse entgegen.


    Obs was hilft? Die Lobbyisten der Landwirtschaft und Chemieindustrie werden natürlich entsprechende Zusammenhänge bestreiten, wie das in solchen Fällen immer so ist.


    Herzliche Grüße


    Robert

    Hallo Tom,


    lass Dich durch einen Misserfolg nicht entmutigen oder verunsichern. Das passiert selbst den erfahrensten Züchtern, dass mal verkrüppelte Falter dabei sind. Oft liegt die Ursache für einen schlechten Schlupf schon viel früher begründet, beispielsweise, wenn zuviele Raupen in einem Zuchtbehälter sich gegenseitig bei der Verpuppung gegenseitig beunruhigen oder stören und die Pupenhülle dann Schaden nimmt. Manchmal ist auch einfach das Zuchtmaterial schlecht durch Inzucht.


    Ob Du die Puppen aus den Kokons nimmst oder nicht, wird nach meinen Erfahrungen bei Rothschildia eher überbewertet. Ich habe schon beides mehrfach mit Erfolg angewendet. Es schadet aber auf keinen Fall, die Kokons nicht zu stören bzw. zu öffnen. Die Natur hat da schon vorgesorgt. Häng die Kokons nur so auf, dass der schlüpfende Falter seine Flügel ungestört herabhängen lassen kann, damit die Flügel sich gut entwickeln und aushärten können. Manchmal bleiben die schlüpfenden Falter nämlich einfach auf dem Kokon sitzen statt sich einen günstigen Platz zu suchen und wenn dann nach unten kein Platz ist, verkrüppeln die Flügel. Viel Erfolg!


    Herzliche Grüße


    Robert

    Hallo Jürgen,


    das ist ohne Kenntnis weiterer Infos nicht seriös zu beantworten. Das Urheberrecht kennt sehr viele Fallstricke! Eine nur oberflächliche (kostenlose) Antwort nützt Dir nichts. Eine seriöse Antwort hingegen kann mit kostenpflichtigem Prüfungsaufwand verbunden sein. Vielleicht kannst Du es Dir aber auch selbst erarbeiten:


    Hier findest Du eine erste Einführung zur Nutzung von Google Earth:


    Genehmigungen – Google


    Siehe dort insbesondere Ziffer 2 zur unzulässigen Nutzung! Den Inhalt musst Du Dir mal in Ruhe durchlesen und vor allem auch die verlinkten Bedingungen.


    Wie so oft, wenn es um die Nutzung fremden geistigen Eigentums geht (Fotos, Videos, Texte, Grafike, Musik, Landkarten etc.) lautet die erste und entscheidende Frage:


    Zum Privatgebrauch oder zur kommerziellen Nutzung?


    Die private Nutzung, also z. B. Download einer Karte , um sie zu Hause auf dem PC als Bildschirmhintergrund zu verwenden , ist in der Regel ohne ausdrückliche Erlaubnis möglich.


    Wenn Du sagst "schreiben", meinst Du doch aber Printmedien, oder? Dann wohl zum Verkauf,also kommerziell. Da wirst Du von GOOGLE auf jeden Fall eine
    schriftlich erteilte Lizenz benötigen, um auf der sicheren Seite zu sein.


    Lies dazu auch aufmerksam das Kapitel



    Verwendung in Printmedien




    Auf eine Faustregel im Urhebrrecht weist GOGGLE darin auch ausdrücklich hin:


    "Bei jeder Nutzung unserer Inhalte müssen sowohl Google als auch der jeweilige Datenanbieter namentlich genannt werden. Wenn die Inhalte angezeigt werden, müssen auch die Namen klar und deutlich sichtbar sein. Die Namensnennung darf nicht in den Abspann verschoben oder nach wenigen Sekunden ausgeblendet werden."


    Falls Du danach weitere Fragen hast, wende Dich gerne an mich, aber bitte nicht in dieser Diskussion, sondern per Email oder PN, da ich mich nur sporadisch auf http://www.actias.de aufhalte.


    Gruß


    Robert

    Hallo David,


    ich dachte ja erst an eine Klobürste, aber welche Raupe hat schon eine eigene Klobürste? :D


    Aber im Ernst:
    Erzähl doch mal bitte, wie das Foto zustandgekommen ist.


    Herzliche Grüße
    Robert

    Hallo Steffen,


    an dem Staub sieht man, wie gut die Schärfe ist! Du musst das mal positiv sehen. ;)


    Aber im Ernst. Das ist aus einer meiner Nachzuchten das Männchen von Mecynorrhina torquata ugandensis.
    Der liegt in meinem Arbeitszimmer seit Monaten ungeschützt rum. Da sind Staub und Milben dran.
    War ja auch nur ein erster Versuch. Aber daran sieht man eben auch, wie genau man bei Makrofotografie arbeiten und vorbereiten muss, damits am Ende gut aussieht.
    Mal sehen, wie die nächsten Aufnahmen werden, wenn meine Zeit es zulässt. Ich halte Dich bzw. generell wen es hier interessiert auf dem Laufenden.


    Herzliche Grüße
    Robert

    Hallo an alle,


    Steffen:
    Bei Freilandaufnahmen aus der Hand brauchst Du aber wirklich eine ruhige Hand. Du scheinst noch etwas jünger zu sein ;)


    Ich arbeite mich wie gesagt gerade in focus stacking ein, was sehr arbeitsintensiv ist und viel Übung und Erfahrung erfordert, angefangen beim Versuchsaufbau über die Drapierung des Fotoobjektes bis zur Wahl des richtigen Equipments.
    Erste überraschend gute Ergebnisse habe ich mit der freeeware Combine ZP erzielt. Vielleicht schaffe ich es ja auch mal zu gegebener Zeit so einen tollen Bericht wie Deinen zu erstellen, mal sehen ...


    @ Franz:
    Ich habe Hunde! Da sind Yoghurt- und Sahnebecher immer sauber!
    Aber gut, das Du mich nochmal drauf hingewiesen hast, wäre ja sonst eine Riesen-Schweinerei geworden, so mit vollem Becher! :D


    Herzliche Grüße
    Robert

    Hallo Steffen,


    nun hast Du mich gepackt! Ich fotografiere gern und viel, mit Makrofotografie hatte ich mich bisher aber noch nicht so beschäftigt. Dein toller Bericht kommt da gerade rechtzeitig.


    Was mich wundert ist, dass Du in Deinem Bericht das "focus stacking" nicht erwähnst. Das wäre doch sozusagen die Vollendung Deiner Technik aufgrund der damit erzielbaren Tiefenschärfe.
    Das Foto 1 in Deinem Bericht könntest Du damit von ganze vorne bis ganz hinten scharf abbilden.
    Ich bin gerade dabei, mir das anzulesen. Es soll da ja gute freeware geben.


    @ Franz:
    Von welcher Marke muss denn der Yoghurt sein bzw. wo gibt es halbe Yoghurtbecher zu kaufen? :D


    Herzliche Grüße
    Robert

    Hallo Sönke,


    Du hast in vielem recht und bist offensichtlich auch sehr gut in diesem komplexen Thema informiert. In weiten Teilen stimme ich Deinen Ausführungen zu. Und Du hast natürlich auch recht, dass rein juristische "trockene" statements viele Menschen nicht ansprechen, von daher muss "populistisch" nicht zwangsläufig etwas negatives sein. Wir sind uns wohl einig, dass es so nicht geht, wie mit dem Entwurf geplant und dass daher Euer Engagement lobenswert ist und es auch wert ist von uns allen, die wir betroffen sind oder sein könnten, nach besten Kräften unterstützt zu werden.


    Eine wirklich ernsthafte schriftliche Diskussion zu diesem Thema ist schwer möglich, da das Problem zu vielschichtig ist. So kann alles nur angerissen werden und jeder Leser muss sich mit diesen Informationen seine eigene Meinung bilden, die offensichtlich bei vielen jetzt Panik aufkommen lässt, die ich speziell für die Entomologen für unangebracht halte. Wir Entomologen sind schon einiges gewöhnt durch Bundesnaturschutzgesetz, Washingtoner Artenschutzabkommen, Bundesartenschutzverordnung, Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie und andere EG-Richtlinien, alles Bestimmungen übrigens, die auch mit drastischen Strafandrohungen arbeiten, siehe z. B. hier:
    § 71 BNatSchG Strafvorschriften - dejure.org.
    Bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe sind ja auch nicht gerade ein Pappenstiel ... Trotzdem wage ich zu behaupten, dass wir Entomologen im Großen und Ganzen damit gut leben können und die Praxis bei weitem nicht so drastisch ist, wie es diese Gesetze vermuten lassen könnten.


    Den Aufsatz meines Kollegen Walser habe ich mit Interesse gelesen. Er hat sich da viel Mühe gegeben und alles aufwändig ausgearbeitet. Die Interessenlage bei Mineralien und Fossilien ist aber nicht 1 : 1 übertragbar auf Insekten bzw. Tiere im allgemeinen. Gleichwohl ist der Entwurf leider unbestreitbar so umfassend und allgemein gehalten, dass eben alle Sammler (vielleicht bis auf Bierdeckelsammler, aber selbst da bin ich mir nicht sicher ...) betroffen sind. Hinzu kommt, dass meines Erachtens rechtsstaatliche Grundsätze verletzt werden, gerade wegen der Rückwirkung von 30 Jahren und der Beweislastumkehr. Wenn man es rein pragmatisch sieht und sich den Werdegang des Entwurfs nur seit Sommer 2015 ansieht, befürchte ich allerdings, dass das Bundesverfassungsgericht das letzte Wort haben wird. Frau Grütters jedenfalls scheint leider sehr überzeugt zu sein von diesem über das Ziel schiessenden Entwurf, der sich meines Erachtens ohne großen Aufwand so abändern ließe, dass er eben wirklich den Kern trifft, nämlich die von Frau Grütters immer wieder angeführten Gründe, national wertvolles Kulturgut vor einer Abwanderung ins Ausland zu schützen und die Einfuhr von geraubten und geplünderten Kunstschätzen vor allem aus Kriegs- und Krisengebieten (Stichwort: Finanzierung des IS durch solche Plünderungen) einzudämmen (unterbinden kann man so etwas nicht).


    Also:
    Lobbyarbeit muss sein und ich wünsche uns allen, dass die Bemühungen der Lobbyisten letztendlich erfolgreich sein werden.


    Herzliche Grüße
    Robert

    (Entwurf des Kulturschutzgesetzes = nachfolgend als KGSG abgekürzt)



    @ Tapir:
    Dass Du unser Forum http://www.actias.de in Deine Überlegungen und Aktionen mit einbezogen hast, finde ich sehr umsichtig. Letztendlich betrifft uns Entomologen das Thema ja auch, auch wenn im Entwurf nicht ausdrücklich erwähnt.
    Ein Engagement der potentiell Betroffenen, also gerade auch der "Hobbyisten" halte ich daher für sehr erstrebenswert, da man letztendlich nie weiß, wie das Gesetz nach Erlass konkret angewendet wird. Da sollte man natürlich schon in der Gesetzgebungsphase eingreifen und sich nicht auf das Bundesverfassungsgericht verlassen.


    Dass eine Käfersammlung exemplarisch genannt wurde, ist nach dem von mir zitierten Urteil ja auch verständlich und richtig. Gleichwohl wird dieses Thema die Vielzahl der Hobby-Entomologen, -Coleopterologen, - Numismatiker usw. nicht betreffen bzw. in der Ausübung ihres Hobbys nicht beeinträchtigen. Dass eine außerordentliche Sammlung von tausenden einheimischen Faltern oder Käfer nicht so ohne weiteres nach New York ausgeführt werden darf, halte ich für begrüßenswert. Letztendlich geht es hierbei um einen Teil der nationalen Identität, der hier erhalten bleiben sollte. Das würde ich mir für viele Kulturgüter wünschen. Warum muss z. B. der Pergamonaltar in Berlin stehen und nicht in der Türkei, wo er Teil der Geschichte ist?


    Warum erwähnst Du gerade § 30 KGSG? Durch § 30 soll vor allem die Einfuhr von Kulturgütern, die aus Raubgrabungen stammen,
    bzw. die Einfuhr von gestohlenem Kulturgut verhindert werden (so die Begründung zum § 30 des Entwurfs).

    Auch das kann ich nicht nachvollziehen. Wo soll es da Unklarheiten oder Widersprüche geben? Das Gesetz unterscheidet nur zwischen "nationalem Kulturgut" und "Kulturgut". "Nationales Kulturgut ist solches,welches eingetragen ist. Damit ist es "nationales Kulturgut". Das Verzeichnis heißt zwar "Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes". Es handelt sich damit aber nicht um einen dritten Begriff oder eine Vermengung bestimmter Rechtsbegriffe.


    Im Übrigen habe ich mich natürlich gleich an der Online Petiton beteiligt, und zwar nicht anonym (warum auch?)


    Klaas Reißmann:

    Quote

    ... Wie weit ist da der Weg zum Kulturgut und was bedeutet das? Enteignung
    und Überführung in eine Museumssammlung? ...

    Das ist nicht einfach zu beantworten.


    Das KGSG regelt laut § 1 ...
    1. den Schutz nationalen Kulturgutes gegen Abwanderung,
    2. die Ein- und Ausfuhr von Kulturgut,
    3. das Inverkehrbringen von Kulturgut,
    4. die Rückgabe unrechtmäßig eingeführten Kulturgutes,
    5. die Rückgabe unrechtmäßig ausgeführten Kulturgutes,
    6. die Rückgabezusage im internationalen Leihverkehr.


    Darunter lässt sich wohl keine Deiner Fragen subsumieren. Von "Enteignung" ist jedenfalls nicht die Rede.


    Zunächst fragt sich, was Deine fiktive Sammlung mit "400.000 Belegen" wäre. Sie könnte "Kulturgut" sein als wissenschaftliche Sammlung, denn:
    § 2 Abs. I Ziff. 9 besagt, dass "Kulturgut" ist ...
    jede bewegliche Sache oder Sachgesamtheit von künstlerischem, geschichtlichem
    oder archäologischem Wert oder aus anderen Bereichen des kulturellen
    Erbes, insbesondere von paläontologischem, ethnographischem, numismatischem
    oder wissenschaftlichem Wert.

    Damit kann solche eine wissenschaftlich wertvolle Sammlung Ein- und Ausfuhrbeschränkungen unterliegen gemäß § 24 KGSG. Sie gehört aber immer noch Dir.


    Solch ein Kulturgut kann aber auch zum "nationalen Kulturgut" werden und damit einem besonderen Schutz nach dem KGSG unterstellt werden.


    § 6 Abs. I KGSG besagt:
    Nationales Kulturgut ist Kulturgut, das
    1. in ein Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes eingetragen ist,
    2. sich in öffentlichem Eigentum und im Bestand einer öffentlich-rechtlichen Kulturgut
    bewahrenden Einrichtung befindet,
    3. sich im Eigentum und im Bestand einer Kulturgut bewahrenden Einrichtung befindet,
    die überwiegend durch Zuwendungen der öffentlichen Hand finanziert wird oder
    4. sich in einer Kunstsammlung des Bundes oder der Länder befindet.


    Wie wird Kulturgut zum nationalen Kulturgut?


    § 7 Abs. I KGSG:
    1) Kulturgut ist von der obersten Landesbehörde in ein Verzeichnis national wertvollen
    Kulturgutes einzutragen, wenn
    1. es besonders bedeutsam für das kulturelle Erbe Deutschlands, der Länder oder einer
    seiner historischen Regionen und damit identitätsstiftend für die Kultur Deutschlands ist
    und
    2. seine Abwanderung einen wesentlichen Verlust für den deutschen Kulturbesitz bedeuten
    würde und deshalb sein Verbleib im Bundesgebiet im herausragenden kulturellen
    öffentlichen Interesse liegt.


    § 15 KGSG:
    1) Die Eintragung in ein Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes erfolgt von
    Amts wegen oder auf Antrag des Eigentümers.

    Wenn Du es also nicht beantragst und die zuständige Behörde von der überragenden Sammlung keine Kenntnis erlangt, bleibt sie eben nur Kulturgut mit den Beschränkungen des KGSG.
    Eigentümer bist Du dann aber immer noch. Das ist vergleichbar etwa mit der Situation, in der Dir ein denkmalgeschütztes Haus gehört. Es gehört Dir, aber Du darfst es nicht uneingeschränkt nach Deinen Vorstellungen nutzen oder verändern.
    Wenn in diesem Zusammenhang von "Enteignung" gesprochen wird, kommt es vielfach aus der Ecke der Kunstsammler und -händler, die Kunstgegenstände dann nicht mehr so ohne weiteres international vermarkten können, wo doch im Ausland oft die höchsten Preise erzielt werden. Derartige Einschränkungen in der Handelsfreiheit werden dann eben als "Enteignung" empfunden.


    Wenn die fiktive Sammlung Kulturgut ist, ist die Ausfuhr z. B. ins EU-Ausland genehmigungspflichtig bei einem Wert ab 100.000,00 EUR, § 24 Abs. II KGSG i. V. m. der Begründung zu dem Entwurf des KGSG.


    Fabio:

    Quote

    Da stellt sich die Frage: "Muss ein Kulturgut bewahrt werden?" Entstehen daraus womöglich sogar Pflichten für den Besitzer?

    Klare Antwort: Jein!


    § 18 KGSG:
    (1) Es ist verboten, eingetragenes Kulturgut zu zerstören, zu beschädigen oder dessen
    Erscheinungsbild nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend zu verändern
    § 19 KGSG:
    (3) Bei einem Eigentumswechsel ist der neue, hilfsweise der frühere Eigentümer,
    verpflichtet, der zuständigen obersten Landesbehörde diesen Eigentumswechsel unverzüglich
    mitzuteilen.

    Wenn Du unwahrscheinlicherweise doch in den zweifelhaften Genuss kommen solltest, dass Deine Sammlung aus 400.00 Exemplaren als "nationales Kulturgut" eingetragen und geschützt ist, kannst Du mit Deiner Sammlung nicht mehr nach eigenem Belieben verfahren. Daraus ergeben sich dann wohl auch Obhutspflichten für Dich. Das gilt aber nur für "eingetragenes nationales Kulturgut" und nicht für sonstiges "Kulturgut".


    @ Sönke:
    Das Thema darf natürlich keinesfalls verniedlicht oder verharmlost werden. Es ist jedoch zu beobachten, dass hier vieles in der Diskussion ausufert und vermengt wird, was sachlich mit dem Gesetz nichts zu tun hat oder nicht den Kern trifft.
    Das Thema verbreitet offensichtlich aufgrund der Berichterstattung Panik unter Sammlern aller Gattungen. Was FrankyM und ich zu vermitteln versuchen ist, dass das Thema für uns Entomologen sicherlich nicht so brisant ist wie für den Hobbyarchäologen, der die Himmelsscheibe von Nebra findet und meistbietend ins Ausland verkaufen möchte.


    Ich verstehe auch, dass bestimmte Interessengruppen, die von dem Gesetz unmittelbarer betroffen sind, derart gegen den Entwurf zu Felde ziehen. Es stecken darin jede Menge Ungeheuerlichkeiten wie die Umkehr der Beweislast, die 30jährige Rückwirkung usw.
    Wenig hilfreich sind aber auch solch populistische Artikel wie der, den Du in Deinem Beitrag vom 07.11.2015 empfiehlst. Darin ist die Rede von "massiven Verschärfungen". Ich jedenfalls empfinde gerade im Bereich der Strafvorschriften nicht als massive Verschärfung. Wie soll das Gesetz Wirkung entfalten, wenn es nicht strafbewehrt ist? Es wird suggeriert, dass schon die Einfuhr der fossilen Muschel aus dem Ausland eine Straftat darstellt, die mit einer Geldstrafe von 100.00 EUR geahndet wird. Dem ist aber nicht so. Natürlich muss derjenige mit Konsequenzen rechnen, der von der Akropolis ein "Andenken" mit nach Deutschland bringt, weil es sich dann eben um ein Kulturgut,also eine "bewegliche Sache von wissenschaftlichem Wert" handelt. Das kann aber nicht einfach so auf alle ähnlichen Sachverhalte übertragen werden. Was aber meines Erachtens dort richtigerweise gefordert wird, ist die Beschränkung des Gesetzes nur auf "nationale Kulturgüter".


    Diese Diskussion ließe sich noch endlos fortsetzen.Das Kabinett hat nun am 04.11.2015 den Entwurf von
    Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) verabschiedet. Damit geht der
    Vorschlag zur weiteren Beratung in den Bundestag. Die Verabschiedung im Plenum
    ist für das Frühjahr 2016 geplant.Gleichwohl nützt es nichts, sich “nur”
    aufzuregen.Ein erster – winziger, aber kostenloser und völlig einfacher - Schritt ist
    die Beteiligung aller Betroffenen an der Online Petition Für den Erhalt des privaten Sammelns // For preserving the right to privately collect - Online Petition,
    wie dies auch schon unser Mitglied Tapir empfohlen hat.

    Ich habe die genannten Beiträge - flüchtig - durchgesehen, und dort keine belastbaren Hinweise gefunden, die jede private naturwissenschaftliche Sammlung (Käfer, Schmetterlinge, Kräuter etc.) als Kulturgut im Sinne des Gesetzesentwurfas qualifizieren.


    Im Prinzip ist diese Frage schon ein "alter Hut". So mußten sich die Gerichte schon 1991/1992 damit befassen. Letztendlich wurde dort eine private Käfersammlung vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof auch tatsächlich als Kulturgut eingestuft, wobei es sich jedoch um "eine in Deutschland einmalige Sammlung von hohem wissenschaftlichem Wert mit einem Bestand von ca. 150.000 Käferarten" (so in "Schutz von Kulturgütern in Deutschland", Annette Hipp, S. 75) handelte und damit von überragender kultureller Bedeutung war, siehe auch hier:


    BVerwG, 30.03.1992 - 7 B 21.92 - Kulturgut; Kulturschutzgesetz


    dort insbesondere Randzeichen 5 und 6.


    Tapir schreibt:


    Worauf gründen sich diese Befürchtungen?


    In § 2 Abs. 2 Ziff. 9 des "Entwurfs eines Gesetzes zur Neuregelung des Kulturgutschutzrechts" wird Kulturgut wie folgt definiert (S. 1 des Entwurfs):


    Quote

    "... „Kulturgut“ jede bewegliche Sache oder Sachgesamtheit von künstlerischem, geschichtlichem
    oder archäologischem Wert oder aus anderen Bereichen des kulturellen
    Erbes, insbesondere von paläontologischem, ethnographischem, numismatischem
    oder wissenschaftlichem Wert, ..."


    Das ist in der Tat sehr weit gefasst. Das entspricht jedoch gängiger Praxis in Gesetzgebungsverfahren. Gesetze müssen so formuliert sein, dass sie auf eine Vielzahl von Lebenssachverhalten anwendbar sind.
    Gibt es solche ungenauen Formulierungen, muss zunächst einmal nach Sinn und Zweck des Gesetzes gefragt werden. Dann kann oftmals schon zuverlässig beantwortet werden, was denn nun unter den Begriff des Kulturgutes fällt und was nicht.
    Grenzfälle bzw. Streitfälle sind dann ggf. durch Gerichte zu entscheiden. Ich bezweifle, dass vor diesem Hintergrund zumindest kleine private naturwissenschaftliche Sammlungen (Käfer, Schmetterlinge, Kräuter etc.)
    nach dem Kulturgutschutzgesetz zu beurteilen sein werden.


    Das Thema dürfte daher für uns Hobbyentomolgen nicht die Bedeutung haben, die diese Diskusssion Glauben machen will.

    Hallo Klaus,


    das ist ja eine sehr erfreuliche Nachricht.


    Arctia villica (der Schwarze Bär) gehört nämlich im Moment neben z. B. dem Augsburger Bär Pericallia matronula zu den sogenannten "streng geschützten" Schmetterlingsarten in Deutschland.


    Erstaunlich ist, dass alle einheimischen Bärenspinner unter Schutz stehen, selbst der doch recht häufige Braune Bär Arctia caja.
    Der steht zwar "nur" unter "besonderem" Schutz nach der Bundesartenschutzverordnung in Verbindung mit dem Bundesnaturschutzgesetz; aber egal, ob "besonders geschützt" oder sogar "streng geschützt", besagt § 44 Bundesnaturschutzgesetz:


    Es ist verboten,


    1. wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der
    Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,
    2. wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-,
    Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören; eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich durch die Störung der
    Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert,

    3. Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören, ...

    Hallo Toni,


    damit Du auch weißt, wo Du so etwas nachlesen kannst, hier einmal einige einschlägige Vorschriften:

    Was "Pflanzen" im Sinne des § 42 BNatSchG sind, besagt

    Ergänzend in Artenschutzfragen immer wieder mein Hinweis auf WISIA Online, dort RECHERCHE. Da kannst Du selbst gucken, ob die Dich interessierende Art geschützt ist ( = Eintrag vorhanden) oder nicht (kein Eintrag vorhanden).

    Hallo Janyn,


    das ist schwer zu sagen. Es wird sich um eine Eulen-Art handeln. Es gibt aber zig Eulen-Arten, wo die Raupe grün ist und an Pappel lebt.


    In Betracht kommt vielleicht z. B. die Achateule (Phlogophora meticulosa), deren Raupe von grün bis braun sehr variabel ist und die auch an vielen Pflanzen frisst. Sie bildet zwei Generationen. Wenn es sich bei Deiner Raupe um die der Achateule handelt, könnte es also sein, dass der Falter im August 2013 schlüpft. Lagere die Puppe einfach unter Freilandbedingungen, also so, wie die Außentemperaturen bei Dir vorherrschen. Dann kannst Du nichts falsch machen.


    Ansonsten warte hier einfach noch ab. Es gibt hier genug Spezialisten auf http://www.actias.de, die es bestimmt genauer wissen als ich.

    Hallo Fabian,


    Attacus atlas gehört zur Familie der Seidenspinner. Diese Falter haben alle keine Mundwerzeuge und leben nur von dem Fettvorrat, den sie sich als Raupe angefressen haben. Den Falter kannst Du also nicht ernähren!


    Die Raupen kann man hier im Zimmer gut z. B. an Liguster züchten.


    Achte darauf, dass Du die Kokons gleich in einer Höhe von ca. 30 cm ab Boden aufhängst (z. B. mit Stecknadel an ein langes Stück Tuch, damit der Falter beim Schlüpfen die Flügel nach unten hängen lassen und aufpumpen kann. Wenn der Falter sich nicht hinhängen kann, verkrüppeln die Flügel. Nimm als Tuch aber nicht die gardine im Wohnzimmer! Nach dem Schlüpfen entledigen sich die Falter nämlich einer überschüssigen braunen Flüssigkeit (das Mekonium)!


    Wenn Du handwerklich geübt bist, darfst Du die Kokons auch sehr vorsichtig seitlich mit einer Nagelschere aufschneiden und kannst alle paar Tage den Zustand der Puppen untersuchen. Das schadet der Puppe nicht, solange Du die Puppe nicht mit der Schere verletzt. Wenn die Puppe ganz dunkel (fast schwarz) ist, steht der Schlupf kurz bevor. Tägliches Besprühen mit lauwarmem Wasser mögen die Puppen auch gerne (eben wie in ihrer asatischen Heimat).


    Viel Glück bei der Zucht!