Neuerscheinung: Europäischer Klimaatlas der Schmetterlinge


    Am 11. Dezember 2008 wird der neue Klima-Atlas der europäischen Tagfalter (Climatic Risk Atlas of European Butterflies) veröffentlicht.

    Die Klimaänderung stellt auch in Europa für viele Arten eine zunehmende Gefährdung dar.

    Wie wirkt sich der Klimawandel auf Europas Schmetterlinge aus?
    Welche Arten sind in Deutschland besonders betroffen?
    Was heißt das für den Menschen?
    Was kann man tun?

    Experten des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung und des NABU präsentieren den neuen Klimaatlas erstmals der deutschen Öffentlichkeit, und zwar am

    Mittwoch, 10. Dezember 2008, 10:00 Uhr
    NABU-Bundesgeschäftsstelle, Charitéstraße 3, 10117 Berlin

    Da stellen Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und NABU den neuen europäischen Klimaatlas der Schmetterlinge vor.

    ACTIAS wird darüber berichten.

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    Hallo Marc,

    da bin ich äußerst gespannt drauf, da mir zwei Personen persöhnlich bekannt sind. Sowohl Herr Otakar Kudrna, als auch mein Kommilitone Martin Wiemers (von Ihm bekomme ich immer noch eine mobile Lichtfanganlage zurück :winking_face: ) waren an diesem Werk mit von der Partie. Herr Kudrna hat mich gerade an die zwei Päarchen H. semele aus Dänemark erinnert. Darf ich nicht vergessen (kleines Weihnachtsgeschenk).

    Viele liebe Grüße

    Franz

    Hallo im Forum,

    Da man ja in keiner Seite des Forums an der Ankündigung zum Klimaatlas in Fettdruck herumkommt, fühle ich mich bemüssigt hier mal meine Meinung zu äussern. Meldungen und Schlagzeilen wie - die Schmetterlinge sterben aus - gingen nach Erscheinen des Klimaatlas durch die Presse. Also hat dies Projekt in dem sicher ernsthafte Arbeit steckt, wohl zumindest für etwas Öffentlichkeit gesorgt.

    Bei mir hinterlassen derartige Projekte zu mittelfristigen Klimaprognosen allerdings immer einen schalen Nachgeschmack. Wenn in diesem Zusammenhang etwas klar ist, dann das Wissen daß alle Hochrechnungen sehr spekulativ sind. Die Klimamodelle ( Worst Case Szenarien ) widersprechen sich teilweise auch völlig.

    Mich irritiert in diesem Zusammenhang besonders die Tatsache, daß für den Norden Europas das Worst Case Szenario ja wohl eine neue Eiszeit aufgrund Stop des Golfstroms wegen Verdünnung des schweren Salzwassers durch abschmelzendes Gletschereis und Meereis darstellt und nicht die spekulative Erhöhung a la " Bald Sommer-Badeurlaub am Nordpol" .

    Persönlich werte ich all diese sicher (hoffentlich) gutgemeinten Ansätze und Warnungen bestenfalls als unsinnig, schlimmstenfalls als Panikmache. Auch fehlt mir bei der gesamten Problematik die Konsequenz logischen Denkens - man weiss seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wohin hemmungsloses Bevölkerungswachstum und Ausbeutung auch noch der letzten Ressourcen führen. Das Thema Umweltschutz wurde übrigens auch schon in den damaligen Entomologischen Fachjournalen und Zeitschriften diskutiert und den damaligen Kollegen war schon klar, daß Schmetterlinge schützen bedeutet, Lebensraum zu schützen. Das über hundert Jahre alte Wissen hat allerdings leider nix bewirkt. Nur was dem Menschen flächendeckend schadet, nützt der Natur. Das sieht man schön am Beispiel Tschernobyl. Dort entwickelt sich derzeit ein Paradies, die Artenvielfalt in der Kernzone hat unglaublich zugenommen - aber ohne Menschen bzw. nur weil sich der Mensch hier nicht mehr aufhalten kann.

    Hinzu kommt das unsere Fauna ja keineswegs so ursprünglich und gewachsen ist wie das heute dargestellt wird. Während der letzten Eiszeit war Deutschland zeitweise weitgehend von Eis bedeckt - nur die Nuntaker - hohe Gipfel ragten aus dem Eis auf und nur auf diesen hat sich nach der Erwärmung auch eine alpine Eiszeitfauna erhalten können. Nach der Eiszeit sind die meisten Arten in den neuen Lebensraum erst eingewandert - viele davon Offenlandbewohner die erstmal warten mussten bis der Mensch die nach der Eiszeit gewachsenen Wälder weggehauen hatte - das war teilweise erst vor 1000 Jahren der Fall. Wenn jetzt Arealverschiebungen nach Nordeuropa stattfinden, so wandern doch gleichzeitig neue Arten über Ungarn, über die Alpen oder die Burgunder Pforte etc. bei uns ein und erweitern ihr Areal auch nordwärts. Das ist für mich erlebbare Evolution.

    Fazit: Ich kann in derartigen Veröffentlichungen keinen großen Sinn entdecken, da hier nichts wirklich neues gesagt wird. Auch dieser Report sagt nichts zum Kernproblem.

    Die Veränderungen beim Klima sind für jeden der Augen hat zum Sehen schon heute erkennbar - weiterführende Prognosen sind meines Erachtens fragwürdig. Der Mensch ist das Problem und solange nicht eine globale Katastrophe der Spezies Mensch Einhalt gebietet ist keine Problemlösung in Sicht. Möglicherweise basteln wir gerade an dieser globalen Katastrophe und wir haben es dann auch nicht besser verdient als wie die Dinosaurier auszusterben.

    Grüße

    Ralf

    Ein liebes Hallo an alle,

    Ralf Du sprichst mir aus der Seele, ich habe lange überlegt, wie ich meine Gedanken formulieren könnte.
    Ich bin der Meinung, Klimawandel gab es schon immer, erst gestern bei Quarks und Co kam ein interessanter Bericht über Vulkane, auch diese bestimmen zum Teil in Mitteleuropa unser Klima.
    Natürlich sind wir Menschen nicht ganz schuldlos, wahrscheinlich beschleunigen wir den Klimawandel, wie die Wissenschaft so schön darlegt.
    Aber ich für meinen Teil sage mir, es gab schon immer Arten, die kommen und gehen.( auch vor uns Menschen)
    Man braucht doch nur an die Entstehung des Menschens zu denken, man möge mir verzeihen, aber ich glaube nicht an Adam und Eva. :smiling_face_with_sunglasses:
    Des weiteren haben sich doch viele Arten spezialisiert. Oder wie sind sonst z.B. Schlammspringer entstanden? :nixweiss:


    Klar ist Klimawandel ein ernstes Problem, aber ich denke wir sehen das zu engstirnig. Es gab schon in den letzten Jahrhunderten immer wieder Erwärmungen, ich beziehe das mal auf die milden Winter, aber es gab auch Sommer an denen es so kalt war, das keine Ernten möglich waren. Jahre später gab es dann aber wieder heftige Winter und normale Sommer.


    PS: Klar werden wir irgendwann nicht mehr sein, spätestens mit unserem Ableben!!! :ironie:

    Wenn sich jedoch jeder für die Erhaltung der Natur einsetzt, leistet er doch gute Beiträge und nebenbei beruhigt er sein Gewissen.

    Liebe Grüße Annett

    Es freut mich, dass jetzt doch noch eine Diskussion zu diesem Thema entstanden ist.

    Für mich ist der neue Atlas erst einmal eine umfassende Sammlung von mehr oder weniger aussagekräftigen Sichtungsdaten.
    Erste Erkenntnis: in der Schmetterlingswelt bewegt sich was. Es wird wärmer, einige Arten verschieben sich nach Norden oder verziehen sich an höhere Standorte.
    So weit die Tatsachen. Dann kommen aber viele Szenarien, die wohl eher als Spekulationen bezeichnet werden müssen. Ralf sagt es: »Der Report sagt nichts zum Kernproblem.« Da ist sein Hinweis auf das Beispiel Tschernobyl viel wertvoller. Es zeigt am traurigen, aber messbaren Beispiel, dass sich die Natur ohne Mensch ganz gut zurecht findet.
    Wir zersiedeln unsere Landschaft, beuten unsere Böden und Wälder aus und verschmutzen die Luft.
    Da bräuchte es eben nicht nur ein paar lokale Massnahmen, die das Gewissen beruhigen, sondern eine langfristige Strategie. Ich traue aber den Papiertigern von Kyoto (1997), Bali (2007) und Kopenhagen (kommt 2009) nicht so recht.
    Schmetterlinge, seid wachsam!

    :smiling_face_with_sunglasses:

    Mit Erlaubnis des Autors publiziert hier ACTIAS die Stellungnahme des Mitautors Ingolf Kühn, die er im Lepiforum geschrieben hat. Auszeichnungen durch Marc de Roche.


    Hallo zusammen,

    als einer der Mitautoren des Klimaatlasses Europäischer Tagfalter möchte ich kurz versuchen, einige der Missverständnisse auszuräumen, die hier in der Diskussion aufgekommen sind:

    • Der Klimaatlas ist ein Europäischer Atlas. Er beruht auf den Daten des Verbreitungsatlasses Europäischer Tagfalter von Kudrna (2002). Daher enthält er auch viele Arten, die in Deutschland gar nicht vorkommen.

    • Auch wir sind absolut gegen Worst-Case-Geschichten. Daher haben wir drei unterschiedliche Klimaszenarien zu Grunde gelegt. Diese beruhen auf denen des Weltklimarates IPCC und sind auch diejenigen, die der DWD als Grundlage anwendet.
      Die großen Unsicherheiten (2.2°-6.4°) liegen einfach daran, dass die zukünftige weltwirtschaftliche Entwicklung nicht vorhergesehen werden kann. Daher handelt es sich auch nicht um Prognosen oder Vorhersagen, sondern um Szenarien, also Wenn-Dann-Geschichten.
      Wenn eine auf Nachhaltigkeit ausgelegte Wirtschaftsentwicklung angenommen wird, dann ergeben die Modelle der Klimatologen eine mittlere Temperaturerhöhung von ca. 2.2°, wenn eine weitere Liberalisierung der Wirtschaft zu Grunde gelegt wird, dann ergeben die Modelle bis zu 6.4° Temperaturerhöhung (gaaanz stark vereinfacht!).
      Wenn jemand eine zukünftige Entwicklung auf nur einen einzelnen Zahlenwert bringt, ist dies absolut unwissenschaftlich.
      Im übrigen hat die beobachtete Klimaentwicklung der letzten Jahre gezeigt, dass die Änderung sogar noch stärker ist als im extremsten Szenario für diese Zeit angenommen wurde.

    • Wir hätten gerne die Fraßpflanzen mit in die Modellierung einbezogen, aber für die meisten gibt es gar keine zuverlässigen europäischen Verbreitungsangaben. Wir sind uns der dadurch entstehenden Unsicherheiten bewusst (Schweiger et al. 2008) und sprechen diese im Atlas auch offen an.
      Schweiger, O., Settele, J., Kudrna, O., Klotz, S., Kühn, I. 2008. Climate change can cause spatial mismatch of trophically interacting species. Ecology 89: 3472–3479.

    • Durch den Klimawandel ändern sich die einzelnen Klimaelemente und ihre Kombinationen. Deshalb kommt es nicht einfach zu einer Verschiebung von Klimazonen, sondern es kann auch welche geben, die verschwinden und solche, die neu entstehen. Ebenso reagieren Lebensgemeinschaften nicht als solche, sondern die Arten individualistisch auf Änderungen. Daher verschieben sich weder Lebensgemeinschaft noch Habitate, sondern sie verändern sich.

    • Es steht völlig außer Frage, dass eine Vielzahl von Faktoren das Vorkommen bzw. die Gefährdungen von Arten bedingen; diese sind z.T skalenabhängig. Auf lokaler Skala ist der Landnutzungswandel einer der wichtigsten Faktoren. Dieser ist relevant für die Güte unserer Schutzgebiete oder Untersuchungsflächen. Auf großräumiger Skala ist der Klimawandel einer der wichtigsten. So lange sich ein Lebensraum lokal innerhalb der passenden klimatischen Rahmenbedingungen befindet, kann das Klima fast vernachlässigt werden. Leider ist aber zu befürchten, dass unter Klimawandel lokale Lebensräume außerhalb der passenden Rahmenbedingungen liegen, und dieser Faktor zunehmend wichtig wird. Daneben gibt es aber weitere Faktoren, wie z. B. die angebauten Feldfrüchte oder den Einsatz von Pestiziden.

    • Was bringt das dem Naturschutz vor Ort?
      Es ergibt sich so die Möglichkeit, schon frühzeitig Planungen für die Zukunft vornehmen zu können. Da die Arten durch eine Vielzahl von Faktoren bedroht sind, ist es auch wichtig, diese möglichst gut abschätzen zu können. Ist eine Art nicht nur durch Landnutzungswandel bedroht, sondern künftig auch noch zusätzlich durch den Klimawandel, ist es doppelt wichtig, sich hierfür stark zu machen. Aber es kann auch notwendig sein, sich Gedanken um Arten zu machen, die gegenwärtig ungefährdet sind, aber unter Klimawandel vermutlich leiden werden. Selten hatte der Natur- und Artenschutz die Möglichkeit, sich tatsächlich schon so frühzeitig Gedanken über neu zu entwickelnde oder zu modifizierende Strategien zu machen.

    Ich hoffe, einige der Missverständnisse so ausgeräumt zu haben.

    Beste Grüße
    Ingolf

    Dr. Ingolf Kühn
    Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
    Dept. Biozönoseforschung

    Hier erst einmal der Flyer mit genauer Inhaltsangabe. 1.35 MB

    Der Klima-Atlas wurde von einem internationalen Wissenschaftler-Team verfasst – unter Unterstützung von EU-Forschungsprojekten. Er wird publiziert als Sonderausgabe von BioRisk, einer neuen Open-Access–Zeitschrift für biologische Vielfalt und Umweltwissenschaften.

    Die Taschenbuch-Ausgabe des Atlas kostet 59 €, die gebundene 89 €.

    Der Atlas kann aber auch beim Verlag als PDF-Datei runtergeladen werden.
    Version mit mittlerer Auflösung 46.3 MB.
    Version mit hoher Auflösung 160 MB.

    :smiling_face_with_sunglasses:

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