Papilio saharae - Wüsten-Schwalbenschwanz - Sahara Swallowtail - PAPILIONIDAE

  • Eine Zucht von Papilio saharae



    J. Fuchs



    Lateinischer Name: Papilio saharae saharae OBERTHÜR, 1879
    Deutscher Name: Wüsten-Schwalbenschwanz
    Englischer Name: Sahara Swallowtail


    Familie: Papilionidae
    Gattung: Papilio
    Weitere Unterart: Papilio saharae rathjensi WARNECKE, 1932 (aus dem SW Saudi-Arabiens und dem Jemen)


    Verbreitung: Von Marokko über Nordafrika, die Sinai-Halbinsel (P. s. saharae) bis zum Südwesten Saudi-Arabiens und Jemen (P. s. rathjensi)


    Zur Zucht:


    Am 14.04.2001 habe ich aus Gafsa in Südtunesien 12 Raupen von Papilio saharae in verschiedenen Größen mitgebracht. Ich hatte sie dort in einem Wadi ca. 10-12 km außerhalb der Stadt an Deverra chloranthus, einer bevorzugt in Wüstengebieten vorkommenden Umbellifere gefunden.



    Wadi bei Gafsa, Habitat von Papilio saharae, mit Büschen der Fpfl. Deverra chloranthus



    Deverra chloranthus, die natürliche Fpfl. von Papilio saharae in der Nähe von Gafsa



    Zu Hause habe ich sie auf dem Fensterbrett des Ostfensters meines Arbeitszimmers bei normaler Zimmertemperatur gezogen. Ich fütterte die Raupen mit Levisticum officinale (Liebstöckel, Maggikraut), weil Deverra chloranthus auch stark nach Maggi riecht, ähnlich wie Levisticum

    15.04.01
    Die ersten 2 Raupen, die sich schon vor meiner Abreise aus Tunesien in einer Schachtel angesponnen hatten, haben sich heute verpuppt. Die übrigen 10 füttere ich mit gewässertem Maggikraut. Sie fressen gut an diesem Ersatzfutter; das mitgenommene Originalfutter (Deverra chloranthus) war leider schon vertrocknet.
    5 erwachsene der insgesamt 17 in Tunesien gefundenen Raupen waren schon dort eingegangen, weil sie parasitiert waren. Aus ihnen waren weißliche Maden gekrochen, manchmal bis zu 4 Stück aus einer Raupe, die sich dann zu Tönnchenpuppen verpuppten, typisch für Raupenfliegen.



    Aus einigen erwachsenen Raupen krochen Maden einer Raupenfliegen-Art


    18.04.01 Die Raupen fressen weiterhin bereitwillig an Maggikraut und wachsen gut. Ich habe jetzt 2 Puppen, 4 L5-Raupen und 6 in L3/L4.



    L3-Raupe von Papilio saharae an Blütendolde von D. chloranthus



    Raupe Anfang L4 von Papilio saharae



    Raupe Ende L4 von Papilio saharae



    L5-Raupe von Papilio saharae an Levisticum officinale (Maggikraut, Liebstöckel)


    Eine mit Deverra aus dem Habitat aus Versehen eingetragene Eiraupe, der ich aus Ermangelung von Deverra-Blüten, die sie in den ersten Stadien fast ausschließlich fressen, Blätter von Maggikraut angeboten hatte, ist eingegangen.

    20.04.01
    3 weitere Raupen sind jetzt im letzten "Kleid", 2 andere laufen schon herum, um sich einen Platz zum Verpuppen zu suchen. 3 Raupen sind noch kleiner, werden sich aber auch bald nach L5 häuten. Alle fressen weiterhin Maggikraut.

    21.04.01
    Die beiden verpuppungsbereiten Raupen haben sich zum Verpuppen angesponnen, die 3 kleinsten sitzen jetzt zur letzten Häutung bereit.



    Angesponnene Raupe (Praepupa) sitzt zum Verpuppen bereit.


    22.04.01 Eine von den 3 letzten Raupen hat eine weitere Parasitenmade entlassen und ist eingegangen. Die beiden anderen haben sich zum letzten Mal gehäutet, eine weitere L5-Raupe beginnt sich anzuspinnen.

    23.04.01
    Die erste Praepupa hat sich zur Puppe umgewandelt. Wieder eine von den angesponnenen Raupen ist eingegangen. Sie hatte eindeutig Durchfall. 2 weitere Raupen, 1 von den jüngsten und eine L5-Raupe, fressen nicht mehr. Sie werden wohl auch eingehen, denn auch sie haben Durchfall. Wahrscheinlich sind die Blätter von Liebstöckel doch im Vergleich zu der an Trockenheit angepassten Deverra zu üppig.

    25.04.01
    Die jüngere Raupe ist eingegangen. 2 weitere große Raupen haben sich angesponnen. Den restlichen 4 noch fressenden Raupen gebe ich jetzt nur noch ungewässertes Liebstöckel, was weiterhin gern gefressen wird. Zusätzlich bot ich ihnen noch Daucus carota (Wilde Möhre), eine beliebte Fpfl. von Papilio machaon an, die sie aber nicht anrührten.

    27.04.01
    Noch 2 Raupen sind eingegangen, eine von den 4 noch am Futter sitzenden und eine von den schon angesponnenen.

    28.04.01
    Eine weitere Raupe hat sich zum Verpuppen angesponnen. Eine angesponnene Raupe hat sich verpuppt.

    29.04.01
    Noch eine Raupe hat sich verpuppt.



    Puppe von Papilio saharae


    01.05.01 Die letzte angesponnene Raupe hat sich verpuppt. Ich habe jetzt 6 Puppen und 1 noch fressende Raupe.

    03.05.01
    Die letzte Raupe ist auch noch eingegangen. Die erste Puppe wird bald schlüpfen, man sieht schon die Zeichnung durch die Puppenhaut schimmern.

    06.05.01
    Heute um 8.45 Uhr ist der erste Falter geschlüpft, ein im Vergleich zu Papilio machaon kleines, aber sauber entwickeltes Männchen. Aber P. saharae ist normalerweise auch kleiner als P. machaon.

    10.05.01
    Ein weiteres normal entwickeltes Männchen ist geschlüpft (7.20 Uhr).

    13.05.01
    Um 14.00 Uhr ist noch ein einwandfreies Männchen geschlüpft.

    19.05.01
    Als vorläufig letztes ist um 8.00 Uhr noch ein Männchen von P. saharae geschlüpft.
    Da sich bei den beiden letzten Puppen nichts mehr rührt, nehme ich an, dass sie dieses Jahr nicht mehr schlüpfen werden. Puppen von Wüstenbewohnern wie P. saharae überliegen gerne, wenn ihnen die Bedingungen nicht passen.


    Am 01.06.01 ist dann doch noch ein schönes Weibchen geschlüpft.



    Frisch geschlüpfter Falter von Papilio saharae e.l., Nähe Gafsa


    Die letzte Puppe aber kam nicht mehr. Aus ihr schlüpfte erst im Jahre 2005 noch ein Weibchen von Papilio saharae, 4 Jahre später!


    Zusammenfassung:


    Von 17 gefundenen Raupen habe ich 6 Puppen erhalten, 6 Raupen waren parasitiert und 5 sind wegen Erkrankung, verursacht wahrscheinlich durch das zu üppige Futter, Levisticum officinale eingegangen.
    Aus den 6 Puppen schlüpften gleich im Anschluss 4 Männchen, wenig später noch 1 Weibchen und erst 4 Jahre später ein zweites Weibchen.
    Viele große Raupen (6 von 13) waren parasitiert, alle von einer Raupenfliegen-Art.
    Die Raupen im Habitat ernähren sich ausschließlich von Deverra chloranthus, einer dort häufig vorkommenden Umbellifere. Sie sieht aus wie ein Binsen-Busch und ist genau so hart und zäh. Nur wenn es im Winter genug geregnet hat, treibt die Pflanze neue Triebe, die zart und weich sind, und aus denen Blüten und winzige Blättchen sprießen. Die Blüten brauchen die kleinen Raupen bis zu L3 zum Leben, und die zarten neuen Triebe dienen den größeren Raupen als Nahrung. Die alten, harten Triebe aber sind für die Raupen ungenießbar. Deshalb schlüpfen die Falter nur, wenn es genug geregnet hatte und die Büsche austreiben. Das Schlüpfen der Falter wird also vom Wetter (Regen, Lichtdauer, Sonne und Temperatur) bestimmt. Wenn in einem Jahr das Wetter nicht gepasst hat, bleiben die Falter lieber noch ein weiteres Jahr oder auch noch mehrere Jahre in ihrer Puppenhülle, bis bessere Voraussetzungen herrschen.



  • https://www.exotic-insects.com
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