Hallo allerseits,
ich möchte mir an dieser Stelle mal ein paar Anmerkungen erlauben:
Vielleicht würde ein Foto der Fraßschäden es ermöglichen, die Verursacher genauer zu bestimmen.
Die handelsüblichen Mottenpapiere sind durchaus nicht nur Repellens.
Meist enthalten sie hochwirksame insektentoxische Bestandteile wie Pyrethroide und/oder Chlorpyrifos. Pyrethroide erkennt man an der Namensendung -thrin. Es sind synthetische Gifte, die im Gegensatz zu ihren Vorbild (dem Naturstoff Pyrethrum) eine wesentlich längere Wirkungsdauer haben. Chlorpyrifos ist ein Phosphorsäureester.
Deshalb sollte man auch beim Umgang mit diesen Papierstreifen sorgfältig sein und sich hinterher die Hände waschen. Wichtig ist, genügend Mottenpapier (entsprechend des Volumens des Schrankes) und keine zu alten Streifen zu verwenden.
Demgegenüber ist eine Wirkung von Paradichlorbenzol auf Insekten nur bei hoher Konzentration gegeben. Dabei sprechen Geruchsbelästigung und Schädlichkeit für den Menschen eher gegen dieses Mittel.
Einfrieren ist eine zuverlässige, aber nicht nachhaltige Methode. Dazu sollte man die Tiere für etwa 1 Woche bei ca. -25°C einfrieren. Danach auftauen und ca. 2 Wochen warten, damit die Entwicklung der Schädlingseier, die durch die tiefen Temperaturen meist nicht geschädigt werden, wieder anläuft und Junglarven schlüpfen können. Nach diesen zwei Wochen dann die Tiere nochmals für eine Woche einfrieren (um die frisch geschlüpften Larven abzutöten). Um ganz sicher zu sein, dann nach weiteren zwei Wochen, die Tiere ein drittes mal einfrieren. (Dabei sollten die Tiere nach dem auftauen zuverlässig getrocknet werden. Am besten ist es, sie in einer kleinen dicht schließenden Plastikbox einzufrieren, in die etwas Silica-Gel beigegeben wurde.)
Danach können sie getrost in die Sammlung eingeordnet werden.
Neue Kästen sprühe ich vor der Benutzung mit einem handelsüblichen Insektenspray aus, das ähnliche Wirkstoffe wie die o.g. Mottenpapiere enthält.
Weiterhin stecke ich in den Insektenkasten mit zwei Stecknadeln in eine Ecke ein Stück Mottenpapier. Das hat den Vorteil, dass man darauf mit Bleistift das Datum vermerken kann. Nach ca. einem (max. zwei) Jahren wird dann der Streifen ausgewechselt. (Beim Kauf von Mottenpapier auf Art und Konzentration des Wirkstoffes sowie auf Herstellungs- und Haltbarkeitsdatum achten!)
Ich halte eine Trockenzeit der Tiere von einer Woche für deutlich zu kurz. Da sind sie bestenfalls äußerlich trocken, innerhalb des Körper noch nicht (außer es handelt sich um sog. Microlepidopteren oder kleine Geometriden). Meist empfehle ich eine Trockenzeit von 3 bis 4 Wochen. Solange die Spannbretter schädlingssicher und dunkel aufbewahrt werden, schadet eine längere Trockenzeit nicht.
Die Folge von zu zeitigem Abnehmen vom Spannbrett ist, dass die Falter nachträglich Ihre Flügel absinken lassen, dickleibige Exemplare schneller "verölen" und sich evtl. Schimmel bildet (meist nicht äußerlich sichtbar).
In diesem Zusammenhang ist auch der Befall von Staubläusen zu sehen (von dem auch Andre berichtet).
Staubläuse (Psocoptera) sind eigentlich keine Sammlungsschädlinge im klassischen Sinne. Sie ernähren sich von Pilzgewebe und Sporen - also von Schimmel. Staubläuse sind also selbst lediglich Indikatoren für einen Schimmelbefall. Wenn jedoch feine Härchen oder dünne Flügel der Insektenpräparate von Schimmel durchdrungen sind, so werden diese auch von Staubläusen gefressen, so dass dann doch deutlicher Schadfraß an den Präparaten sichtbar ist. Auch vor diesem Hintergrund ist es also wichtig, die Insekten nach der Präparation lange genug trocknen zu lassen, bevor sie in die Sammlung überführt werden und vor allem auch die Sammlung trocken unterzubringen.
Viele Grüße
Achim
P.S.: Ich habe vor ein paar Jahren mal eine kleine Arbeit über chemische Schädlingsbekämpfungsmittel in der Insektensammlung geschrieben (es ging um Lindan und die Alternativen). Wer daran Interesse hat, kann den Beitrag hier lesen bzw. herunterladen.