Zuerst mal ganz lieben Dank, Peter, für den guten Lesestoff- die Links sind hier wirklich ganz interessant und passend platziert 
So eine Diskussion wollte ich mit meiner Erklärung eigentlich gar nicht lostreten
Natürlich gebe ich euch mit allen euren Zweifeln an der Hypothese Recht, und natürlich sind auch alle Kritikpunkte an stark vereinfachten Versuchs- und Erklärungsmodellen absolut berechtigt! Ich wollte nur mal den Begriff "Industriemelanismus" per Definition wiedergeben und grob erklären, inwiefern Anpassung hier (zugegeben recht schematisch) eben auch in kürzerer Zeit ablaufen "könnte".
Ob B. betularia nun ausschlieslich auf Birkenrinde rumsitzt wage ich ebenfalls sehr stark zu bezweifeln ... was jedoch bereits wissenschaftlich getestet wurde ist die Bedeutung von Prädatorendruck auf Falter und deren (Tarn-)färbung bei passendem oder unpassendem Untergrund (z.B. Webster et al., 2011). Eine Studie, die meineserachtens nur das Offensichtliche wiederholt... gäbe es keinen Prädatorendruck auf dieser Welt, der irgendwie auch Färbung über Generationen hinweg steuert, dann gäbe es auch sehr wahrscheinlich keine Tarnfärbung, keine Somatolyse, keine Mimese - nichts dergleichen. Der evolutive Zweck nicht gefressen zu werden ist die einzige Erklärung für rindenfarbene Falter (würden sich diese nicht auf Rinde, sondern immer nur auf Blätter setzen, hätte die ganze Tarnfärbung reichlich wenig Sinn...bzw. dann hätte die Evolution ganz bestimmt dafür gesorgt, dass sie nicht rindenfarben, sondern blattgrün wären
).
Nochmal kurz zu Melanismus per se: Es handelt sich bei wiederkehrender, dunkler Färbung keinesfalls um eine Mutation... eine Mutation ist eine in der Natur vereinzelt auftretende Anomalie. Bei betularia und Co. sind es schlichtweg Farbformen- die aber immer wieder und zuverlässig auftauchen.
Die Faktoren, die verantwortlich für melanistische Flügelfärbung sind, sind tatsächlich vielschichtig, können also weder auf die reine Genetik, noch auf reine Umweltfaktoren reduziert werden... soweit mir bekannt ist, wurden bereits Genetik, Wachstumsgeschwindigkeit, Temperatur (während der Larvalentwicklung), Temperaturschwankungen (während der Puppenentwicklung- speziell in der sensiblen Phase) und die Nitrogen-Verfügbarkeit (welche wichtig zur Melaninsynthese wie auch fürs Wachstum per se wichtig ist) als beeinflussende Elemente für Melanismus ausgemacht (hierzu hat sich bereits Wohlfahrt den Kopf zerbrochen... es beschäftigt also schon Generationen von Schmetterlingsforschern
)
Der langen Rede kurzer Sinn: Industriemelanismus ist das Schulbuchbeispiel, welches anschaulich erklären soll wie Anpassung funktioniert, auch wenn es in der freien Wildbahn oftmals um einiges komplexer abläuft- ich glaube darauf können wir uns einigen^^