Bemerkungen über Frühzuchten

    Liebe Kollegen!

    Aus über dreißigjähriger Zuchterfahrung mit Saturniden und Sphingiden möchte ich gerade den nicht so erfahrenen Jungzüchtern einiges mitteilen.

    Auch wenn es noch so in den Fingern juckt und das Abwarten auf den Schlupf der ersten Falter in der bevorstehenden Zuchtsaison schwerfällt
    ( mir auch immer noch!) möchte ich davon abraten Puppen/ Kokons zu früh anzutreiben ( ins Warme zu holen ).

    Obwohl mir auch ein ungeheiztes Gewächshaus zur Verfügung steht, überwintert kein Zuchtmaterial darin.
    Die ersten Februar / März- Sonnenstrahlen lassen die Temperaturen tagsüber schon mal schnell auf 15 - 20 Grad Celsius ansteigen. Die Entwicklung der Puppen beginnt!
    Dann kommt bei schönen sonnigen Tagen meistens eine klare, kalte Nacht und die Temperatur fällt auf zwei - drei Grad Celsius vielleicht sogar null Grad Celsius oder noch kälter.
    Das ist unnatürlich und beeinflusst die Entwicklung eher zum Nachteil. Es können sogar schon anentwickelte Puppen absterben.

    In der Natur gehen alle Sphingiden mehr oder weniger tief in den Boden und auch die palearktischen Saturnidenkokons sitzen nicht auf der Sonnenseite in ein - zwei Meter Höhe am Baum.
    Kurzes Beispiel:
    Ich habe in den achtziger Jahren des öfteren S. pyri Kokons in Nord- Ost Griechenland im Feb. / März an Juglands ( Walnuss) und Fraxinus ( Esche)
    Bäumen gesucht und auch reichlich gefunden.
    Sie sitzen alle auf der sonnenabgewendeten Nordostseite tief am Fuß des Baumes und sind oft noch durch abgestorbenes oder schon frisch ausgetriebenes Pflanzenmaterial geschützt.
    Ich habe auch schon welche unter größeren Steinplatten in nächster Nähe der Bäume gefunden.
    Dort ist die Temperatur immer einige Grad niedriger als in 2 Meter Höhe.

    So sind sie auch nicht extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt und schlüpfen erst wenn die Bäume schon frische Blätter haben und nicht wenn die Knospen aufbrechen oder erstes zartes Grün zu erkennen ist.
    Soviel zu S. pyri Freilandbeobachtungen aus Nordostgriechenland.

    Auch rate ich davon ab Zweige abzuschneiden und durch Wasser und Wärme anzutreiben.
    Oft wird dieses auf der Fensterbank über der Heizung bei hoher Temperatur, zu geringer Luftfeuchtigkeit und viel zu wenig Licht
    durchgeführt so dass ein unnatürlicher extrem wässriger clorophyllarmer Geilwuchs erzeugt wird.
    Die frisch geschlüpften Räupchen fressen zwar daran ( was bleibt in anderes übrig!? ) aber oft werden sie krank ( Durchfall ) und man erhält auf diese Weise meistens keine kräftigen Kokons oder Puppen.

    Alles macht viel Arbeit und der Erfolg lässt oft zu wünschen übrig.

    Wer den Platz und vielleicht auch ein Gewächshaus oder Wintergarten hat sollte sich auf jeden Fall einige Pflanzen wie Liguster, Weide, Esche usw. in Containern ( größere Plastiktöpfe ) halten und diese unter günstigen Bedingungen vortreiben.
    Auf diese Weise erhält man auf jeden Fall brauchbares Futter und ist den natürlichen Bedingungen einiges voraus.
    Mein gesamtes Zuchtmaterial ( 16 Arten Sphingidaen / Saturnidaen ) liegt zur Zeit noch ( bis auf vier Saturnidaenarten ) bei min. 3 / max. 10 ° C und 70 bis 80 % rel. Luftfeuchtigkeit.
    Unter diesen einigermaßen natürlichen Bedingungen schlüpft S. pyri, H. tytius und Co. wie immer ca. Mitte Mai, und es gibt keine Futterprobleme und kräftige, gesunde Nachzuchten.

    Also liebe Kollegen, auch wenn es schwer fällt noch ein bisschen warten und nicht zu voreilig sein.
    Unter natürlichen Bedingungen und mit Futter guter Qualität ist alles einfacher.
    Die Vitalität, Gesundheit und kräftiges Material wird eure Bemühungen
    belohnen.

    Es dauert nicht mehr lang!
    Und die Zuchtsaison geht los.

    Viele Grüße aus dem eigentlich sehr milden Münsterland,
    wo es zur Zeit schneit und auch die Nachtfröste ( bis -3° C ) dem Frühling einen Strich durch die Rechnung machen.

    Sphingidae

    Wer mit Tieren und Pflanzen in der richtigen Weise umzugehen weiß,
    erschließt für sich Quellen unversiegbaren Reichtums. ( Max Metzger )

    Einmal editiert, zuletzt von sphingidae (24. März 2008 um 20:24)

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