Verhalten Tagpfauenauge

    Ich bin neu hier, kein Biologe, sondern Chemiker und hab eine Frage zum Verhalten zu Aglais io.

    wir haben seit einigen Jahren jeden Sommer ein Exemplar, das unseren Garten „als Revier“ auserkoren hat. Sitzt in der Wiese und lässt sich sonnen oder in den Himbeersträuchern unseres Gartens. Das alleine ist schon erstaunlich, weil zwar Brennnessel in unserem Garten sind, aber so wenig, dass dort sicher keiner dieser Tagfalter seine Eier hinlegen würde, nicht einmal Vanessa atalanta. Das ist nun schon die dritte Woche In Folge der Fall.
    Kommt nun ein zweites Exemplar wird heftig umeinander geflogen. Wenig später sitzt „unser“ Exemplar wieder in der Wiese.
    Wir haben auch eine Buddleia im Garten stehen, die gerade zaghaft zu Blühen beginnt. Dort finden sich seit heuer auch Kaisermantel ein, jedoch keine weiteren Tagpfauenaugen, denn dann tritt Oben Gesagtes ein und der „Eindringling“ ist wieder weg.

    Habt Ihr Fachleute dazu eine Erklärung?
    Ich würde mich über eine Antwort freuen

    Dieter

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    Hallo Dieter

    Das von dir beobachtete Verhalten ist nichtd erstaunliches. Dass Tagfalter Reviere besitzen ist nichts seltenes und kommt bei einigen Arten vor. Dabei handelt es sich meist um männliche Tiere, die auf noch unbegattete Weibchen warten.
    Dein Exemplar verjagt andere Männchen aus dem Revier oder versucht mit bereits begatteten Weibchen zu balzen. Letztere zeigen natürlich kein Interesse.

    Liebe Grüsse

    Fabrice

    Herzlichen Dank Fabrice für die rasche und hilfreiche Antwort. Das mit der Revierbildung hab ich gelesen, vertraue aber Wiki nur sehr bedingt :winking_face:
    Deine Antwort macht das Verhalten erklärlich; die Frage, wieso jedes Jahr gerade an diesem Platz ein Männchen standorttreu ist, bleibt offen. Dazu müsste man ein Schmetterling sein, um sie zu beantworten?

    Meine Frau meint, das seien die Nachkommen der A. io‘s, die ich vor Jahren gezüchtet habe. Aber das ist wohl Stoff für eine Mythenbildung :smiling_face:

    Dieter

    Moin.

    Solche Wiederholungen hab ich auch jedes Jahr:
    1) Am Teich findet sich jedes EIN Weibchen von Celastrina argiolus ein, die tagelang unser Lythrum salicaria umflattert und Eier legt, seit mindestens 5 Jahren.
    2) Ein Pieris mannii Weibchen, das sich an die Iberis heran macht, seit nun 3 Jahren. Sie bleibt meistens so 3-4 Tage.
    3) Ein Vanessa atalanta, der sich immer an derselben Stelle im Haselnuss seine Warte aussucht und von dort sein Revier verteidigt, seit mindestens 10 Jahren. Der Bursche hält locker 2-3 Wochen aus, je nachdem wann er gefressen wird. Allerdings hat er seit diesem Jahr einen Konkurrenten: Apatura ilia. Das Glück für den atalanta, dass er immer erst im späten August auftaucht :grinning_squinting_face:

    Es handelt sich jedes mal um Einzeltiere die entsprechend standorttreu sind, mal vom Neuzugang ilia abgesehen.

    Gruß
    Rudi

    Danke Rudi, Deine Beschreibungen helfen Mir, den persönlichen Eindruck besser zu verstehen.
    Ein ähnliches Erlebnis haben wir mit einem Vanessa atalanta. Wir gehen abends oft durch einen Wald spazieren. Auf einer sonnenbeschienenen Lichtung treffen wir seit ca. 14 Tagen regelmäßig ein Exemplar, das sich dort sonnt.

    Dieter

    Hallo Dieter,

    dieses Verhalten beobachte ich vor allem bei den Imaginalüberwinterern im Frühling, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Admiral, C-Falter suchen sich am Waldsaum bestimmte Blätter, Baumstämme oder Bodenstellen und warten auf Weibchen bzw. verjagen Artgenossen.

    Viele Grüße
    Falk

    Damit hast Du eine weitere Frage bewirkt, Falk. Heißt das, dass die Weibchen zu den Männchen kommen? Eher nicht, oder? Heißt warten hier, dass sich in der Nähe ein Weibchen einfindet, das dann angeflogen wird?
    Ich kenne das Kopulationsverhalten von Tagfaltern nicht.

    Viele Grüße

    Dieter

    Moin.

    Heißt warten hier, dass sich in der Nähe ein Weibchen einfindet, das dann angeflogen wird?

    Bei vielen Rhopalocera ja.
    Die Beschränkung der Flugaktivitäten auf einen bestimmten Biotop konzentriert bei vielen Arten den Bestand an gewisse Örtlichkeiten. Oder die Tiere sind sehr flugstark, so dass es wahrscheinlich ist, dass sich immer mal wieder welche "über den Weg laufen", ähm...fliegen.


    Heißt das, dass die Weibchen zu den Männchen kommen?
    Eher nicht, oder?

    Es gibt auch Arten, deren Männchen sogenannte Duftschuppen auf den Flügeln haben, die wiederum zum Zusammenfinden der Paare das ihre tun.
    So zB Argynnis paphia.

    Allerdings geht das meiste bei den Rhopalocera über die Augen, wie beim Menschen auch :winking_face::grinning_squinting_face:

    Gruß
    Rudi

    Rudi, danke für die ausführliche Darstellung. Ich musste wohl erst in Pension gehen, um endlich Zeit zu finden, die Hintergründe meines Hobbys besser verstehen zu lernen.
    Es ist großartig, wie mannigfaltig die Welt der Schmetterlinge ist.

    Viele Grüße

    Dieter

    Hello,

    Mourning Cloaks (Nymphalis Antiopa) are also know for doing this. I always find the smaller males on the same spot in this nature preserve trail.
    Then when a female flies past, all the males chase her down. I have seen many males hill-topping especially in June- July.
    I have seen this with Polygonia Species, Tortoiseshells, Admirals, and Vanessa Butterflies like painted ladies.

    It's fun to watch the butterflies “brawl” and usually the smaller one wins!
    I've seen Small Wood Nymph butterflies chase off huge Great spangled fritillaries.
    It’s very strange.

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