22. Juni 2023 um 13:47 - Beitrag: Zuchtbericht für Brahmaea tancrei / Breeding Report for Brahmaea tancrei - Siberian Owl Moth, Thema: Lepidoptera Zuchtberichte
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Zuchtbericht für Brahmaea tancrei, (Austaut, 1896)
Manuel Andreas Staggl1,2
1 Department of Palaeontology, Faculty of Earth Sciences, Geography and Astronomy, Josef-Holaubek-Platz 2, 1090 Vienna, Austria
2 Vienna Doctoral School of Ecology and Evolution (VDSEE), University of Vienna, Djerassiplatz 1, 1030 Vienna
Zusammenfassung:
Brahmaea tancrei, auch bekannt als Sibirischer Eulenfalter, ist eine faszinierende Mottenart, die in Russland, Korea, China und Indonesien vorkommt. Diese beeindruckende Art weist während seines gesamten Lebenszyklus einzigartige Merkmale auf. Die Raupen mit ihren charakteristischen peitschenartigen Anhängseln ernähren sich von Pflanzen aus der Familie der Olivaceae, hauptsächlich von Ligustrum-Arten. Bei der Aufzucht der Larven muss auf Temperatur, Belüftung und Nahrungsangebot geachtet werden. Die Puppen gehen in Diapause. Die erwachsenen Falter besitzen zwar einen funktionstüchtigen Rüssel, gelten aber als nicht fressend und sind auf Feuchtigkeit angewiesen. Das Wissen um den Lebenszyklus und die Bedürfnisse von Brahmaea tancrei kann zu einer erfolgreichen Zucht dieser bemerkenswerten Art beitragen.
Allgemeine Informationen:
Brahmaea tancrei ist eine faszinierende Art, die zur Familie der Brahmaeidae gehört. Diese Falterart ist von Russland (Amur, Sibirien und Russisch-Fernost) bis Korea, China und Indonesien verbreitet. Sie wurde erstmals 1896 von Austaut beschrieben. Die Zucht von Brahmaea tancrei stellt eine faszinierende und lohnende Erfahrung dar, erfordert jedoch die sorgfältige Beachtung einiger spezifischer Bedingungen und Entwicklungsstadien.
Geeignete Futterpflanzen:
Die Larven von Brahmaea tancrei ernähren sich meiner Erfahrung nach hauptsächlich von gewissen Pflanzen aus der Familie der Ölbaumgewächse, wobei Ligustrum ovalifolium (Liguster) und Syringa vulgaris (Flieder) die bevorzugten Wirtspflanzen sind. Ligustrum hat sich aufgrund von Erfahrungen und Beobachtungen als die am besten geeignete Nahrungspflanze für ihre Entwicklung erwiesen. Das Angebot frischer und gesunder Futterpflanzen ist für die erfolgreiche Aufzucht der Larven entscheidend.
Fig. 1: Netzkäfig (60x40x40cm) mit etwa 30 Raupen in L4 und L5, links mit .frischem Futter am Abend, rechts am nächsten Morgen, raupen am Boden in der .Wanderphase auf der Suche nach einem Platz zum Verpuppen.
Eistadium:
Die Eier von Brahmaea tancrei sind rund, an der Unterseite abgeflacht und blassweiß. Befruchtete Eier verändern ihre Farbe und werden wenige Tage vor dem Schlüpfen dunkel bis ganz schwarz. Die Dauer des Eistadiums beträgt je nach Temperatur etwa 8 bis 15 Tage, die meisten Raupen sind zwischen dem zehnten und zwölften Tag nach der Eiablage geschlüpft. Zimmertemperatur ist für die Inkubation der Eier ausreichend, und leichtes Besprühen kann den Schlupf erleichtern. Nachdem die kleinen Raupen aus den Eiern geschlüpft sind, weisen sie bereits ihre charakteristischen peitschenartigen Anhänge auf. Es wird empfohlen, den Raupen ausreichend Platz zu bieten, da sie in diesem Stadium sehr aktiv sind und eine Unmenge von
Seidenfäden spinnen.
Fig. 2: v.l.n.r., Eier, teils schon mit dunkler Verfärbung; Schlupf; L1;
Larvenstadien (L1-L5):
Die Raupen von Brahmaea tancrei durchlaufen mehrere Stadien, die jeweils zwischen 5 und 8 Tagen dauern. Die Dauer der einzelnen Stadien nimmt mit dem zunehmenden Alter der Larven zu. Die Raupen des ersten Stadiums sind überwiegend schwarz und haben vier peitschenartige Fortsätze an den Thorakalsegmenten, einen am vorletzten Segment und zwei kurze Fortsätze am Analsegment. Sie fressen bevorzugt an den Blatträndern und können in Plastikbehältern aufgezogen werden. Der Behälter sollte mindestens zweimal am Tag gelüftet werden, um Kondenswasserbildung zu vermeiden. Die Raupen des zweiten Stadiums sind dunkelviolett gefärbt und haben längere Anhänge; sie können ebenfalls in Plastikbehältern aufgezogen werden. Unter günstigen Bedingungen erreichen die Larven schnell das dritte Larvenstadium, das sich durch kräftige Farben und leuchtend rote Farbmuster auszeichnet. Ab dem dritten Stadium ist die Belüftung von entscheidender Bedeutung, und die Larven werden am besten in Netzkäfigen gehalten, um eine ausreichende Luftzirkulation zu gewährleisten. Wenn sie gestört werden, zeigen die Raupen von Brahmaea tancrei ab dem dritten Stadium ein typisches Abwehrverhalten, indem sie mit ihrem Thorax ausschlagen und ihre peitschenartigen Fortsätze einsetzen, um Fressfeinde wie parasitische Wespen abzuwehren.
Fig. 3: v.l.n.r, L2; L3 an Ligustrum ovalifolium;
Brahmaea tancrei behält seine langen, tentakelartigen Fortsätze auch während des vierten Stadiums. In diesem Stadium hat die Raupe eine blassrosa Färbung mit schwarzen und gelben Markierungen an der Seite.
Fig. 4: v.l.n.r, L4 in der Gruppe an Liguster; L4 kurz vor der Häutung zu L5; L4 in .Ruheposition;
Im fünften Entwicklungsstadium wirft die Raupe jedoch alle Anhänge ab und nimmt ein sandfarbenes, gelb-bräunliches Aussehen mit hellen weißen Sprenkeln an. Vor allem gegen Ende des letzten Stadiums ist das Farbmuster aus der Nähe besonders schön.
Fig. 5: v.l.n.r, L4 in Häutungsruhe vs. L5 kurz nach der Häutung; L5 in Ruheposition Totale + Detail;
Verpuppung:
Wenn die Larven bereit sind, sich zu verpuppen, werden sie aktiv, verlassen die Futterpflanzen und beginnen, auf der Suche nach einer geeigneten Stelle herumzulaufen, um sich einzugraben. In der Natur würden sie sich normalerweise in die Erde eingraben, aber in Gefangenschaft kann zerrissenes Toilettenpapier oder ähnliches Material in einer durchsichtigen Plastikbox bereitgestellt werden. Die Raupen graben sich fast sofort ein, und die Verpuppung erfolgt etwa eine Woche später. Die Verwendung von Klopapier hat sich bewährt, es wurden kaum bis keine Verluste oder Missbildungen beobachtet.
Fig. 6: v.l.n.r, L5 in der Wanderphase; Verpuppungsbox mit Verupuppungssubstrat; L5 in Puppenruhe am Boden der Box;
Puppenstadium:
Die Puppen von Brahmaea tancrei sind zunächst glänzend und erscheinen glatt. Sobald sie ausgehärtet sind, werden sie matt und scheinen fast wie mit Talkumpuder bedeckt zu sein. Sie sind dunkelgrau/schwärzlich gefärbt und zeigen bei Berührung leichte Bewegungung. Die Puppen gehen im Allgemeinen in eine Diapause, die 8 bis 10 Monate dauert. Offenbar können manche auch etwa einen Monat später als zweite Generation schlüpfen, was bei mir jedoch nie der Fall war. Die richtige Überwinterung ist für ihre Entwicklung unerlässlich. Dazu können die Puppen auf Küchenpapier auf feuchtem Perlit im Gemüsefach des Kühlschranks gelagert werden. Der optimale Temperaturbereich für die Überwinterung liegt zwischen 4 und 9 Grad Celsius. Männchen und Weibchen schlüpfen in der Regel gleichzeitig. In einigen Fällen können bestimmte Puppen eine verlängerte Diapause durchlaufen und erst nach einem weiteren Jahr der Lagerung schlüpfen.
Fig. 7: v.l.n.r, Puppen, dunklere Puppe in der Mitte noch mit typischem Glanz bei noch nicht vollständiger Aushärtung; .Verpuppungsbox mit Verupuppungssubstrat; Puppen in der Aufbewahrungsbox, braun-grüne Puppen erst vor wenigen .Stunden verpuppt;
Paarung und Imago:
Die erwachsenen Falter von Brahmaea tancrei haben zwar einen funktionstüchtigen Rüssel, aber es wird angenommen, dass sie nicht fressen. Es heißt, sie saugen Feuchtigkeit wie z. B. Regentropfen auf. Ich versuchte deshalb, sie mit Wasser zu versorgen, indem ich sie besprühte, aber ich konnte sie nie beim Trinken beobachten. Die Paarung von Brahmaea tancrei kann eine Herausforderung sein, und ich bin mir noch nicht sicher, welche Bedingungen für eine erfolgreiche Paarung entscheidend sind. Es hat sich jedoch gezeigt, dass eine ausreichende Luftzirkulation und kühle bis kalte Temperaturen vorteilhafte Faktoren sind, um akzeptable Ergebnisse zu erzielen. Für die Paarung können Netzkäfige verwendet werden, die ein abgedunkeltes Umfeld gewährleisten. Männchen und Weibchen werden gemeinsam in den Käfig gesetzt, und die Paarung findet in der Regel in den ersten Nächten statt. Die Weibchen legen ihre Eier überall im Käfig ab.
Fig. 8: Männchen von Brahmaea tancrei zum Gräßenvergleich auf der Hand
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Aufzucht von Brahmaea tancrei mit der richtigen Haltung und den richtigen Bedingungen eine lohnende Erfahrung ist. Die Aufzucht dieser Art ist relativ einfach, die Larven entwickeln sich schnell und stellen keine besonderen Anforderungen an die Aufzucht. Die Aufrechterhaltung trockener Bedingungen in Netzkäfigen während der späteren Entwicklungsstadien, das Angebot frischer Futterpflanzen und die richtige Lagerung der Puppen sind Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Zucht. Auch wenn es bei der Paarung zu Problemen kommen kann, kann die Anpassung von Temperatur und Luftzirkulation die Chancen auf erfolgreiche Paarungen erhöhen.
Bitte bedenken das dieser Zuchtbericht hauptsächlich auf persönlichen Erfahrungen beruht. Wenn jemand zusätzliche Details oder eigene Beobachtungen beisteuern möchte, kann er sich gerne mit mir in Verbindung setzen.
Fig. 9: Männchen von Brahmaea tancrei