Probleme mit Actias selene

    hallo liebe falterfreunde,

    hatte im letzten jahr auf einmal das bedürfnis mit faltern anzufangen und hab mir actias selene eier besorgt.
    einige raupen schlüpften auch (nicht viele), gingen aber kurz darauf ohne jegliche futteraufnahme ein.
    nach mehreren darauffolgeneden fehlschlägen mit gesendeten raupen kamen dann auch mal einige durch (7 um genau zu sein).
    das raupensterben wurde mir als ein virus erklärt, das durch die nicht gerade optimalen transportbedingungen hervorgerufen wird (mal in der sonne, mal zu kalt = so in der richtung).
    die 7 zwerge wuchsen und wuchsen. nach 2 monaten (könnten auch weniger gewesen sein) verpuppten sich die ersten.
    aus allen puppen schlüpften im endeffekt auch falter (2 mädels und 5 herrn).
    sie legten unmengen an eiern, bevor sie das zeitliche segneten. die eier wiederum schlüpften nach ungefähr 1 woche.
    die räupchen wurden eingenebelt und tranken auch super.
    durch die flüssigkeitsaufnahme verdoppelten sie ihr körpervolumen auch. bis hierhin war alles noch normal, doch dann gings los.
    fressen wollten sie zuerst nicht (ok soll ja zuerst normal sein). angeboten wurden lorbeerkirsche, walnuss und später auch noch kirsche.
    nur die lorbeerkirsche wurde angefressen und die paar kleinen, die sich dazu entschlossen hatten, gingen später auch noch ein (noch in l1).
    im großen und ganzen hab ich also wieder massenvernichtung betrieben.

    nun meine frage:
    woran liegt die konsequente futterverweigerung (temperatur 23-25 / gute lüftung durch gazedecke) ?

    wie oben schon gesagt: eilen tuts nicht mehr (alle leider schon im jenseits), aber ich würds halt gern wissen,
    warum ich eine anfängerart nicht durch bekomme !!! (halte alles mögliche, und nirgends hatte ich einen totalausfall)


    liebe grüße aus der pfalz


    tobias

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    Hallo Tobias,

    ich möchte Dich nur kurz zum Trost darauf hinweisen, daß kontinuierliche Zucht über mehrere Generationen auch sonst etwas kompliziert ist und oft schiefläuft, weil sich die Bedingungen und Bedürfnisse z.T. von Generation zu Generation verändern; das Problem in unseren Breiten ist z.B., daß die meisten saftigen grünen, laubabwerfenden Pflanzen, die im Frühjahr und Sommer perfektes Futter abgeben, im Herbst (oder schon in der zweiten Sommerhälfte) kein geeignetes Futter mehr sind, auch wenn das Laub noch grün und frisch aussieht... Walnuß und Kirsche sind z.B. eher in der ersten Sommerhälfte gut geeignet und werden dann allmählich welker, und Lorbeerkirsche treibt im Frühjahr saftige Triebe, die viel Wasser enthalten, während die Blätter im Herbst viel fester sind und eine hohe Konzentration an Stoffen enthalten, die den Raupen so vielleicht nicht mehr bekömmlich sind. (Ein sehr geeignetes Futter - und zwar v.a. in der winterlichen Zeit - ist Rhododendron.)
    Die heimischen Arten sind darauf angepaßt und halten es meistens so, daß sie nur maximal eine Generation pro Jahr ausbilden - mit den tropischen ist es in der Zucht etwas schwieriger, denn man muß sie auch im Winter mit einer Pflanze von gleichmäßiger Qualität versorgen. Nun wird von so manchen Züchtern berichtet, P. laurocerasus sei auch ein perfektes Winterfutter für A. selene - aber ich muß zugeben, daß meine Zuchten im Winter bisher nur auf Rhododendron erfolgreich waren. Auf P. laurocerasus gingen mir die Räupchen meistens so ein, wie Du es beschreibst. Z. Zt. ziehe ich versuchsweise einige Raupen von A. mylitta auch auf P. laurocerasus - und es klappt; allerdings ist die sterberate doch ziemlich hoch und sie fressen weniger als (auch wenn sie gleich schnell wachsen wie) auf sommergrünen Pflanzen à la Hainbuche. Einige Räupchen fressen sogar Götterbaum - aber das dürfte etwas schwierig werden, mal sehen!

    Schöne Grüße,

    vielen dank für die schnelle antwort. blöd von mir : hab alles ausprobiert nur unseren rodo in ruhe gelassen.

    mein leistensfehler ging nun auf kosten der raupenleben :frowning_face:

    werdes irgendwann noch mal versuchen und noch mals vielen dank


    gruß

    tobias

    Hallo Tobias & Kollegen,
    meiner Meinung nach wird die Sache mit dem Einnebeln der Jungraupen oft übertrieben und als Notwendigkeit dargestellt.
    Ich persönlich halte gar nichts davon.
    Viel wichtiger ist gerade bei Frischgeschlüpften und auch Jungraupen bis L3 eine konstante Luftfeuchtigkeit.
    Nich eins, zwei oder x mal täglich einnebeln und dann zwischenzeitlich in einem gut durchlüfteten Gazekäfig wieder austrocknen lassen.
    Die Jungraupen trinken viel zu viel und fressen umso weniger.
    Ich praktiziere seit Jahren bei feuchtigkeitsliebenden Saturniden folgende Methode:
    Man nehme eine angemessen große Tupperdose ( oder auch Grillenschachtel ),
    auf den Boden eine Lage Toilettenpapier, Zewa o.ä. ,
    einige Tropfen Wasser darauf,
    Futter & Jungraupen rein,
    wieder eine Lage Zewa drüber und Deckel drauf.
    Dann noch passend temperiert, dunkel wegstellen, fertig!
    Nach kurzer Zeit bildet sich an den Seiten Kondenswasser und die Luftfeuchtigkeit liegt bei 95 - 98 %.
    Von den sich an den Seiten absetzenden Kondenswasser wird auch getrunken aber weniger, da die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist.
    Man muss natürlich gut darauf achten, dass es nicht zu viel wird mit dem Kondensat und die Jungraupen darin ertrinken.
    Man braucht keine Angst zu haben, dass die Jungraupen bei fest verschlossenem Deckel ersticken, und wer meint, es müsse unbedingt eine Sauerstoffzufuhr vorhanden sein, derjenige macht einfach einige kleine Löcher in den Deckel.
    Ist aber meiner Meinung nach überflüssig.
    Auf dieser Art und Weise fressen die Raupen schon kurz nach dem Schlupf.
    Nach 2 bis 3 Stunden erste Kontrolle, dass nicht zu viel Kondensat in der Schachtel ist.
    Wenn doch, Deckel auf, obere Lage Zewa auswechseln, Seiten abtupfen und wieder zu machen.
    Bei der ersten Kontrolle sieht man auch meistens schon den ersten Kot der Jungraupen.
    Nun noch was bzgl. Futter:
    Wie Bostjan erwähnt hat, ist Rhododendron im Winter für A. selene schon optimal.
    Aber auch Prunus laurocerasus geht im Winter ab L2/L3.
    In L1 nehmen die Jungraupen aber die Lorbeerkirsche meist ungern bis gar nicht an,
    aber auch hierfür gibt es eine Lösung:
    Ich nehme für die L1 Jungraupen dann erst ( oft bis Ende November verfügbar ) Prunus serotina ( späte Traubenkirsche ),
    anschl. auch Prunus lusitanica ( portug. Lorbeer ) , ist auch im Winter grün.
    Oder auch Pyracantha ( Feuerdorn ) .
    Ab L2/L3 wechsel ich dann auf Lorbeerkirsche.
    Die Raupen fressen erst zögernd aber danach ohne Probleme.
    Ich habe zur Zeit ca. 300 bis 400 Raupen von L2 bis L4 an P. serotina und P. laurocerasus.
    Ich nehme Lorbeerkirsche bei solchen großen Mengen an Raupen zu dieser Jahreszeit weil es einfacher und besser zu beschaffen ist als Rhododendron.
    Mit zunehmender Größe der Raupen wird dann die Luftfeuchtigkeit verringert.
    Ab L3 fressen sie auf gewässerten Lorbeerkirsche, frei im Raum stehend bei 15 bis 25 ° C und 50 - 60% Luftfeuchtigkeit ohne auch nur einmal angesprüht worden zu sein bis zur Verpuppung durch.
    Ich wünsche dir schon mal viel Erfolg für deine nächste A. selene - Zucht und würde mich nicht wundern wenn dir die Zucht auf der o. g. Art und Weise gelingen würde.
    Gutes Material ist natürlich Voraussetzung.
    Ich hoffe dir und allen anderen Anfängern hiermit ein wenig geholfen zu haben,
    schöne Grüße,
    sphingidae

    Wer mit Tieren und Pflanzen in der richtigen Weise umzugehen weiß,
    erschließt für sich Quellen unversiegbaren Reichtums. ( Max Metzger )

    Lieber Tobias,
    habe Deine Probleme mit Actias selene gelesen.
    Seit nunmehr über 50 Jahren züchte ich Schmetterlinge u.a. über 20 Jahre Actias selene.
    Ich möchte Dir folgende erfolgreiche Hinweise geben:

    Die Eier solltest Du nach Erhalt bzw.Ablage in Plastikdosen lagern,
    die Du oben luftdicht mit Folie abdichtest (Gummiband).
    Nach dem Schlupf der Raupen diese mit einer Feder oder
    Tuschpinsel an folgendes Futter setzen , wenn vorhanden :

    Weißdorn, alle Buchenarten, sowie Rhododendron.

    Wichtig ist, dass das Futter sauber ist.
    Die Zucht der Raupen führst Du am besten in Plastikeimern
    und später, nach 3.-4.Htg. in Plastikascheimern durch.
    Den Boden und die Seiten mit Saugpapier auslegen.
    Die Futterzweige lose in die Behälter hineinstellen.
    Winterzuchten nur an Rhododendron durchführen.
    Lorbeerkirsche hat Giftstoffe, die die kleinen Raupen verenden lassen.
    Die Zuchtbehälter (Eimer und Ascheimer) stets mit Folie abdecken.
    Bei den größeren Raupen 3.-4.tg. mit einer Nadel mehrere Löcher hineinstechen.
    In den abgedeckten Behältern entsteht stets eine gleichbleibende Temperatur
    und Luftfeuchtigkeit.
    Die Raupen fressen sehr schnell, weil sie den in den Blättern gespeicheren
    Sauerstoff aufnehmen. Reinigung alle 2-3 Tage.
    Das Futter hält sich lange in den Behältern frisch, besonders Rhododendron.

    Mit dieser Methode habe ich fast immer Zuchterfolge von mindestens 90 % erreicht.
    Wenn Raupen flüssigen Kot abgeben, diese sofort aus den Behältern entfernen
    und das Futter erneuern.
    Es handelt sich hierbei um eine sehr ansteckende Darmerkrankung,
    die fast immer zum Tod führt.

    Falls Du noch weitere Fragen hast, kannst Du mir eine e-Mail senden
    hagipeters@versanet.de.

    Ich wünsche viel Erfolg.

    Freundliche Grüße Harry Peters

    (Entomologe)

    hab nun die eier in dosen mit feutem küchenpapier gezeitigt und rodo als futterpflanze dazugelegt. vor zwei tagen ist dann die erste raupe gechlüpft (derzeit sind es elf). alle bis auf eine fressen nun fleisig. :applaus:

    vielen vielen dank für die tollen hilfestellungen !

    großartig mit dem forum hier (alleine hätte ich dies wohl nicht so schnell geschafft/ irgendwann vielleicht mal, aber die ausfälle wären rießig gewesen)

    gruß

    tobias

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