Parthenogenese bei Schlehenspinnern?

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Leute,
    mir ist heut etwas sehr komisches passiert.
    Zur Vorgeschichte:

    Letztes jahr fand ich eine Raupe des Schlehenspinners, es entwickelte sich eine weibliche Puppe daraus. Weil sie so unscheinbar aussehen, bemerkte ich den Schlupf erst nach etwa 2 Tagen. In dieser Zeit stand die kleine Pflanze mit dem Kokon in der Spitze und dem Weibchen drauf die ganze Zeit über in einer absolut dichten Foliere. Nach besagten 2 Tagen war das Weibchen gerade dabei, den Kokon mit Eiern zu belegen, wenige Stunden später starb es. Die Eier, natürlich unbefruchtet, hob ich nur auf, weil sie so schön auf dem Kokon aussahen, ich wollte eigebntlich mal ein Präparat draus machen.

    Heute nun schaue ich zufällig auf den Kokon - aus den Eiern sind winzige Raupen geschlüpft, wenigwe Stunden alt.
    Da ich zu etwa 95% ausschließen kann das ein Männchen dran war, blieb mir als einzig reale Lösung die Parthenogenese.
    Jetzt allerdings die frage - sind Schlehenspinner eigentlich dazu in der lage, in Ausnahmefällen "Klonjungfern" der Mutter zu bilden? :nixweiss:
    Bitte sehr um erhellende Antwort...
    Lucas

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    Hallo Lucas,

    eine Jungfernzeugung oder Parthenogenese bei Schmetterlingen ist mir nicht bekannt. Aber auch ich habe mich bei einem O. antiqua Weibchen gewundert, das aus den Eiern doch Raupen schlüften obwohl doch kein Männchen in der Nähe sein konnte.

    Ich denke zunächst erst mal an diese 5 %, die Du das Tier nicht beobachten konntest, in der irgend ein Männchen vorbeiflog und das Weibchen begattete. Nicht alle Falter haben eine ganze Nacht "Sex" miteinander. Bei einigen reichen wenige Minuten oder sogar nur Sekunden, das Weibchen zu begatten.

    Viele liebe Grüße
    Franz

    wenn es eine Parthenogenese gewesen sein sollte, müßten nur Weibchen rauskommen. Insgesamt also eine recht traurige Angelegenheit :winking_face: . Aber so läßt es sich rausfinden. hat nicht antiqua 2 Generationen?
    Ohne diese Arbeiten da unten gelesen zu haben, deren Titel ich im Netz gefunden habe, scheint es aber nicht ganz zu stimmen, dass es das bei Schmetterlingen generell nicht gibt.
    Interessant außerdem: hier gab es schonmal einen Thread, der u.a. die Parthenogenese ansprach, Luckyluke, und auch Du, Fladda, und hoppla, auch ich waren dran beteiligt :smiling_face_with_sunglasses: - hier der Thread: es gibt sie sehr wohl!

    PICTET, A.
    1924 - Contribution à l'étude de la parthénogenèse chez les Lépidoptères.
    Bull. Soc. Lépidopterol. Genève, 5:107-118.

    BATAILLON, E. & TCHOU SU
    1933 - Les processus cinétiques dans l'oeuf de Bombyx mori (fécondation
    normale, parthénogénèse, activation polyvoltinisante,
    dissociation expérimentale des rhythmes).
    Arch. Anat. Micr., 29: 285-372, 12 ests.

    KOLTZOFF, N. K.
    1932 - Ueber die kuustliche Parthenogenese des Seidenspinners.
    Biol. Zentralbl., 52: 626-642.

    SEILER, J.
    1923 - Die Parthenogenese der Psychiden.
    Zeits. Indukt. Abstamm.-und Verrerbungslehre, 31: 1-99, 3
    ests., 12 figs.
    1927 - Ergebnisse aus der Kreuzung parthenogenetischer und zweigeschlechtlicher
    Schmetterlinge.
    Biol. Zentralbl., 47:426-446, 12 figs.

    • Offizieller Beitrag

    Ich hab mir mal erlaubt aus Bequemheit den Artikel zur Parthenogenese als Zitat aus der anderen Disskusion auszukopieren:

    Franz:
    ich habe die 5% natürlich nicht ausgerechnet, wollte nur deutlich machen, dass es fast unmöglich ist, dass ein Männchen dran war. Aber ein Gewisses Restrisiko kann man nirgendwo ausschließen. Außerdem hab ich mich mal schlau gemacht, eine Paarung von antiqua dauert nicht lang, aber in der regel doch etwa 2 Stunden +-. In dieser Zeit kann ich nun tatsächlich eine Paarung ausschließen, ich hab das :female maximal 10 Minuten allein gelassen, und in dieser Zeit legte es schon Eier. Wie ich aus dem obigen Zitat von Ralf Waltemathe schließen kann, ist auch Lymantria dispar zur Jungfernzeugung fähig, antiqua ist zwar nicht direkt verwandt mit dispar, aber immerhin die Familie ist gleich.
    sven
    danke für die Quellen und den link zum fred, an den hatte ich gar nicht mehr gedacht. Naja, handelte ja auch mehr von Inzucht und Epigenen...
    Ja, antiqua hat zwei bis drei Generationen. Ich werde natürlich versuchen, die Raupen groß zu ziehen, dann werden wir ja sehen, was draus wird.

    Das sollte jetzt allerdings nicht das Schlußwort gewesen sein, ich bin sehr dankbar für weitere gute Beiträge, persönliche Erfahrungen...etc

    Lucas

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