Eierlegender Nachtfalter

    Letztens beim nächtlichen Fledermausfang ist mir wiederholt etwas recht Merkwürdiges passiert - beim Ableuchten der Netze bemerkte ich jeweils einen still am Netz sitzenden Nachtfalter, der sich weder durch das kurze Anleuchten alle paar Minuten, noch durch leichte Bewegungen des Netzes aufschrecken ließ - er verharrte dort über 30 Minuten :face_with_rolling_eyes: .

    Als ich das eine Mal Feierabend machte und die Netze abnehmen wollte, den Falter natürlich nicht einpacken wollte, versuchte ich ihn zum Weiterfliegen zu animieren - Fehlanzeige. Beim genaueren Hinsehen bemerkte ich dann, dass es wohl eine Falterin war, die fleißig schon mehrere Dutzend Eier am Netz ablegte :loudly_crying_face: ... tat mir sehr leid, aber sie musste sich dann wohl oder übel ein anderes Plätzchen suchen.

    Mich interessiert nun natürlich, welcher Falter so "dreist" (ich müsste besser sagen "ungeschickt") war. Hoffe es ist anhand der wenigen und eher suboptimalen Bilder machbar... :confused_face:
    Ich habe an Noctua pronuba gedacht, konnte allerdings die Hinterflügel nicht anschauen...

    Das Habitat war im ersten Fall am Rand eines größeren Regenrückhaltebeckens (Gehölze, Blühstreifen, rasenartige Flächen), am westlichen Stadtrand von Osnabrück.
    Im zweiten Fall war es ein Waldrand mit Fließgewässer und rasenartigen Flächen im Anschluss, ebenfalls Stadtrand von Osnabrück.


    Viele Grüße,

    Irina

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    Hallo Irina,

    ist wohl Noctua pronuba, evtl. auch Noctua orbona (die ist allerdings erheblich kleiner als pronuba)


    Viele Grüße

    Hallo Rainer (?),

    danke für deine Antwort :applaus: .
    Wenn nur diese beiden zur Auswahl stehen, tendiere ich (als Laie) zu N. pronuba - das Tier war geschätzt mind. 4 cm lang. Konnte auf die Schnelle im Netz keine Längenangaben zu N. orbona finden, nur Flügelspannweiten, das hilft mir leider nicht.

    Kann es sein, dass die Farbe bei der Art stark variiert? Und ist dieser ungewöhnliche Platz für eine Eiablage normal? Ich meine mich zu erinnern, dass die Art an sich relativ anspruchslos ist, aber ich frage mich, mit was sie das Netz wohl verwechselt haben mag...

    Eine weitere Frage - haben die Eier, die ich vorsichtig aus dem Netz geschubst habe, auf die Wiese gefallen überhaupt eine Entwicklungschance (wenn sie nicht plattgetreten, gemäht... werden), oder müssen sie am Substrat haften?

    Danke für die kommenden Antworten!

    Viele Grüße,
    Irina

    Hallo soil,

    auch dir besten Dank für die Antwort.

    Zum "warum" des Fledermausfangs: vermutlich fängt man Fledermäuse aus ähnlichen Gründen wie Lepis & co - um etwas über Vorkommen und Verbreitung zu erfahren in aller Regel. Zwar kann man vorbeifliegende Tiere auch mit einem Detektor erfassen und belauschen (die Heuschrecken-Fans werden diese kennen), aber nicht immer sicher bestimmen - und erst recht nicht sagen, ob es Männchen oder Weibchen, adulte oder juvenile Tiere sind, was aber von enormer Bedeutung für die Interpretation ist (Weibchen sind viel anspruchsvoller).

    Auch bei diversen Planungsvorhaben werden Fledermäuse gefangen zwecks artenschutzrechtlicher Prüfung (schließlich sind alles Arten des FFH Anhang IV, einige Arten sogar Anhang II)... sie werden jedoch niemals mitgenommen, sondern stets nach der Bestimmung am Fangort wieder freigelassen.

    Manchmal fängt man auch Fledermäuse, um ihnen einen Miniatursender auf den Rücken zu kleben und sie einige Nächte lang auf ihrem Weg zu verfolgen (Telemetrie)...

    Um auch die Frage nach dem "wie" zu beantworten - hast du schonmal einen Vogel-Fang miterlebt? Das läuft ähnlich, wir haben nur anderes Netzmaterial. Die Netze sind mehrere Meter hoch und breit und werden zwischen zwei Stangen, die in den Boden gesteckt werden, aufgespannt. Die feinen Maschen sind ja auf dem Falter-Foto ganz gut zu erkennen. Ich suche aber am besten mal ein Foto rausund werd es demnächst hier hochladen (auch wenn das ein Forum für Spinnen und Insekten ist, man möge es mir verzeihen), dann kannst du dir im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild davon machen :smiling_face:

    Hallo Irina,

    eine Frage ist ja noch offen geblieben, was passiert mit den Eiern, die N. pronuba abgelegt hat. Mach Dir da mal keine Sorgen, da werden, wenn nicht

    Zitat

    Eine weitere Frage - haben die Eier, die ich vorsichtig aus dem Netz geschubst habe, auf die Wiese gefallen überhaupt eine Entwicklungschance (wenn sie nicht plattgetreten, gemäht... werden), oder müssen sie am Substrat haften?

    wirklich das Biotop platt gemacht wird, werden alle Raupen schlüpfen, und die haben absolut eine Chance!.

    Ja, und zudem ist N. pronuba sehr variabel, es gibt sie von hellocker bis fast schwarzbraun. Aber die Zeichnung auf den Flügeln ist immer identisch!

    Viele liebe Grüße
    Franz

    Hallo Irina,


    aufgrund der von Dir geschätzten Länge ist es sicher pronuba. Der Eiablageplatz ist nicht gerade typisch, aber viele Schmetterlinge legen ihre Eier (zumindest in Gefangenschaft) an allerlei Unterlagen ab. Die Räupchen haben sicher eine große Überlebenschance (wenn nicht gerade ein großer Fuß drauf tritt)


    Viele Grüße

    Rainer

    Ich danke euch ihr Lieben für die aufschlussreichen und beruhigenden Antworten :smiling_face:
    Beim nächsten Mal werde ich versuchen, die Tiere vorher von ihrer Absicht am Netz abzubringen, auch wenn die Beobachtung sehr spannend und für mich nicht alltäglich war.

    Viele Grüße,

    Irina

    P.S.: Hier ein Bild von einem Fangnetz für Fledermäuse... durch die waagerechten Spannleinen in einigem Abstand bilden sich "Taschen", in die die Tiere plumpsen, nachdem sie gegen das Netz geflogen sind.

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