Kein glückliches Händchen oder schlichtweg Pech bei der Zucht von Lemonia dumi?

    Hallo zusammen,

    viele sind jetzt vielleicht enttäuscht oder gar genervt diese schlechte Nachricht von mir zu lesen, vorallem jene die mich grosszügig mit Raupen von Lemonia dumi versorgt haben und ich möchte mich für die Enttäuschung entschuldigen, den ich denke, gerade bei so einer wertvollen Art ist der Frust auf beiden Seiten sehr gross.

    Dieses Jahr wollte ich einen zweiten Anlauf nehmen mit der Zucht von Lemonia dumi, in der Hoffnung, im Herbst mit Weibchen Lockversuche durchführen zu können um eventuelle neue Vorkommen zu finden. Zu diesem Zweck habe ich letzten Herbst Eier über Actias bezogen. Die Überwinterung erfolgte ohne Probleme und nahezu alle Räupchen sind geschlüpft. Als Futter reichte ich Löwenzahn welcher ich von ungedüngten Standorten (Wald, verwilderte Kiesgrube) und möglichst weit weg von Landwirtschaftsflächen besorgte. Zum einen hielt ich einige Raupen bei recht hoher Luftfeuchtigkeit (ganze Pflanze mit Wurzel gefüttert), andere etwas trockner (Schnittfutter, z.T. leicht angewelkt). Alle Raupen hielt ich drinnen bei relativ konstanter Temperatur. Die Jungraupen frassen zu Beginn ganz ordentlich und auch das Wachstum konnte gut beobachtet werden.Plötzlich ging das grosse sterben los. Praktisch an jedem Tag fand ich tote Raupen vor :loudly_crying_face: Dann fing ich an das Futter von anderen Standorten zu besorgen, setzte die noch lebenden Raupen in neue Gefässe um, hat alles nichts gebracht, das Sterben ging ungehindert weiter... auch bei einen erneuten Bezug von Raupen über Actias hatte ich überhaupt kein Glück... hier das genau gleiche :loudly_crying_face: Ich bin enorm frustriert und sprachlos, hab keine Ahnung was schief gelaufen ist oder was ich falsch gemacht habe... :hilfe:

    Erstaunt bin ich aber, dass ich trotzallem 3 Puppen erhalten habe, aber ich weiss schlichtweg nicht was ich da anders gemacht hätte... diese 3 Raupen frassen ohne Probleme sowohl das Schnittfutter wie auch die Pflanze mit Wurzel gereicht. Diese 3 waren zum Schluss nahezu so gross wie ein Zeige- oder gar Mittelfinger! Die Verpuppung verlief ohne Probleme. Die 3 Puppen ruhen nun in Mulden in recht feuchter Nadelwalderde in einem Kunsstoffgefäss mit nur kleinen Luftlöcher um die Luftfeuchte hoch zu halten.

    Hat jemand schon ähnliche oder gleiche Erfahrungen gemacht, oder kann mir jemand einen Tipp geben, was schief gelaufen ist oder was ich falsch gemacht habe?

    Ich wage es gar nicht zu fragen ob man jetzt noch Raupen von L. dumi bekommt, obschon die Versuchung sehr gross ist es in diesem Jahr nochmals zu versuchen ... vielleicht ist es gescheiter es erst im nächsten Jahr erneut zu versuchen.

    Danke und traurige Grüsse

    Max

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    Hallo Max,

    ich kann Deinen Frust sehr gut nachvollziehen, möchte Dir aber gut zureden. Solche Erfahrungen kennen wohl viele von uns. Ich selber bin froh, dass ich Dank Freunden wie Heiner bisher nicht zu Antidepressiva greifen musste :grinning_squinting_face:

    So wie Du das beschreibst, glaube ich an irgend so eine blöde Infektion, die sich kontinuierlich durch die ganze Zucht frisst und auch "Neuzugänge" rasch erfasst. Da hilft höchstens noch Einzelhaltung und für den nächsten Versuch eine gründliche Desinfektion oder Ersatz der Zuchtbehälter. L. dumi ist bei der Raupenhaltung nämlich eigentlich sehr unkompliziert. Löwenzahn geht dabei sehr gut, auch als Schnittfutter. Die Zuchtbedingungen sollten eher feucht und mäßig warm sein (die Art lebt auf Wiesen mit derartigem Mikroklima). Auch warme Haltung ist in Ordnung, die Raupen explodieren dann aber förmlich im Wachstum. Schwierig wird es dann aber bei der richtigen Behandlung der Puppen. Dazu gibt es aber hier gute Hinweise von Falk.

    Also: Kopf hoch, beim nächsten mal wird´s bestimmt besser.

    LG, Andreas

    Bin immer auf der Suche nach Automeris-Arten und nehme gerne neben Eiern auch kleinere Stückzahlen von Kokons ab.
    Ebenso suche ich stets interessante leere Kokons aller möglicher Arten.

    Hallo Andreas,

    besten Dank für deine Antwort und die aufmunternden Worte!
    Nun ja, als ich gelesen habe dass L. dumi als Raupe eigentlich sehr unkompliziert ist bekam ich doch schon wieder Zweifel, aber beim weiterlesen legte sich dies dann wieder etwas.

    Antidepressiva werde ich hoffentlich nicht benötigen :smiling_face: , aber ich dachte im ernst daran alles hinzuschmeissen, oder wie ich zu sagen pflege: Fenster auf und alles rausschmeissen in die Mülltonne!!
    Aber wo zum :fluchen: :fluchen: :fluchen: :fluchen: :fluchen: kam diese Infektion her??? Die Tiere hielt ich nicht alle zusammen, die Gefässe waren sauber, mit heissem Wasser vor Gebrauch nochmals gründlich gespült, das gleich bei jedem sauber machen...
    Bei anderen Zuchten hatte ich keine Probleme.
    :nixweiss: :nixweiss:

    Die wertvollen Hinweise von Falk habe ich mehrmals durchgelesen (danke vielmals an dieser Stelle!) und dies auch so gemacht mit den Heimchendosen, und wie erwähnt zu Beginn lief eigentlich alles recht gut.

    In der Zwischenzeit wurden nahezu alle Gefässe weggeschmissen, einige jedoch in der Spühlmaschine gründlich gereinigt und im Schrank verstaut.

    Ich hoffe sehr dass es beim nächsten mal klappen wird!

    Nochmals herzlichen Dank und eine erfolgreiche, von hohen Verlusten verschohnte Saison!

    Lg, Max

    Hallo Max,

    noch ein Hinweis: L. dumi mag es zwar feucht, es empfiehlt sich aber - wie bei den meisten Raupen - sie nicht in geschlossenen Dosen zu halten. Ich würde die Dosen mit einem großen Gazefenster ausstatten, damit keine gestaute Feuchtigkeit entsteht. Löwenzahn kann dann durchaus auch mal feucht gereicht werden, solang die Blätter dann im Laufe der Zeit abtrocknen können. Als Unterlage Küchenpapier, bei Jungraupen anfangs auch angefeuchtet. Die Einlage alle 2 Tage wechseln. Die Infektion kann dann nicht mehr so leicht greifen, aber eine Garantie gibt es leider nie und woher eine Seuche dann kommt, ist mir auch immer schleierhaft... :verwirrt:

    LG, Andreas

    Bin immer auf der Suche nach Automeris-Arten und nehme gerne neben Eiern auch kleinere Stückzahlen von Kokons ab.
    Ebenso suche ich stets interessante leere Kokons aller möglicher Arten.

    Hallo Andreas,

    herzlichen Dank für deine wertvollen Hinweise!
    Mir ist der Gedanke gekommen, ob ich die Infektion womöglich mit dem Futter eingeschleppt habe während dem miesen, nassen und kühlen Wetter (Erreger auf dem Futter), aber das bleiben lediglich Vermutungen, das Unglück ist leider ja schon geschehen...
    Hoffe dass es beim nächsten mal, in dem Fall im nächsten Jahr, klappen möge!

    Nochmals besten Dank!

    Lg, Max

    Hallo Max,

    Andreas hat ganz Recht. Eine Spielzeugbox 50 x 60cm beherbergt bei mir um die 40 Raupen. Das Futter ist in einer 10 cm dicken Schicht lehmiger Kalkerde eingepflanzt. Wenn alles weg gefressen ist, schmeiße ich nur noch Blätter vom Löwenzahn oder Habichtskraut oben drauf. Habichtskraut nehme ich gerne das Hieracium aurantiacum.
    So und jetzt kommt der Hammer.
    Behälter säubern: :bibber:
    Da wir uns wider viel zu viel zugemutet haben, sind die Behälter in diesem Jahr nicht ein einziges mal erneuert wurden. Die Raupe von L. dumi ist ne richtige Drecksau, sie entwickeln sich prächtig und Ausfälle gab es auch noch nicht.
    Wahrscheinlich durch die Kalkerde, habe ich keinen Schimmel in den Behältern. Ich konnte Raupen beobachten welche offensichtlich Erde oder und auch Kot zu sich genommen haben. Das macht in meinen Augen auch Sinn.
    Die Mikrobiota besteht aus über 1000 verschiedenen Bakterien. An die kleinen Helfer kommt man doch am schnellsten wenn man einfach ein Stück Schei..?..e frisst.
    Ich selbst würde da eher einen links oder rechts gedrehten, probiotischen Jogurt mit aus Braunkohle oder Sägespähnen hergestelltem Erdbergeschmacksstoff bevorzugen. Naja, suum cuique.
    Hier noch ein Bild von den total verwahrlosten Behältern: Le petit schäääääm

    Hallo Falk,
    Is doch wurscht, wie deine Raupen hausen, du verlangst ja keinen Eintritt. Die Hauptsache ist, dass es ihnen gut geht!
    Lässt du den Deckel länger offen, oder hast du ihn meinstens geschlossen??
    Viele Grüße
    Martin

    Hallo Martin,

    den Plastikdeckel haben wir am Rand ausgeschnitten und Gaze eingeklebt. Der Deckel ist immer drauf, durch die Gaze ist die Luftzirkulation gewährleistet. Ansonsten steht der Behälter bei Wind und Wetter an der Ostseite des Hauses.

    Nette Grüße
    Annett

    Hallo Annett,
    Aha, jetzt macht die Sache Sinn.
    Ihr seht ja, dass ich ein Frischling bin, es werden noch mehr solcher Fragen kommen, :nixweiss: also geht schon mal in Deckung.
    Vielen Dank für die schnelle Antwort.
    Viele Grüße
    Martin

    Hallo Max,
    also Du schreibst mir absolut aus der Seele. Ich habe wirklich haarklein die gleichen Erfahrungen machen müssen. Nur leider hab ich nicht eine einzige Raupe durchbekommen. Es ist für mich nicht nur ärgerlich wegen des kostbaren Zuchtmaterials, sondern weil ich einfach den Grund für das plötzliche Sterben nicht erkennen konnte. Das nervt total :confused_face:
    Deshalb bin ich froh, dass Du hier das Thema mal angeschnitten hast und die erhaltenen Antworten machen mir doch wieder etwas Mut. So schnell geb ich nicht auf :smiling_face:
    v.g.
    Monty

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    Hallo zusammen,

    danke auch Falk für die wertvollen Hinweise!!

    Dann ist es also durchaus möglich, dass ich meine dumi-Raupen "zu sauber", also fast zu "klinisch" gehalten habe... ich wollte alles so gut wie möglich machen, und daher habe ich gerade das Gegenteil bewirkt, also quasi mich in übertriebenem Masse um die Tiere gekümmert.

    Ach ja, dein Behälter :daumenja: (träum und schwärm von sowas!!!) ist aus meiner Sicht keinesfalls verwahrlost, den wie Martin geschrieben hat, solange sich die Raupen prächtig entwickeln und du keine Ausfälle hast scheint also alles zu stimmen! Vielleicht sind eben solche ""vewahrloste"" Behälter das Rezept für Zuchten die unter anderen Umständen schwierig sind und nicht recht gelingen wollen.

    Das sehe ich nun bei dieser Disskusion viel bewusster bei meinen P. matronula. Diese halte ich in einem, in dem Fall auch "total verwahrlosten", Aerarium bei Wind und Wetter draussen auf dem Balkon (westseitig), welches nun eher einem kleinen Komposthaufen gleicht und mittlerweilen fast 2kg schwer ist. Und was hier gesagt werden muss, es riecht keineswegs übel oder fault und saftet widerlich! Da habe ich von Beginn weg Löwenzahn mit Wurzeln einfach reingeschmissen und ständig neues Futter oben drauf...nun die Überwinterung der Raupen hat prima geklappt, einige waren im Herbst sogar ausgewachsen und haben nur einmal überwintert, so dass schon dieses Jahr Falter geschlüpft sind und mit der Weiterzucht hat es auch bestens geklappt. In einem zweiten kleineren Aerarium das gleiche Prinzip, und hier hat es auch bestens geklappt mit der 1. Überwinterung der Raupen und ich bin zuversichtich, dass es mit der 2. Überwinterung so auch klappt! Bärenspinner-Raupen werde ich künftig weiterhin so züchten und überwintern, den so können die Tiere, wie mir auch schon gesagt wurde, aus verschiedenen Ebenen und Tiefen auswählen und sich dort aufhalten wo es ihnen am meisten zusagt.

    Sollte es in diesem Herbst klappen und ich wieder Eier von L. dumi bekommen kann, werde ich diese Methode im nächsten Jahr anwenden, aber hier wie empfohlen in einer Plastikbox um die Luftfeuchte zu halten.

    Jetzt noch eine "blöde" Frage. Kalkerde... was ist das genau? Erde aus einem bestimmten Gebiet oder einen extra hergestellte Mischung?

    Besten Dank und schöne Grüsse

    Max

    Hallo Max,
    also Du schreibst mir absolut aus der Seele. Ich habe wirklich haarklein die gleichen Erfahrungen machen müssen. Nur leider hab ich nicht eine einzige Raupe durchbekommen. Es ist für mich nicht nur ärgerlich wegen des kostbaren Zuchtmaterials, sondern weil ich einfach den Grund für das plötzliche Sterben nicht erkennen konnte. Das nervt total :confused_face:
    Deshalb bin ich froh, dass Du hier das Thema mal angeschnitten hast und die erhaltenen Antworten machen mir doch wieder etwas Mut. So schnell geb ich nicht auf :smiling_face:
    v.g.
    Monty


    Hallo Monty,

    nerven ist gar kein Ausdruck, Frust pur!!! Gerade eben, wie du geschrieben hast, wegen dem wertvollen Zuchtmaterial und weil der Grund nicht bekannt ist!!

    Du hast absolut recht, ich gebe auch nicht auf! Und ich wünsche Dir auch ganz fest, dass es beim nächsten mal klappen wird!!

    Lg Max

    Hallo Max,

    Du wolltest wissen was Falk mit "Kalkerde" meint: Wir wohnen in einem kalkreichen Gebiet, die Erde wird einfach dem Garten entnommen und in den Zuchtbehälter eingebracht. Sie ist also nicht speziell gemischt worden.


    Bei uns haben sich fast alle L. dumi verpuppt! Also trotz dem Umzugsstreß und der wenigen Pflege ist die Raupenaufzucht aus unserer Sicht einfach.


    Nette Grüße
    Annett

    Hallo Annett,

    danke für Infos bezüglich der Kalkerde! Dann kann ich nächstes Jahr, sofern es mit der Zucht klappt, normale Erde von draussen den Raupen für die Verpuppung anbieten.

    Glückwunsch zu den vielen dumi-Puppen! Wünsche euch dass alles rund läuft und viele Falter schlüpfen werden, und es vielleicht sogar mit dem Freilandanflug klappt!

    Schöne Grüsse und weiterhin viele Erfolge!

    Max

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