Warum sind Papilio-Puppen verschieden gefärbt?

    Dass es schwieriger ist als dominant und rezessiv habe ich ja oben selbst auch schon geschrieben - das war nur ein vereinfachtes Beispiel. :winking_face:

    Ich bin nicht gegen einen großen Einfluss der Aussenwelt - ich erkenne nur kein "Muster", wenn sie sich alle auf dem gleichen Hintergrund mit der selben Sonneneinstrahlung verpuppt haben.
    Wenn ich mir anschaue, wie die Puppen an dem Brutkasten verteilt sind und wie die Farbgebungen sind, kann ich mir jedenfalls nicht erklären, inwiefern die Puppen dermaßen unterschiedlicher Strahlung ausgesetzt waren, dass sich so ein Muster ergibt. Sie hatten ja alle den selben Hintergrund zur Verpuppung.
    Wenn die oberen hingegen alle z.B. grün gewesen wären und die unteren alle braun, hätte man annehmen können, dass die unteren z.B. mehr UV-Strahlung ausgesetzt waren.
    Oder wurden die Raupen erst ganz kurz vor der Verpuppung dahin verbracht? Dann wären die unterschiedlichen Hintergründe doch eine Möglichkeit, siehe Kohlweißlingspuppen.

    P.S.: Ich widerlege garnichts, ich stelle lediglich Vermutungen an, die für mich persönlich am plausibelsten sind (heißt ja nicht, dass jeder meine Meinung teilen muss, um Himmels Willen - ich will lediglich Denkanstöße geben), das heißt ja auch nicht, dass meine Vermutungen die korrekten sein müssen. Ich freue mich ja, wenn mir andere Leute einen anderen Blickpunkt eröffnen können, soweit ich ihn nachvollziehen kann. Ohne Versuchsreihen können wir da ja eh nur vermuten, und nicht wissen.

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    Der Inhalt dieses Beitrages wurde von Claude Sinner gelöscht.

    Wirklich interessante Artikel, danke für die Links!
    Jürgen: Hatten die Raupen vielleicht doch minimalst verschiedene Hintergründe, vor denen sie sich verpuppt haben? Die einen näher an grünen Pflanzen, die anderen näher an Holz o.ä.?

    Hallo Rene,

    auf Deinen Wunsch noch einige Angaben zur Zucht der abgebildeten Papilio-Puppen:
    Ich habe die Raupen vor 1 Woche von einem Freund in L5 erhalten. Der hatte knapp 100 Raupen von der Ablage eines Weibchens nach Handpaarung erhalten und an eingetopter Ruta graveolens in einem luftigen halbschattigen Gewächshaus gezogen.
    Bei mir lebten sie alle zusammen an gewässerten Zweigen von R. graveolens in einem Zuchtkasten (22x22x34), der meistens auf meinem Schreibtisch ca. 1 m von einem Nordfenster bei normaler Zimmertemperatur stand. Tagsüber hatte ich ihn aber auch öfter bei dem schönen Wetter der letzten Zeit halbschattig vor ein Südfenster gestellt. Die Raupen, von denen die abgebildeten Puppen stammen, hatten sich im Zeitraum von etwa 2 Tagen an der Decke des Kastens verpuppt. Zum Fotografieren hate ich den Kasten umgedreht. Der Strauß mit den Futter stand im hinteren Drittel (auf dem Bild) des Kastens, die auf dem Bild vorderen Puppen hängen dem Zimmer zugewandt, die hinterem dem Nordfenster zu.

    Gruß Jürgen

    Starix: Jetzt kann ich endlich deine Aussage endlich nachvollziehen, dass sie sowohl ein Gen für Grün als auch ein Gen für Braun besitzen. Ich hatte deine Ausführungen bis jetzt etwas misverstanden. Da bin ich nun schon so lange in Deutschland, und hab trotzdem manchmal Probleme, das was ich lese zu 100% semantisch zu erfassen. Aber jetzt wo ich drüber geschlafen habe, ist mir der Schleier vom geistigen Auge gefallen. :winking_face:

    Da stellt sich doch gleich die Frage:
    Wenn die Bedingungen völlig identisch waren (was sie sicher nicht! sind in Bezug auf Licht, Temperatur, Belüftung, Untergrundstruktur, Untergrundfärbung, Verpuppungszeitpunkt(Tag/Nacht), Jahresdurchschnittstemperatur, gute oder schlechte Laune der Raupe :irrelachen: , haben die Blätter geschmeckt oder waren sie zu bitter :astonished_face: , und vieles andere, dann könnten doch auch die Umstände genau auf der"Schlüsselreizgrenze" liegen und die Puppen konnten sich frei entscheiden, ob sie braun oder grün werden wollten? Das ist Freiheit! :winking_face_with_tongue:
    Nein, im Ernst. Die wahre Ursache läßt sich wohl nur empirisch durch Ausschlussversuche feststellen. Und ich bezweifle, dass es "die" Ursache, "den" Auslöser gibt. Meiner Überzeugung nach spielen eine große Anzahl von Faktoren eine Rolle bei der Farbwahl, sowohl exo- als auch endogene Faktoren. Das genetische Potential läßt sowohl braune als auch grüne Farbtöne zu, durch weitere endogene Faktoren ist dann die Wahl bestimmt.
    Diskutieren kann man Vieles, Nachweisen ist die Aufgabe.
    Und da beginnt die Schwierigkeit. Denn nach akademischer Definition gilt eine Erkenntnis erst dann als bewiesen, wenn sie unter gleichen Bedingungen beliebig reproduzierbar ist. Und das ist gerade bei diesem Thema eine umfassende und sehr umfangreiche Arbeit, die aus den verschiedensten Fachbereichen besteht: Biochemie, Genetik, Verhaltensbiologie, Physik, Statistik, usw.
    Ich finde es sehr positiv, sich über die Färbevorgänge Gedanken zu machen, und, selbst wenn es zu keinem "Ergebnis" führt, sich der Tatsache bewußt zu werden, wie kompliziert doch die Vorgänge bei der Entwicklung unserer Lieblinge sind. Und das bei einem scheinbar so "einfachen" Thema wie der Färbung der Puppen!
    Und doch: "Ich weiß, dass ich nichts weiß!" und "Jede Frage wirft 10 neue Fragen auf." :daumenja:
    Für mich sind die Schmetterlinge wie jedes lebende Wesen ein unergründliches Wunder, und daran erfreue ich mich immer wieder.
    Mit kollegialen Grüßen
    Der Thread ist klasse, vielen Dank an Alle
    Arnd

    Ich habe aus abgesicherter Quelle noch eine Beobachtung, die ich nicht interpretieren kann:

    Eine papilio machaon Zucht mit aus Schweden stammenden Eltern hat über zwei Generationen - länger wurde sie nicht beobachtet - ausschließlich graue Puppen hervorgebracht. In beiden Generationen wurden ca. 20 Exemplare gehalten. Gemäß Wahrscheinlichkeitrechnung ist das kein Zufall. Sind in Schweden alle Puppen grau (Anpassung an Umgebung) oder war hier eine dominante Genzusammenstellung am Werk?

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