Zuchterfolg mal anders gesehen...

    Ich laufe schon eine Zeit schwanger mit diesem Thema.

    Um schnell auf den Punkt zu kommen nutze ich den Vergleich zu den Kleintierzüchtern. Bei denen ist das Zuchtziel eindeutig ein vorher definiertes Schönheitsmerkmal einer Rasse. So denke ich an die Taubenzucht meines Vaters zurück, der genau wusste welche Eigenschaften bzw. welches Aussehen seine Tauben haben mussten damit sie ein "v" für vorzüglich bekommen.

    Nun stellt sich mir die Frage auch bei der Zucht von Schmetterlingen. Was bedeutet für euch eigentlich Zuchterfolg?

    In welchem Maße kann der Züchter auf die gesamte Zucht aber auch auf das Aussehen, die Größe etc. Einfluss nehmen?

    Oder bedeutet der Zuchterfolg lediglich die Anzahl der geschlüpften Falter?

    Torsten

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    Grundsätzlich verstehe ich unter einem guten "Zuchterfolg", dass die Zucht erfolgreich verlaufen ist, d.h. dass keine oder fast keine Raupen bei der Zucht eingegangen sind und aus den Puppen alle oder fast alle Falter in einwandfreiem Zustand geschlüpft sind.

    Man kann aber auch auf die Beschaffenheit der Individuen Einfluss nehmen
    1) durch die Fütterung (optimales Futter),
    2) optimale Temperatur und Feuchtigkeit (bzw. Trockenheit),
    3) Auswahl bei der für die Nachzucht verwendeten Individuen. Wenn ich z. B. bei Zerynthia cretica Falter der Form ochracea (bräunliche Grundfarbe), die spontan selten in natura auftritt, in größerer Anzahl erhalten will, nehme ich zur Paarung gezielt Tiere dieser Form und werde bei deren Nachkommen mehr Tiere der f. ochracea erhalten. Bei mehreren Nachzuchten dieser Art wird der Anteil an f. ochracea immer größer.

    Mit freundlichen Grüßen
    Jürgen

    MOin Torsten.

    Das kommt auf die Art und die Situation drauf an.
    Ich arbeite mit einer besonderen Sphingidenart seit gut 6 Jahren und vor zwei Jahren gelang es mir erstmals eine Raupe bis L3 zu bringen. Das war für mich ein großer Schritt in der weiteren Zucht und somit für mich der größte Zuchterfolg von 2010.
    2011 dann schaffte ich es, dass die ersten Imagos schlüpften. In diesem Jahr wäre ein kompletter Ausfall in L3 schon unter mieserablem Zuchterfolg gelaufen. :winking_face:

    In der Regel sehe ich es so, wie Jürgen schon schrieb. Es sollen möglichst viele Individuen überleben und "normale" Imagos ergeben.
    Auslesezuchten nach bestimmten Farbschlägen kommt bei Insekten rel. selten vor, da man von vielen Arten zwischendurch kaum mal frisches Blut in die Zucht bekommt und der Zuchtstamm dann irgendwann mal den Bach runter geht.
    Ausnahmen sind bes. Formen die auch vor Ort vorkommen, wie zB ein Aglia tau f. melaina, Jürgens Zerynthias und so weiter.
    Bei mir sind es momentan Mimas tiliae f. brunnea, die über die konsequente Verpaarung brauner Tiere eine höhre Nachkommenschaft von braunen Tieren ergeben soll.

    Tschau
    Rudi

    Hallo,

    ähnliches versuche ich auch.größtes Problem ist allerdings,dass eine rückpaarung auf einen elternteil nicht möglich ist,da diese im normalfall ja schon tod sind wenn ihre NZ schüpft.man könnte Geschwisterpuppen der eltern (P) künstlich kühl lagern und zeitgleich mit der F1 schlüpfen lassen .erfordert aber sicherlich viel Fingerspitzengefühl .spontan auftretende farbabweichungenso zu festigen kostet sicher viel Zeit .frisches blut bräuchte man vorerst nicht,solange man einen genügend großen pool hat.soll heißen nicht nur die NZ von 1 weibchen sondern immer mehrere Weibchen und Männchen,auch wenn diese Geschwister sind..

    grüße

    Hallo,

    Also fasse ich mal kurz die Möglichkeiten zusammen...

    1. Durch die passende und optimale "Versorgung" kann der Züchter auf den Schlupf Einfluss nehmen.

    2. Ich kann das Larvenstadium verlängern.Z.B. von L2 auf L3. (scheinbar beeinflusst durch die Fütterung).

    3. Ich kann auf die Raupengröße Einfluss nehmen. Wobei eine große Raupe nicht gleichbedeutend mit großen Schmetterlingen ist.

    4. Ich kann bedingt die Farbgebung verändern aber nur in einem geringen Umfang bzw.die naturgegebenen Vorkommen vermehren.

    5. Theoretisch ist eine Einflussnahme auf das Individuum möglich, praktisch jedoch sehr aufwändig und störanfällig.

    6. Ich paare "starke" Falter miteinander um "starke" zu bekommen. (Die Effekt scheinen mir jedoch gering)

    Lange Zeit dachte man nordamerikanische Braunbären kann man nicht mit Eisbären kreuzen...bis die Natur etwas anderes bewies. Gibt es eigentlich Möglichkeiten Falter verschiedener Gattungen zu kreuzen? Steht in diesem Kontext auch die Hybridenzucht?

    Torsten

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