einheimische züchten

    Hallo,

    Ich bin neu hier und kam zufällig auf dieses Forum. Da ich auch gerne bei den Schmetterlingen, neben Wildbienen und Hummeln, einen Beitrag zur Arterhaltung beitragen möchte kommen hier und da natürlich Fragen auf.

    Mein Insektenhotel das im verwilderten Gartenteil steht, jedes Jahr lockt es weitere Wildbienen an und aus dem Vorjahr schlüpfen welche. Das steht etwa 4-5 Jahre und ich freu mich schon wieder aufs erste summen!!! Jedes Jahr sind mehr Löcher zugekleistert... Das Bild stammt vom ersten Jahr mit noch relativ wenig Besuchern.

    [Blockierte Grafik: http://img697.imageshack.us/img697/8108/bienenhotel.jpg]


    Dann besitze ich noch etwa 9 selbstgebaute Hummelburgen. Bis jetzt kamen leider nur Steinhummeln, Acker und Wiesenhummeln die auch erfolgreich gebrütet haben. Ich liebe diese Tiere!!! Natürlich gab es auch den ein oder anderen Wachsmottenbefall trotz Wachsmottenklappen. Auf das Bakterium gegen Wachsmotten wird absolut verzichtet! Das wäre falsch verstandener Artenschutz und würde auch Raupen von verschiedenen Faltern vernichten!

    Um zum eigentlichen Thema zurück zu kommen. Bei uns gibt es leider keine großen Mengen mehr an Schmetterlingen. Früher hat man relativ häufig welche gesehen, an Buddleja natürlich ohne Ende aber selbst an Buddleja sieht man fast keine mehr!!  :bibber:


    Hinten raus haben wir viel Rasenfläche, Ackerland und teilweise auch noch Naturwiesen. Dort sieht man hauptsächlich Kohlweißlinge aber auch selten Zitronenfalter, Admiral, Distelfalter, Tagpfauenauge und sogar den Schwalbenschwanz ( mit vieeeeeel Glück!).

    Vor zwei Jahren hab ich im verwilderten Gartenteil viel wilde Möhre gesäht in der Hoffnung das sich vielleicht doch ein Schwalbenschwanz hier her verirrt aber leider vergebens. Eine Wiese wurde Jahre lang nicht gemäht und dort wachsen massig Brennessel. Jahr für Jahr erkennt man dort Fraßstellen von Raupen... Ich hoffe dieses Stück wird noch lange unberührt bleiben. Auch auf den Naturwiesen findet man wilde Möhre, Wiesen Schaumkraut etc. Also rundherum um die zukünftige "Zucht" ist eigentlich genug Lebensraum vorhanden aber durch die Landwirtschaft massiv gestört.

    Woher bekommt man (gesunde) Raupen von folgenden Schmetterlingen? Am besten sagt ihr mir mit welcher Art ich anfangen soll. Vielleicht gibt es heiklere Arten....

    Apollo, Schwalbenschwanz, Tagpfauenauge, Segelfalter und Zitronenfalter.

    Über den Zitronenfalter ( mein absoluter Liebling!) hab ich gelesen das dieser vorwiegend an Faulbäumen Eier ablegt. Gibt es noch andere Nahrungsquellen? Bei uns in der Nähe ist ein kleines Moor und rund herum viel Gestrüpp. Da findet sich bestimmt ein Faulbaum.

    Apollo Raupen mögen wohl weissen Mauerpfeffer? Apollos sind bei uns glaub ich ausgestorben zumindest hab ich noch nie einen Live gesehen!

    Nahrung für Raupen des Tagpfauenauge hätte ich massig durch das Brennesselfeld!

    Schwalbenschwanz Raupen lieben Dill und wilde Möhre was ich auch mehr als reichlich bieten könnte.


    Noch eine Frage, bei Wildbienen und Hummeln ist es so das man meist eine Steigerung der Vorkommen im näheren Umfeld erreicht und wahrscheinlich auf Dauer auch im weiteren Umkreis.

    Wie verhält sich das bei Schmetterlingen? Kommen diese vielleicht wieder in die Nähe des Geburtsortes zurück oder fliegen diese einige km weiter und sorgen dort für die nächste Generation ( einfach aus Interesse stellt sich mir diese Frage!)?

    Besten Dank schon mal für die Auskunft,

    Steven

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    Hallo Steven,

    verzichten solltest du auf den Versuch Apollo- oder Schwalbenschwanzraupen zu erwerben - denn diese Arten sind in Deutschland (dort wo sie noch vorkommen) streng geschützt und die Entnahme aus der Natur oder auch die Einfuhr aus anderen Ländern kann mit saftigen Bußgeldern geahndet werden. Das einzige was du für diese Arten tun kannst, ist die entsprechenden Nahrungspflanzen der Raupen bereitzuhalten und hoffen, dass sich vielleicht doch einmal ein Schwalbenschwanzweibchen zu dir verirrt und Eier an die Pflanzen legt. Mit Apollos wirst du wohl wahrscheinlich gänzlich Pech haben :-/

    Was Zitronenfalter angeht, kannst du versuchen die Faulbäume in deiner Umgebung nach Eiern oder Raupen abzusuchen - dasselbe gilt für das Tagpfauenauge. Einfach einmal die Brennesseln absuchen. In den Brennesseln könntest du außerdem die Raupen von Admiralen, Landkärtchen und Füchsen finden. Oft werden auch Eier/Raupen der Brennesselfalter hier in der Börse angeboten - da einfach mal in der entsprechenden Jahreszeit die Augen offenhalten.

    Ob die Falter allerdings am "Geburtsort" bleiben ist fraglich...

    Du hast ein wunderschönes Insektenhotel übrigens :smiling_face:

    Viele Grüße
    Nicole

    Es ist Frühling.
    Die Vögel tun’s.
    Die Bienen tun’s.
    Die Schmetterlinge tun’s.
    Ich möchte auch – aber ich kann nicht fliegen! :falter:

    Hallo Steven,

    wenn Du einige Fenchelpflanzen in Deinem Garten setzt so hast Du mit ziemlicher Sicherheit früher oder später Schwalbenschwanzraupen darauf. Fenchel wird allen anderen Futterpflanzen bevorzugt. Voraussetzung ist natürlich daß sich in der Umgebung weibliche Falter aufhalten. Da der Schwalbenschwanz ein Kulturfolger ist stehen die Chancen gar nicht so schlecht. Die Bilder sind Funde auf Fenchel auf einem Acker vor meinem Haus.

    Werner

    Hi,

    Vielen Dank für Eure hilfreichen Antworten und zugleich stellen sich mir neue Fragen  :grinning_squinting_face:


    Gibt es keine Institutionen die sich dieser Sache angenommen haben und den Apollo, Schwalbenschwanz und andere vom aussterben bedrohte Schmetterlinge offiziell mit Genehmigung der Behörde vor dem aussterben bewahren oder neu ansiedeln? Ich dachte es wird bestimmt offizielle Stellen geben bei denen man Raupen aus garantiert kontrollierter Nachzucht erwerben kann, schade das es nicht so ist. Natürlich sind Naturentnahmen ein absolutes Tabu!

    Aber Behörden und Naturschutz sind immer zweierlei paar Schuh. Ich kenne das von unseren einheimischen Orchideen. Mal angenommen es wird durch ein Orchideengebiet eine Autobahn gebaut dann dürfte man diese Pflanzen nicht entnehmen obwohl das der sichere Tod der Pflanzen ist. Die ganze genetische Vielfalt eines Standortes ist somit dahin....!!


    Es gibt zum Glück viele Orchideenfans die ihren Beitrag zur Arterhaltung der Orchideen beitragen! Die Behörden sind meiner Meinung nach zu straight in Sonderfällen... Oder es ist einfach Unwissenheit dieser.... Unwissenheit schützt vor Aussterben nicht!  :tschuldigung:


    Kennt jemanden den Grund warum ausgerechnet der Apollo großflächig verschwunden ist?


    Wenn ich es richtig auffasse dürfte ich also von allen anderen Schmetterlingen Raupen "sammeln" (außer von Schwalbenschwanz und Apollo) um diesen einen sicheren Unterschlupf zu geben?


    Gibt es eigentlich Statistiken oder Erfahrungen die zeigen wie hoch die Ausfallquoten in der Natur sind und wie hoch bei menschlicher Obhut?


    Mal angenommen man hat 10 Raupen einer Art, wie viele von diesen überleben im Durchschnitt in der Natur bzw. wie viele werden durch Parasiten, Vögel etc. zerstört? Klar kann man das nicht exakt sagen aber vllt gibt es Erfahrungen/Beobachtungen  :daumenja:


    Fenchelpflanzen werden ab diesem Jahr bevorzugt Platz in meinem Garten finden. Das übrige Saatgut wird hinten auf der Wiese verteilt werden die das ganze Jahr nicht gemäht wird...  :winking_face:


    Ein sehr schönes Foto hast du da, die Raupen sind mindestens genauso schön wie der Falter!!!

    Hallo Steven,

    Zitat: Kennt jemanden den Grund warum ausgerechnet der Apollo großflächig verschwunden ist?

    Parnassius Apollo ist hauptsächlich durch Verbuschung und Aufforstung verschwunden. Dadurch ist die Raupenfutterpflanze - Sedum - verschwunden. Auch das Spritzen in Weinbaugebieten hat zum Aussterben beigetragen. Ein übermäßiges Sammeln in schon geschwächten Habitaten hat der Art den Rest gegeben. Auch ein nasses Frühjahr kann eine Population schwächen. Kommen noch die vorhergenannten Ursachen dazu so ist es nicht mehr weit bis zum Verschwinden dieses schönen Falters.

    Werner

    P. S. Zum Glück ist das Problem im Alpenraum noch nicht so groß. In meiner Gegend (Nordtirol) fliegt der Falter noch häufig.

    Das mit den Schwalbenschwänzen wird nicht so genau genommen. Eine Erlaubnis wirst du wohl nicht bekommen, aber es stört auch niemanden, wenn die Schwalbenschwänze züchtest. In der Börse werden regelmäßig Nachzuchten aus ungefährdeten Beständen angeboten.

    Ich würde trotzdem hier in der Börse keine Schwalbenschwänze kaufen, weil man da nie so genau weiß woher sie kommen. Außerdem schreiben viele Verkäufer schon in ihre Angebote hinein, dass sie nicht nach Deutschland versenden, weil es eben verboten ist.

    Viele Grüße
    Nicole

    Es ist Frühling.
    Die Vögel tun’s.
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    Die Schmetterlinge tun’s.
    Ich möchte auch – aber ich kann nicht fliegen! :falter:

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