VWA - Futterversuche

    Hallo,

    Ich muss dieses Jahr beginnen meine Vorwissenschaftliche Arbeit zu schrieben und als Thema würde ich gerne "Auswirkung von verschiedenen Futterpflanzen auf Entwicklung und Farbe der Schmetterlingsraupe" nehmen. Dazu würde ich auch selbst Experimente durchführen, allerdings weiß ich noch nicht welche Art sich am besten eignet. Hat einer von euch Vorschläge bzw schon Erfahrungen damit gemacht wie sich die Verwendung von verschiedenen Futterpflanzen auf Farbe/Größe/Entwicklungsdauer/etc. der Raupen und Falter einer bestimmten Art auswirkt? Und kennt ihr Bücher oder internetseiten die sich mit diesem Thema beschäftigen?
    Hier auf Actias habe ich bis jetzt nämlich nur einen Link dazu gefunden (Daphnis nerii - Oleanderschwärmer - SPHINGIDAE - eine Parallelzucht mit verschiedenen Futterpflanzen).

    Liebe Grüße Julia

  • ANZEIGE

    Hallo Julia,
    wenn ich spontan an eine Art denken soll, die als Raupe wie auch als Falter mit großer Variabilität gesegnet ist, dann kommt mir als allererstes die Hausmutter (Noctua pronuba) in den Sinn. Bei der hättest du auch keine Artenschutzrechtlichen- oder Futterpflanzen-Probleme. Sie frisst viele verschiedene Pflanzen und ist nicht geschützt. Ich weiß allerdings nicht, wie gut sie sich züchten lassen- ein schnelles Überfliegen von Wikipedia sagt mir aber, dass es wohl kein Problem ist (ein Weibchen legt angeblich so 2000-3000 Eier), und auch wenn die Raupen in freier Natur überwintern, so ist das scheinbar kein zwingendes Muss bei der Zucht. Hier würde ich aber noch warten, ob dir nicht ein Züchter direkt Erfahrungen berichten kann- ist immer besser, da etwas aus erster Hand zu haben, anstatt sich auf Wikipedia verlassen zu müssen.
    Zum Thema Oleanderschwärmer: Hast du schon mal Oleanderschwärmer gezüchtet? Ich persönlich hab jetzt schon dreimal versucht, Oleanderschwärmer zu züchten, und jedes Mal sind mir die Raupen eingegangen (zu meinem großen Bedauern- ich schätze es war mal wieder der Virus :frowning_face: )... also die einfachste Einsteigerzucht sind Oleanderschwärmer jedenfalls nicht. Wenn deine Arbeit also vom Erfolg der Zucht und dem Überleben der Raupen abhängt, würde ich dir dringend von Oleanderschwärmern abraten (mal ganz zu schweigen von dem Aufwand, den man betreiben muss um sie überhaupt einmal an Liguster als Futterpflanze zu bekommen... wenn es eine vorwissenschaftliche Arbeit werden soll, dann sollte man hier denke ich schon eine Art nehmen, die von Natur aus verschiedene Futterpflanzen annimmt.
    Wenn es dennoch ein Schwärmer sein soll, hätte ich zu so etwas wie dem Windenschwärmer oder dem mittleren oder kleinen Weinschwärmer angeraten. Da gibt es verschiedenfarbige Raupen, und zumindest ein-zwei verschiedene natürliche Futterpflanzen.

    Zum Thema selbst: Über direkte Zusammenhänge zwischen Futterpflanze und Raupenfarbe weiß ich bisher nichts... nach meiner Erfahrung spielen bei der Färbung viel
    mehr solche Faktoren wie z.B. Temperatur mit rein (den Link zu nicht uninteressanten Publikationen dazu findest du unten :smiling_face: ). Vielleicht willst du ja auch ein paar Temperaturexperimente in deiner Arbeit mitaufnehmen?

    Temperature-induced Variation in Larval Coloration in Danaus plexippus (Lepidoptera: Nymphalidae) | Annals of the Entomological Society of America
    http://www.bioone.org/doi/abs/10.155…CO%5D2.0.CO%3B2

    Liebe Grüße

    Britta

    ich habe zwar keine große Ahnung von der Zucht...
    Den Vorschlag von Britta (Themperaturexperiment) finde ich ganz ok. Hier bietet sich ja das Landkärtchen an.

    Aber warum ich hier schreibe...
    Ich frage mich, ob man die Raupen oder Falter über das Futter einfärben könnte. So wie die bunten Osterküken. Spritzt man da nicht sogar die Farbe ins Ei?
    Was passiert wohl, wenn man dem Kunstfutter Lebensmittelfarbe beimischt??? :pinch: 

    Ja, Landkärtchen ist natürlich der Temperatur-Klassiker :smiling_face: Da sieht man aber glaube ich bei den Raupen nix, oder?

    Thema Einfärben: Kommt auf den Farbstoff an, der verwendet wird. Viele Farbstoffe sind für Raupen giftig- da hat man dann gar nix von. Andere Farbstoffe sind von ihrer Molekularstruktur her zu groß, um tatsächlich "aufgenommen" zu werden... die wandern einmal durch den Darm, kommen hinten raus und das wars. Andere Farbstoffe sind zu instabil- die werden also in der Raupe aufgespalten und weg ist die Farbe. Und mit ein paar wenigen Farbstoffen geht es dann tatsächlich, Raupen einzufärben. Mein Freund hatte da mal ein Experiment mit rotem Farbstoff und Schwammspinnerraupen gemacht- seiner Beschreibung nach waren die Raupen ganz herrlich pink :grinning_squinting_face: Das wurde aber dann mit jeder Häutung weniger- zur Verpuppung war die Farbe weg und die Falterchen haben dann wieder ganz normal ausgesehen.
    Beispiele in der Natur gibt es dazu auch (so pi mal Daumen): z.B. Kohlweisling auf Rotkohl... bringt gar nix: Die Raupen sind trotzdem quietschgrün. Oder wir hatten auch mal Goldafter auf Blutpflaume... kein bisschen Farbe bei Raupe und Falter. Fazit: Einfärben ist echt nicht einfach... dass Farbstoffe über die Nahrung aufgenommen werden und dann zur Färbung der Raupe in der freien Natur beitragen, halte ich für sehr unwahrscheinlich.
    Liebe Grüße
    Britta

    mir würden unendlich viele Experimente einfallen!

    Z.B.:
    - Wird die Metamorphose gestört, wenn man die Puppe permanent dreht?
    - Man kann den Raupen doch auch was beibringen, und schauen, ob sie das als Falter auch noch können.
    - Man könnte ja auch die Puppen täglich mit Lebensmittelfarbe beträufeln.
    - Hungerzuchten. :bibber:

    Hallo,
    Erstmal danke für eure Antworten. Zum Thema Oleanderschwärmer, ich bin kein Zuchteinsteiger mehr und habe schon mehrere Arten bis jetzt immer erfolgreich gezüchtet. Unter anderem eben auch schon mittlere Weinschwärmer, Landkärtchen etc. Ich glaube allerdings nicht, dass beim mittleren Weinschwärmer die Futterpflanze große Auswirkungen auf Färbung oä hätte, weil die Raupe zumindest in den meisten Fällen sowieso bei der letzten Häutung braun wird... Deswegen würde es mich eben eher interessieren wie sich eine, eigentlich nicht natürliche Futterpflanze (wie eben der Liguster beim Oleanderschwärmer) auf diverse Faktoren auswirkt. Also nicht nur auf Farbe sondern auch auf die Größe der Puppen und später der Falter und auf die Dauer des Raupenstadiums. Wie Heiko in seinem Zuchtbericht schon schreibt gibt es da auch Unterschiede.

    Was ich sonst auch interessant fände ist, auf welche Futterpflanze ein Weibchen des mittleren Weinschwärmers Eier ablegt, wenn verschiedene vorhanden sind (immerhin gibt es ja mindestens fünf an denen Weinschwärmer fressen...). Ich habe vor zwei Jahren schon Weinschwärmer gezüchtet und konnte beobachten, dass sie, wenn ich sie von Beginn an mit Springkraut gefüttert habe später zwar Wilden Wein, nicht aber Weidenröschen oder Blutweiderrich angenommen haben. Vielleich könnte ich auch dazu irgendwelche Experimente machen.

    Temperatur- bzw Lichteinfluss wäre auch interessant, aber abgesehen davon dass dazu schon ziemlich viele Experimente gemacht wurden, ist das für mich wahrscheinlich sehr schwer durchführbar. Um das wirklich wissenschaftlich zu machen bräuchte ich ja fast schon ein Labor...

    Das mit Puppen drehen klingt auch interessant, und zu den "Erinnerungsversuchen" habe ich einen interessanten Artikel gefunden (Erinnerung bei Insekten - Was die Raupe lernt, weiß sie auch als Falter noch - Wissen - Süddeutsche.de).

    Lg Julia

    • Offizieller Beitrag

    Hey ihr,

    Also was ich mir am ehesten vorstellen könnte, ist wirklich die Auswirkung verschiedener Futterpflanzen. Hier - vermute ich - hängt der Hauptfaktor jedoch vom Wassergehalt der Blätter ab. Ein atropos, der an saftigen Kartoffelkraut frisst, wird zB als Raupe schneller wachsen, als einer, der trockenen Liguster frisst. Daher würde ich mich, wenn, dann auch auf Arten fixieren, bei denen solch diverse Pflanzen angenommen werden. Weinschwärmer habe ich in meinem Leben zwar schon jede Menge gesehen - aber an wirkliche Unterschiede der Falter kann ich mich jedoch auch nicht erinnern. Könnte mir auch vorstellen, dass hier Weidenrösschen, Wein etc ähnlichen Wassergehalt aufweisen und so nur wenig Auswirkungen haben. Einzig das Springkraut sollte etwas saftiger sein.

    Kommen wir zur Wissenschaftlichkeit :
    Ich versuche gerade meine Bachelor-Arbeit zum Thema Myrmica rubra und Phengaris nausithous... Ich weiß, wie schwierig das teilweise sein kann... :squint:
    Gesetz dem Falle der Pflanzenversuche müsstest du natürlich auch etwas zum vergleichen haben - nur die Art fände ich etwas eingeschränkt. Bestenfalls bräuchtest du dann tatsächlich eine Untersuchung des Wassergehaltes der Blätter der verschiedenen Arten (bzw was sich sonst noch auswirken könnte). Und wie viele Wiederholungen gedenkst du denn zu machen, um wissenschaftlich auswertbar zu bleiben? Könnte mir vorstellen, das ganze könnte bei Schwärmern tatsächlich fast etwas sehr aufwendig werden, wenn du pro Versuch auch eine geeignete Anzahl an Wiederholungen einhalten möchtest :grinning_face_with_smiling_eyes:

    LG,
    Toni

    Rechtschreibefehler sind gewollt und dienen zum Test der Leseaufmerksamkeit und Erheiterung des Forums :winking_face:

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!