Es ist wahr, auf Europa habe ich mich bezüglich des Zitats nicht bezogen, da gibt es nichts mehr zu retten an urspr. Landschaft (außer in Bielowieza). Ich muss Dir aber widersprechen, wenn Du sagst, es gäbe Wald überall, tatsächlich sind die Wälder früher weniger dicht gewesen (Megafauna läßt grüßen) und mosaikartig in verschiedene Sukzessionsstadien gegliedert, wie sonst kämen die ganzen lichthungrigen Wald-Arten in unsere Landschaft? Da gibt es einige gute Artikel drüber.
Auch muss einem klar sein, dass die von uns so hochgelobten Habitate, also Trockenrasen usw., im Grunde nur frühsukzessionale Flecken sind, die unter hohem Energieaufwand (!) ständig gestört werden müssen, um zu persistieren. Das wäre nicht nötig, wenn wir noch große unberührte Landschaften hätten, die ihre Mosaikstruktur ausbilden könnten und damit kleinräumig auch Primärstandorte dieser Qualität hervorbringen würden. Heute wird Naturschutz nur nach dem Motto "möglichst artenreich" betrieben, ohne auf regionale und lokale Eigenarten einzugehen - was nicht selten bedeuten würde, auf die eine oder andere Art zugunsten einer authentischen Lebensgemeinschaft zu verzichten.
Was meinen Spruch angeht, so ist gerade das Nebelwaldbeispiel ein schlechtes, denn: dieser Wald ist aufgrund der Störung kein urspr. Habitat mehr und damit weniger divers (Diversität vereinigt Artenreichtum mit Abundanzen) als ein Primärwald. Tatsache ist, dass Habitate degenerieren, sobald menschliche Aktivitäten das natürliche Gefüge verändern. Natürlich ist jedem klar, dass ein teilweise genutzter Wald besser ist als eine Eukalyptus- oder Teak-Monokultur, keine Frage. Man muss aber immer eine recht große Kernzone haben, die aus Primärwald besteht und damit als Refugium, der die umliegenden Regionen mehr oder weniger starker Nutzung immer wieder mit Arten "impft". Dann kann dieses nachhaltige Konzept funktionieren, ja selbst Mischkulturen in der Nähe können sehr artenreich sein, für Laien sehen diese sogar oft artenreicher aus als der Wald selbst. Das Problem ist, es funktioniert nur dann, wenn man eine unberührte Kernzone hat, hat man diese nicht, wird der Wald oder was auch immer da ist auf lange Sicht verarmen. Daher stimmt der Spruch "use it or lose it" eben nicht oder nur bedingt, nämlich wenn man auch Kernzonen ohne "usage" übrigläßt. Übrigens ist auch Brandrodung eine durchaus sinnvolle Landwirtschaftsform für die Tropen, sie macht nur Probleme, wenn der zyklische Feldbau aufgrund von Überbevölkerung zu einem Feldbau "in breiter Front" wird. Aber das führt jetzt zu weit.
VGC